Frauensport - Die Entwicklung des Frauenbildes von 1900 bis zum 2. Weltkrieg


Examensarbeit, 2007

55 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Anmerkung zur Sprache

1. Belle Époque
a) Frauenrolle
b) Frauenbild
c) Frauensport

2. In der Weimarer Republik
a) Frauenrolle
b) Frauenbild
c) Frauensport

3. Während des Nationalsozialismus
a) Frauenrolle
b) Frauenbild
c) Frauensport

Schlussbetrachtung

Selbständigkeits-Erklärung

Literaturnachweis

Zitierungen

Bildquellennachweis

Anhang 1: Personenregister

Anhang 2: Bildmaterial und Eckdaten zur Belle Époche

Anhang 3: Bildmaterial und Eckdaten zur Weimarer Republik

Anhang 4: Eckdaten zum Nationalsozialismus

Einleitung

Die Vielfältigkeit des Sports wie sie heute existiert, hat sich hauptsächlich aus dem Spielsport, der in England entstand, dem Turnsport, der sich in Deutschland begründet, dem gymnastischen Sport, der in Schweden seinen Ursprung findet und natürlich aus den athletischen Wettkämpfen des antiken Griechenlands entwickelt.

In allen uns vertrauten Kulturen wurden, von frühester Zeit an, dem weiblichen und dem männlichen Geschlecht verschiedene Rollen zugeordnet. Dies begründet verständlicherweise, warum das Sporttreiben von Frauen und Männern, Jungen und Mädchen zu verschiedenen Epochen, in verschiedener Art und Weise und unter Bedingungen, die nicht unterschiedlicher sein können, begann.

Diese Ausarbeitung bezieht sich auf die Entwicklung in Deutschland vom Ende des 19. Jahrhundert bis zum Beginn des 2. Weltkrieges. Die grobe Orientierung fällt hierbei auf den Fortgang im Bereich des Turnens.

Anmerkung zur Sprache

Die teilweise schwierige Abhebung von Begriffen, Ausdrücken der jeweiligen Epoche wurde darin versucht, Worte bzw. Redewendungen des zeitgenössischen Sprachgebrauchs durch besondere Markierungen > < abzusetzen. Eine sprachliche Änderung oder Umschreibung wäre eine Einbuße in der Vermittlung des damaligen Zeitgeistes und würde den Text unnötig komplizieren.

1. Belle Époque (1880 - 1914)

1.a) Frauenrolle

Der Mediziner und Politiker Rudolf Virchow (1821-1902) äußerte sich als Mitglied des Deutschen Reichstages mehrfach zur Frauenbewegung und zum Frauensport: „Weiblichkeit ist abhängig von den Funktionen des Eierstocks[..]. Das Weib ist eben nur Weib durch seine Generationsdrüse[...]“(vgl. Diem, Frau und Sport, Freiburg, 1980, S. 113)

Diese durchaus frauenfeindlichen Bemerkungen des Herrn Virchows scheinen seine eindeutige Idee der Frauenrolle darzustellen. Nichtsdestotrotz bereitete er den Frauen seinerzeit große Zugeständnisse in Sachen körperlicher Ertüchtigung sprich Sport. Er bezeichnete das Turnen als absolut notwendigen, integrierenden Teil auch des Unterrichts der Mädchen, besonders auf Landschulen, da dort Mädchen zu oft mit weit über ihre Kräfte gehenden Arbeiten belastet würden. So vertrat er den Standpunkt, dass kräftig ausgeführte Frei- und Handgeräteübungen oder Bewegungsspiele schon ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht zu der schweren Haus- und Feldarbeit böten (vgl. Diem, 1980, S. 113).

Die Aussagen einer einzigen Persönlichkeit der damaligen Zeit spiegelt nahezu die ganze Breite der öffentlichen Meinung über die Rolle der Frau und das Frauenbild um die Jahrhundertwende wieder.

