Ludwig II. in seinem Verhältnis zum Kloster Casauria


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

36 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Quellenlage und Forschungsstand zum Kloster Casauria

3. Die Bedeutung des Klosters Casauria für Ludwig II.
3. 1. Das Kloster Casauria im Vergleich mit San Sisto und San Salvatore
3.1.1. Quellenanalyse für Casauria
3.1.2. Quellenanalyse für San Sisto in Piacenza
3.1.3. Quellenanalyse für San Salvatore in Brescia
3.1.4. Gegenüberstellung der Ergebnisse
3.2. Zeitlicher Hintergrund der Gründung Casaurias
3.3. Mögliche Funktionen der Stiftung Casauria

4. Darstellungen Ludwigs II. in Quellen des 9. und des 12. Jahrhunderts
4.1. Vorstellung der Quellen
4.2. Die Chronik Casaurias im Vergleich mit Quellen des 9.Jahrhunderts
4.2.1. Ludwigs II. Kampf gegen die Sarazenen
4.2.2. Ludwigs II. Konflikt mit Benevent und seine Gefangennahme
4.2.3. Der Tod Ludwigs II

5. Zusammenfassung

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Literatur- und Quellenverzeichnis

III. Anhang: Karte mit Besitzungen der Klöster

1. Einleitung

Um zum Thema dieser Hausarbeit „Ludwig II. in seiner Beziehung zum Kloster Casauria“ hinzuführen, scheint es sinnvoll, zunächst kurz auf die Bedeutung von königlichen Klostergründungen zur Zeit der Karolinger einzugehen. Bereits seit der Spätantike spielten Schenkungen an geistliche Gemeinschaften im Christentum eine Rolle. Eine besondere Form davon war die Stiftung und Ausstattung von Kirchen/Klöstern durch weltliche Herrscher, die insbesondere der Sorge für das Seelenheil und dem Andenken des Stifters dienen sollte.[1] Von Seiten der karolingischen Herrscher galt die Pflege der christlichen Religion und des divinus cultus als wichtige Aufgabe, die auch den Bau von Kirchen und Klöstern[2] nach dem Vorbild biblischer Herrscher beinhaltete. Die Gegenleistung der gestifteten oder protegierten Kirchen/Klöster waren Gebete für den Herrscher, das Reich und das königliche Heer. Die Motive für Stiftungen sind jedoch nicht als rein spirituelle zu sehen. Zielinski weist darauf hin, dass in der karolingischen Zeit gerade königliche Kirchen- oder Klostergründungen dazu dienten, die auf Gott gegründete Herrschaft zu repräsentieren und zu legitimieren, wobei der feierliche Herrschaftsakt der Dotation oder Weihe eine wichtige Rolle spielte.[3] Hinzu kommen zahlreiche pragmatische Gründe, die einen Herrscher zur Stiftung eines Klosters bewogen haben mögen[4]. Zum einen stellten die Klöster einen Wirtschaftsfaktor dar, etwa indem sie die Pfalzen versorgten, als Unterkunft dienten, das königliche Gefolge auf seinen Durchzügen mit Naturalien belieferten oder regelmäßig Abgaben entrichteten. Hinzu kamen die Bereitstellung und Versorgung von Truppen für Kriegsdienste[5], sowie die politischen Aufgaben als Königsboten oder Gesandte, die von Klosterangehörigen versehen wurden.[6] Eine letzte wichtige Rolle spielte die Versorgung von Mitgliedern der Herrscherfamilie, die sowohl als Leiter/Innen als auch als Inhaber/Innen von Klöstern auftraten bzw. selbst Klöster stifteten.[7] Für die Herrschaftspraxis der Karolinger waren diese ein bedeutendes Element.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit einer Klostergründung im Italien des 9.Jahrhunderts – dem Kloster Casauria an der Pescara, das aller Wahrscheinlichkeit nach in den 870er Jahren von Kaiser Ludwig II. gegründet wurde. Den Hintergrund für die Klostergründung bildet also die spezielle Mächtekonstellation in Italien zwischen Karolingern, Langobarden und Muslimen, dem byzantinischen Reich und dem weströmischen Kirchenstaat. Weiterhin ist die besondere Beziehung von Ludwig II. zu Italien zu berücksichtigen, der als erster karolingischer Herrscher auch dort residierte.[8]

