Armut verhindert Bildung. Lebenslagen und Chancen von (armen) Kindern


Hausarbeit, 2007
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Was ist Armut?
1.1 Zum Begriff Armut
1.2 Ursachen und Risiken von Armut
1.3 Armut bei Kindern

2. Die AWO-ISS-Studien

3. Das Armutskonzept der AWO-ISS-Studien

4. Armutsfolgen bei Kindern
4.1 Kinder im Alter von sechs Jahren
4.2 Kinder im Alter von zehn Jahren
4.3 Armutsfolgen bis zum Ende der Grundschulzeit
4.4 Folgen für die Bildungskarriere von Kindern

5. Schutzfaktoren

6. Armutsprävention

7. Modellprojekt „KiTa-Netzwerk Gesundheits- und Armutsprävention“ der KiTa Levinstraße Essen:

Schlusswort

Literatur

Einleitung

Wird von Armut gesprochen, denken die meisten zuerst an Entwicklungsländer in Afrika oder Asien. Das Armut jedoch auch in Deutschland existiert und zunimmt ist vielen nicht bewusst. Die Zahlen sprechen für sich: „Jeder Achte in Deutschland ist arm oder lebt an der Grenze zur Armut“(Stuttgarter Nachrichten 6.12.06). Im Jahr 2004 waren rund 10,6 Millionen Menschen von Armut betroffen. Die Zahl der Arbeitslosen und Hartz IV- Empfänger steigen und somit die Anzahl der Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Die Kinder die in Armut aufwachsen werden dabei häufig vergessen. Erst in den letzten Jahren hat sich der Focus auf die „armen Kinder“ gerichtet.

Im Rahmen der Ringvorlesung „…und Du bist raus!“ Armut, Ausgrenzung, soziale Gerechtigkeit“ im Wintersemester 2006/2007 an der Ev. Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg hat Gerda Holz in ihrem Vortrag „Armut verhindert Bildung – Zu Lebenslagen und Chancen von (armen) Kindern in Deutschland“ die Betroffenheit und Situation der von Armut betroffener Kinder erläutert. Des Weiteren hat sie Ergebnisse aus einer Längsschnittstudie zur Lebenslage von „armen Kindern“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) vorgestellt.

In vorliegender Hausarbeit möchte ich die AWO-ISS-Studien, deren Armutskonzept und die daraus abgeleiteten Möglichkeiten zur Armutsprävention darstellen. Im ersten Kapitel wird zunächst der Begriff „Armut“ definiert und die Betroffenheit von Kindern aufgezeigt. Anschließend werden die Ursachen und Risiken von Armut dargestellt. Im zweiten und dritten Kapitel werden die AWO-ISS-Studien und das Armutskonzept dieser Studie erläutert. Das vierte Kapitel befasst sich mit den Armutsfolgen für die Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit. Im letzen Teil der Hausarbeit werden Schutzfaktoren und Elemente eines kindbezogenem Armutspräventionskonzepts aufgeführt. Abschließend wird exemplarisch ein Projekt zur Armutsprävention einer Kindertagesstätte dargestellt.

1. Was ist Armut?

1.1 Zum Begriff Armut

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Armut „anhand des Verhältnisses des individuellen Einkommens einer Person zum Durchschnittseinkommen in ihrem Heimatland“ (Sanders 2006, S.2). Als arm bezeichnet wird laut dieser Definition jemand, „dessen Einkommen weniger als 50 % des Durchschnittseinkommens seines Landes beträgt“ (Sanders 2006, S.2). Diese Form der Armut wird auch als „relative Armut“ bezeichnet. Dagegen ist „absolute“ Armut „Armut am Rande der Existenz, die unmittelbare Bedrohung, auf Grund ungünstiger Lebensverhältnisse oder Verwahrlosung an Hunger oder Kälte zu sterben“ (Sanders 2006, S.2).

Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts bildet die Armutsbetroffenheit von Kindern und Jugendlichen einen Schwerpunkt in der Armutsforschung. Während in den 70er Jahren die Gruppe der alten Menschen, insbesondere der alten Frauen, am häufigsten auf Sozialhilfe angewiesen waren, hat sich das „Altersgefälle seither in einer kontinuierlichen Entwicklung umgekehrt“ (Groh-Samberg/Grundmann 2006, S.12).

Diese Umkehr wird auch „Infantilisierung der Armut“ (Groh-Samberg/Grundmann 2006, S.12) genannt.

Heutzutage sind Kinder und Jugendliche am häufigsten von Armut betroffen. Im Jahr 2003 lebten in Deutschland etwa 15 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Davon lebten 2 Millionen, also jedes 7. Kind in relativer Armut und 1,1 Millionen, jedes 15. Kind, von Sozialhilfe. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (3,4 %) wiesen sie mit einer Quote von 7,2 % einen mehr als doppelt so hohen Hilfebedarf auf (vgl. Holz 2005, S.91).

