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Die Repgen-Scholder-Kontroverse um die Nazi-Kirchenpolitik

Title: Die Repgen-Scholder-Kontroverse um die Nazi-Kirchenpolitik

Term Paper , 2006 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Daniel Sosna (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Für seriöse Historiker gehören contrafaktische oder unzureichend begründete, mutmaßende Äußerungen und Überlegungen, Vergangenes betreffend, nicht in ihren Aufmerksamkeits-und Aufgabenbereich. Es zählen Belege, Tatsachen oder zumindest wahrscheinliche Annahmen. Nun kann es vorkommen, dass Beweise, also Quellen, von verschiedenen Historikern unterschiedlich in ihrer Aussagekraft und Verfassungsintention bewertet werden und somit zu anderen Schlüssen des Gesamtkontextes, in welchem sie stehen, führen. Was für den einen Historiker eine realitätsnahe, überaus wahrscheinliche Annahme darstellt, ist für den anderen nichts Weiteres als eine unwahrscheinliche Denkmöglichkeit. Lebhafte Diskussionen, Streit und sich über Jahre hinziehende und in vielen Büchern und Aufsätzen widerspiegelnde Kontroversen können die Folge sein. Das Reichskonkordat von 1933 zwischen Hitlerdeutschland und dem Heiligen Stuhl in Rom bietet Punkte für so einen Streit. Die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dieses Vertrages wird schon seit über 50 Jahren kontrovers diskutiert, und obwohl das Reichskonkordat zu den am besten erforschten Vertragswerken der neueren Geschichte gehört, gehen die Meinungen in Einzelpunkten bis heute auseinander. Da der Versuch, alle Diskussionen der letzten 50 Jahre darzustellen, in dem Rahmen der Arbeit scheitern muss, wird sich der Fokus auf eine Teilkontroverse richten. Die vorliegende Untersuchung möchte sich mit einem möglichen Kausalzusammenhang zwischen dem „Ja“ des Zentrums zu Hitlers Ermächtigungsgesetz 1 (23. März 1933), der Fuldaer Bischofskonferenz (28. März 1933) und dem Reichskonkordat (20. Juli 1933) bzw. dessen Realisierungsaussicht beschäftigen. Inwieweit und ob die Ereignisse dieser drei Daten in einem Kausalnexus stehen, ist in der Wissenschaft heftig umstritten (worden) und als Repgen-Scholder-Kontroverse 2 in selbige eingegangen. Nach dem Tode Klaus Scholders im Jahre 1985 scheint die Diskussion verlaufen zu sein. Die erschienende Literatur zum Thema nimmt spürbar ab. Bis heute liegt eine umfassende Übersicht über die Geschichte der Kontroverse nicht vor. 3 Es leitet sich also die Frage nach der heutigen Bewertung der Junktimkontroverse ab. Wurde sie aufgelöst oder ist sie schlicht im Sande verlaufen? Zu welchem Ergebnis kommen Literatur und Forschung bei der Evaluierung des Hauptstreitpunktes heute? [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Absichten Hitlers

3 Die Junktimkontroverse

3.1 Das Entstehen der Kontroverse

3.2 Die Kontroverse bis 1977

3.3 Scholders Argumentation

3.4 Repgens Argumentation

3.5 Der Kaas-Brief

4 Der weitere Werdegang der Kontroverse bis in die Gegenwart

5 Schlussbetrachtungen

7 Monographien und Aufsätze

7.1 Internetquellen

Zielsetzung & Forschungsthemen

Die vorliegende Arbeit untersucht den forschungsgeschichtlichen Diskurs um die sogenannte Junktimthese, welche einen kausalen Zusammenhang zwischen der Zustimmung der Zentrumspartei zum nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetz im März 1933 und dem Abschluss des Reichskonkordats vermutet. Ziel ist es, den Verlauf und die Argumentationsmuster der langjährigen wissenschaftlichen Kontroverse zwischen den Historikern Klaus Scholder und Konrad Repgen kritisch nachzuzeichnen und den aktuellen Stand der Forschung zu bewerten.

  • Die Machtübernahme Hitlers und die Strategie zur Ausschaltung des politischen Katholizismus.
  • Die historische Debatte um den "Kausalnexus" zwischen dem Ermächtigungsgesetz und dem Reichskonkordat.
  • Die Analyse der gegensätzlichen Positionen von Klaus Scholder (Junktimthese) und Konrad Repgen.
  • Die Auswertung zentraler Quellen wie der Memoiren von Heinrich Brüning und der Korrespondenz von Ludwig Kaas.
  • Die Rolle der Vatikanischen Archive bei der Bewertung der historischen Vorgänge.

Auszug aus dem Buch

3.3 Scholders Argumentation

Es soll im Folgenden der Versuch unternommen werden, die Hauptargumente und wichtigsten Quellen von Klaus Scholder wertfrei nacheinander darzustellen. Im Wesentlichen stützt sich seine Beweisführung auf drei Aktenfunde.

Die Memoiren des Zeitgenossen Heinrich Brüning verleihen Scholders Position enorme Plausibilität. Anders als Repgen sieht er keinerlei Anlass, den Worten des ehemaligen Reichskanzlers nicht Glauben schenken zu können. Auch wenn er die Kritik an manchen Einzelpunkten der Erinnerungen durchaus teile, so denke er nicht, dass sich Brüning in so einer wichtigen Frage geirrt oder gar bewusst gelogen habe. Nach Brünings Worten war Kaas zuerst Prälat und „naturgemäß“ an einer Konkordatsrealisierung interessiert. Als Hitler ihm dann Zusicherungen in dieser Richtung gab, wurde sein Widerstand gegen ein negatives Votum am 23. März geringer. Dies stützt die These Scholders ganz erheblich.