Zunächst wird in Kapitel 2 ein Überblick über die Quellenlage und den Forschungsstand gegeben, die dieser Hausarbeit zu Grunde liegen. Im Kapitel 3 wird anschließend versucht, die Bedeutung Casaurias für Ludwig II. einzuschätzen. Da sich diese weder aus der Literatur noch aus der Hauptquelle[9] ohne weiteres erschließen lässt, scheint es sinnvoll, verschiedene Herangehensweisen zu kombinieren. Zum einen wird an Hand der Diplome Ludwigs[10] und weiterer auf Casauria bezogener Dokumente[11] versucht, die Bedeutung des Klosters zu rekonstruieren. Zum Vergleich werden mit diesem Verfahren auch zwei andere Klöster in Italien betrachtet, die zur Regierungszeit Ludwigs II. eine Rolle spielten. Das erste ist die Stiftung seiner Gemahlin Angilberga, San Sisto in Piacenza; das zweite, San Salvatore in Brescia, ebenfalls ein Frauenkloster, stammt bereits aus dem 8.Jahrhundert. Als weiterer Zugang zur Fragestellung soll die Betrachtung der Klostergründung vor ihrem zeitlichen Hintergrund dienen. Dort wird auf konkrete Ereignisse während Ludwigs Regierungszeit eingegangen, die mit der Gründung in Zusammenhang stehen könnten.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Bild Ludwigs II., das in der Hauptquelle, dem Chronicon Casauriense[12] aus dem 12. Jahrhundert, entworfen wird. Dafür wurde ebenfalls ein vergleichender Ansatz gewählt und zeitgenössische Quellen aus dem 9. Jahrhundert herangezogen. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, wurden dafür drei Autoren ausgewählt, die sich alle ausführlicher mit Ludwig II. und seiner Regierungszeit befassen, aber vor recht unterschiedlichen Hintergründen schreiben: Andreas v. Bergamo[13], Erchempert[14] und Regino v. Prüm[15]. Da Ludwig II. wie im Folgenden erläutert wird, offenbar eine spezielle Beziehung zum Kloster Casauria hatte, stellt sich die Frage, ob sich diese auch in der Klosterchronik niederschlägt. Zu vermuten wäre, dass von Ludwig als Stifter Casaurias ein positives Bild entworfen wird. Auch der zeitliche Abstand zu seiner Regierungszeit und die zwischenzeitlich veränderten Machtverhältnisse in Italien lassen Wandlungen im Herrscherbild vermuten.[16] Um das zu überprüfen, wird untersucht, wie die vier Quellen bestimmte Ereignisse aus Ludwigs II. späteren Regierungsjahren und seinen Tod darstellen. Am Schluss werden die wichtigsten Ergebnisse der Kapitel 3 und 4 zusammengefasst und versucht, eine Brücke zwischen den verschiedenen Erkenntnissen zu schlagen.

2. Quellenlage und Forschungsstand zum Kloster Casauria

Mit der Benediktinerabtei Casauria, die von den 870er Jahren bis ins 15. Jahrhundert hinein bestand[17], haben sich nur wenige Autoren ausführlich beschäftigt. Von der Literatur, die für diese Arbeit erschlossen werden konnte, gehen nur Wanner und Zielinski direkt auf Casauria ein, wobei Zielinski auch auf Schriften von Cesare Manaresi und Alessandro Pratesi zurückgreift, die sich früher (allerdings auf Italienisch) mit den überlieferten Dokumenten befasst haben.[18] Offenbar ist es nicht ganz einfach, über Casauria gesicherte und eindeutig belegbare Aussagen zu treffen. Wanner schließt nicht einmal die Möglichkeit aus, dass das Kloster zu Unrecht als Stiftung Ludwigs II. gilt. Diese Unklarheit ist sicher vor allem auf die schwierige Überlieferungslage zurückzuführen. Das Klosterarchiv wurde bis auf wenige Reste zerstört und die Originalurkunden sind verloren.[19] Das bedeutet, dass die einzige Überlieferung auf das bereits erwähnte, später verfasste Chronik-Chartular oder Chronicon Casauriense (im Folgenden auch CC) zurückgeht. Da sich zeitgenössische Schriftsteller des 9.Jhs. nicht näher mit dem Kloster befassen, gibt ausschließlich dieses nachträglich entstandene Werk Auskunft über Casauria und seine Beziehung zu Ludwig II. Allerdings ist das besagte Chronik-Chartular, durch das wiederum die Urkunden-Abschriften überliefert sind[20], nicht vollständig und in seinem ursprünglichen Zusammenhang erhalten, sondern liegt in von Muratori zusammengestellten und ergänzten Teil-Editionen vor, besteht also quasi aus Bruchstücken.[21] Um heute etwas über Casauria herauszufinden, wird man sich trotzdem zwangsläufig auf diese Überlieferungen stützen, die auch den meisten Dokumenten über Casauria in den Regesta Imperii und der MGH zu Grunde liegen.

