Vergegenwärtigt man sich die Präsenz der Frauen an den Plattenspielern in größeren Clubs, so scheint es weibliche DJs nicht in sehr großer Anzahl zu geben. Immer wieder fällt beim Besuch verschiedener Veranstaltungen auf, dass hier männliche DJs den Abend gestalten oder als Hauptakteure auf Plakaten angekündigt werden. Frauen hinter dem Mischpult scheinen im Club eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Gibt es also womöglich keine weibliche DJ Kultur?
Die aufmerksame Beobachtung der DJ-Szene zeigt, dass insbesondere seit den 90er Jahren immer mehr Frauen hinter das Mischpult treten. Während vor allem männliche DJs an der herrschenden Kultur teilnehmen und sich in Club-Netzwerken organisieren und dabei ihr Geld verdienen, bilden sich hinter der Fassade Strukturen heraus, in denen sich nun eine DJane-Bewegung begründet.
Die Arbeit untersucht bestehende Strukturen der männlichen DJ Kultur und wo weibliche DJs darin platziert sind. Es wird gezeigt, dass weibliche DJs von Ausgrenzung betroffen sind und dass sie, in Bezug auf die Club- und DJ-Kultur, vergleichbar auch mit bestimmten Bereichen der Arbeits-, und Organisationswelt, mit eingeschränkten Aufstiegschancen konfrontiert sind. Es wird gezeigt wie weiblcihe DJs damit umgehen, wie sie sich organisieren und wo möglicherweise auch die Probleme dabei liegen. Am Ende der Arbeit kommen weibliche DJs selbst zu Wort.
Inhaltsverzeichnis
1. Geschlecht als Kategorie
1.1. Arbeitsteilung und Geschlechterkonstruktion
1.2. Geschlechtsspezifische Sozialisation
1.3. Doing gender: Die Konstruktion von Geschlecht
1.4. Exkurs: strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Musikgeschichte in Deutschland
1.5. Vorläufige Zusammenfassung
2. Kultur und Subkultur
3. DJ-Kultur und DJane-Bewegung
3.1. Der DJ und die DJane
3.2. Die Entwicklung der DJ-Kultur
3.2.1 Technische Grundlagen
3.2.2 Die Pioniere
3.2.3 Disco und die Club-Bewegung
3.2.4 Hip-Hop
3.2.5 Techno
3.3 Frauen in der DJ-Geschichte
4. Female Pressure: sichtbare Formen der DJane-Bewegung
4.1.Netzwerke und Communities
4.2. Die Clubkultur
4.3. Frauen- Netzwerke – Club
4.4. Ladyfeste und Frauenpartys
4.5. Vorwort: Massenmedien und Gesellschaft
4.6. Die Bedeutung des Internets für die DJane-Bewegung
4.7. Ladyfest-Websites – das virtuelle Netzwerk
4.8. Beispielhafte Webseiten: female:pressure, shejay.net, propellas
5. Resümee
6. Gespräche mit DJanes
7. Quellen
Zielsetzung und Themen
Die Magisterarbeit untersucht die Marginalisierung weiblicher DJs in der von Männern dominierten Club- und Musikszene. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie sich trotz struktureller Ausgrenzung und patriarchaler Barrieren eine eigenständige DJane-Bewegung formen konnte und welche Rolle Netzwerke sowie digitale Räume dabei spielen.
- Soziologische Grundlagen zu Geschlecht, Arbeitsteilung und Subkultur.
- Historische Entwicklung der DJ-Kultur und die untergeordnete Rolle von Frauen.
- Analyse von Netzwerken, Ladyfesten und Frauenpartys als Gegenräume.
- Bedeutung des Internets als demokratisches Medium für die Sichtbarkeit weiblicher DJs.
- Qualitative Einblicke durch Experteninterviews mit praktizierenden DJanes.
Auszug aus dem Buch
3.3 Frauen in der DJ-Geschichte
In den Entwicklungen der DJ Geschichte spielen Frauen eine untergeordnete Rolle. In dem knapp 500 Seiten dicken Buch „DJ Culture“ von Ulf Poschardt werden Frauen in der DJ Geschichte kaum erwähnt. Immerhin wird mit Sybil M. True die erste weibliche DJane genannt, die zusammen mit ihrem Gatten Dr. Elman B. Myers 1914 Radio aus New York sendete, oder mit Vivian Carter, die in den 50er Jahren als DJ einflussreich war und zusammen mit ihrem Mann ein Label führte, eine Frau in den Zusammenhang mit der DJ Geschichte gebracht. So kann behauptet werden, dass die über neunzigjährige DJ Geschichte maßgeblich von Männern geschrieben wurde.