Der Mann stellte das Oberhaupt der Familie dar. Die Frau konnte ausschließlich durch Heirat materielle und gesellschaftliche Anerkennung erreichen, d. h. die Mädchen wurden in häuslicher und schulischer Erziehung auf die Aufgaben der Hausfrau als Repräsentationsgestalt vorbereitet. Sie hatten letztlich als Dekorationsobjekt, als Zierde des Hauses ihres Gatten zu fungieren. Für die Hausarbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

gab es schließlich Dienstpersonal. Aus diesem Grund lag der Schwerpunkt der Mädchenerziehung auf moralischen Normen und Werten, Gebote des Anstandes, gefälliges Auftreten in der Öffentlichkeit u. ä. Die weitere Aufgabe der Frauen wurde im Kaiserreich (ab 1871) ganz deutlich als eine Verpflichtung gegenüber dem Vaterland gesehen: die Geburt gesunder, starker Söhne, die für ihr Land kämpfen sollten (vgl. Peyton, Frauensport in Europa, Ahrensburg, 1989, S. 38ff und Müller-Windisch, Aufgeschnürt und außer Atem, Frankfurt, 1995, S30ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die jeweils geltenden Norm- und Wertmuster, Vorstellungen, Ideale sowie die tat-sächliche gesellschaftliche Situation der Frauen stellten von Anfang an auch in der Entwicklung der Leibesübungen des weiblichen Geschlechts eine Schlüsselfunktion dar. Eingeengt, in lange etwa 15 Kilo schwere Kleider, wurden die Frauen im wahrsten Sinnen des Wortes unbeweglich gemacht, von ihrem Körper entfremdet, geschwächt. „Das Korsett war ein Panzer, der nicht nur zur Bändigung und Formung des Körpers diente, sondern auch zu der des Geistes.“ (vgl. Peyton, 1989, S. 39) Die Frauen hatten sich in ihrer Kleidung den von Männern angemaßten ästhetischen Vorstellungen zu unterwerfen. Hierzu zählten beispielsweise enge, zu kleine Schuhe, die einen schmalen und zierlichen Fuß machten oder eng geschnürte Mieder, um die Taille auf einem geringsten Maß zu halten. Die Ärzte und Wissenschaftler, welche die fatalen Folgen wie Missbildungen des passiven Bewegungsapparats, ungenügend ausgebildete Organe (vor allem Lungeninsuffizienz), mangelnde Körperfunktionen (Verdauung, Gebärfähigkeit,…) und ebenso schwerwiegende Krankheiten wie beispielsweise Brustkrebs, Hepatitis, Tuberkulose erkannten, versuchten vergeblich die Gesellschaft des viktorianischen Zeitalters diesbezüglich positiv zu beeinflussen. Das [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (BQN4)

Risiko der Folgeschäden am weiblichen Körper war allgemein bekannt und – Mann sowie Frau – nahm sie meist als gegeben hin (vgl. Müller-Windisch, 1995, S. 58ff).

Die Gleichheitsideale der Aufklärung durch die französische Revolution breiteten sich mehr und mehr aus. Stimmen wurden laut, die Forderungen nach Gleichstellung der Geschlechter stellten. Die gering geachteten Merkmale wie Passivität, Emotionalität, die den Frauen zugeschrieben wurden, wollten abgelegt werden bzw. Merkmale, die den Männern zugesprochen wurden und als positiv galten, wurden nun auch von Frauen in Anspruch genommen, d. h. zum Beispiel Aktivität und Rationalität. Nicht zuletzt auch durch die Industrialisierung, während welcher Frauen als billige, geschickte und gefügige Arbeitskräfte galten, musste sich die Rolle der Frauen zur Jahrhundertwende den veränderten Außenweltbedingungen anpassen – die binnenfamiliäre Struktur blieb davon jedoch meist unangetastet (vgl. Peyton, 1989, S. 37/50).