Einige Erkenntnisse und Forschungsprobleme, die bei der Beschäftigung mit dem Kloster immer wieder begegnen, lassen sich bereits an Hand der verschiedenen Benennungen des Klosters veranschaulichen.[22] Die Bezeichnung „Monasterium Sanctae Trinitatis“ stammt sehr wahrscheinlich bereits aus der Gründungszeit des Klosters, also aus den Jahren nach 871, und verweist auf den Wunsch des Stifters, das Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit zu weihen, wie es wohl auch geschah.[23] In der Chronik taucht, anders als in den Urkunden, die Bezeichnung „Monasterium Piscariense“ auf, die auf die Lage des Klosters am/im Fluss Pescara hinweist. Bei „Casauria“ handelte es sich ebenfalls um eine Ortsangabe, nämlich um die des Landstücks, auf dem das Kloster entstand; laut den Urkunden wurde es „in insula, cui nomen est Casa aurea“ bzw. „que Casa aurea vocitatur“[24] errichtet, wobei der Bezeichnung „insula“ besondere Bedeutung zukommt. Zielinski vermutet, dass es sich bei dieser angeblichen Insellage um eine spätere Hinzufügung handelt.[25] Das gleiche lässt sich über das Patrozinium des Heiligen Clemens sagen, auf das der Name „San Clemente a/di Casauria“ anspielt. Dieser Namenszusatz wird vermutlich erst mit dem Aufkommen der Clemens-Tradition im 10 Jh. verwendet, der zufolge Ludwig II. dem Kloster 872 eine Reliquie des Heiligen Clemens gestiftet haben soll.[26] Darüber, dass die Stellen in den Urkunden, die auf die Clemens-Tradition verweisen, interpoliert sind, ist sich die Forschung einig.[27] Das verweist auf eine weitere Schwierigkeit: Nur eine der sieben in der Monumenta Germaniae Historica (MGH) edierten Urkunden Ludwigs II. für Casauria, D.59., wurde nicht nachträglich manipuliert. Die anderen sind verunechtet, bei D.86 handelt es sich um eine Fälschung. Die manipulierten Stellen betreffen das Clemenspatrozinium, die Klostergründung, die Gewährung von Schutz und Immunität, die freie Abtwahl sowie bestimmte Güterschenkungen Ludwigs.[28] Vereinfacht dargestellt haben die Interpolationen wohl zwei Hauptzwecke verfolgt: Entweder die Urkunden wurden im Sinne der Klostertradition verändert oder sie wurden manipuliert, um die Machtstellung des Klosters, etwa in Form seiner Besitzrechte oder seiner Unabhängigkeit, zu verteidigen. Zielinski verweist besonders im Hinblick auf D.88 darauf, dass ein Motiv für Veränderungen auch darin gelegen haben kann, dass ein Idealbild von Ludwigs Regierungszeit geschaffen werden sollte.[29] Dazu aber an anderer Stelle.

