Finanzierung junger Unternehmen


Seminararbeit, 2005

46 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1 Finanzierungs- und kapitalerfordernisse junger unternehmen
1.1. Liquiditäts- und Finanzplanung
1.2. Optimale Finanzierungsstruktur
1.3. Entwicklung der Kapitalstruktur im Zeitablauf

2 Finanzierungsbarrieren und Gewinnung geeigneter Investoren
2.1. Probleme der Hausbank-Finanzierung
2.2. Business Plan als Visitenkarte des Unternehmens

3 Finanzierungsformen
3.1. Traditionelle finanzierungsmöglichkeiten
3.1.1. Innenfinanzierung
3.1.2. Außenfinanzierung
3.2. Ausgewählte fianzierungsinstrumente für start-up-unternehmen
3.2.1. Venture-Capital-Gesellschaften
3.2.2. Business Angels (Privatinvestoren)
3.2.3. Mezzanine-Kapital
3.2.4. Fördermittel

literaturverzeichnis

anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen des Lebenszyklusmodells einer Unternehmung

Abbildung 2: Entwicklung der Kapitalstruktur und der Gewinnerwartung eines Unternehmens im Zeitablauf

Abbildung 3: Vergleich zwischen Eigen- und Fremdkapital anhand ausgewählter Kriterien

Abbildung 4: Schematische Einteilung der Finanzierungsalternativen eines Unternehmens

Abbildung 5: Typen von Business Angels

Abbildung 6: Merkmale von Mezzanine-Kapital

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Finanzierung junger Unternehmen.

Dabei wird zunächst auf die Kapitalerfordernisse von Start-up-Unternehmen und ihre Veränderung im Zeitablauf eingegangen. Im zweiten Kapitel werden Probleme der Hausbank-Finanzierung betrachtet und Business Pläne als Mittel zur Überzeugung und Gewinnung potentieller Investoren vorgestellt. Der Schwerpunkt dieser Arbeit bezieht sich auf Finanzierungsinstrumente, die zur Deckung des Kapitalbedarfs junger Unternehmen geeignet sind. Im dritten Kapitel werden deshalb zunächst die traditionellen Finanzierungsformen der Außen- und Innenfinanzierung erläutert; anschließend werden ausgewählte Finanzierungsinstrumente speziell für Start-up-Unternehmen diskutiert.

1. FINANZIERUNGS- UND KAPITALERFORDERNISSE JUNGER UNTERNEHMEN

1.1. Liquiditäts- und Finanzplanung

Junge Unternehmen weisen aufgrund hoher Produktentwicklungs-, Markterschließungs- und Unternehmensaufbaukosten einen sehr hohen Kapitalbedarf auf. Dabei hängt der Finanzierungsbedarf wesentlich von der konkreten Unternehmensentwicklung und der Branche ab.[1] Dienstleistungsunternehmen beispielsweise müssen vor der Aufnahme der Geschäftstätigkeit weitaus weniger Kapital einsetzen als Industrie oder Technologieunternehmen. Die Stärke des angestrebten Unternehmenswachstums, eine höhere Kapitalintensität der Technologien, der Neuigkeitsgrad des Leistungsangebotes, der Innovationsgrad der Geschäftsidee und die Größe der Zielmärkte können ebenfalls die Höhe des Kapitalbedarfs in den ersten Wachstumsphasen des Unternehmens beeinflussen. Da zu Beginn noch keine laufenden Erlöse erzielt werden, muss die Unternehmensgründung vorfinanziert werden. Die Eigenmittel der Gründer reichen oft bereits in der ersten Entwicklungsphase nicht mehr aus, um diesen Finanzierungsbedarf zu decken. Viele Jungunternehmer schätzen außerdem ihren Kapitalbedarf falsch ein und planen ihre Liquidität dementsprechend falsch. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Finanzierungsprobleme die häufigste Insolvenzursache für junge Unternehmen sind.[2]

Um diese Schwierigkeiten zu vermeiden, müssen der zukünftige Kapitalbedarf und die dazugehörigen Finanzierungsalternativen vorausschauend geplant werden. Vor der Aufnahme der Selbständigkeit sollten daher ein Kapitalbedarfsplan (Liquiditätsplan) und ein dazugehöriger Finanzierungsplan sorgfältig erstellt werden.

