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Dionysios I. - Tyrann von Syrakus?

Title: Dionysios I. - Tyrann von Syrakus?

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Johannes Kaufmann (Author)

World History - Early and Ancient History
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Gleich zweimal innerhalb der ersten Strophe wird Dionysios I. in Schillers Ballade von der „Bürgschaft“ als Tyrann bezeichnet: Einmal vom Attentäter Damon und einmal vom Erzähler selbst. Für Schiller und seine Zeitgenossen am Ende des 18. Jahrhunderts bestand an der Bewertung des Syrakusaners als Tyrann kein Zweifel, ein Begriff, der damals ebenso pejorativ konnotiert war wie heute. Das Grimmsche Wörterbuch bewertet den Tyrannen ausgesprochen negativ als „allein-,gewaltherrscher“ und genauer „gewalttätiger, despotisch unterjochender Eroberer“.2 Es stellt sich die Frage, wie es zu dieser Einschätzung des Herrschers von Syrakus kam und ob sie mit heutigem Kenntnisstand weiterhin aufrechtzuerhalten ist. Dafür ist eine Bewertung der Quellen, auf denen diese Einschätzung beruht, unerläßlich. Dionysios I. wurde in der griechisch-römischen Historiographie von vielen Autoren geradezu zum Prototyp des Tyrannen stilisiert. Aristoteles beispielsweise benutzt ihn immer wieder als Beispiel für das entartete Gegenstück zur Monarchie.3 Ziel dieser Arbeit soll es sein, der Frage nachzugehen, wie Dionysios I. diese Stellung in der Geschichtsschreibung einnehmen konnte und ob sie gerechtfertigt ist. Dafür ist zuerst eine Definition des Tyrannenbegriffs unerläßlich. Anschließend erfolgt eine Prüfung der Quellen und der Umstände ihrer Entstehung sowie der Versuch der Rekonstruktion gesicherter Fakten über Dionysios und einer darauf fundierten Bewertung.
[...]
2 Deutsches Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm (Erstbearbeitung auf CD-ROM), 2001, Bd. 22, Sp. 1967, 18, Stichwort:„Tyrann“.
3 Vgl. Aristot. pol. III 5. 3ff, Dionysios I. als Beispiel für Tyrannen vgl. V 8, 4.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

1.2 Definition des Tyrannen

1.3 Quellenlage

2. Dionysios I. – Herrscher von Syrakus

2.1. Machtergreifung

2.2 Innenpolitik und Machtsicherung

2.3 Expansion und Ausbau der Macht – Außenpolitik

3. Unter dem Schwert des Damokles – Dionysios’ Charakter

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Figur des Dionysios I. von Syrakus und hinterfragt, ob die in der historiographischen Tradition tief verwurzelte Charakterisierung als Tyrann durch eine Analyse der Quellen und politischen Umstände gerechtfertigt ist oder eher einem literarischen Topos entspricht.

  • Entwicklung des Tyrannenbegriffs in der griechischen Antike
  • Kritische Quellenanalyse zur Darstellung des Dionysios I.
  • Untersuchung der innenpolitischen Machtsicherung und Militärstrategie
  • Expansion und außenpolitische Gestaltung eines Territorialreichs
  • Gegenüberstellung von überlieferten Anekdoten und historischen Fakten

Auszug aus dem Buch

2.2 Innenpolitik und Machtsicherung

Von Anfang an stützte sich Dionysios‘ Macht vor allem auf seine militärische Stärke. Dafür bediente er sich fremdländischer Söldner, angefangen bei einem Kontingent unter der Führung des Spartaners Dexippos, das die Polis zur Verteidigung gegen die Karthager angeworben hatte. Dionysios suchte diese Söldner an sich zu binden, indem er das Geld der von ihm entmachteten Oligarchen von Gela nutzte, um ihnen den Sold zu erhöhen. Auch während seiner späteren Feldzüge achtete er stets darauf, seine Truppen aus der Beute seiner Eroberungen gut zu bezahlen, um sich so deren Loyalität zu sichern. Auf diese Weise band er die Söldner stärker an seine Person und entfernte sie von der Polis. Durch die Ansiedlung von Söldnern in eigenen Militärkolonien gelang es ihm, Belohnung und militärischen Nutzen geschickt miteinander zu verbinden. Außerdem nahm er nach Diodor arme Leute und später sogar Sklaven in seine Armee auf. Da diese ihm allein den daraus entstehenden sozialen Aufstieg verdankten, waren sie ihm besonders verpflichtet. Ob diese Aussagen der Wahrheit entsprechen, läßt sich kaum sagen. Es ist jedoch auffällig, daß die Befreiung von Sklaven ein von Platon begründeter Tyrannentopos ist.