3. Die Bedeutung des Klosters Casauria für Ludwig II.

3. 1. Das Kloster Casauria im Vergleich mit San Sisto und San Salvatore

3.1.1. Quellenanalyse für Casauria

Trotz verschiedener Widersprüche und Ungereimtheiten in den überlieferten Dokumenten lassen sich mit Hilfe der Regesta Imperii und der MGH ungefähre Aussagen über die Entstehung und Funktion des Klosters an der Pescara treffen. In den Regesten des Regnum Italiae[30] sind 9 Diplome Ludwigs II. für Casauria verzeichnet. Zu den bereits erwähnten sieben Urkunden, welche sich auch in der MGH finden[31], kommen noch zwei Deperdita hinzu. Alle diese Urkunden sind auf die Jahre 873 und 874 datiert und wurden von Giselbert „presbiter et notarius“[32] rekognosziert. In den Regesten finden sich 24 weitere Dokumente aus der Regierungszeit Ludwigs, die mehr oder weniger in direktem Zusammenhang mit dem Kloster stehen. Es handelt sich dabei um Chronikeinträge, Chartae, Placita und Investituraufzeichnungen, die zu einem beträchtlichen Teil ebenso wie die Urkunden durch das CC überliefert sind.[33] Betrachtet man diese Schriftstücke auf ihren Inhalt hin, lassen sich einige Eckpunkte setzen. Eine Charta vom 29.September 871[34] verzeichnet einen Besitzverkauf in der Provinz Pescara an Romanus, den Abt des zu erbauenden Klosters, durch einen gewissen Ainardo und stellt damit offenbar das älteste Zeugnis für die geplante Klostergründung dar. Eine ältere Charta von 853[35] über einen Besitzkauf Ludwigs II. von einem gewissen Corvinus steht laut der Klosterchronik ebenfalls mit der geplanten Gründung in Zusammenhang, wird aber nach Zielinskis Meinung dort überbewertet. 872 befand sich das Kloster offenbar im Bau und hatte laut Chronik bereits einen Abt.[36] Die feierliche Gründung wurde laut CC im Mai 873[37] im Rahmen eines Hoftags in Capua vollzogen, diese Aussage ist aber nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr überprüfbar. Die erste überlieferte Urkunde stammt vom 26.Mai 873[38] und wurde in Capua ausgestellt. In der wahrscheinlich echten Dispositio ist die Rede davon, dass Ludwig dem Kloster nochmals den Besitz der insula bestätigt und für immer sichert – „confirmamus iterum et perpetualiter stabilimus prefatam insulam cum omnibus ex integro pertinentiis...“. Das ist, wie Wanner bemerkt, insofern verwunderlich, als man in der ältesten Urkunde für Casauria eher eine Schenkung als eine Bestätigung erwarten sollte, und könnte auf eine Verfälschung im Sinne der Gründungsgeschichte hindeuten.[39] Eine andere mögliche Erklärung könnte sein, dass das Kloster bzw. sein zukünftiger Abt Romanus bereits seit 871 Besitzungen erhalten hatten[40], auf die sich die Bestätigung bezieht. Obwohl keine der Urkunden in Casauria ausgestellt wurde, geben ein Besitzverkauf und Placita des Pfalzgrafen Heribald Hinweise darauf, dass sich der Hof Ende 873 längere Zeit dort aufhielt.[41] Noch im gleichen Jahr wurde der Mönch Celsus aus Casauria mit verschiedenen durch Ludwig erworbenen oder aberkannten Besitzungen investiert.[42]

Selbst wenn man mit Wanner die in den DD.68/88. erwähnten pauschalen Güterschenkungen für manipuliert hält[43], geht aus den hier betrachteten Dokumenten hervor, dass Ludwig II. einen beträchtlichen Teil seiner Erwerbungen und Besitzungen an Casauria weitergab.[44] Interessant ist dabei, dass darunter auch der konfiszierte Besitz von Verrätern war, auf die später noch näher einzugehen sein wird.[45] Generell fällt es schwer zu durchschauen, welche Besitzschenkungen auf echten Grundlagen beruhen und welche manipuliert wurden. Wanner stellt fest, dass die im CC verzeichneten Gütererwerbungen Ludwigs nur unvollkommen mit den in den Diplomen erwähnten Güterschenkungen übereinstimmen.[46] So fehlen im Chronicon Aufzeichnungen von Besitzungen, die in Urkunden erwähnt sind, zugleich wird dort aber von Erwerbungen berichtet, die sich in Urkunden nicht finden. Möglicherweise ist das, wie bereits erwähnt, auf den Verlust von Schriftstücken zurückzuführen.[47] Die genaue Besitzlage Casaurias ist aus heutiger Sicht kaum noch zu klären, trotzdem ist es wohl nicht zuviel gesagt, dass Ludwig seine Stiftung reich beschenkte.