Das primäre Ziel der Liquiditäts- und Finanzplanung besteht in der Ermittlung des Kapitalbedarfs für die Gründung und die ersten Entwicklungsphasen sowie in der Planung und laufenden Überwachung der Liquiditätsentwicklung.[3] Dazu werden alle zur Verfügung stehenden Finanzierungsalternativen bewertet, um sie anschließend zu einer – aus Sicht des Unternehmers - bestmöglichen Kapitalstruktur zu kombinieren.

Der Finanzierungsplan wird im Rahmen der Unternehmensgründung erstellt und dient als

Verhandlungsgrundlage für Finanzierungsgespräche mit Kapitalgebern im Rahmen der Fremdfinanzierung. Außerdem wird er als Kontrollgrundlage für die Überwachung der Liquidität und für das innerbetriebliche Rechnungswesen genutzt, wobei nicht nur die korrekte Höhe, sondern auch die richtige Fristigkeit des Kapitalbedarfs bedacht werden muss.

Eine detaillierte Liquiditätsplanung und eine ständige Überwachung der Finanzmittel sind unabdingbar, um Liquiditätsschwierigkeiten rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern

1.2. Optimale Kapitalstruktur

Als Kapitalstruktur bezeichnet man das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital im Unternehmen. Bei der Gestaltung der Kapitalstruktur wird oft die Frage nach einer optimalen Mischung von Fremd- und Eigenfinanzierung diskutiert. Man möchte denjenigen Verschuldungsgrad realisieren, bei dem die durchschnittlichen Gesamtkapitalkosten aus Sicht des Unternehmens am niedrigsten sind. Dazu wurden einige unterschiedliche Ansätze entwickelt:

Der traditionelle Ansatz: Dieser Ansatz geht davon aus, dass ein optimaler Verschuldungsgrad erreicht werden kann, bei dem die durchschnittlichen Gesamtkapitalkosten minimal sind. Die Finanzstruktur kann durch Substitution des (relativ teureren) EK durch das (relativ billigere) FK bis zu einem gewissen Grad optimiert werden.[4]

Das Modigliani-Miller-Theorem: Diese These vertritt die Ansicht, dass der Marktwert eines Unternehmens (bezogen auf das Kapital) unabhängig von der Kapitalstruktur ist und sich die durchschnittlichen Kapitalkosten nicht durch Veränderungen des Verschuldungsgrades beeinflussen lassen. Es gibt demnach keinen optimalen Verschuldungsgrad, da private Anleger (Aktionäre) die ihnen optimal erscheinende Kapitalstruktur selbst herstellen können, indem sie durch ausgleichende Arbitrageprozesse die Verschuldung der Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, korrigieren. Die Gesamtkapitalkosten bleiben im gewogenen Durchschnitt konstant.[5]

Leverage-Effekt: Der Leverage-Effekt („Hebel-Effekt“) besagt, dass die Rentabilität des im Unternehmen eingesetzten EK abhängig vom Anteil der Fremdfinanzierung ist. Die EK-Rendite lässt sich durch zunehmende Verschuldung steigern, solange die Gesamtkapital-Rendite größer ist als die zu zahlenden FK-Zinsen.[6] Es kann lohnender sein den Finanzbedarf durch die Aufnahme von FK statt durch Selbstfinanzierung zu decken.

Im Sinne einer optimalen Kapitalstruktur sollte das Anlagevermögen durch EK finanziert werden und die Laufzeit eines Darlehens die Nutzungsdauer des dafür angeschafften Wirtschaftsguts nicht übersteigen.[7] Die Finanzierung des Umlaufvermögens sollte so aufgebaut sein, dass die Fremdmittel Veränderungen des Umlaufvermögens (z.B. durch saisonale Einflüsse) problemlos angepasst werden können.

