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Literaturwissenschaftliche Untersuchung des Werkes „Die Ringe des Saturns“

Title: Literaturwissenschaftliche Untersuchung des Werkes „Die Ringe des Saturns“

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 13 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Catharina Lizio (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Das literarische Werk des Autors Winfried Georg Maximilian Sebald stellt eine Besonderheit der deutschen Nachkriegsliteratur dar. Mit seinen Mitteln zerrte er die menschliche Zerstörungsgeschichte schonungslos ans Tageslicht und grub gleichsam einem Archäologen Fragmente der Erinnerung aus. Nach seinem zunächst wenig beachteten Einstand mit „Nach der Natur- Ein Elementargedicht“ im Jahre 1988 erwarb er sich binnen kurzer Zeit vor allem im englischsprachigen Ausland Ansehen.

Sebalds Schriften sind niemals rein fiktional, denn er verstand sich meisterhaft darauf, Fragmente der Geschichte, ihre zentralen Gestalten und Schicksale einzubetten in ein von ihm erstelltes Erzählmosaik und nicht selten tritt hinter der Maske des Ich- Erzählers etwas von Sebald selbst hervor. Seine Motive sind vielfältig und gehen unter die Haut. „Er erzählt vor allem von den Leiden an Heimatverlust und Exilierung, aber auch von der Erinnerung an das jüdische Alltagsleben in Deutschland“ (SCHEDEL, S. 9, 2004), jedoch auch von der menschlichen Zerstörungsgeschichte und ihren allgegenwärtigen Spuren. Im Rahmen dieser Arbeit setze ich mich mit ausgewählten Aspekten seiner dritten Novelle Die Ringe des Saturn- Eine englische Wallfahrt auseinander, welche 1995 erstmals im Eichborn Verlag erschien. Zunächst werde ich einen kurzen Abriss über Handlung und Thematik des vorliegenden Buches geben um mich dann der Melancholie im Zeichen des Saturn zu widmen, in der Sebald sich selbst und die Tragödie der Phylogenie des Menschen offenbart. Was genau ist es, dass Sebald seinen Ich- Erzähler entdecken lässt und worin besteht das Verstörende? Wie äußert sich das Saturnische in Sebalds Ich –Erzähler und was versteht man unter dem saturnischen Melancholiebegriff? Woher entlehnte Sebald die saturnische Ringmetapher?

Im nächsten Schritt beschäftige ich mich eingehender mit dem namenlosen Ich- Erzähler. Wie viel von W.G. Sebald steckt in ihm? Aus welchen Beweggründen heraus macht sich der Erzähler auf Wanderschaft und welcher Gestalt ist diese Wanderschaft? Welche Ziele verfolgt er und wie entwickelt er sich? In diesem Zusammenhang werde ich mich den Gefährten im Geiste zuwenden, welche dem Erzähler auf seiner Reise durch Suffolk immer wieder begegnen. Anschließend setze ich mich mit Sebalds Verständnis von Natur und Landschaft als einen durch historischen und kulturellen Wandel unterworfenen Raum auseinander, um die Motive Zerstörung, Erinnerung und Vergessen herausarbeiten zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ringe des Saturn- Eine englische Wallfahrt

3. Die Saturnische Melancholie in Sebalds Werk

4. Gefährten im Gemüt

5. Der Wanderer im Zeichen des Saturn

6. Geschichte des Zerstörerischen und der Zerstörung- Landschaften der Zerstörung

7. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Winfried Georg Maximilian Sebalds Werk "Die Ringe des Saturn – Eine englische Wallfahrt" unter dem Aspekt der saturnischen Melancholie und der damit verbundenen Auseinandersetzung mit historischer Zerstörung und Erinnerung. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie der namenlose Ich-Erzähler durch Wanderschaft und assoziatives Schreiben versucht, der eigenen inneren Leere sowie dem kollektiven Vergessen entgegenzuwirken.

  • Die Funktion der Melancholie als Voraussetzung für gesteigerte Wahrnehmung.
  • Die Rolle der Wanderschaft als literarisches Motiv und Pilgerreise.
  • Die Bedeutung von Intertextualität und "Gefährten im Gemüt" für die Identitätsfindung.
  • Die Interpretation von Landschaft als historisch geprägter und zerstörter Naturraum.
  • Sebalds Erzählweise als Instrument gegen das Vergessen von Zerstörungsgeschichten.

Auszug aus dem Buch

3. Die Saturnische Melancholie in Sebalds Werk

Der Gasriese Saturn ist der zweitgrößte Planet in unserem Sonnensystem und zugleich Verkörperung des Dunklen. Zugleich ist er der Stern der Einsamen. In der Astrologie ist er es, der das Temperament lenkt und für die Neuplatoniker, ist er synonym mit dem Begriff der Melancholie. „Im System der klassischen Lehre der vier Temperamente und der Theorie von den Körpersäften [gilt die Melancholie]- als distinguierendes Charakteristikum des Menschen, dem die Schwermut der schwarzen Galle das Leben „vergällt““ (LÖFFLER, 2003, S.104). Sebald stellt sein Schaffen unter den Planeten Saturn, „der die unheilvolle Konstellation seiner Geburtsstunde im sechsten Weltkriegsjahr mit einem zeichenhaften Unwetter geprägt habe“ (LÖFFLER, 2003, S.103f).