[...]


[1] Auf Rahmenbedingungen und Motive für geistliche Stiftungen der Karolinger geht Zielinski ein. Zielinski, Herbert: Die Kloster- und Kirchengründungen der Karolinger. In: Beiträge zur Geschichte und Struktur der mittelalterlichen Germania Sacra. Hrsg. v. Irene Crusius. Göttingen 1989. S. 95-134. (Im Folgenden zitiert als: Zielinski: Klostergründungen). Hier: S.95-99.

[2] Zu den kirchenrechtlichen Bestimmungen in Bezug auf geistliche Gründungen vgl. Zielinski: Klostergründungen. S.103f. Zu typischen Merkmalen von Königsstiftungen vgl. ebd. S.108.

[3] Er vermutet, dass es sich bei königlichen Kirchenstiftungen um ein „Phänomen monarchischer Repräsentation sui generis“ handelt. Vgl. Zielinski: Klostergründungen. S.99-101. Mit dieser Repräsentationsfunktion hängt es wahrscheinlich auch zusammen, wenn in den Privilegien ausdrücklich auf den jeweiligen Herrscher als Gründer des Klosters hingewiesen wird. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass in den Urkunden Ludwigs II. für Casauria der Gründungsbericht immer wieder auftaucht. Vgl. zu diesem Phänomen die Ausführungen Konrad Wanners über die Urkunden Casaurias in: Monumenta Germaniae Historica. Diplomata Karolorum. Bd.4. Die Urkunden Ludwigs II. Berarb. v. Konrad Wanner. München 1994. (Im Folgenden zitiert als: Urkunden Ludwigs II.). S.49 ff.

[4] Karl Voigt erläutert Aspekte des praktischen Nutzens der Klöster für den König. Voigt, Karl: Die karolingische Klosterpolitik und der Niedergang des westfränkischen Königtums. Laienäbte und Klosterinhaber (= Kirchen-rechtliche Abhandlungen 90/91). Stuttgart 1917. (Im Folgenden zitiert als: Voigt: Klosterpolitik). S.26ff.

[5] Die Klosterkontingente bestanden offenbar aus Klostervasallen u. Hintersassen, anfangs wurden sie z.T. vom Abt selbst geführt. Im Rahmen der Klosterreformen Karls des Großen wurde die Teilnahme von Geistlichen an Kriegszügen (zumindest formal) eingeschränkt. Vgl. Voigt: Klosterpolitik. S.55ff.

[6] Vgl. Voigt: Klosterpolitik. S.32.

[7] Die mit Klöstern und Stiften ausgestatteten Familienmitglieder konnten sowohl geistlichen als auch weltlichen Standes sein. Vgl. Voigt: Klosterpolitik. S.38f. An der Klosterpolitik zur Regierungszeit Ludwigs II. lässt sich das Phänomen der Familienversorgung gut verdeutlichen. Vgl. dazu Kap.3.

[8] Über die Verhältnisse in Italien zur Zeit der karolingische Herrschaft gibt das Werk von Hartmann einen guten Überblick. Hartmann, Ludo Moritz: Geschichte Italiens im Mittelalter. Bd.3.1. Italien und die fränkische Herrschaft. Hildesheim 1969. (Im Folgenden zitiert als: Hartmann: Italien). Speziell zu Ludwig II. vgl auch Zielinsiki, Herbert: Ludwig II. In: NDB. Bd.15, München 1987. S-323-327. (Im Folgenden zitiert als: Zielinski: Ludwig II.) oder Ludwig II. In: ADB, Elektronische Version. Hrsg. Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Bayerischen Staatsbibliothek. Januar 2003. S. 406-416.

[9] Chronicon Casauriense. In: Muratori, Ludovico Antonio (Hrsg.): Rerum Italicarum Scriptores. Tomi II. Pars altera (2;2). Mailand 1726. Sp.775-1018. (Im Folgenden zitiert als: Muratori: CC). Nähere Ausführungen zur Chronik Casaurias in Kapitel 2.