12,2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren leben derzeit in Deutschland. Über 1,7 Millionen dieser Kinder und Jugendlichen (jedes 7. Kind) beziehen Sozialgeld (vgl. Holz 2006b, S.3)

1.2 Ursachen und Risiken von Armut

Als Ursachen von Armut bei Erwachsenen gelten:

- (Langzeit-)Erwerbslosigkeit
- Erwerbstätigkeit auf niedrigem Zeitniveau und Niedrigeinkommen[1]
- Bezug von Leistungen des SGB II
- „working poor“
- Trennung und Scheidung
- Überschuldung Behinderung/ Krankheit
- „Frauenarmut“ - die nicht bzw. gering entlohnte Haus-, Pflege-, Erziehungs- und Sorgearbeit von Frauen

Als Risiken der Armutsbetroffenheit gelten:

- Migrationshintergrund[2]
- Ein-Eltern-Familien
- Bildung
- Familien mit drei oder mehr Kindern
- Sozialraum (Aufwachsen in Großstätten und sozial segregierten Quartieren)

(vgl. hierzu insgesamt Holz 2006a, S. 3 f.; Holz 2006b, S.5)

Die größte Armutsgruppe in Deutschland stellen die Arbeiterfamilien mit Migrationshintergrund dar. 25 % der von Armut betroffenen Kinder leben in diesen Familien. Das höchste Risiko von Armut betroffen zu sein haben Kinder im Vor- und Grundschulalter (vgl. Groh-Samberg/Grundmann 2006, S.13 f.).

1.3 Armut bei Kindern

Die AWO-ISS-Studien beziehen sich in der Verwendung des Armutsbegriffs auf die Definition der WHO. Sie „bezeichnen ein Kind dann als arm, wenn familiäre Armut unterhalb der 50-Prozent-Grenze (alte OECD-Skala, Mittelwert) liegt oder Sozialhilfe/-geld bezogen wird“ (Holz 2006a, S. 6).

„Wird von Armut bei Kindern gesprochen, dann gilt:

- Ausgangspunkt ist die Einkommensarmut,
- Das Kind lebt in einer einkommensarmen Familie.
- Es zeigen sich kindspezifische Erscheinungsformen von Armut in Gestalt von materieller, kultureller, gesundheitlicher und sozialer Unterversorgung.
- Die Entwicklungsbedingungen des Kindes sind beeinträchtigt, wobei dies ein aufwachsen im Wohlergehen, mit Benachteiligung oder in multipler Deprivation umfassen kann.
- Die Zukunftsperspektiven des Kindes sind eingeschränkt.“

(Groß/Puhlmann,/Holz 2004, S.5)

2. Die AWO-ISS-Studien

Das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) hat zwischen 1997 und 2005 im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO) insgesamt drei Studien durchgeführt – die AWO-ISS-Studien.

Ausgangspunkt der ersten Studie „Kinder im Vorschulalter“ (1997 bis 2000) war die theoretische Entwicklung eines kindbezogenen Armutskonzeptes[3]. Des Weiteren wurde Armut im Vorschulalter empirisch erforscht. Dazu wurde eine Klientendatenerhebung von 893 Kindern im Alter von sechs Jahren durchgeführt.

Die zweite Studie „Armut im frühen Grundschulalter“ (2000-2002) befasst sich mit Kindern im Grundschulalter. Im Mittelpunkt standen vertiefende qualitative Analysen zur Armut in dieser Altersgruppe, bei denen die Ressourcen und Potentialen der nun 8-jährigen (armen) Kinder untersucht wurden.

In der dritten Studie „Zukunftschancen für Kinder!?“ (2002-2005) wurden mit den bereits im Jahr 1999 befragten Kindern erneute Befragungen durchgeführt. Diese Kinder waren zum Zeitpunkt der Erhebung 10 Jahre alt und am Ende ihrer Grundschulzeit angelangt. Insgesamt lagen der AWO-ISS-Studie somit quer- und längsschnittliche Daten zu 500 Kindern vor, mit denen die Armutsauswirkung bei Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit erfasst werden konnte.

(vgl. hierzu insgesamt Holz 2006a, S.5)

[...]


[1] 56 % der armen Kinder in Deutschland leben in einfachen Arbeiterhaushalten und weitere 24 % in Facharbeiterhaushalten (vgl. Groh-Samberg/Grundmann 2006, S. 13).

[2] Von den etwa 6 Millionen unter 25-Jährigen in Deutschland haben 27,7 % einen Migrationshintergrund. Davon besitzt knapp die Hälfte die deutsche Staatsbürgerschaft (Holz 2006b, S.4).

[3] Vgl. Kapitel 3

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Armut verhindert Bildung. Lebenslagen und Chancen von (armen) Kindern
Hochschule
Evangelische Fachhochschule Reutlingen-Ludwigsburg; Standort Reutlingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V71233
ISBN (eBook)
9783638631310
ISBN (Buch)
9783656619994
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armut, Bildung, Lebenslagen, Chancen, Kindern
Arbeit zitieren
Anke Mauch (Autor), 2007, Armut verhindert Bildung. Lebenslagen und Chancen von (armen) Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71233

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