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Wandel der Kindheitsbedingungen im 20. Jahrhundert anhand der Hamburger Lebensraumstudie und dem Phänomen der Verinselung

Title: Wandel der Kindheitsbedingungen im 20. Jahrhundert anhand der Hamburger Lebensraumstudie und dem Phänomen der Verinselung

Seminar Paper , 2005 , 27 Pages , Grade: sehr gut (1,3)

Autor:in: B.A. Viola Schneider (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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Kindheit wird von der Kindheitsforschung als wechselseitige Beziehung zwischen heranwachsenden Personen und ihren sich wandelnden soziokulturellen Umwelten verstanden. Die vorliegende Arbeit greift einen Aspekt dieses Wandels heraus: Sie stellt sich die Frage, inwiefern sich Raumaneignung durch Kinder im letzten Jahrhundert verändert hat. Um dieses Themenfeld weiter zu differenzieren und einzugrenzen, soll das Hauptaugenmerk dabei auf der Aneignung des Raumes durch Großstadtkinder liegen. Wenn man davon ausgeht, dass ein Hauptinhalt der kindlichen Entwicklung darin besteht, sich die bestehende Kultur anzueignen, könnte man vermuten, dass sich die kindlichen Aneignungsmechanismen von (Lebens-) Raum und Zeit in den letzten Jahrzehnten gewandelt haben.
Um den Wandel zu verdeutlichen, sollen zwei Momentaufnahmen kindlicher Sozialisation, und damit kindlicher Raumaneignung, des letzten Jahrhunderts im Mittelpunkt stehen: Die Lebensraumstudie von Martha und Hans Heinrich Muchow beleuchtet die Aneignung des Lebensraumes von Hamburger Kindern Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre. Zeiher und Zeiher prägten den Begriff der „Verinselung von Kindheitsräumen“. Dieses moderne Phänomen, das von Zeiher/Zeiher bereits zu Beginn der 90er Jahre identifiziert wurde, soll stellvertretend für die gegenwärtigen Mechanismen von Raumaneignung durch Kinder vorgestellt werden.
Um der Frage auf den Grund zu gehen, ob und inwiefern sich Kindheitsräume und die Aneignung eben dieser im 20. Jahrhundert verändert haben, erscheint es zunächst sinnvoll, einige sozialisationstheoretische Prämissen zu benennen und Begriffsbestimmungen zum Thema Sozialisation und Raum anzugeben.
Hernach soll die Lebensraumstudie Hamburger Kinder von Muchow und Muchow skizziert und die wichtigsten Ergebnisse knapp vorgestellt werden.
Um den Vergleich zur Moderne herzustellen wird anschließend der Begriff der Verinselung näher beleuchtet. Dabei soll zunächst das Phänomen der Verinselung genauer identifiziert werden, bevor auf Grundlage der Ergebnisse der vorangegangen Arbeitsabschnitte Überlegungen darüber angestellt werden welche veränderten Bedingungen zu verinselten Lebensräumen führen und welche Bedeutungen diese Veränderungen für die kindliche Sozialisation haben könnten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Zwei Beispiele

1.2 Kindheit im Wandel

1.3 Vorgehensweise

2. Vorbemerkungen

2.1 Sozialisation

2.2 Bedeutung des Raumes im Kontext der Sozialisationsforschung

3. Kindheitsräume in den 1920er Jahren: Die Lebensraumstudie Hamburger Kinder von Muchow und Muchow

3.1 Sozialisationstheoretische Prämissen zu Martha Muchows Forschungen

3.2 Die Hamburger Lebensraumstudie: Aufbau und Besonderheiten

3.2.1 Der Untersuchungsanlass und Untersuchungsgegenstand

3.2.2 Besonderheiten der Studie

3.2.3 Form und Methode der Lebensraumstudie

3.3 Ergebnisse der Studie

3.3.1 Der Lebensraum des Großstadtkindes

3.3.2 Der Raum, den das Kind erlebt

3.3.3 Der Raum, den das Kind lebt

3.4 Zusammenfassung

4. Verinselung von Kindheitsräumen und -Zeiten zum Ende des 20. Jahrhunderts

4.1 Das Phänomen der Verinselung

4.2 Wandel der Kindheit

4.2.1 Modernisierung

4.2.2 Individualisierung

4.2.3 Selbstständigkeit

4.2.4 Mobilisierung

4.3 Zusammenfassung

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wandel kindlicher Lebensbedingungen und Raumaneignung im 20. Jahrhundert, indem sie die historische "Lebensraumstudie" von Muchow und Muchow (1920er Jahre) dem modernen Phänomen der "Verinselung" von Kindheitsräumen gegenüberstellt, um zu analysieren, wie sich die sozialräumlichen Handlungsspielräume von Kindern verändert haben.