[10] DD. Lu.II. 58.59.63.64.68.88.86. In: Urkunden Ludwigs II.

[11] Über die Quellen, bei denen es sich nicht um Herrscherurkunden handelt, verschaffen die Regesta Imperii einen guten Überblick. Böhmer, Johann Friedrich (Hrsg.): Regesta Imperii I. Die Regesten des Kaiserreiches unter den Karolingern 751-918 (926). Bd.1. Neu bearb. v. Engelbert Mühlbacher. Vollendet v. Johann Lechner. Insbruck 1908. (Im Folgenden zitiert als: Regesta Imperii I.1.)

Böhmer, Johann Friedrich (Hrsg.): Regesta Imperii I. Die Regesten des Kaiserreiches unter den Karolingern 751-918 (926). Bd.3. Die Regesten des Regnum Italiae und der burgundischen Regna. Teil 1: Die Karolinger im Regnum Italiae 840-887 (888). Bearb. v. Herbert Zielinski. Köln 1991. (Im Folgenden zitiert als: Regesta Imperii I.3.) Bei den dort aufgeführten, für Casauria relevanten Quellen handelt es sich um Chronikeinträge, Chartae, Placita und Investituraufzeichnungen, die überwiegend aus der Chronik des Klosters stammen.

[12] Die erhaltenen Teile der Chronik befinden sich in der Nationalbibliothek Paris. Für diese Arbeit wurde die gedruckte Ausgabe von Muratori verwendet, in der früher edierte Teile des Chronicon von Franziskus Duchesne, Ferdinand Ughelli und Lucas D’Archery miteinbezogen und ergänzt wurden. Muratori: CC.

[13] Andrea Bergamotis historia. Hrsg. v. Georg Waitz. In: Monumenta Germaniae Historica. Scriptores Rerum Langobardicarum et Italicarum. Saec.VI-IX. 1878. S.220ff. (Im Folgenden zitiert als: Andreas v. Bergamo: Historia).

[14] Erchemperti historia Langobardorum Beneventanorum. Hrsg. v. Georg Waitz. In: Monumenta Germaniae Historica. Scriptores Rerum Langobardicarum et Italicarum. Saec.VI-IX. 1878. S.231ff. (Im Folgenden zitiert als: Erchempert: Historia).

[15]. Reginonis Abbatis Prumiensis Chronicon. Hrsg. v. Friedrich Kurze. In: Monumenta Germaniae Historica. Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum ex Monumentis Germaniae Historicis recusi. 1890. (Im Folgenden zitiert als: Regino: Chronik).

[16] Angedeutet wird eine Verklärung Ludwigs und seiner Regierungszeit bereits von Zielinski und Hees. Vgl. Zielinski: Gründungsurkunden. S. 79ff. ; Hees, Herbert: Studien zur Geschichte Kaiser Ludwigs II. Inaug.-Diss. Regensburg 1973. (Im Folgenden zitiert als: Hees: Studien).

[17] Laut Pratesi erlebte die Abtei seit dem Ende des 12.Jhs einen Niedergang und wurde im 15.Jh. zu einer Kommende umgewandelt. Vgl. Pratesi, Allessandro: Casauria. In: Lexikon des Mittelalters. München 1980-1998. (Im Folgenden zitiert als: LexMA). Sp.1545.

[18] Vgl. Urkunden Ludwigs II. Einleitung. S.47-65. Zielinski, Herbert: Zu den Gründungsurkunden Kaiser Ludwigs II. für das Kloster Casauria. In: Schriften der MGH, Bd.33. Fälschungen im Mittelalter, Teil IV. Diplomatische Fälschungen (II). Hannover 1988. S.67-96. (Im Folgenden zitiert als: Zielinski: Gründungsurkunden).

