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Rezeption eines Gedenkjahres - Wie kritisch wurde die Judenpolitik Karls IV. beleuchtet?

Title: Rezeption eines Gedenkjahres - Wie kritisch wurde die Judenpolitik Karls IV. beleuchtet?

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 23 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Ullrich Kroemer (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Nur wenige Historiker haben sich mit der Rolle Karls IV. im Zusammenhang mit den Pestkatastrophen des 14. Jahrhunderts und der Dämonisierung der Juden befasst. Wolfgang von Stromer, Alfred Haverkamp oder Ruth Bork haben sich mit dem Thema Judenverfolgung zur Zeit Karls IV. beschäftigt und damit der Jubiläumsliteratur anläßlich der 600. Todesjahres Karls 1976 eine unverzichtbare Facette hinzugefügt. Ähnlich wie im Seminar, zu dem diese Arbeit entstanden ist, will ich versuchen, dem Thema in einem Mix aus Ereignisgeschichte und Historiographie näher zu kommen.
Nachdem im folgenden Abschnitt zunächst kurz die Situation der Juden im Reich vor den Verfolgungen von 1348 bis 1350 thematisiert wird, soll beschrieben und erklärt werden, wie und warum sich die Pogrome in den Städten im Einzelnen zugetragen haben. Im dritten Kapitel folgt eine Bewertung, ob und gegebenenfalls wie Karl IV. sich in der Frage der Judenverfolgungen und –vertreibungen schuldig gemacht hat. Hatte Karl IV. überhaupt eine Möglichkeit auf die Judenverfolgungen zu reagieren oder war es dem König unmöglich, die Juden als „landesherrliche Fremdkörper inmitten der Stadt“ vor der aufgebrachten Bevölkerung zu schützen beziehungsweise war es vom damaligen Standpunkt aus gesehen überhaupt seine Pflicht? Das vierte Kapitel bietet einen kritischen Überblick über die im Dunstkreis des Karls-Jubiläums erschienene Literatur zum Thema dieser Arbeit. Das Schlusskapitel stellt die Rolle Karls bei den Judenverfolgungen im Reich Mitte des 14. Jahrhunderts neben die historiographischen Bearbeitung und Bewertung im Gesamtkontext des Jubiläumsjahres von 1978. Es soll geklärt werden, ob der Mentalitätsgeschichtler Graus berechtigterweise das Fehlen der oben genannten Themenkomplexe im allgemeinen und des speziellen Themas dieser Hausarbeit anprangert oder ob es legitim war, die angesprochenen sozial-, wirtschafts- und mentalitätsgeschichtlichen Themen, hier am Beispiel der Judenverfolgungen, auszuklammern oder eingeschränkter zu betrachten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DIE JUDEN IM SPÄTMITTELALTER

2.1 Die Lage der Juden im Reich vor 1348

2.1.1 Rechtliche Lage

2.1.2 Wirtschaftliche Lage

2.1.3 Gesellschaftlicher Rang

2.2 Die Judenpogrome 1349/50

2.2.1 Abfolge der Verfolgungen 1348 bis 1350

2.2.2 Erklärungsansätze für den Judenhass im Mittelalter

3. DIE „JUDENPOLITIK“ KARLS IV.

3.1. Politische Rahmenbedingungen und Motive

3.2. Karls Rolle in der „Judenfrage“

4. BESPRECHUNG UND KRITIK DER ZUM THEMA ERSCHIENENEN PUBLIKATIONEN UM DAS JUBILÄUMSJAHR 1978

5. FAZIT

6. LITERATUR

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Kaiser Karls IV. im Kontext der Judenverfolgungen in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, inwiefern der Herrscher seine Schutzpflichten gegenüber den Juden vernachlässigte oder die Pogrome sogar zu eigenem politischen und finanziellen Vorteil nutzte, anstatt seine Rolle als Friedensstifter zu erfüllen.

  • Die Lebensbedingungen der Juden im spätmittelalterlichen Reich.
  • Die Ursachen und der Verlauf der Judenpogrome von 1348 bis 1350.
  • Die politische Motivation und das Handeln Karls IV. in Bezug auf die „Judenfrage“.
  • Eine kritische Auseinandersetzung mit der historiographischen Rezeption der „Judenpolitik“ Karls IV. um das Jubiläumsjahr 1978.