Die zweite wichtige Quelle ist ein im Frühherbst 1933 publizierter Aufsatz von Ludwig Kaas, in dem er den Konkordatsabschluss zwischen dem Vatikan und Mussolini von 1929 würdigt. Jahre lang hatte das Zentrum mit der Sozialdemokratie um vertragsrechtliche Regelungen mit dem Heiligen Stuhl gerungen. Daher habe der Prälat den Vertrag zwischen der autoritären Kirche und einem „autoritären Staat“ als völlig neue Möglichkeit und beispielhafte Chance für das Deutsche Reich begriffen. Damit will Scholder zeigen, dass sich der Politiker und Prälat Ludwig Kaas schon lange mit Konkordaten beschäftigt hatte und ihm die Lateranverträge von 1929 gut bekannt waren. Daraus resultierend hätte er das Angebot eines Tauschs – positives Votum am 23. März gegen Konkordatsabsicht – angenommen, um rechtliche Sicherungen für die deutschen Katholiken auf diesem Wege zu erreichen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Kontroverse um den Kausalzusammenhang zwischen dem Ermächtigungsgesetz und dem Reichskonkordat ein und skizziert die Fragestellung der Arbeit.

2 Die Absichten Hitlers: Hier werden Hitlers Taktik zur Pseudolegalität, sein Bestreben zur Ausschaltung des politischen Katholizismus und die Rolle des Zentrums im März 1933 analysiert.

3 Die Junktimkontroverse: Dieses zentrale Kapitel beleuchtet den historischen Kontext, den Verlauf des wissenschaftlichen Streits sowie die spezifischen Argumentationslinien von Scholder und Repgen.

4 Der weitere Werdegang der Kontroverse bis in die Gegenwart: Der Abschnitt dokumentiert die Entwicklung der Debatte nach 1983 und den Einfluss neuerer Quellenfunde auf die historische Einordnung.

5 Schlussbetrachtungen: Das Kapitel fasst die Uneindeutigkeit der Quellenlage zusammen und unterstreicht die Vieldeutigkeit der Zeitgeschichte im Kontext dieser Debatte.

7 Monographien und Aufsätze: Dieses Verzeichnis listet die verwendete Fachliteratur und Quellen für die Untersuchung auf.

Schlüsselwörter

Junktimthese, Reichskonkordat, Ermächtigungsgesetz, Zentrumspartei, Klaus Scholder, Konrad Repgen, Nationalsozialismus, Politischer Katholizismus, Vatikan, Heinrich Brüning, Ludwig Kaas, Kausalnexus, Historische Kontroverse, Machtergreifung, NS-Diktatur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die sogenannte Junktimkontroverse, einen langjährigen Historikerstreit darüber, ob der Abschluss des Reichskonkordats 1933 mit der Zustimmung der Zentrumspartei zum nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetz kausal verknüpft war.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die kirchenpolitische Strategie der NSDAP, die Rolle der Zentrumspartei während der NS-Machtergreifung sowie die methodischen Unterschiede in der historischen Interpretation von Quellen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, wie der aktuelle Forschungsstand zur Junktimkontroverse zu bewerten ist und ob die These eines "Tauschgeschäfts" zwischen Hitler und dem Vatikan wissenschaftlich haltbar ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine forschungsgeschichtliche Analyse, die den Diskurs anhand von Fachpublikationen, Primärquellen und der Gegenüberstellung gegensätzlicher historiographischer Positionen aufarbeitet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der politischen Ausgangslage 1933, die detaillierte Gegenüberstellung der Argumentationen von Klaus Scholder und Konrad Repgen sowie die Entwicklung der Debatte bis in die Gegenwart.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Junktimthese, Reichskonkordat, Ermächtigungsgesetz, Historikerstreit und politischer Katholizismus definiert.

Welche Rolle spielen die Memoiren von Heinrich Brüning in der Argumentation von Klaus Scholder?

Scholder nutzt die Aufzeichnungen von Brüning, um die These zu stützen, dass der Zentrumsführer Ludwig Kaas durch konkrete Zusicherungen Hitlers bezüglich eines Konkordats zur Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz bewegt wurde.

Wie begründet Konrad Repgen seine Ablehnung der Junktimthese?

Repgen argumentiert, dass für die Junktimthese keine eindeutigen, aktenmäßigen Belege existieren und dass Scholder zu stark auf "Indizien-Argumentationen" zurückgreift, anstatt die Quellenlage historisch-kritisch zu prüfen.

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Details

Title
Die Repgen-Scholder-Kontroverse um die Nazi-Kirchenpolitik
College
University of Potsdam
Grade
1,0
Author
Daniel Sosna (Author)
Publication Year
2006
Pages
19
Catalog Number
V71096
ISBN (eBook)
9783638620314
Language
German
Tags
Repgen-Scholder-Kontroverse Nazi-Kirchenpolitik Kirche im Dritten Reich Repgen Scholder Junktimkontroverse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Sosna (Author), 2006, Die Repgen-Scholder-Kontroverse um die Nazi-Kirchenpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71096
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