[19] Wann es zu den Verlusten kam, ist unklar. Wanner erwähnt Hinweise darauf, dass das Archiv schon im 10.Jh. Lücken hatte und bringt damit auch die Manipulationen an fast allen Urkunden, insbesondere die pauschalen Besitzschenkungen Ludwigs in einigen Diplomen, in Zusammenhang. Vgl. Urkunden Ludwigs II. Einleitung. S.58f. Da das Kloster Anfang des 10.Jhs. bei einem Sarazeneneinfall zerstört wurde, scheint ein früher Verlust von Urkunden nicht unwahrscheinlich. An anderer Stelle finden sich Hinweise, dass die Überarbeitung der Urkunden nach und nach stattfand und dass zumindest drei der heute überlieferten Diplome schon vor 950 entstanden sind. Vgl. ebd. S.49.

[20] Lediglich eine der Urkunden, das D.88 findet sich noch in einer zweiten Version im Archiv des Klosters Molinellum bei Mantua, welches ebenfalls eine Gründung Ludwigs II. sein soll und in der Doppelurkunde die gleichen Rechte zugesprochen erhielt wie Casauria. Die beiden Fassungen des sehr umstrittenen D.88 werden nebeneinander dargestellt in: Urkunden Ludwigs II. S.238-142. und in: Zielinski: Gründungsurkunden. S.92ff. Ausführlich diskutiert wird die Doppelbeurkundung ebd. S.75ff.

[21] Zur komplizierten Überlieferungsgeschichte des Chronicon Casauriense vgl. Muratori: CC. Sp.769/770 (Praefatio Muratorii) u. Sp.771-773 (Praefatio Dacherii).

[22] Dass ein Kloster mehrere Namen hatte, war im mittelalterlichen Italien offenbar nicht einmalig. Z.B. für Molinellum, S.Sisto und S.Salvatore existierten ebenfalls mehrere Bezeichnungen.

[23] Die „sancte et individue trinitatis“ taucht in allen Diplomen für Casauria auf, auch im D. Lu.II. 59, welches Wanner für die einzige Casauria-Urkunde hält, die nicht manipuliert wurde. Ebenso wird die Heilige Dreifaltigkeit in der Chronik erwähnt. Z.B. bei Muratori: CC. Sp.778A.

[24] Vgl. DD. Lu II. 59.64.68. und Muratori: CC. Sp.770.

[25] Auf Grund der heutigen geographischen Gegebenheiten vermutet er, dass das Kloster tatsächlich auf einem Stück Land in einer Biegung des Flusses erbaut wurde. Zielinski: Gründungsurkunden. S.82f. Damit würde auch Hartmanns Behauptung von der angeblich strategisch wichtigen Lage relativiert werden. Vgl. Hartmann: Italien S.266.

[26] Die Erwählung von Clemens zum Schutzpatron, die Schenkung seiner Gebeine durch Papst Hadrian II. und die Translation werden im CC ausführlich beschrieben und ausgeschmückt. Vgl. Muratori: CC. Sp.779-782.

[27] Wanner vertritt die Auffassung, dass die Clemensverehrung im 10.Jh. begonnen habe und im 12. nochmals gesteigert worden sei. Vgl. Urkunden Ludwigs II. Einleitung. S.47ff. Zielinski dagegen hält es für möglich, dass die Clemens-Tradition bereits im 9.Jh. ihre Grundlage hat. Vgl. Zielinski: Gründungsurkunden. S.85f.

[28] An dieser Stelle kann auf die Probleme im einzelnen nicht eingegangen werden. Es sei nochmals auf Wanners Einleitung verwiesen, die sich mit all diesen Punkten auseinandersetzt. Vgl. Urkunden Ludwigs II. Einleitung. S.47-65.

[29] Vgl. Zielinski: Gründungsurkunden. S.80f.

[30] Regesta Imperii I.3.

[31] Vgl. Urkunden Ludwigs II. Die DD. Lu.II. 58.63.64.68. sind verunechtet, D.59. im Wesentlichen echt, D.86 ist eine Fälschung. D.88, das neben Casauria das Kloster Molinellum bei Mantua als zweiten Empfänger hat, wird von Wanner für unecht, von Zielinski dagegen für im substantiell echt gehalten. Die formalen Besonderheiten erklärt Zielinski mit dem Vermächtnischarakter der Urkunde, den er auch bei D.64 und 68. gegeben sieht. Vgl. Zielinski: Gründungurkunden. Besonders S.86-92.

