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Zwischen ehrgeizigem Projekt und historischer Entwicklung - Die europäische Integration aus der Perspektive des neoinstitutionalistischen Denkansatzes von James March und Johan Olson

Title: Zwischen ehrgeizigem Projekt und historischer Entwicklung - Die europäische Integration aus der Perspektive des neoinstitutionalistischen Denkansatzes von James March und Johan Olson

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: M.A. Christoph Müller (Author)

Politics - Topic: European Union
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Der neoinstitutionalistische Denkansatz von James March und Johan Olson ist keine Theorie im eigentlichen Sinne. Er stellt vielmehr eine Wiederentdeckung der Institutionen dar, die den “klassischen” Institutionalismus um soziale und kulturelle Aspekte erweitert und eine genaue Abgrenzung von unterschiedlichen Strömungen und Ausprägungen institutionalistischen Denkens in Form einer kritischen Auseinandersetzung vornimmt. Besonders im Bereich der EU-Integrationsforschung findet der Ansatz von March und Olson viel Beachtung.
In der vorliegenden Arbeit sollen wesentliche Aspekte des Ansatzes verdeutlicht und anhand konkreter Beispiele der Institutionenbildung beziehungsweise des Institutionenwandels der EU auf ihre Anwendbarkeit und Aussagekraft hin überprüft werden. Eine nähere Betrachtung der Entstehung europäischer Institutionen nach dem Zweiten Weltkrieg führt zu der Frage, ob die europäische Integration ein “ehrgeiziges Projekt” einzelner Politiker oder ein (zufälliges) Produkt der Geschichte ist. Da diese Frage für das Verständnis des Ansatzes von March und Olson insofern besonders zentral scheint, als sie die Bandbreite des neoinstitutionalistischen Denkens aufzeigt, wurde sie auch als Titel für die Arbeit gewählt. Sie basiert auf der für neue institutionalistische Theorien wesentlichen Überlegung nach der Rolle von Institutionen in politischen, sozialen und wirtschaftlichen Prozessen (“Do institutions matter?”) und versucht eine Antwort darauf zu finden, ob die europäische Integration sich durch die gemeinsame Kriegserfahrung der europäischen Staaten auch quasi von selbst ergeben hätte oder aber ob Initiativen wie die Gründung der Montanunion notwendig waren.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung europäischer Institutionen nach dem Zweiten Weltkrieg

2.1 Die europäische Integration: “Ehrgeiziges Projekt” einzelner Politiker oder (zufälliges) Produkt der Geschichte?

2.2 Europa damals und heute: Fehlt den Akteuren in der EU eine gemeinsame Motivation?

3. Identität und Identifikation - Ein Vergleich nationaler und europäischer Kultur

3.1 Sozialisation als Verinnerlichung von Werten

3.2 Koordination durch Institutionalisierung: Wie wirken Institutionen auf individuelle Akteure?

4. Institutionelle Stabilität durch Flexibilität

4.1 Entlastung durch Habitualisierung

4.2 Die Osterweiterung als Herausforderung für die EU-Institutionen

5. Wie problemlösungsfähig sind EU-Institutionen?

5.1 Institutionenwandel als “tastende Anpassung an veränderte Bedingungen”

5.2 Entscheidungsfreiheit oder Pflichterfüllung? Zum Verhalten von Individuen in politischen Prozessen

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die europäische Integration durch die theoretische Brille des Neoinstitutionalismus nach James March und Johan Olson. Ziel ist es, den Institutionenwandel der EU kritisch zu beleuchten und zu klären, inwieweit politische Akteure in ihren Handlungsspielräumen durch Institutionen, kulturelle Prägungen und Verpflichtungen determiniert sind, anstatt rein rationalen Nutzenkalkülen zu folgen.

  • Neoinstitutionalistische Analyse europäischer Institutionenbildung
  • Vergleich zwischen nationaler und europäischer Identitätsbildung
  • Rolle institutioneller Flexibilität bei Krisen und Erweiterungen
  • Problemlösungsfähigkeit des EU-Mehrebenensystems
  • Verhaltenslogik politischer Akteure zwischen Pflicht und Freiheit

Auszug aus dem Buch

2.1 Die europäische Integration: “Ehrgeiziges Projekt” einzelner Politiker oder (zufälliges) Produkt der Geschichte?

In der Theorie von Johan Olson und James March steht unter anderem die These im Mittelpunkt, dass Institutionen Werte und andere handlungsleitende Größen implizieren. Ausgehend vom Nutzenmaximierungsprinzip des Rational-Choice-Ansatzes wird Individuen unterstellt, dass sie zur Realisierung ihrer Präferenzen die Bildung von Institutionen anstreben. Diesen Umstand sollte man sich zunächst vergegenwärtigen, um eine der zentralen Aussagen der Theorie von James March und Johan Olson auf die Geschichte der europäischen Einigung anwenden zu können.

“Individuals try to make sense of their histories. They discover or impose order, attribute meanings, provide explanations, and experience pleasure or pain. Several biases in the construction of meaning are well known. Participants in events tend to overestimate low probabilities and underestimate high ones, and attach higher probabilities to desirable outcomes than to others. They are likely to see history in a way that confirms their prior beliefs or reflects favorably on themselves. They tend to attribute favourable outcomes to the intelligence of their actions and unfavourable outcomes to the actions of others, to exaggerate their own contributions to joint products, to come to prefer those things that they can achieve.”

