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Ungleiche Bildungschancen in Deutschland

Wieso, Weshalb, Warum?

Title: Ungleiche Bildungschancen in Deutschland

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 25 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Peter Brüstle (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Eines der tragenden Fundamente jedes modernen Staates ist sein Bildungswesen. Niemand müsste das besser wissen, als die Deutschen. Der Aufstieg Deutschlands in den Kreis der großen Kulturnationen wurde im neunzehnten Jahrhundert durch den Ausbau der Universitäten und der Schulen begründet [...] Jetzt aber ist das Kapital verbraucht: [...] es steht ein Bildungsnotstand bevor, den sich nur wenige vorstellen können. (Picht)Was Georg Picht schon Mitte der 60er Jahre für das deutsche Bildungssystem konstatierte, ist heute so aktuell wie vor der großen Bildungsexpansion. Die aktuelle Lage ist jedoch nicht nur von Bildungsnotstand, sondern vor allem auch durch ungleiche Chancen an der Bildungsbeteiligung geprägt.
Vorwiegend die Bildungsexpansion der 70er Jahre und die These einer dadurch erfolgten Bildungsination in den 90ern hatten die Illusion genährt, dass mit der Expansion der besser qualizierenden Schulformen im weiterführenden Schulwesen der Abbau von Benachteiligung nach Herkunft erreicht sei (Gogolin 35). Unter Bildungstheoretikern war zwar seit Picht immer wieder auf den kritischen Zustand des Bildungssytems hingewiesen worden (z.B. Lutz (1983), Klemm (1990)), doch waren ihre Warnungen überhört worden. Schließlich war es vor allem die PISA-Studie im Jahr 2000, die die Öffentlichkeit aus ihrem Glauben riss, das deutsche Bildungssystem sei hoch qualizierend und garantiere gleiche Chance auf Bildungserwerb. Seitdem geistert das Gespenst PISA durch Feuilletons und bildungspolitische Debatten. Unter dem eindringlichen Titel:Bildung, Bildung, Bildung!hat Jutta Allmendinger jüngst in der Zeit ein Plädoyer für Investition in gerechte Bildung verabschiedet, in dem sie vor allem auf den Zusammenhang zwischen Bildungsarmut und Arbeitslosigkeit hinweist.
Einiges spricht für eine gezielte Investition in Bildung und dafür, sich erneut Gedanken über die Chancen der Bildungsteilhabe zu machen. Deshalb werde ich in dieser Arbeit die in den letzten Jahren kontrovers geführten Debatten auswerten und das Projekt Bildung auf bestehende Ungleichheiten untersuchen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zum Wert von Bildung

2.1 Warum Chancengleichheit?

2.2 Bildungsarmut, Berufsqualifikation und soziale Positionierung

2.3 Soziale und kulturelle Selbstverwirklichung

2.4 Demokratische Partizipation

3 Zur Beschreibung von Bildungsungleichheit

3.1 Pierre Bourdieu und die soziale Reproduktion kulturellen Kapitals

3.2 Die Übertragung von Bourdieus Ansatz auf das deutsche Bildungssystem durch Michael Vester

3.3 Die PISA-Studie

4 Bestehende Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem

4.1 Soziale Herkunft bedingt Bildungserfolg

4.2 Selektion durch das dreigliedrige Schulsystem?

4.3 Benachteiligung von Migrantenkindern

5 Ansätze zur Verbesserung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ursachen und Erscheinungsformen ungleicher Bildungschancen in Deutschland und analysiert, wie soziale Herkunft und Bildungsstrukturen den Bildungserfolg beeinflussen, um daraus Perspektiven für ein gerechteres Bildungssystem abzuleiten.

  • Bedeutung von Bildung für Individuum und Gesellschaft
  • Theoretische Fundierung durch Pierre Bourdieu und Michael Vester
  • Kritische Analyse der PISA-Studie und deren Befunde
  • Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungsselektion
  • Herausforderungen für Migrantenkinder im Schulsystem
  • Internationale Lösungsansätze zur Bildungsförderung

Auszug aus dem Buch

3.1 Pierre Bourdieu und die soziale Reproduktion kulturellen Kapitals

Bourdieus Theorie über die Reproduktion gesellschaftlicher Strukturen durch das Bildungssystem selbst und der damit verbundene Begriff des kulturellen Kapitals ist seit den siebziger Jahren aus bildungssoziologischen Debatten nicht mehr wegzudenken (vgl. Hansen/Pfeiffer 61; Krais 200). Seine bildungssoziologische Untersuchungen beschäftigen sich, grob gesagt, mit den Zugangsbedingungen zu Bildungsprozessen und dem Erwerb von kulturellem Kapital. Von klassischen Theorien setzt sich Bourdieu ab, indem er auf die Rolle hinweist, die das Unterrichtssystem selbst bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit spielt. Klassische Theorien hingegen unterlägen dem Fehler, „die Funktion einer kulturellen Reproduktion, die jedem Unterrichtssystem obliegt, von seiner Funktion der sozialen Reproduktion zu trennen“ (Bourdieu 96).