1.b) Frauenbild

Das Frauenideal setzte sich aus dem Wesen, dem Äußeren, der Sexualität, entsprechend der Komplementärsideologie zusammen. „Mit dem Wesen der Frau sollte ihr Körper harmonisch im Einklang stehen und im Gegensatz zu dem des Mannes durch Zartheit, Sanftheit, wellenförmige Linien, üppige Fülle auszeichnen.“ (vgl. Peyton, 1989, S. 39). Das Bild wurde durch Attribute wie Frigidität, Unschuld, Tugendhaftigkeit komplettiert. Als Folge dessen trat eine Problematisierung der weiblichen Sexualität auf. Die Sexualität der Frauen wurde tabuisiert. Viele Körperteile der Frau wurden tabuisiert. Bewegungen und Verhaltensweisen wurden eingeschränkt. Alles spitzte sich zu bis hin zu einer extremen Prüderie. Dadurch entstanden strenge Vorschriften und Verbote für Kleidung und Verhaltensweisen der Frauen, die sich schließlich auch in der Mode widerspiegelten. Das Ende war das weibliche Ideal einer >glockenförmige Frau< ohne Beine. In ein Fischbeinkorsett eingeschnürt verursachte schon mo- derates Vorbeugen eine Qual, tief angesetzte, hautenge Ärmel schränkten die Armfreiheit auf ein Minimum ein und verhinderten ein Anheben der Schultern gänzlich; aufgeblähtes Rockvolumen, das durch 5 – 10 kg schwere Unterwäsche und Oberkleidung von ungefähr dem gleichen Gewicht produziert wurde, ließen die Tatsache vergessen, dass es sich bei der Frau auch um ein zweibeiniges Lebewesen der Spezies Homo Sapiens handelte (vgl. Peyton, 1989, S 39).

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Badekleidung für die Damen Ende des 19. Jahrhunderts (BQN8+9)

1.c) Frauensport

Der aus der Industrialisierung resultierenden Veränderungen wie Kontakt und Austausch mit anderen Ländern über Reisen oder Medien, Forschungen, Politik usw. gaben Einblicke in das Leben anderer Kulturen. Der menschliche Ehrgeiz in aller Welt zu den Besten und Fortschrittlichsten zu gehören, machte auch vor der Entwicklung der Körperertüchtigungsformen keinen Halt. So profitierte auch der Sport. Durch persönliche Erfahrungen, Presse, etc. veränderten und mischten sich die verschiedenen Sportarten, spezialisierten sich, Sportkleidung veränderte sich in der Funktionalität, bisher unbekanntere Sportarten aus anderen Kulturen hielten Einzug und auch der Bezug von Frauen zum Sport bekam dadurch wichtige Impulse. Beispielsweise sorgte mitunter Queen Victoria von England für die Verbreitung des Radfahrens, da sie selbst gerne Rad fuhr (vgl. Diem, 1980, S 30/Peyton, 1989, S. 160).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Rolle der Frau in der Turnbewegung wurde durch das Bestimmungsrecht des Mannes geformt. Er entschied in den Anfängen der Entwicklung des Frauenturnens, ob Frauen überhaupt turnen dürfen oder sollen. Die kulturgeschichtlich bedingte Auffassung von >Frausein<, die vom Mann definiert wurde, beeinflußte alle Bereiche des Frauenturnens: den Übungsbetrieb, die Leistungsfrage, Leis-tungsbegrenzung und Betätigungseinschränkung, die Turnkleidung, die Stoffauswahl, vor allem die Führungsbeteiligung und ihre Bewertung in der Öffentlichkeit. Frauen konnten sich bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kaum fachkundig zum Turnen äußern, da es nur wenige Turnlehrerinnen und so gut wie keine Ärztinnen gab, ergo vertrat niemand die Belange der Frauen im turnerischen Bereich. Veröffentlichungen über Leibesübungen aus dieser Zeit propagierten auch nur die körperliche Ertüchtigung der Mädchen und schlossen aus, dass erwachsene oder gar verheiratete Frauen turnen könnten (vgl. DTB, Deutsche Turnfeste, Bad Homburg, 1985, S 31/Peyton, 1989, S. 42).

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„Bei besonders exklusiven Sportarten wie Tennis oder Golf, hatten Frauen kaum Widerstände zu überwinden, da Sporttreiben hier zum gesellschaftlichen Ereignis wurde.“ (vgl. Peyton, 1989, S. 53) D. h., wie üblich hatte frau die erotisch-dekorative Rolle, mit einigen neuen reizvollen Nuancen zu spielen, und sie durfte nicht um ihretwillen oder des Sportes wegen Sport treiben, sondern primär zur Belustigung der Herrschaften (vgl. Peyton, 1989, S. 53).

