Auffallend bei dem Thema ‚Zigeuner’ ist die Tatsache, dass fast jeder der auf dieses Thema angesprochen wird, seine eigene Meinung, seine eigene Vorstellung dieser Menschen zu haben scheint. Fast jeder hat sich in seinem Kopf ein eigenes ‚Zigeunerbild’ gebildet, doch wenn man näher nachfragt, stellt sich heraus, dass meist keiner dieser Menschen jemals Kontakt zu den Sinti und Roma hatte. Aus dieser Feststellung lässt sich ohne weiteres schließen, dass unser (west-europäisches) ‚Zigeunerbild’ fast überhaupt nichts mit den eigentlichen ‚Zigeunern’, den Sinti und Roma, gemeinsam hat. Diese ‚Zigeunerbilder’ spiegeln nicht die Lebensverhältnisse der Sinti und Roma wieder, sie zeigen nichts von diesen Menschen, außer die Phantasien, Ängste und Wünsche, die von der Mehrheitsbevölkerung auf sie projiziert wurden. Somit handelt es sich bei den uns geläufigen ‚Zigeunerbildern’ nicht um Selbstbilder, sondern es sind allesamt Fremdbilder. Auch wenn die gängigen Bilder von den ‚Zigeunern’ nicht auf persönlichen Erfahrungen beruhen, so sind sie, wie Wilhelm Solms hervorhebt, aber auch nicht aus der Luft gegriffen, denn sie gehören zum kulturellen Erbe. [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 'Zigeunerbilder'
- 'Zigeunerbilder' in der deutschen Literatur
- 'Zigeunerbilder' in Clemens Brentanos: „Die mehreren Wehmüller und die ungarischen Nationalgesichter“
- Hauptteil
- Michaly
- 'zweiter Orpheus'
- 'Naturpoesie'
- Großmutter
- Mitidika
- 'exotisches, wildes Naturkind'
- 'treue, bindungsscheue Liebende'
- 'kühne, androgyne Anführerin in männlicher Kleidung'
- 'Personifikation der Poesie'
- 'Zigeunermilieu'
- 'Zigeunerhütte'
- Gewohnheiten der ‚Zigeuner'
- Schluss
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert die Darstellung von 'Zigeunern' in Clemens Brentanos Erzählung „Die mehreren Wehmüller und die ungarischen Nationalgesichter“, wobei sie die historischen und literarischen Kontexte dieser Darstellung beleuchtet. Der Fokus liegt auf der Analyse der 'Zigeunerfiguren' und ihrer Rolle in der Geschichte und im Kontext der romantischen Literatur.
- Das 'Zigeunerbild' in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts
- Die 'Zigeunerfiguren' in Brentanos Werk und ihre Bedeutung
- Die Darstellung von ‚Zigeunern' als Exotisches und Wildes
- Die Verbindung von 'Zigeunern' mit Natur und Poesie in der Romantik
- Die Rolle von Klischees und Stereotypen in der Konstruktion des 'Zigeunerbildes'
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung befasst sich mit dem allgemeinen 'Zigeunerbild' und dessen Entstehung in der deutschen Literatur, wobei sie auf historische Entwicklungen und die gängigen Klischees eingeht. Sie stellt fest, dass das 'Zigeunerbild' in der Regel auf Fremdbildern und Projektionen der Mehrheitsgesellschaft beruht. Der Hauptteil analysiert die 'Zigeunerfiguren' in Brentanos Erzählung, indem er ihre Charakterisierung, ihre Rolle in der Geschichte und ihre Bezüge zum 'Zigeunermilieu' beleuchtet.
Schlüsselwörter
Zigeuner, Sinti und Roma, Romantik, Clemens Brentano, „Die mehreren Wehmüller und die ungarischen Nationalgesichter“, 'Zigeunerbild', Stereotype, Fremdbilder, Poesie, Natur, Exotik, Klischee, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Was sind „Zigeunerbilder“ in der Literatur?
Es handelt sich um Fremdbilder und Projektionen der Mehrheitsgesellschaft, die oft wenig mit der Realität der Sinti und Roma zu tun haben, sondern Ängste und Wünsche widerspiegeln.
Welche Zigeunerfiguren kommen bei Clemens Brentano vor?
Zentrale Figuren sind Michaly, der als "zweiter Orpheus" dargestellt wird, und die Großmutter (Mitidika), die als "wildes Naturkind" charakterisiert wird.
Wie werden Zigeuner in der Romantik dargestellt?
Sie werden oft als Symbole für Naturpoesie, Freiheit und Exotik idealisiert, aber gleichzeitig als bindungsscheu oder unheimlich markiert.
Warum gelten diese Bilder als Fremdbilder?
Weil sie meist von Autoren ohne persönlichen Kontakt zu Sinti und Roma geschaffen wurden und auf kulturellen Klischees statt auf Erfahrungen basieren.
Welche Rolle spielt die „Naturpoesie“ in Brentanos Werk?
Zigeunerfiguren werden als Personifikation der Poesie genutzt, die im Gegensatz zur zivilisierten, oft als künstlich empfundenen Welt steht.
Worum geht es in „Die mehreren Wehmüller...“?
Es ist eine Erzählung von Clemens Brentano, die Identitätsverwirrungen und kulturelle Stereotype im ungarischen Grenzgebiet thematisiert.
- Quote paper
- Sylvie Langehegermann (Author), 2004, 'Zigeunerbilder' in Clemens Brentanos "Die mehreren Wehmüller und ungarischen Nationalgesichter", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71194