Auszug aus dem Buch

3.2. Karls Rolle in der „Judenfrage“

Um nur einige Beispiele zu nennen, überschrieb Karl IV. bereits wenige Tage nach Ludwigs Tod den Nürnberger Burggrafen 1000 Pfund Heller des jährlich anfallenden Judenregals. Dazu befreite der angehende König die Burggrafen von sämtlichen Schulden, die sie bei allen Juden des Reiches hatten. Den Grafen Ludwig und Friedrich von Öttingen versprach Karl im Dezember 1347 unter anderem die Steuern der Straßburger, Ulmer und Nördlinger Juden ganz oder teilweise. Die ebenfalls zu findenden Urkunden zu Gunsten der Juden betrachtet Ruth Bork als leichtfertige Gesten, die im krassen Widerspruch zu der späteren Negierung des Privilegierten stehen. Um die Gunst der Städte weiter zu gewinnen, „(..) setzte so etwas wie ein Ausverkauf von Amnestien für alle bisher an den Juden begangenen Ungerechtigkeiten und Schandtaten ein (..)“. Den elsässischen Städten bescheinigte Karl IV. im Dezember 1347 mehrmals die Unverpfändbarkeit und den Erlass aller Strafen für Gewalttätigkeiten oder dergleichen an Juden. Die weltlichen Gerichte, die wegen des offensichtlichen Desinteresses Karls an den Juden eigentlich hätten eingreifen können, beschnitt Karl, indem er seinem Intimus, dem Bischof Berthold von Straßburg, die gerichtliche Gewalt für dessen gesamtes Herrschaftsgebiet übergab. Bereits ein Jahr vor dem Beginn der Pogrome von 1348 bis 1350 wird dadurch Ludwigs Kurs deutlich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die Problematik ein und thematisiert das kritische Verhältnis von Historikern zur Literatur anlässlich des Karls-Jubiläums 1978 in Bezug auf die Judenpolitik des Kaisers.

2. DIE JUDEN IM SPÄTMITTELALTER: Dieses Kapitel beschreibt die rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation der jüdischen Bevölkerung vor den Verfolgungen sowie die Hintergründe der Pogrome von 1348/50.

3. DIE „JUDENPOLITIK“ KARLS IV.: Hier werden die politischen Motive Karls IV. analysiert und aufgezeigt, wie er seine Machtposition festigte, indem er den Schutz der Juden zugunsten finanzieller Vorteile aufgab.

4. BESPRECHUNG UND KRITIK DER ZUM THEMA ERSCHIENENEN PUBLIKATIONEN UM DAS JUBILÄUMSJAHR 1978: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit verschiedenen historischen Publikationen auseinander, die die Rolle Karls IV. in den Judenpogromen unterschiedlich bewerten.

5. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Karl IV. die Pogrome zwar nicht alleine auslöste, aber maßgeblich steuerte und ausnutzte.

6. LITERATUR: Ein Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Literatur.

Schlüsselwörter

Karl IV., Spätmittelalter, Judenpolitik, Judenverfolgung, Pogrom, Pest, Schwarzer Tod, Judenregal, Historiographie, Jubiläumsjahr 1978, Antisemitismus, Machtpolitik, Schutzbefohlene, Kammerknechte, Geschichtsbewusstsein.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Verhalten Kaiser Karls IV. während der Judenpogrome von 1348 bis 1350 und untersucht, wie sein Handeln historisch bewertet wird.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Neben der allgemeinen Situation der Juden im Spätmittelalter stehen die politische Motivation des Kaisers und die Auseinandersetzung mit der Jubiläumsliteratur von 1978 im Fokus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Klärung der Frage, ob Karl IV. eine aktive Verantwortung für die Judenverfolgungen trug oder ob sein Handeln als politische Notwendigkeit in einer Krisenzeit zu interpretieren ist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einem methodischen Mix aus Ereignisgeschichte und der historiographischen Analyse zeitgenössischer sowie moderner Publikationen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der judenfeindlichen Ereignisse sowie in eine kritische Besprechung einschlägiger Forschungsliteratur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Judenpolitik, Karl IV., Pogrome, historische Rezeption und Machtkalkül.

Wie bewertet der Autor Karls Umgang mit den Juden?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Karl IV. die jüdische Minderheit bewusst für seine Machtinteressen und zur finanziellen Bereicherung ausnutzte, anstatt seinen Pflichten als Schirmherr nachzukommen.

Warum wird die Literatur zum Jubiläumsjahr 1978 so kritisch betrachtet?

Der Autor kritisiert, dass viele Publikationen aus dieser Zeit den dunklen Fleck der Judenverfolgung in der Biografie Karls IV. entweder idealisierend aussparten oder nur oberflächlich behandelten.

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Details

Title
Rezeption eines Gedenkjahres - Wie kritisch wurde die Judenpolitik Karls IV. beleuchtet?
College
University of Leipzig  (GWZO Leipzig)
Course
Hauotseminar Kaiser Karl IV.
Grade
1,3
Author
Ullrich Kroemer (Author)
Publication Year
2007
Pages
23
Catalog Number
V71053
ISBN (eBook)
9783638627344
ISBN (Book)
9783638674898
Language
German
Tags
Rezeption Gedenkjahres Judenpolitik Karls Hauotseminar Kaiser Karl
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ullrich Kroemer (Author), 2007, Rezeption eines Gedenkjahres - Wie kritisch wurde die Judenpolitik Karls IV. beleuchtet?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71053
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