1.3. Entwicklung der Kapitalstruktur im Zeitablauf

Der Kapitalbedarf hängt von der Lebensphase ab, in der sich das Unternehmen befindet. Mit Hilfe des sogenannten Lebenszykluskonzeptes kann die Entwicklung einer Unternehmung in idealtypische Phasen eingeteilt werden, anhand derer sich die Kapitalerfordernisse und geeigneten Finanzierungsalternativen im Zeitablauf ableiten lassen.

Die einzelnen Phasen können nur idealtypisch unterschieden werden. In der Realität sind sie nicht eindeutig voneinander zu trennen, da die Übergänge fließend sind.[8]

In der Literatur werden i.d.R. folgende Abfolgen von Entwicklungsphasen unterschieden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Phasen des Lebenszyklusmodells[9]

Seed-Phase: In der ersten Zyklusphase wird die Unternehmensgründung vorbereitet und Unternehmenskonzepte erstellt. Es werden detaillierte Business Pläne erarbeitet, Markt-, Zeit- und wirtschaftliche Zielvorgaben formuliert, grundlegende Forschungs- und Entwicklungsaufgaben durchgeführt und – falls notwendig - erste Prototypen entwickelt und getestet. Kosten entstehen vorwiegend für Beratungsleistungen, behördliche Genehmigungen und Eintragungen, die Aufstellung des Gesellschaftervertrages und die Firmenanmeldung.

Start-up-Phase: Die Start-Up-Phase – oft auch als „Early Stage“ bezeichnet[10] - umfasst die eigentliche Unternehmensgründung, den Bezug von Räumlichkeiten, den Aufbau von Organisationsbereichen - insbesondere Produktion und Vertrieb - sowie das Einstellen von Personal. Der Fertigungsaufbau ist aufgrund hoher Investitionen in Maschinen, Anlagen und Gebäude sehr kostenintensiv; des Weiteren müssen Löhne, Rohstoffe und Materialien vorfinanziert werden, bevor erste Umsätze erzielt werden können.[11] Der Kapitalbedarf ist insgesamt wegen hoher Fixkosten für Maschinen, Räumlichkeiten und Personal weitaus größer als in der Seed-Phase.

Expansionsphase (1st, 2nd, 3rd Stage): In der Expansionsphase erwirtschaftet das Unternehmen erste Gewinne und versucht zunächst seine Machtposition zu festigen. Das Kapital wird vorwiegend für die Produktionsaufnahme und die Markteinführung benötigt.[12] Diese Phase wird oft in drei Teile zerlegt, anhand derer der Kapitalbedarf konkretisiert werden kann:[13]

First-Stage: Finanzierung der Produktion bis hin zur Einführung des Produktes am Markt.

Second-Stage: Finanzierung der sich an die Produkteinführung anschließenden Markterschließung und –durchdringung.

Third-Stage: Finanzierung der Produktionsausweitung, Erweiterung der Produktpalette und evtl. Erschließung neuer Absatzmärkte.

Bridge-Phase: Die Bridge-Phase wird von Unternehmen durchlaufen, die über einen Börsengang nachdenken, um dadurch eine weitere Finanzierungsquelle zu erschließen. Sie umfasst die Zwischenfinanzierung aller Vorbereitungen zum Börsengang der Erstemission der Unternehmensaktien.

MBO / MBI-Phase (Late- und Divesting-Stage): In dieser Phase werden Akquisitionen, Gesellschafterwechsel, Nachfolgeregelungen und Unternehmenssanierungen finanziert.[14] Verkauft der Unternehmensgründer seine bisher gehaltenen Anteile spricht man von „Divesting Stage“. Die Begriffe MBO / MBI beschreiben die Unternehmernachfolge durch Gesellschafterwechsel. Wenn das Unternehmen durch im eigenen Haus vorhandene Manager übernommen wird, handelt es sich um ein „Management-Buy-Out“ (MBO); beim „Manager-Buy-In“ (MBI) erfolgt der Unternehmensverkauf an ein externes Management.