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Eine Frau jedoch ließ sich scheinbar von alledem unbeeindruckt: Charlotte Cooper. Sie nahm ohne offizielle Autorisation des IOC (International Olympic Commitee) an den Olympischen Spielen am 9. Juli 1900 teil und erspielte sich und dem Frauensport in der Weltgeschichte die zwei ersten Goldmedaillen und zwar im Tennis Einzel und Mixed (vgl. Peyton, 1989, S 171).

Ziel der allgemeinen Leibesübungen beider Geschlechter waren, >wesensgemäße Aufgaben< zu fördern (vgl. DTB, 1985, S. 51):

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Obwohl 1880 anlässlich des 5. Deutschen Turnfestes, Damen als Spenderin des selbst gestickten Bundesbanners agieren und auf Antrag die Erlaubnis zu einer Vorführung bei einer Sonderveranstaltung des Turnfestes erhalten, sind Leibesübungen der Frauen zu dieser Zeit noch die Ausnahme. Die Notwendigkeit der körperlichen Ertüchtigung wurde von Ärzten und Pädagogen zwar erkannt und Mädchenturnen wurde bereits ab 1845 in den Turnvereinen aufgenommen, aber dabei blieb es vorerst. Hauptverantwortlicher Fürsprecher der Leibesübungen für die weibliche Jugend ist wohl der Turnpädagoge Adolf Spiess, der auch als „Vater des Mädchenturnens“ bekannt wurde und das allgemeine Schulturnen begründete (vgl. DTB, 1985, S. 32/Pfister, Frau und Sport, Frankfurt, 1980, S. 41).

Das deutsche Turnen, dessen Grundlagen von Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) erstellt wurden, baute jedoch in seinen >männerbündischen< Inhalten und seiner Organisation auf die Wehrhaftmachung der männlichen Jugend auf. Frauenabteilungen wurden daher bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts schlichtweg abgelehnt (vgl. DTB, 1985, S. 19ff).

Der tatsächliche Beginn des Frauenturnens ist nur grob auf die Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts festzulegen, da es natürlich keinen allgemeinen Startschuss gab sondern, wie in vielen anderen Lebensbereichen auch, Einzelkämpferinnen andere inspirierten, aus Grüppchen Gruppen wurden und der Stein des Frauensports allmählich in Bewegung kam. Fest steht allerdings, dass der Ausgangspunkt das Männerturnen und das schulische Mädchenturnen war.

Die Deutsche Turnerschaft (DT) legte für sich den Beginn im Jahre 1897 fest, wobei der Arbeiter-Turner-Bund (ATB) die Anfänge für das Jahr 1895 notierte. Der ATB hat sich hierbei die Gleichberechtigung der Frau mit auf die Fahne geschrieben und gründete die erste Damenabteilung (TV Fichte, Berlin), was soviel heißt, dass nun die Frauen als Vereinsmitglieder mitgezählt wurden und aus dem Männerbund ein öffentlicher Bund des Turnens wurde. Zunächst reduzierten sich die Angebote für Frauen, Leibesübungen zu betreiben auf einzelne Turnanstalten in einzelnen Städten. Nach und nach erst richteten die Vereine Frauenabteilungen ein, wie auch 1887 z. B. der Allgemeine Leipziger Turnverein die >Abteilung für das weibliche Geschlecht< gründete, wobei trotz der Schaffung der Frauenabteilungen die Frauen weiterhin wie unmündige Kinder behandelt wurden oder dann als >Mannweibtum> abgewertet wurden (vgl. DTB, 1985 S. 31).

