Interkulturelle Berufspädagogik


Hausarbeit, 2003
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Aktualität der Thematik
1.1 Relevanz interkultureller Kommunikationsfähigkeit

2. Berufspädagogik und Kultur
2.1 Kulturbewusstes Management
2.2 Erwerb interkultureller Kompetenzen

3. Rahmen einer interkulturellen Berufspädagogik
3.1 Leitbegriffe nach Arnold
3.1.1 Interkulturelle Selbstreflexion
3.1.2 Berufs- und / oder Handlungsorientierung
3.1.3 Technologische Reife
3.1.4 Lebensweltorientierung
3.2 Zusammenfassung

4. Reflexion

5. Literatur

1. Aktualität der Thematik

Gerade erst hat Herr Franke seine ersten praktischen Berufserfahrungen nach der Ausbildung gesammelt, da soll er den technischen Leiter einer japanischen Firma in Empfang nehmen. Er kann bloß hoffen, dass dieser gute Englischkenntnisse besitzt und kooperativ agiert. Schon zur Schulzeit war es H. Franke äußerst unangenehm mit seinen ausländischen Mitschülern zu kommunizieren. Probleme kamen auf, da keine gemeinsame Sprachbasis vorhanden war. Außerdem konnte er ihre Ansichten und Verhaltensweisen nicht nachvollziehen. Diese wirkten so verkehrt auf ihn, fremd und merkwürdig. Doch wozu benötigte er auch Kontakt zu ihnen. Er ging den ausländischen Firmenmitarbeitern wie den vielen ausländischen Mitbürgern in der Stadt seitdem gekonnt aus dem Weg. Im Urlaub in fernen Ländern beschränkte er sich auf die touristischen Bereiche, wo ohnehin deutsch gesprochen und stets auf die Besucher eingegangen wurde. Es ärgerte ihn daher gewaltig, dass seine Firma sich immer internationaler zu organisieren suchte. Andererseits erschien es ihm einleuchtend, dass sich andere Länder gerne intensiver an dem ihm beispielhaft erscheinenden deutschen Modell technologischen Fortschritts orientierten. Gewiss würden sich die störenden Divergenzen, die er auf deren Unterentwicklung zurückführt, bald aufheben, das Idealmodell sich durchsetzen.

Die überspitzt dargestellten Ansichten des fiktiven Herrn Franke sind in Deutschland wie den anderen Ländern der westlich-kapitalistischen Demokratien in vielen Köpfen noch fest verankert. Bedingt durch gesellschaftshistorische Bevölkerungsbewegungen und die Globalisierung befinden wir uns jedoch längst alltäglich in multikulturellen Kontexten, die wir bewältigen müssen. Ob es sich um berufliche Bereiche wie die Organisation von Warenexporten oder die Zusammenarbeit von ausländischen Firmenmitarbeitern handelt, um Entwicklungszusammenarbeit auf internationaler Ebene oder allgemein den Alltag einer multikulturellen Gesellschaft, eine Auseinandersetzung mit Menschen anderer Kulturen ist nicht mehr vermeidbar. Die eurozentrische Ideologie, die Fremden müssten sich dem Rahmen der eigenen Kultur anpassen, hat sich dabei lange schon als Illusion erwiesen. Es muss also vermieden werden, dass Menschen im Bezug auf ihre eigene Kultur eine, wie am Beispiel von Herrn Franke verdeutlicht, egozentrische Weltauffassung entwickeln. Wie aber lässt sich ein Umdenken erzielen?

Es gibt bereits seit Jahren Forschungen und Projekte zu diesem Themenkreis, die teilweise sehr erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Eine umfangreiche Modernisierung des gesamten deutschen Bildungssystems auf Grundlage der damit gewonnenen Erkenntnisse steht bis heute aus. Aus meiner Arbeit soll hervorgehen von welcher Bedeutung multikulturelle Sensibilität ist, speziell im Rahmen der beruflichen Bildung. Dazu soll zunächst genauer auf die Relevanz interkultureller Kommunikationsfähigkeit sowie deren Vernetzung mit der Berufspädagogik, Management und Bildung eingegangen werden. Weiterhin sollen Möglichkeiten des Erwerbs interkultureller Management- bzw. allgemeiner Handlungskompetenzen aufgezeigt werden. Anhand der Leitbegriffe der interkulturellen Berufspädagogik nach Rolf Arnold soll daraufhin sein Konzept näher durchleuchtet werden, mit dem Ziel, die Chance ein die Landesgrenzen überschreitendes, multiperspektivisches Zusammenleben und –arbeiten aufzuzeigen. Am Beispiel der interkulturellen Berufspädagogik soll erläutert werden, welche Probleme und Defizite aus Unsensibilität gegenüber anderen Kulturen entstehen. Denn die Fremdperspektive mag auch eine wichtige Alternative darstellen, eine wichtige Hilfe zur Lösung eigenkultureller Defizite: „Eine interkulturelle Berufspädagogik, die ihre Zielrichtung nicht eindimensional als ‚Entwicklungshilfe’ für vermeintlich ‚unterentwickelte’ Nationen und Kulturen begreift, sondern zuallererst auch den interkulturellen Austausch begreift als Chance für eine interkulturelle Selbstreflexion, sieht sich somit zunächst in ihren grundlegenden Begriffen und Konzepten ‚verunsichert’.“ (Arnold, 13).