Es ist nicht unbedingt sinnvoll, Unternehmen vollständig mit EK auszustatten. Um die Vorteile der EK-Finanzierung in den Gründungsphasen mit den Möglichkeiten der Renditesteigerung durch den Leverage-Effekt zu kombinieren, sollte die Kapitalstruktur von der Lebensphase abhängen.[15] Der Kapitalbedarf kann erst durch die Kombination unterschiedlicher Finanzierungsquellen für FK und EK bestmöglich gedeckt werden. Die optimale Kapitalstruktur und die Gewinn- und Verlusterwartungen eines jungen Unternehmens im Zeitablauf können grafisch folgendermaßen dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Entwicklung der Kapitalstruktur und der Gewinnerwartung im Zeitablauf[16]

In den ersten Lebensphasen sind Bankkredite aufgrund fehlender Sicherheiten und des hohen Fehlschlagrisikos für neu gegründete Unternehmen i.d.R. schwer erhältlich. Der Kapitalbedarf wird vorwiegend über EK gedeckt. FK ist erst in späteren Phasen erhältlich, da zu diesem Zeitpunkt die Renditechancen und der Produkterfolg besser abgeschätzt werden können.

Das EK wird somit im Zeitablauf immer mehr durch FK und Mezzanine Kapital ersetzt. Der Break-Even Punkt wird meistens erst in der Expansionsphase erreicht. Der hohe EK-Anteil in den ersten Phasen wird zur Ausnutzung des Leverage-Effektes im Zeitablauf reduziert. In der Expansionsphase kann der Leverage-Effekt optimal ausgenutzt werden. Im Falle eines Börsengangs (Late Stage) steigt die EK-Quote wieder sprunghaft an.

Man beachte, dass die oben eingezeichneten Kurvenverläufe empirisch nicht exakt bestätigt sind und nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden können.

2. FINANZIERUNGSBARRIEREN UND GEWINNUNG GEEIGNETER INVESTOREN

2.1. Probleme der Hausbank-Finanzierung

Die Finanzierung junger oder neu gegründeter Start-up-Unternehmen ist mit einem hohen Kreditausfallrisiko behaftet. Zum einem können junge Unternehmen keine verlässlichen Vergangenheitsdaten in Form von Jahresabschlüssen oder Gewinn- und Verlustrechnungen vorlegen, anhand derer man ihre zukünftige Entwicklung voraussagen könnte. Die zukunftsbezogene Beurteilung der Ertragschancen ist gerade in jungen, dynamischen Geschäftsfeldern von Ungewissheit geprägt. Zum Anderen Seite verfügen junge Unternehmen nicht über ausreichende Kreditsicherheiten, die zum Ausgleich des Ausfallrisikos herangezogen werden könnten.

Die Finanzierung junger Unternehmen ist aus Bankensicht wenig rentabel, da einer geringen Gewinnmarge für kleine Kreditbeträge hoher Beratungsaufwand und großes Ausfallrisiko gegenüberstehen.[17] Banken sind bezüglich der Gründungsfinanzierung demnach sehr konservativ und risikoscheu eingestellt.[18] Eine Kreditfinanzierung, die den spezifischen Risiken der Innovationsfinanzierung Rechnung trägt, ist deshalb – wenn überhaupt - nur zu sehr hohen Zinsen möglich.

Kleine, junge Unternehmen haben außerdem einen wesentlich schwierigeren Zugang zu traditionellen Bankenkrediten als große, etablierte Firmen. Sie müssen i.d.R höhere Zinszahlungen leisten und haben Schwierigkeiten eine Finanzierung zu finden, die auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten großer und kleiner Unternehmen besteht eine deutliche Kluft („Gap“).[19] Fraglich ist in diesem Zusammenhang, warum Kreditinstitute vorzugsweise etablierte Unternehmen finanzieren. Gerade in der Gründungsfinanzierung liegt ein großes Potential für eine sich anschließende lange Firmenkundenbeziehung mit zahlreichen Möglichkeiten für Cross-Selling weiterer Bankprodukte.