  • Wandel der kindlichen Sozialisation und Raumaneignung
  • Vergleichende Analyse: 1920er Jahre vs. Ende des 20. Jahrhunderts
  • Das Konzept der "Verinselung" von Kindheitsräumen
  • Einfluss von Modernisierung, Individualisierung und institutionellen Zwängen
  • Veränderte Bedeutung von Straßen, Wohnumfeld und Spezialorten

Auszug aus dem Buch

3.3.3 Der Raum, den das Kind lebt

Der letzte Teil der Hamburger Lebensraumstudie versucht abschließend den großstädtischen Lebensraum als Raum zu erschließen, den das Kind lebt. Dazu versuchen Muchow und Muchow zunächst, „[…] ihn als einen von allen personalen Bedingtheiten freien, `vom erlebenden Subjekt und dessen augenblicklicher oder überaugenblicklicher Standorts- und Lebensbestimmtheit´ losgelösten Raum zu erfassen“, um danach zu erschließen, auf welche Art und Weise das Kind diesen Raum erfasst und ihn gegebenenfalls umfunktioniert um ihm als Lebensraum habhaft zu werden.

So wird beispielsweise ein Löschplatz, der für Erwachsene rein funktionale Aspekte erfüllt, zu einem Abenteuerspielplatz mit ungeahnten Möglichkeiten für die Barmbecker Kinder. Treppen, Geländer, Böschungen oder Gitter werden zu Spielmöglichkeiten umfunktioniert. Die Erwartungen der Erwachsenen stehen hier gegen das tatsächliche Verhalten der Kinder. Während erstere den Löschplatz nicht losgelöst von seinen Funktionen sehen können, deuten die Kinder die Funktionen ihren Wünschen an den Raum entsprechend um.

Ein weiteres Beispiel ist das Warenhaus „Karstadt“, das „Museum moderner Bedürfnisartikel“. Während Erwachsene die Einkaufsstätte als Konsummöglichkeit und geselligen Treffpunkt wahrnehmen, wird das Kaufhaus für Kinder zur „Abenteuerwelt“. Ohne Begleitung Erwachsener oder einen Einkaufsauftrag der Eltern dürfen Kinder das Warenhaus nicht betreten. Diese Tatsache bietet Anreiz zum Nervenkitzel, denn die Kinder versuchen durch verschiedene Listen in den „Konsumtempel“ zu gelangen, da sie der glitzernden Kaufhauswelt nur schwer widerstehen können. In diesem Sinne wird das Warenhaus von Muchow und Muchow auch als „Manövrier- und Trainingsgelände“ beschrieben. Trainiert wird hier nicht nur der Versuch, dem Pförtner auszuweichen, sondern auch das Erwachsensein: „Das Kaufhaus ist `die große Welt´, besonders für die Mädchen, doch nicht nur für sie. Auch die vierzehnjährigen Jungen bewegen sich gern dort, indem sie den `jungen Herren´ mimen.“ Im Kaufhaus üben also vornehmlich die älteren Kinder einen „erwachsenen“ Habitus ein, während den jüngeren Kindern das Kaufhaus als Abendteuerspielplatz und Manövriergelände dient.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Anhand zweier Beispiele wird die Veränderung der Kindheit verdeutlicht und die Forschungsfrage zur veränderten Raumaneignung durch Großstadtkinder eingeführt.

2. Vorbemerkungen: Es werden grundlegende sozialisationstheoretische Begriffe definiert und die Bedeutung des physischen sowie sozialen Raums für die Entwicklung von Kindern erläutert.