Bill Brewster und Frank Broughten unterstützen diese Aussage in Ihrem Buch „Last Night a DJ Saved my Life“ in dem Sie bemerken „ Historically, it`s a different story. In Djing`s 93 years, woman have been largely frozen out of the picture, and there are precious few exceptions. On New York`s Fire Island circuit there was Sharon White and, latterly Susan Morbibito. A British expatriate called Jane Brinton (now Junior Vasquez`s manager) ran highly successful mobile disco in Los Angeles in the early seventies. Usually, however, the disco era saw woman confined to being decorous fixtures on the dancefloor.” Die Rolle der Frauen im Club war also lange Zeit eine eher dekorative – entweder hinter der Bar oder auf der Tanzfläche - oder sie stellten, insbesondere in der schwulen Disco-Ära in New York oder Chicago, eine Minderheit dar. Denn wie weiter oben beschrieben, drehte sich die frühe „dance culture“ fast ausschließlich um den schwulen Mann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Geschlecht als Kategorie: Theoretische Einführung in die soziale Konstruktion von Geschlecht und die strukturelle Benachteiligung von Frauen in historischen Arbeitsprozessen.
2. Kultur und Subkultur: Definition der soziologischen Begriffe Kultur und Subkultur als theoretischer Unterbau für die spätere Analyse der DJ-Szene.
3. DJ-Kultur und DJane-Bewegung: Historischer Abriss über die Evolution der DJ-Technik und die Entwicklung der Clubkultur, ergänzt um die Rolle von Frauen in dieser Geschichte.
4. Female Pressure: sichtbare Formen der DJane-Bewegung: Untersuchung von Netzwerken, Ladyfesten und virtuellen Foren, die Frauen einen geschützten Raum zur musikalischen Entfaltung bieten.
5. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der These, dass Frauen im DJ-Business vor einer gläsernen Decke stehen und neue Infrastrukturen zur Emanzipation benötigen.
6. Gespräche mit DJanes: Dokumentation von Experteninterviews mit zwei aktiven DJanes zur Praxis und den Hindernissen in ihrem Berufsalltag.
7. Quellen: Auflistung der verwendeten Literatur, wissenschaftlichen Arbeiten und Online-Ressourcen.
Schlüsselwörter
DJane, DJ-Kultur, Musikwissenschaft, Geschlechterkonstruktion, Doing Gender, Subkultur, Clubkultur, Netzwerke, Feminismus, Girl Power, Internet, Musikindustrie, Diskriminierung, Gleichberechtigung, Techno.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Situation von weiblichen DJs in der Musikszene und untersucht die Gründe für ihre Unterrepräsentation sowie die Wege, wie sie sich in einer männlich dominierten Branche behaupten.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf soziologischen Geschlechtertheorien, der Geschichte der DJ-Kultur, dem Konzept der Subkultur sowie der Rolle von Frauen-Netzwerken und digitalen Medien für die Emanzipation weiblicher DJs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die These zu belegen, dass weibliche DJs von struktureller Ausgrenzung betroffen sind und auf ihrem Karriereweg auf eine „gläserne Decke“ stoßen, während sie gleichzeitig versuchen, durch eigene Infrastrukturen dagegen vorzugehen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf qualitative Experteninterviews mit zwei erfahrenen DJanes, um die gewonnenen Erkenntnisse durch praktische Insider-Perspektiven zu stützen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Teil 1), die historische Herleitung der DJ-Kultur (Teil 3) und eine detaillierte Analyse der Gegenstrukturen wie Ladyfeste und Online-Plattformen (Teil 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind DJane, Clubkultur, Gender, Subkultur, Netzwerke, Technikaffinität und Diskriminierung.
Welche Rolle spielt Technik für weibliche DJs laut der Autorin?
Technik wird als ein entscheidender Machtfaktor identifiziert; die Arbeit zeigt auf, wie der Ausschluss von Mädchen aus technischen Ausbildungsfeldern in der Kindheit als Barriere für den späteren Erfolg am Mischpult fungiert.
Welche Bedeutung haben "Ladyfeste" für die Bewegung?
Ladyfeste dienen als wichtige alternative Handlungsfelder, die außerhalb normativer Clubstrukturen eine Bühne bieten und dabei helfen, Frauen als ernsthafte Künstlerinnen statt als dekorative Elemente wahrnehmbar zu machen.
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- Isabel Lorenz (Author), 2007, Die DJane Bewegung. Weibliche DJs zwischen Aufbruch und Marginalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71116