Banken können die Problemlage junger Unternehmen, sowie die technologische Machbarkeit innovativer Produktideen häufig nicht nachvollziehen.[20] Um das Vertrauen der Kreditinstitute und sonstiger Kapitalgeber zu gewinnen und um sie von der zu finanzierenden Geschäftsidee zu überzeugen, müssen Jungunternehmer einen schlüssigen, anschaulichen und seriösen Geschäftsplan, den sogenannten „Business Plan“, präsentieren können.

2.2. Business Pläne als Visitenkarte des Unternehmens

Ein Business Plan enthält eine detaillierte Beschreibung der Geschäftsidee sowie alle Ziele, Strategien, Vorhaben und geplanten Maßnahmen eines Unternehmens für einen bestimmten Zeitraum. Außerdem gibt er Auskunft über die voraussichtliche Finanzierung des Kapitalbedarfs.

Die Präsentation des eigenen Unternehmens und der zu realisierenden Geschäftsidee spielt bei der Suche nach Beteiligungspartnern eine entscheidende Rolle. Das Management muss in der Lage sein, potentiellen Geldgebern vermitteln zu können, warum eine Beteiligung an dem Unternehmen gerechtfertigt wäre und den Investor davon überzeugen, dass diese Geldanlage rentabel ist[21].

Der Business Plan dient deshalb dazu potentielle Investoren von der Geschäftsidee und einem zukünftigen Erfolg des Geschäftsvorhabens zu überzeugen. Er ist sozusagen „die Visitenkarte des Unternehmens“.[22]

Der Geschäftsplan sollte professionell aufbereitet und auf die jeweilige Zielgruppe (bspw. Bank, Venture Capital Gesellschaft, privater Kapitalgeber) mit ihrem spezifischen Informationsbedarf abgestimmt sein. Der Gründer sollte den Business Plan allerdings selbst erstellen, um in der Lage zu sein, in einem Gespräch mit potentiellen Investoren alle Fragen selbst kompetent beantworten zu können.

Für die Formulierung des Business Plans gibt es keine verbindlichen Regeln.[23] Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der Plan originell und zugleich übersichtlich gestaltet ist. Die Informationen sollten anschaulich aufbereitet werden und das Gesamtkonzept verständlich vermitteln. Die tatsächliche wirtschaftliche Situation des Unternehmens muss offen und richtig dargestellt werden und die Gesamtdarstellung aussagekräftig, ehrlich und seriös wirken. Dabei sollte auf zu detaillierte Planzahlen verzichtet werden, da sie den Leser mit überflüssigen Informationen überlasten und eine genau planbare Geschäftsentwicklung vortäuschen. Die Finanzplanung hingegen muss ausführlich und durchdacht wirken. Ebenso sind umständliche Formulierungen mit vielen (technischen) Fachbegriffen unerwünscht. Neben dem Unternehmensprofil und der Geschäftsidee sollte ein guter Geschäftsplan auch das Management mit seinen fachlichen Kompetenzen, aber auch möglichen Schwächen realistisch und ohne Übertreibung präsentieren.[24]

Es fällt auf, dass die Vorschläge zum Aufbau eines Geschäftsplanes -abhängig von der Literaturquelle- zum Teil erheblich voneinander abweichen. Man kann nicht einem roten Faden folgend einen „optimalen Business Plan“ erstellen. Es sollte deshalb darauf geachtet werden, dass der Business Plan auf die Adressaten speziell zugeschnitten ist und zum eigenen Unternehmensauftritt passt.

3. FINANZIERUNGSFORMEN

Im folgenden Kapitel werden zunächst die traditionellen Finanzierungsformen der Außen- und Innenfinanzierung erläutert. Anschließend werden zwei Formen der Beteiligungsfinanzierung, sowie Mezzanine-Kapital und Förderprogramme als Alternativen zur Deckung des Kapitalbedarfs junger Unternehmen vorgestellt.

3.1. TRADITIONELLE FINANZIERUNGSMÖGLICHKEITEN

Die Finanzierungsalternativen eines Unternehmens werden üblicherweise nach der Mittelherkunft oder der Rechtsstellung der Kapitalgeber (bzw. der Kapitalart) unterschieden.[25]

Anhand der Rechtsstellung der Kapitalgeber unterscheidet man Eigen- und Fremdfinanzierung. Eigenfinanzierung umfasst die Erhöhung des EK einer Unternehmung, während bei einer Fremdfinanzierung hingegen FK eingebracht wird.