1.1 Relevanz interkultureller Kommunikationsfähigkeit

Wie bereits einleitend erläutert, stellt interkulturelle Kommunikation in der aktuellen Wirtschafts- und Lebenswelt einen nicht zu unterschätzenden Faktor dar. Während schon kulturinterne Kommunikation aufgrund individueller Auffassungsmuster bei ihrem „Scheitern“ wirkungsreiche negative Folgen mit sich bringen kann, können interkulturelle Missverständnisse schlimmstenfalls gar zum Desaster führen. Dies ist mit folgendem Beispiel klar zu verdeutlichen: ‚Amerikanische Ingenieure bauten in den 50er Jahren einen Flugplatz im Südpazifik. Dazu rekrutierten sie unter den Inselbewohnern junge starke Arbeitskräfte, teilten sie in Teams ein und machten die Fähigsten unter ihnen zu Vorarbeitern dieser Teams, respektive zu Leitern von mehreren dieser Teams. In den Nächsten Wochen lief alles gut (dachten die Amerikaner), bis sie eines Morgens in ihrem Frühstücksraum sämtliche einheimischen Vorarbeiter und Gruppenleiter mit säuberlich durchschnittener Kehle vorfanden. Was war geschehen? In der Kultur dieses Inselvolkes waren Rangunterschiede innerhalb der gleichen Altersgruppen tabuisiert. Die Amerikaner hatten diese Gesellschaft in eine unerträgliche Situation gebracht und die kulturellen Normen des Inselvolkes hatten obsiegt.’ (Keller 1982, 7; in Arnold, 32).

Zwar ist dies ein eher irrelevanter Fall in der alltäglichen interkulturellen Wirtschaftskommunikation, spiegelt sich darin aber gut die Struktur interkultureller Missverständnisse wider (Arnold, 33): Der oberflächlich erkennbare, situativ-handelnd erzeugte Aushandlungszustand wird als gemeinsamen Realität wahrgenommen, das heißt die jungen Arbeiter der Pazifikinsel arbeiten nach dem auferlegten Autoritätsprinzip. Interpretation und Bewertung dieser geschaffenen Realität geschieht jedoch verdeckt, auf der Basis des kulturspezifischen Orientierungswissens in den Köpfen der Beteiligten. Demzufolge ist „was für die einen bewährtes Instrument der Personalführung und Arbeitsorganisation (Stichwort: Vorarbeiter), [ist] für die Betroffenen Außerkraftsetzen Jahrhunderte alter sozialer Regelungen“ (Arnold, 34). Da diese oberflächlich nicht nachvollziehbaren Situationsinterpretationen sich erst in Reaktionen – Selbstmord der jungen Inselbewohner - äußern, sind diese häufig für Angehörige einer anderen Kultur nicht verständlich. Resultat ist, dass beide Parteien den Eindruck gewinnen, die andere benehme sich verkehrt. Somit entstehen Vorurteile mit der Folge von gravierenden Abwertungen und Abgrenzungen (vgl. H. Franke unter 1.). Abgesehen davon können berufliche interkulturelle Missverständnisse zum Scheitern unternehmerischer Auslandskooperationen oder zu internen Kündigungen führen, wodurch ebenfalls Existenzen zerstört werden können. Gerade im Rahmen der allgemeinen Globalisierung ist die Fähigkeit zur interkulturellen Kommunikation daher von großer Bedeutung. Wie interkulturelle Kommunikation erlernt werden kann, soll unter 2.2 thematisiert werden, nachdem auf die Begriffe Berufspädagogik, Management und Kultur eingegangen wurde.

2. Berufspädagogik und Kultur

Der spezifische Einfluss von Kultur als „Gesamtheit der Lebensäußerungen der menschlichen Gesellschaft in Sprache, Religion, Wissen, Kunst u.a.“ (Brockhaus, 508) auf die Berufspädagogik, die sich -als ein kulturelles Element- mit Fragen der beruflichen Aus- und Weiterbildung in gewerblich-technischen Ausbildungsgängen befasst (Kaiser/Pätzold, 124f) ist unumstritten. Diese Tatsache lässt sich im internationalen Kontext auf zwei verschiedene Dimensionen beziehen: Einmal der gedanklich wie aktiven eigenkulturell geprägter Einflussnahme auf Kulturen anderer Länder; des Weiteren gegenüber Menschen aus anderen Kulturen, die mit in unserem Land leben. Ersterer Bereich beinhaltet auch die Bemühungen von Vertretern westlich geprägter Kulturen das eigene, kulturspezifische (Berufs-) Bildungssystem auf grundlegend verschieden geprägte Kulturen übertragen zu wollen. Somit wird die Chance von anderen Kulturen zu lernen aufgrund von Eurozentrismus nicht wahrgenommen, wurde und wird noch immer häufig Entwicklungshilfe statt –zusammenarbeit betrieben. Der zweite Bereich bezieht sich auf Maßnahmen zur fairen Integration ausländischer Mitbürger in das eigene Land und somit in das stark kulturell und historisch geprägte (Berufs-) Bildungssystem wie das Arbeitsleben.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Berufspädagogik
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Allgemeine, berufliche und mediale Bildung)
Veranstaltung
Hauptseminar Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V70709
ISBN (eBook)
9783638618755
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle, Berufspädagogik, Hauptseminar, Berufs-, Wirtschaftspädagogik
Arbeit zitieren
Fabienne Scheu (Autor), 2003, Interkulturelle Berufspädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70709

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