Gestützt auf seine Truppen, auf die Syrakus als Schutzmacht angewiesen war, konnte Dionysios sich der Sicherung seines innenpolitischen Einflusses widmen, indem er seine Vertrauten in wichtige Positionen brachte. Durch die Hochzeit mit der Tochter des kurz zuvor verstorbenen populären Volksführers Hermokrates legitimierte er seine außergewöhnliche Stellung auch in Bezug auf seine Abstammung. Diese Tatsache ist insofern von besonderem Interesse, als Hermokrates entscheidend an der Einführung des Amts des strategos autokrator nach der kritischen Schlacht gegen Athen im Jahr 415 beteiligt gewesen war und es auch selbst ausgeübt hatte. Allerdings gehörte auch Hermokrates nicht dem Adel der Stadt an. Dionysios blieb trotz dieser Heirat ein Emporkömmling.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage, die nach der Berechtigung des negativen Tyrannen-Labels für Dionysios I. angesichts der historischen Quellenlage fragt.

2. Dionysios I. – Herrscher von Syrakus: Analyse des Aufstiegs, der innenpolitischen Machtsicherung durch Söldner und der außenpolitischen Expansion zum Territorialreich.

3. Unter dem Schwert des Damokles – Dionysios’ Charakter: Kritische Gegenüberstellung von anekdotischen, oft ideologisch gefärbten Quellen und historisch plausiblen Fähigkeiten des Herrschers.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Dionysios als absolutistischer Alleinherrscher, dessen moralische Verurteilung jedoch durch seine 38-jährige erfolgreiche Herrschaft und Akzeptanz in der Bevölkerung differenziert werden muss.

Schlüsselwörter

Dionysios I., Syrakus, Tyrannis, Antike, Strategos autokrator, Quellenkritik, Diodor, Platon, Söldner, Territorialreich, Machtpolitik, Geschichtsschreibung, Hellenismus, Aristoteles, Machtlegitimation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Herrschaft des Dionysios I. von Syrakus und hinterfragt, inwieweit das in der Antike und darüber hinaus geprägte negative Bild des Tyrannen den historischen Gegebenheiten entspricht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Definition des Tyrannenbegriffs, die kritische Prüfung der antiken Quellenlage sowie die Rekonstruktion der innen- und außenpolitischen Methoden des Herrschers.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der historiographischen Stilisierung des Dionysios als entartetem Herrscher und den belegbaren Fakten seiner Regierungszeit aufzuzeigen und zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine quellenkritische Methode, bei der die antiken Überlieferungen (vor allem Diodor, Platon und Aristoteles) mit modernen historisch-politischen Analysen abgeglichen werden, um propagandistische Topoi von tatsächlichen Handlungen zu trennen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in den Aufstieg zur Macht, die Sicherung dieser durch militärische und innenpolitische Maßnahmen sowie die Analyse seines Charakters im Spiegel überlieferter Anekdoten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter wie Machtpolitik, Tyrannis, Quellenkritik, Syrakus und historische Legitimation bilden das Fundament der wissenschaftlichen Untersuchung.

Welchen Einfluss hatte die antike Philosophie auf das Bild des Dionysios?

Autoren wie Platon und Aristoteles nutzten Dionysios oft als Prototyp eines entarteten Herrschers, um ihre eigenen staatsphilosophischen Vorstellungen von der "guten" Regierungsform (Basileia) abzugrenzen.

Wie bewertet der Autor die Rolle des "Schwertes des Damokles"?

Der Autor ordnet diese berühmte Anekdote als literarischen Topos ein, der weniger über den Charakter des historischen Dionysios aussagt, als vielmehr die antike Vorstellung von der ständigen Furcht des Tyrannen bedient.

Warum war Dionysios trotz des Tyrannen-Labels so lange an der Macht?

Der Autor argumentiert, dass Dionysios durch wirtschaftliche Erfolge, Schutz vor äußeren Feinden wie den Karthagern und eine geschickte militärische Organisation eine Akzeptanz in der Bevölkerung erreichte, die ihn 38 Jahre lang unangefochten herrschen ließ.

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Details

Title
Dionysios I. - Tyrann von Syrakus?
College
Technical University of Braunschweig  (Historisches Seminar)
Course
Die griechische Tyrannis
Grade
1,0
Author
Johannes Kaufmann (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V70975
ISBN (eBook)
9783638629249
ISBN (Book)
9783656111580
Language
German
Tags
Dionysios Tyrann Syrakus Tyrannis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Kaufmann (Author), 2006, Dionysios I. - Tyrann von Syrakus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70975
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