Um die soziale Lage von Individuen und Klassen zu beschreiben (Krais 210), benutzt Bourdieu den Begriff des Kapitals, über das Individuen verfügen. Er unterscheidet drei Arten von Kapital: das ökonomische, das kulturelle und das soziale Kapital. Diese Kapitalarten werden laut Bourdieu eingesetzt, um sich soziale Aufstiegschancen zu verschaffen und sich in der sozialen Hierarchie zu verorten. Mit ökonomischem Kapital bezeichnet Bourdieu alle Formen materiellen Reichtums. Das kulturelle Kapital existiert in drei Formen: in objektivierter Form etwa in Büchern, Kunstwerken oder technischen Geräten (Computer, Internetzugang); in inkorporierter Form in kulturellen Fähigkeiten, Äußerungen und Wahrnehmungsformen, die sich das Individuum im Laufe der Zeit angeeignet hat; und in institutionalisierter Form durch den Erwerb von schulischen und akademischen Zeugnissen und Titeln. Drittens schließlich steht das soziale Kapital für das Netz an sozialen Beziehungen, über die ein Individuum verfügt (vgl. Bohn/Hahn 263f).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den historischen und aktuellen Bildungsnotstand in Deutschland und skizziert die leitenden Fragestellungen der Arbeit hinsichtlich Bildungswert und Ungleichheit.

2 Zum Wert von Bildung: Dieses Kapitel erörtert die normativen Grundlagen der Chancengleichheit und beleuchtet die Funktionen von Bildung in den Bereichen Berufsqualifikation, Selbstverwirklichung und demokratische Teilhabe.

3 Zur Beschreibung von Bildungsungleichheit: Hier werden theoretische Ansätze von Pierre Bourdieu und Michael Vester sowie die Methodik der PISA-Studie eingeführt, um Bildungsungleichheit wissenschaftlich zu analysieren.

4 Bestehende Ungleichheiten im deutschen Bildungssystem: Das Kapitel untersucht empirische Befunde zu Bildungsunterschieden, insbesondere bezüglich sozialer Herkunft, der Selektivität des Schulsystems und der spezifischen Benachteiligung von Migrantenkindern.

5 Ansätze zur Verbesserung: Der abschließende Teil diskutiert Möglichkeiten zur Reform des Bildungssystems, wobei internationale Beispiele wie Schweden oder Norwegen als Orientierung für eine gerechtere Bildungsförderung dienen.

Schlüsselwörter

Bildungschancen, Chancengleichheit, Bildungsungleichheit, Kulturelles Kapital, Pierre Bourdieu, PISA-Studie, Soziale Herkunft, Selektion, Schulsystem, Bildungsarmut, Migrantenkinder, Bildungsreform, Bildungssoziologie, Soziale Positionierung, Reproduktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Problematik ungleicher Bildungschancen in Deutschland und setzt sich kritisch mit den gesellschaftlichen und strukturellen Ursachen dieser Disparitäten auseinander.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind der Wert von Bildung für die Gesellschaft, der Einfluss des kulturellen Kapitals nach Bourdieu, die Auswirkungen des dreigliedrigen Schulsystems und die spezifische Situation von Migrantenkindern.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, auf Basis theoretischer Modelle und empirischer Daten wie der PISA-Studie aufzuzeigen, wie Bildungssysteme soziale Ungleichheiten perpetuieren und welche Reformansätze zu einer höheren Bildungsgerechtigkeit führen könnten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Theorieanalyse, basierend auf soziologischen Ansätzen (insbesondere von Pierre Bourdieu und Michael Vester) sowie einer Auswertung empirischer Bildungsstudien wie PISA und der LAU-Studie.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Bildungsungleichheit und die konkrete Analyse bestehender Ungleichheiten in Deutschland, unterteilt nach Herkunft, Schulformselektion und Migrationshintergrund.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Bildungsgerechtigkeit, kulturelles Kapital, soziale Reproduktion, Selektivität und Bildungsarmut definieren.

Wie unterscheidet sich die theoretische Perspektive von Pierre Bourdieu von der PISA-Studie?

Während die PISA-Studie primär auf die Messung von kognitiven Kompetenzen und Bildungsabschlüssen fokussiert, bietet Bourdieu einen breiteren soziologischen Rahmen, der die Vererbung von Bildungsressourcen und die Rolle des elterlichen Kapitals stärker in den Vordergrund stellt.

Warum wird das dreigliedrige Schulsystem im Dokument kritisch betrachtet?

Das System wird als Selektionsinstrument kritisiert, das Kinder zu früh in starre Leistungsgruppen einteilt, anstatt heterogene Lernumgebungen zu fördern, die laut internationalem Vergleich leistungsfördernder wirken.

Welche Rolle spielt die Sprache bei der Benachteiligung von Migrantenkindern?

Die Beherrschung der Schulsprache wird als entscheidende Hürde identifiziert; Kinder aus bildungsfernen Familien haben es schwerer, die spezifische Fachsprache der Schule zu erwerben, was ihre Bildungschancen massiv einschränkt.

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Details

Title
Ungleiche Bildungschancen in Deutschland
Subtitle
Wieso, Weshalb, Warum?
College
University of Freiburg  (Institut für Soziologie)
Course
Neue Theorien sozialer Ungleichheit
Grade
1,7
Author
Peter Brüstle (Author)
Publication Year
2006
Pages
25
Catalog Number
V70478
ISBN (eBook)
9783638808965
Language
German
Tags
Ungleiche Bildungschancen Deutschland Neue Theorien Ungleichheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Brüstle (Author), 2006, Ungleiche Bildungschancen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70478
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