[32] Zu Giselbert vgl. Urkunden Ludwigs II. Einleitung. S.24ff. Dort wird auch die bei mehreren Casauria-Urkunden auftauchende Formel „ex iussu imperiali scripsi“ angesprochen. Vgl. zum Urkundenwesen zur Regierungszeit Ludwigs II. auch Zielinski, Herbert: Regesta Karolorum. Zu einem neuen Projekt der Regesta Imperii. Mit Ausblicken auf Urkunden und Kanzlei Ludwigs II., Archiv für Diplomatik 29 (1993). S.285-309. und Pölnitz-Kehr, Gudila Freifrau v.: Kaiserin Angilberga. Ein Exkurs zur Diplomatik Kaiser Ludwigs II. In: Historisches Jahrbuch 60, 1940. S429-440. (Im Folgenden zitiert als: Pölnitz-Kehr: Angilberga).

[33] Relevant für diese Arbeit war der grobe Inhalt der Schriftstücke und ihre Aussagen über die Geschichte Casaurias. Eine genaue Analyse einzelner Dokumente kann an dieser Stelle nicht geleistet werden.

[34] Reg. 334.

[35] Reg.103.

[36] Vgl. Regg.345. 346. Die Aufzeichnung nach Äbten beginnt im CC im Jahr 872 mit Romanus. Vgl. Muratori: CC. Sp.801.

[37] Reg.364. / Muratori: CC. Sp.801.

[38] D. Lu.II.58.

[39] Vgl. Urkunden Ludwigs II. Einleitung. S.52.

[40] Regesta Imperii I.3. Regg. 334. 345. 346.

[41] 2 Urkunden wurden in Capua ausgestellt, 1 in Sant Apollinare in Classe, 3 in Corteolona. Ausgehend v. Reg.377 vermutet Zielinski, dass der Hof sich bereits Ende November in Casauria aufgehalten hat. Wie aus Reg. 378 deutlich wird, wurde Heribert von Ludwig (der Casauria auf dem Rückweg aus dem Beneventanischen aufgesucht habe) mit der Leitung mehrerer Gerichtsverfahren beauftragt.

[42] Regg.382. 383. 384. 385.

[43] Vgl. Urkunden Ludwigs II. Einleitung. S.61ff.

[44] Die in den Urkunden genannten Besitzungen sind im Anhang aufgeführt. Außerdem wurde versucht, mit Hilfe einer einfachen Karte einen ungefähren Eindruck von ihrer Lage zu vermitteln. Sie findet sich ebenfalls im Anhang.

[45] Vgl. D.63. Erwähnt werden „res quorundam hominum infidelium nostrorum, Ursonis gastaldii atque Hitteri, Camarocii...Teobberti, qui ob nostram infidelitatem Beneuentum fugam petiit.“

[46] Vgl. Urkunden Ludwigs II. Einleitung. S.56ff.

[47] Wanner vermutet Lücken im Klosterarchiv bereits im 10.Jh. und sieht diese auch als mögliche Ursache für die Herstellung von Falsifikaten. D.h. die Schenkungen wären tatsächlich erfolgt, die betreffenden Urkunden aber verloren gegangen. Das Kloster war nur noch im Besitz der Dokumente, welche die ursprünglichen Besitzer dem Kaiser ausgestellt hatten und brauchte ergänzende Beweisstücke. So kamen möglicherweise die angeblichen pauschalen Besitzschenkungen in den Diplomen 68 u.88 zu Stande.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Ludwig II. in seinem Verhältnis zum Kloster Casauria
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Italien im 9. Jahrhundert
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
36
Katalognummer
V71179
ISBN (eBook)
9783638628099
Dateigröße
2070 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der karolingische Kaiser Ludwig II. von Italien gründete um 870 das Kloster Casauria. Untersucht werden die Umstände der Gründung und ihre Funktion für Ludwig II. Dazu wird Casauria mit 2 weiteren italienischen Klostergründungen des 19.Jhs verglichen und verschiedene Geschichtsschreiber/Chronisten ausgewertet.
Schlagworte
Ludwig, Verhältnis, Kloster, Casauria, Italien, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Anne Krenzer (Autor), 2005, Ludwig II. in seinem Verhältnis zum Kloster Casauria, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71179

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