Die Schule zur individuellen Lebensbewältigung hat in der Geistigbehindertenpäda- gogik eine zentrale Aufgabe. Sie dient u. a. als Lebensraum, Lernort, Entwicklungs- und Erziehungsraum. In unserer Arbeit gehen wir zuerst auf die Geschichte der Geistigbehindertenpädagogik ein. Im Anschluss daran wird die Schule zur individuellen Lebensbewältigung dargestellt – Lebensraum Schule, Aufbau und Organisation, Lage und Ausstattung. Zuletzt gibt die Arbeit noch einen Einblick in die Didaktik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte der Geistigbehindertenpädagogik
2.1 Geschichtliche Entwicklung
2.2 Erste pädagogische Ansätze
2.3 Das Schicksal der Menschen mit geistiger Behinderung im Nationalsozialismus
2.4 Die Entwicklung der Pädagogik für geistig Behinderte nach dem Zweiten Weltkrieg
3. Die Schule als Lebenswelt
3.1 Aufbau und Organisation
3.2 Lage und Ausstattung der Schule zur individuellen Lebensbewältigung
4. Einführung in die Didaktik
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit widmet sich der pädagogischen Konzeption der „Schule zur individuellen Lebensbewältigung“. Das primäre Ziel besteht darin, die historische Entwicklung sowie die organisatorischen, räumlichen und didaktischen Rahmenbedingungen dieser speziellen Schulform aufzuzeigen und ihre Bedeutung für die Teilhabe behinderter Menschen zu erläutern.
- Historische Entwicklung der Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung
- Die Schule als zentraler Lebensraum, Lernort und Erziehungsraum
- Struktur, Organisation und Stufenmodell der schulischen Förderung
- Entwicklung und Zielsetzungen einer eigenständigen Didaktik
- Integration und berufliche Vorbereitung als wesentliche Bildungsziele
Auszug aus dem Buch
2. 1 Geschichtliche Entwicklung
In der Antike wurde auf geistige Behinderung so gut wie keine Rücksicht genommen. Zu dieser Zeit hatten Dämonen und Götter einen hohen Stellenwert im Leben jenes Einzelnen. Deswegen vermutete man, dass die damals unerklärbare Erscheinung der geistigen Behinderung in direktem Zusammenhang mit den Göttern und Dämonen steht. So wurden missgebildete Neugeborene z.B. in Athen als nutzlos für das Gemeinwohl angesehen und unterlagen deswegen der Selektion. Sie wurden ausgesetzt oder ermordet. Erwähnenswert ist allerdings, dass Epilepsie als heilige Krankheit galt.
Diese mythologischen Erklärungen wurden auch in der Zeit des Mittelalters weitergeführt. Heidnische Überlieferungen waren dafür verantwortlich, dass geistig und körperlich schwergeschädigte Kinder als „Wechselbälge“ gesehen wurden. Man erklärte sich diese Behinderungen oft als Strafe Gottes. Der damalige Volksglaube nahm an, dass der Teufel selbst ein gesundes Kind gegen ein missgebildetes austausche. Die Maßnahmen, die diese Menschen damals ergriffen waren Zauberei und Beschwörung. Diese dienten aber nicht den behinderten Menschen, sondern für ihre Separation, Ausgrenzung und Tötung verantwortlich. Ein weiterer Nutzen der Maßnahmen lag darin, die Gemeinschaft zu schützen. Es wird deutlich, dass Menschen mit geistiger Behinderung auch in der Zeit des Mittelalters kein Recht auf Leben gegeben wurde und sie sogar als „massa carnis, ein Klumpen Fleisch ohne Seele“ (Speck 1997, 14) betitelt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Rolle der Schule zur individuellen Lebensbewältigung als zentralen Entwicklungs- und Lernort und gibt einen Überblick über den geplanten Arbeitsverlauf.
2. Die Geschichte der Geistigbehindertenpädagogik: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Umgang mit geistiger Behinderung von der Antike über die Stigmatisierung im Mittelalter und die NS-Zeit bis hin zur pädagogischen Neuausrichtung nach 1945 nach.
3. Die Schule als Lebenswelt: Hier wird der Aufbau, die Organisation und die Ausstattung der Schule beleuchtet, wobei besonders die Ausgestaltung als Ganztagsschule und die Teamarbeit pädagogischer Fachkräfte hervorgehoben werden.
4. Einführung in die Didaktik: Dieser Abschnitt thematisiert die Entwicklung einer eigenständigen Didaktik für diesen Schultyp und erläutert verschiedene Stufenkonzepte sowie Zielsetzungen wie Ich- und Wir-Fähigkeit.
5. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die dynamische Entwicklung der Schulform von einem Selektionsmodell hin zur inklusiven und integrativen Begleitung behinderter Menschen.
Schlüsselwörter
Geistigbehindertenpädagogik, Lebensbewältigung, Didaktik, Sonderpädagogik, Inklusion, Historische Entwicklung, Schulaufbau, Selbstständigkeit, Integration, Förderplan, Ganztagsschule, Lernbereiche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Schule zur individuellen Lebensbewältigung und analysiert deren historische Wurzeln, organisatorische Struktur und didaktische Grundlagen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte der Geistigbehindertenpädagogik, die schulische Organisation, die spezifische Didaktik für diese Schülergruppe sowie die Bedeutung der Schule als Lebensraum.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung dieser Schulform darzustellen und aufzuzeigen, wie sie behinderte Menschen durch gezielte Förderung zur Lebensbewältigung und Teilhabe an der Gesellschaft befähigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Grundlagen der Geistigbehindertenpädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Betrachtung, die Beschreibung der schulischen Lebenswelt (Aufbau, Ausstattung, Personal) sowie eine fundierte Auseinandersetzung mit didaktischen Lehrplankonzepten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Geistigbehindertenpädagogik, Lebensbewältigung, Didaktik, Integration, Selbstständigkeit und sonderpädagogische Förderung.
Wie hat sich die Einschätzung geistiger Behinderung historisch gewandelt?
Von einer mythologischen oder religiösen Stigmatisierung („Wechselbälge“, „Strafe Gottes“) und der Ausgrenzung bzw. Vernichtung während des Nationalsozialismus hat sich das Verständnis hin zu einer pädagogischen Professionalisierung und Inklusion entwickelt.
Welchen Stellenwert nimmt die Didaktik in dieser Schulform ein?
Die Didaktik ist eigenständig und nicht auf die Vermittlung akademischer Fächer fokussiert, sondern auf die Förderung der Ich- und Wir-Fähigkeit, der Sinnesfunktionen und der lebenspraktischen Selbstständigkeit.
- Citar trabajo
- Beke Benning (Autor), 2006, Die Schule zur individuellen Lebensbewältigung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70867