1894, zum 8. Deutschen Turnfest, in Breslau, erhielten die Damen des Alten Breslauer TV auf Antrag die Erlaubnis, öffentlich aufzutreten. Dies war damals mit einem Verstoß gegen bestehende Regeln gleichzusetzen und war gleichzeitig ein bahnbrechendes Ereignis für die weibliche Turnerschaft. Die Norm bestand nämlich darin, dass sich Frauen nur in Turnhallen mit zugezogenen Fenstern ertüchtigen durften und dass, wegen des männlichen Vorturners, eine Anstandsdame zugegen sein musste. Wie zu erwarten, motivierte der Auftritt der Breslauer Damen und förderte Neugründungen weiblicher Turngruppierungen. Diese wurden weiterhin meist an be-stehende Männervereine angegliedert aber finanziell sich selbst überlassen (vgl. DTB, 1985, S. 34).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wieder war es die Breslauer Frauenturnriege, die 1898 beim Turnfest in Hamburg mit einer Sonderaufführung auffiel. Die Turnriege Gymnastisches Institut 1905 in England (BQN6) wagte, aus der Norm der damaligen Turnmode auszubrechen, und anstatt mit dem üblichen, langen, dunkelblauen Rock mit blauer Bluse und Matrosenkragen zu turnen, fielen die Damen mit einem Outfit in anderen, frischeren Farben optisch aus dem Rahmen! Diese Vorführung sorgte sogleich für Furore und warf in der Männergesellschaft viele Fragen auf:

Wie ist frauengemäßes Turnen zu gestalten? Was schickt sich? Was ist zumutbar? (vgl. DTB, 1985, S. 36ff)

Die große Unsicherheit nicht nur über angemessene, frauengemäße Kleidung in Form, Farbe und Stoff verbreitete sich. Bis in die 40er/50er Jahre des 20. Jahrhunderts waren dies heiß diskutierte Themen und sind es eigentlich bis heute geblieben.

Ebenso wurden damals wie auch heute noch Übungen bzw. Wettkämpfe der Frauen meist von Männern kommentiert. Bei deren Bewertung jedoch die Übungsqualität mit dem individuellen Schönheitsbild des Betrachters bzw. der ‚sichtbaren’ Weiblichkeit der Frau, verwechselt wurde/wird. „Da musste man mit Entsetzen und Schmerz turnende Frauenabteilungen sehen, welche im Gerätturnen die weibliche Scham, die Sittsamkeit und den Anstand in unverantwortlicher Weise verletzen.[…] Weg mit allen Übungen, welche die Mädchen erheblich über ihre eigene Körpergröße vom Boden entfernen, und weg mit allen Übungen, bei denen eine Kleidung notwendig wird, die sich der Turntracht des männlichen Geschlechts ähnlich gestalten muss. Die Ethik verlangt, dass keine Turnübung gewählt wird, welche die weibliche Schicklichkeit und den Sinn für Wohlanständigkeit verletzt." (vgl. DTB, 1985, S. 38) so, ein Zeitgenosse.

Also wurden die Leistungsgrenzen der Frau nicht durch die Natur bestimmt sondern Gesellschaftsnormen, Etikette und Erziehung setzten den Rahmen fest. Das Tragen eines Turnrocks bzw. dessen Länge gab Aufschluss über die Moral der Sportlerin (vgl. DTB, 1985, S. 38/Müller-Windisch, 1995, S. 81).

Martha Thurm, gilt als eine mutige Kämpferin für eine gleichberechtigte Mitgliedschaft und Mitarbeit von Frauen in der Turnbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie war Herausgeberin der ersten Frauenturnzeitung (vgl. Peyton, , 1989, S. 47). M. Thurm kennzeichnete diese Organisationsform so: „ Die freien, selbständigen Frauenturnvereine sind Vereinigungen verschiedenster Richtungen, Anschauung und Betätigung und dementsprechend ist auch die Mitgliedschaft zusammengesetzt. In den losen Verbänden finden wir vielfach turnfröhliche Damen der ‚mittleren und oberen Zehntausend‘, andere umfassen ganze Berufsstände, wie Kaufmänninnen, Beamtinnen und Lehrerinnen, wieder andere treiben Turnen als Teilzweck ihrer Verbindung, wie zum Beispiel die konfessionellen Vereinigungen.“ (vgl. DTB, 1985, S. 35)

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Frauensport - Die Entwicklung des Frauenbildes von 1900 bis zum 2. Weltkrieg
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
55
Katalognummer
V71103
ISBN (eBook)
9783638617611
Dateigröße
2932 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauensport, Entwicklung, Frauenbildes, Weltkrieg
Arbeit zitieren
Valeska Otto (Autor), 2007, Frauensport - Die Entwicklung des Frauenbildes von 1900 bis zum 2. Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71103

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