Die wesentlichen Unterschiede zwischen Eigen- und Fremdkapital stellt Abbildung 3 anhand ausgewählter Kriterien knapp dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Vergleich zwischen Eigen- und Fremdkapital anhand ausgewählter Kriterien[26]

Nach dem Kriterium der Mittelherkunft werden Finanzierungsformen in Außen- und Innenfinanzierung unterteilt. Bei der Außenfinanzierung wird Kapital „von Außen“ in das Unternehmen zugeführt, bspw. in Form von Krediten, Beteiligungen oder zusätzlichen Einlagen der Gesellschafter. Im Rahmen der Innenfinanzierung wird das Kapital innerhalb der Unternehmung beschafft, z.B. durch thesaurierte Gewinne oder aufgelöste Rückstellungen.

Abbildung 4 verdeutlicht diese schematische Einteilung der Finanzierungsalternativen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Finanzierungsarten[27]

3.1.1. Innenfinanzierung

Selbstfinanzierung: Die Selbstfinanzierung erfolgt durch die Einbehaltung von erzielten Gewinnen im Unternehmen (Gewinnthesaurierung).

Wird ein Überschuss einbehalten, der in der Bilanz und GuV ausgewiesen wurde, spricht man von offener Selbstfinanzierung. Eine stille Selbstfinanzierung hingegen liegt dann vor, wenn der verwendete Gewinn nicht aus dem Jahresabschuss ersichtlich ist. Dieser nicht ausgewiesene Gewinn entsteht durch die Bildung stiller Reserven mit Hilfe von Bewertungs- und Bilanzierungsmaßnahmen. Die stillen Reserven werden durch eine Unterbewertung der Aktiva –bspw. durch nicht aktivierte oder niedriger angesetzte Vermögensgegenstände-, oder eine Überbewertung der Passiva –bspw. durch überbewertete Rückstellungen- geschaffen.[28]

Der Hauptvorteil der Selbstfinanzierung liegt darin, dass dem Unternehmen keine Liquiditätsabflüsse durch laufende Zins- und Tilgungszahlungen entstehen und die EK-Decke erhöht wird. Außerdem werden keine externen Kapitalgeber eingebracht, die an unternehmerischen Entscheidungen beteiligt sein wollen.

Nachteilig ist zu erwähnen, dass die einbehaltenen Gewinne zu höheren Ertragssteuern führen und die Höhe der Selbstfinanzierung begrenzt ist, da große Gewinnüberschüsse in den ersten Jahren nach der Gründung i.d.R. nicht zu erwarten sind.

Finanzierung aus Rückstellungen: Rückstellungen werden für Verbindlichkeiten der Unternehmung gebildet, die dem Grunde nach, der Höhe nach und/oder dem Anfallzeitpunkt nach ungewiss sind.[29] Sie zählen zum (reservierten) bilanziellen FK.

Durch die Bildung von Rückstellungen werden finanzielle Mittel an ein Unternehmen gebunden, welche dann zur Finanzierung von Investitionen zur Verfügung stehen. Wenn die Verbindlichkeit, für die eine Rückstellung gebildet wurde, erlischt, kann die Rückstellung aufgelöst und die frei gewordenen Mittel für anderweitige Investitionen verwendet werden.

Finanzierung durch Kapitalfreisetzung: Eine Kapitalfreisetzung erfolgt, wenn durch den Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen das in diesen gebundene Kapital über Umsatzerlöse oder Einzahlungen der Unternehmung wieder zufließt. Außerdem können die Abschreibungen einen Finanzierungseffekt erzeugen, wenn die Abschreibungsgegenwerte über erzielte Verkaufserlöse zurückfließen. Verdiente Abschreibungen, die nicht für Zwecke der Ausschüttung verwendet werden, setzen das in den Abschreibungsobjekten gebundene Kapital im Unternehmen frei. Dieses Kapital kann anderweitig verwendet werden.