Doch ist die Melancholie nicht bloß als depressive Verstimmung zu betrachten. Vielmehr ist sie die Voraussetzung dafür, das Unglück in all seinen Erscheinungsformen zu erfassen. Damit sind beide Seiten des saturnischen Temperaments genannt, die Qual der Weitsicht auf der einen, Erleuchtung und eine gesteigerte und sensibilisierte Wahrnehmung auf der anderen Seite. Sebalds Ich- Erzähler wandelt, wie er selbst, auf einem schmalen Grat zwischen melancholischem Sinnen und klarer Erkenntnis des Unglücks sowie der Zerstörung. Das Ich sucht Heil in einer nachträglichen Verschriftung seiner genau ein Jahr zuvor unternommenen Wanderung und den damit verbundenen traumatischen Erfahrungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Sebalds erzählerische Technik ein, Fragmente der Geschichte zu einem Mosaik zu verweben, und formuliert das Ziel, die Novelle "Die Ringe des Saturn" hinsichtlich ihrer Melancholie und Reisethematik zu analysieren.

2. Die Ringe des Saturn- Eine englische Wallfahrt: Das Kapitel beschreibt den Reisebericht des Ich-Erzählers durch die Grafschaft Suffolk als eine komplexe Pilgerreise, die über die bloße geografische Beschreibung hinausgeht und als Versuch der Erlösung von einer inneren Leere verstanden wird.

3. Die Saturnische Melancholie in Sebalds Werk: Hier wird der Melancholiebegriff im Kontext des Planeten Saturn erörtert, wobei die Melancholie nicht nur als Depression, sondern als notwendige Form der gesteigerten Wahrnehmung für historisches Leid definiert wird.

4. Gefährten im Gemüt: In diesem Kapitel werden die historischen Persönlichkeiten, mit denen sich der Erzähler identifiziert, als "Gefährten im Gemüt" betrachtet, die als spirituelle Patrone und strategische Stütze gegen die eigene Melancholie dienen.

5. Der Wanderer im Zeichen des Saturn: Dieses Kapitel thematisiert die Wanderschaft als autonomes Motiv, das den Reisenden aus der Gebundenheit von Zeit und Raum löst und ihn zum einsamen Beobachter der Geschichte macht.

6. Geschichte des Zerstörerischen und der Zerstörung- Landschaften der Zerstörung: Hier wird untersucht, wie Sebald Landschaft als einen durch den Menschen zerstörten, temporalisierten Raum darstellt, in dem die "Spuren" der Katastrophengeschichte lesbar gemacht werden.

7. Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Schreiben bei Sebald ein notwendiges Antidot gegen das Vergessen darstellt und die Melancholie des Autors sowie des Erzählers eine zukunftsorientierte, prophetische Qualität besitzt.

Schlüsselwörter

W.G. Sebald, Die Ringe des Saturn, Melancholie, Wanderschaft, Erinnerung, Zerstörungsgeschichte, Intertextualität, Suffolk, Literaturwissenschaft, Ich-Erzähler, Philologie, Identität, Geschichtsbewusstsein, Palimpsest, Vergessen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Werk "Die Ringe des Saturn" von W.G. Sebald und analysiert die Verknüpfung von Melancholie, Wanderschaft und der Auseinandersetzung mit historischer Zerstörung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die saturnische Melancholie, das literarische Motiv der Wanderung, die Bedeutung des kulturellen Gedächtnisses sowie der Umgang mit menschlicher Zerstörungsgeschichte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sebald durch das Schreiben und das Aufsuchen historisch belasteter Orte versucht, der Leere und dem gesellschaftlichen Vergessen entgegenzuwirken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Untersuchung, die auf Textanalyse, der Einbeziehung biografischer Aspekte und der Interpretation der verwendeten intertextuellen Bezüge basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Wallfahrt-Metaphorik, die philosophische Einordnung der Melancholie, die Rolle der historischen Identifikationsfiguren ("Gefährten im Gemüt") und das Verständnis von Landschaft als Archiv der Zerstörung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Melancholie, Zerstörungsgeschichte, Erinnerung, Wanderschaft, Intertextualität, Identität und Sebalds spezifische Erzählweise.

Was hat es mit der "Ringmetapher" auf sich?

Die Ringe des Saturn dienen als Symbol für zerstörerische Kräfte und den Prozess der Umwandlung, bei dem aus Resten einer vergangenen Welt etwas Neues entsteht.

Warum spielt die Orfordness-Episode eine so bedeutende Rolle?

Der Besuch in Orfordness stellt den Höhepunkt der Katastrophengeschichte dar, da hier die reale Verbindung zwischen Kriegsforschung und der drohenden Zerstörung der Zivilisation am deutlichsten thematisiert wird.

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Details

Title
Literaturwissenschaftliche Untersuchung des Werkes „Die Ringe des Saturns“
College
University of Hildesheim
Course
Der Erzähler W. G. Sebald
Grade
1,3
Author
Catharina Lizio (Author)
Publication Year
2006
Pages
13
Catalog Number
V71244
ISBN (eBook)
9783638631358
Language
German
Tags
Eine Wanderung Vergessen Eine Untersuchung Werk Ringe Saturns Eine Wallfahrt Winfried Georg Maximilian Sebald Erzähler Sebald
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Catharina Lizio (Author), 2006, Literaturwissenschaftliche Untersuchung des Werkes „Die Ringe des Saturns“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71244
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