3. Kindheitsräume in den 1920er Jahren: Die Lebensraumstudie Hamburger Kinder von Muchow und Muchow: Die historische Studie wird detailliert skizziert, wobei die Aneignung des Lebensraums durch Kinder in konzentrischen Kreisen und die Bedeutung der Straße als zentraler Erprobungsraum im Vordergrund stehen.

4. Verinselung von Kindheitsräumen und -Zeiten zum Ende des 20. Jahrhunderts: Dieser Abschnitt analysiert das Phänomen der Verinselung, bei dem Kinder sich nur noch zwischen isolierten, spezialisierten Orten bewegen, und beleuchtet die Ursachen wie Modernisierung und Individualisierung.

5. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt und es wird konstatiert, dass der Wandel von Kindheit maßgeblich durch veränderte strukturelle Umweltbedingungen geprägt ist, während die Kinder selbst zunehmend durch Termindruck und institutionalisierte Räume in ihrer Spontaneität eingeschränkt werden.

Schlüsselwörter

Kindheit, Sozialisation, Raumaneignung, Verinselung, Muchow, Hamburger Lebensraumstudie, Stadtleben, Kindheitsforschung, Modernisierung, Individualisierung, Verhäuslichung, Straßensozialisation, Großstadtkind, Sozialisationsbedingungen, Kindheitsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Wandel der Kindheitsbedingungen und der kindlichen Raumaneignung im 20. Jahrhundert, indem sie historische Perspektiven mit modernen gesellschaftlichen Entwicklungen vergleicht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Raumaneignung, der "Verinselung" von Kindheitsräumen, die Rolle der Straße als Lernort sowie die Auswirkungen von Modernisierung und Institutionalisierung auf den Alltag von Kindern.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es zu analysieren, wie und inwiefern sich die Aneignung von großstädtischen Lebensräumen durch Kinder im Laufe des 20. Jahrhunderts verändert hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die Gegenüberstellung zweier zentraler Forschungsarbeiten: der historischen Lebensraumstudie von Martha und Hans Heinrich Muchow und den Konzepten von Zeiher und Zeiher zur Verinselung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Lebensraumstudie der 1920er Jahre einerseits und die Analyse der Verinselung am Ende des 20. Jahrhunderts unter Berücksichtigung von Modernisierungs- und Individualisierungsprozessen andererseits.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Kindheit, Sozialisation, Raumaneignung, Verinselung, Lebensraum, Modernisierung, Individualisierung und Kindheitsbedingungen.

Welche Bedeutung hatte die Straße für Kinder in den 1920er Jahren?

Für die Kinder der damaligen Zeit war die Straße ein zentraler, unkontrollierter Erprobungsraum, der sich wie eine natürliche Ausdehnung des Zuhauses anfühlte und die eigenständige Aneignung der Umwelt in konzentrischen Kreisen ermöglichte.

Was genau versteht man unter dem Begriff der „Verinselung“?

Verinselung beschreibt ein Phänomen, bei dem der kindliche Lebensraum nicht mehr als zusammenhängendes Ganzes erlebt wird, sondern aus isolierten, spezialisierten Orten (wie Schule, Sportverein, Wohnung) besteht, zwischen denen die Kinder hin- und hergebracht werden, während die Zwischenräume für sie an Bedeutung verlieren.

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Details

Title
Wandel der Kindheitsbedingungen im 20. Jahrhundert anhand der Hamburger Lebensraumstudie und dem Phänomen der Verinselung
College
Ruhr-University of Bochum  (Erziehungswissenschaft)
Course
Kindheit im Wandel
Grade
sehr gut (1,3)
Author
B.A. Viola Schneider (Author)
Publication Year
2005
Pages
27
Catalog Number
V70933
ISBN (eBook)
9783638630566
ISBN (Book)
9783638674782
Language
German
Tags
Kindheit Wandel Kindheitsbedingungen Jahrhundert Hamburger Lebensraumstudie Phänomen Verinselung Kindheit Wandel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Viola Schneider (Author), 2005, Wandel der Kindheitsbedingungen im 20. Jahrhundert anhand der Hamburger Lebensraumstudie und dem Phänomen der Verinselung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70933
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