3.1.2. Außenfinanzierung

Kreditfinanzierung: Die Kreditfinanzierung dient der zeitlich begrenzten Beschaffung von FK, das durch regelmäßige Zins- und Tilgungszahlungen an den Gläubiger zurückgezahlt wird.

Diese Finanzierungsform ist jedoch an die Stellung banküblicher Sicherheiten, wie Grundschulden, Sicherungsübereignungen, Verpfändungen oder Bürgschaften geknüpft. Da junge Unternehmen häufig nicht über die Möglichkeit verfügen, ausreichende Sicherheiten stellen zu können, ist für sie die Bewilligung eines Darlehens eher zweifelhaft.

Viele Kreditinstitute scheuen außerdem riskante Finanzierungen von Start-up-Unternehmen, zumal sie durch die Gewährung von FK auch nicht am Wachstum des Unternehmens partizipieren können.[30] Die traditionelle Kreditfinanzierung ist aufgrund des „Besicherungsdenkens der Banken“[31] für innovative Start-up-Unternehmen weniger attraktiv. Herkömmliche Kredite kommen für sie im frühen Entwicklungsstadium nicht in Frage.

Beteiligungsfinanzierung: Die Beteiligungsfinanzierung umfasst sämtliche Möglichkeiten der Bereitstellung von EK durch bisherige oder neue Anteilsinhaber.

Geber von Beteiligungskapital verfügen über unternehmerische Verwaltungsrechte. Sie sind zur Geschäftsführung und –vertretung berechtigt. Dazu wird ein Beteiligungsvertrag geschlossen, der neben der Gewinn- und Verlustbeteiligung und der Haftung für Verbindlichkeiten auch die Mitsprache- und Mitwirkungsrechte des Kapitalgebers im Unternehmen regelt. Die Gesellschafter haften i.d.R. unbegrenzt mit ihrem Privatvermögen. Die Haftung kann jedoch auf die Höhe der Kapitaleinlage begrenzt werden.

Die Beteiligungsfinanzierung ist gerade für die Gründungsphase enorm wichtig, da die privaten Ersparnisse des Gründers relativ schnell aufgebraucht sind.

Der wesentliche Vorteil der Beteiligungsfinanzierung liegt darin, dass die EK-Quote erhöht und dadurch die Bonität verbessert wird. Damit wird der künftige Finanzierungsspielraum ausgeweitet. Das Engagement eines renommierten Investors führt zum Imagegewinn für das Unternehmen. Der größere EK-Puffer kann des Weiteren schwankende Umsatzentwicklungen ausgleichen. Zu den Nachteilen zählen die zeitaufwendige Suche nach Beteiligungspartnern und die Mitspracherechte des Investors in der Unternehmung.

Der Markt für Beteiligungskapital wird in den formellen und informellen unterschieden.

Der formelle Markt umfasst Beteiligungen, welche über institutionelle Intermediäre erfolgen.[32] Dazu zählen in erster Linie Finanzierungen von Venture-Capital-Gesellschaften. Beteiligungen, die direkt – d.h. ohne zwischengeschaltete Intermediäre - geschlossen werden, gehören zum informellen Beteiligungskapitalmarkt. Beteiligungen von Privatinvestoren bspw. sind vorwiegend informell.

3.2.AUSGEWÄHLTE FINANZIERUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR START-UP-

UNTERNEHMEN

Neben den oben erwähnten klassischen Finanzierungsmöglichkeiten bieten sich speziell für Unternehmensgründer und junge Unternehmen zahlreiche Alternativen der Kapitalbeschaffung an. Es sei zunächst auf die Beteiligungsfinanzierung hingewiesen.

Der Markt für Beteiligungskapital kann in den formellen und informellen Beteiligungskapitalmarkt gegliedert werden. Formelle Beteiligungen werden mit Hilfe eines zwischengeschalteten Finanzintermediärs (z.B. einer VC-Gesellschaft) bereitgestellt. Informelle Beteiligungen erfolgen auf direktem Wege zwischen Investor und Kapitalnehmer (Vgl. Business Angels [Privatinvestoren]).