Nach einer europäischen Geschichte, die von Zersplitterung in viele, einander feindliche gesonnene Staaten und von aus der Feindschaft resultierenden Kriegen geprägt war, fassten mit der Gründung der Montanunion einige Europäer den Entschluss, der europäischen Geschichte fortan einen anderen Verlauf zu geben. Dieser Institutionalisierung einer Zusammenarbeit europäischer Staaten in wirtschaftlichen Fragen ging eine Reihe von Überlegungen voraus, die mehr oder weniger ausgereifte Konzeptionen für eine europäische Einigung bereit hielten. Eine Keimzelle für Überlegungen in diese Richtung stellte sicherlich die Widerstandsbewegung gegen das nationalsozialistische Regime dar. Bereits vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs besannen sich Kriegsgegner auf gemeinsame europäische Werte und den grenzüberschreitenden Wunsch, den Krieg zu verhindern. Der Kampf gegen den Krieg kann zugleich auch als Kampf für ein besseres Europa angesehen werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den neoinstitutionalistischen Ansatz von March und Olson sowie Darlegung der Forschungsfrage zur Entstehung und Dynamik europäischer Institutionen.

2. Die Entstehung europäischer Institutionen nach dem Zweiten Weltkrieg: Analyse der Ursprünge europäischer Einigungsprozesse und der Frage, ob diese intentional geplant oder historisch zufällig entstanden sind.

3. Identität und Identifikation - Ein Vergleich nationaler und europäischer Kultur: Untersuchung des Einflusses von Werten und kultureller Sozialisation auf die Identifikation von Akteuren mit dem Nationalstaat versus der EU.

4. Institutionelle Stabilität durch Flexibilität: Diskussion der Bedeutung von Habitualisierung und der Anpassungsfähigkeit von Institutionen am Beispiel der Osterweiterung.

5. Wie problemlösungsfähig sind EU-Institutionen?: Erörterung der Leistungsfähigkeit des EU-Mehrebenensystems und des Verhaltens von Akteuren in politischen Entscheidungsprozessen.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Erkenntnisse bezüglich der Rolle von Institutionen, Symbolen und Pflichtstrukturen in der europäischen Integration.

Schlüsselwörter

Neoinstitutionalismus, James March, Johan Olson, Europäische Integration, Mehrebenensystem, Institutionen-Design, Identität, Habitualisierung, Problemlösungsfähigkeit, Osterweiterung, Institutionenwandel, politische Akteure, Montanunion, nationale Identität, Integrationstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den europäischen Integrationsprozess anhand des neoinstitutionalistischen Ansatzes von James March und Johan Olson, um zu verstehen, wie Institutionen entstehen und Akteure in politischen Prozessen beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Genese europäischer Institutionen, der Vergleich nationaler und europäischer Identitäten, die Stabilität durch institutionelle Flexibilität sowie die Problemlösungsfähigkeit der EU.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob die europäische Integration ein bewusstes "ehrgeiziges Projekt" einzelner Akteure war oder ein historisch zufälliges Produkt, und inwieweit Akteure heute eher durch Pflichtgefühl oder rationales Kalkül geleitet werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theoretische Analyse auf Basis des Neoinstitutionalismus durchgeführt, die durch die Untersuchung konkreter Beispiele wie der Montanunion, der Osterweiterung und dem Verfassungskonvent ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die historische Entstehung von Institutionen, die Rolle von Kultur und Sozialisation, die Bedeutung von Habitualisierung für Stabilität sowie die Effizienz politischer Entscheidungsfindung im Mehrebenensystem.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neoinstitutionalismus, Institutionen-Design, Europäische Integration, Mehrebenensystem, Akteurshandeln, Problemlösungsfähigkeit und kulturelle Sozialisation.

Warum spielt das Konzept der "Pflicht" eine so große Rolle für den Autor?

Der Autor nutzt den Begriff der Pflicht, um zu erklären, warum politische Akteure in der EU oft in ihren Spielräumen eingeschränkt sind – sie handeln nicht immer frei, sondern sind an parlamentarische Kontrolle und institutionelle Vorgaben gebunden.

Wie bewertet der Autor die Problemlösungsfähigkeit der EU?

Sie wird als differenziert betrachtet: Während in Bereichen wie Umweltpolitik eine relativ hohe Problemlösungsfähigkeit besteht, ist diese in der Sozialpolitik aufgrund komplexer Interessenstrukturen eher gering.

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Details

Title
Zwischen ehrgeizigem Projekt und historischer Entwicklung - Die europäische Integration aus der Perspektive des neoinstitutionalistischen Denkansatzes von James March und Johan Olson
College
University of Tubingen
Grade
1,3
Author
M.A. Christoph Müller (Author)
Publication Year
2003
Pages
29
Catalog Number
V71126
ISBN (eBook)
9783638631006
ISBN (Book)
9783638674966
Language
German
Tags
Zwischen Projekt Entwicklung Integration Perspektive Denkansatzes James March Johan Olson
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Christoph Müller (Author), 2003, Zwischen ehrgeizigem Projekt und historischer Entwicklung - Die europäische Integration aus der Perspektive des neoinstitutionalistischen Denkansatzes von James March und Johan Olson, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71126
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