[...]


[1] Vgl. Fischer (2004), S. 99f.

[2] Untersuchung der Deutschen Ausgleichsbank von 1997, entnommen aus Manz / Hering (2000) S. 5

[3] Vgl. Becker (2002), S. 49ff. und Szyperski / Nathusius (1999), S. 56

[4] ausführlich dazu: Perridon / Steiner (2004), S. 506-510; Hildmann / Fischer (2002), S. 48-50

[5] ausführlich dazu: Perridon / Steiner (2004), S. 510-518; Hildmann / Fischer (2002), S. 50-53; Spremann (1991), S. 283-293

[6] Vgl. Perridon / Steiner (2004), S. 498-506; Spremann (1991) S. 283ff.; Garhammer (1996), S. 39-45

[7] Vgl. BVR (2005), S. 54

[8] Vgl. Szyperski / Nathusius (1999), S. 30-34

[9] in Anlehnung an: Harris / Bovaird (1996), S. 58f.; Fischer (2004), S. 18-23; Geigenberger (1999), S. 49ff.; Nelles / Rocke (2001), S.173; Ebert (1998), S. 21ff.

[10] vgl. Geigenberger (1999), S. 49

[11] vgl. Baier et al. (1996), S. 34f.

[12] vgl. Ebert (1998), S. 21f.

[13] übernommen aus: Nelles / Rocke (2001), S. 173f.

[14] vgl. Fischer (2004), S. 22f.; Geigenberger (1999), S. 50f.; Nelles / Rocke (2001), S. 174

[15] vgl. Betsch et al. (2000), S. 309

[16] in Anlehnung an: Fischer (2004), S.23f. und S.101-103; Nathusius (2001), S. 180-183 ; Ebert (1998), S. 21ff.; Geigenberger (1999), S. 49f.; Nelles / Rocke (2001), S. 173-175

[17] Vgl. Fischer (2004), S. 81ff.; Garhammer (1996), S. 272

[18] Vgl. Geigenberger (1999), S.6ff.

[19] Vgl. Harris / Bovaird (1996), S. 13; Just (2000), S. 37

[20] Vgl. Baier et al. (1996), S. 23ff.

[21] Vgl. Marcus (2005), S. 13: „…the role of investor relations is to persuade an investor…that a dollar invested in will appreciate faster than a dollar invested in somebody else’s company.

[22] Vgl. Haps (2001), S. 202; Die Bezeichnung „Visitenkarte des Unternehmens“ wird im Zusammenhang mit der Erstellung von Business Plänen von nahezu allen Quellen direkt oder indirekt verwendet.

[23] Vgl. Impulse (2004), S. 32ff.

[24] Vgl. Marcus (2005), S. 9-16; Coveney / Moore (1998), S. 99-125; Shepherd / Douglas (2002), S. 80-113; Haps (2001), S. 202ff.; www.focus.de/existenzgruendung;

[25] Vgl. Becker (2002), S. 57; Just (2000), S. 19f.; Perridon / Steiner (2004), S. 359-363.

[26] Quelle: eigene Darstellung

[27] Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an: Becker (2002), S. 57-59; Schierenbeck (2000), S. 410; Perridon / Steiner (2004), S. 359 ff.

[28] Vgl. Perridon / Steiner (2004), S. 478-480

[29] Definition übernommen aus Wehrheim (2000), S. 58; Perridon / Steiner (2004), S. 488 und HGB § 249 (Stand 01.02.2004), weiterführend: Weber / Weißenberger (2002), S. 161 ff.

[30] Vgl. Just (2000), S. 22

[31] Vgl. Haps (2001), S. 197

[32] Vgl. Just (2000), S. 23

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Finanzierung junger Unternehmen
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
46
Katalognummer
V70616
ISBN (eBook)
9783638616713
ISBN (Buch)
9783638674461
Dateigröße
976 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzierung, Unternehmen
Arbeit zitieren
Dipl.-Kfm. Thomas Kasner (Autor), 2005, Finanzierung junger Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70616

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