Grundsätzlich müssen Unternehmen im Rahmen des Jahresabschlusses je eine Bilanz nach Handels- und nach Steuerrecht aufstellen. In Deutschland bestimmt jedoch die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz (HB) für die Steuerbilanz (StB) sowie ihre Umkehrung das Verhältnis beider Bilanzen, welche fundamentale Grundsätze des Bilanzsteuerrechts darstellen. Nach beiden Prinzipien ist für die StB die korrekte und tatsächlich durchgeführte oder gebotene Bilanzierungsweise der HB bestimmend. Dies betrifft Bilan-zierungs- (Ansatz dem Grunde nach) und Bewertungsvorschriften (Ansatz der Höhe nach). Für die Abgrenzung des Betriebsvermögens sind somit die handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) maßgeblich, welche um steuerrechtliche Vorschriften ergänzt werden. Diese Vorgehensweise ist jedoch, u.a. aufgrund unterschiedlicher Aufgaben beider Bilanzen, nicht unproblematisch. Ziel dieser Arbeit ist es, das zu den kompliziertesten Regelungen des Bilanzsteuerrechts gehörende Thema näher darzustellen. Im Detail werden die Erscheinungsformen des Maßgeblichkeitsprinzips näher erläutert, wobei u.a. auf den jeweiligen Zweck sowie Vor- und Nachteile eingegangen wird. Diese Ausführungen werden im Anschluss mit konkreten Beispielen illustriert, bevor die Arbeit mit einem kurzen Ausblick zur Zukunft der in der Literatur kontrovers diskutierten Maßgeblichkeit endet.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Vorgehensweise
2. Ausprägungsformen der Maßgeblichkeit
2.1 Zwecke und Aufgaben der Handels- und Steuerbilanz
2.2 Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz
2.2.1. Inhalt und Rechtsgrundlagen der Maßgeblichkeit
2.2.2. Durchbrechung der Maßgeblichkeit
2.2.3. Zweck und Kritik des Maßgeblichkeitsprinzips
2.3 Umgekehrte Maßgeblichkeit
2.3.1. Inhalt und Rechtsgrundlage
2.3.2. Zweck und Kritik der Umkehrmaßgeblichkeit
3. Darstellung der Ausprägungsformen an Beispielen
3.1 Handelsrechtlicher Ansatz dem Grunde nach
3.1.1. Bilanzierungsgebote und -verbote
3.1.2. Bilanzierungswahlrechte
3.2 Handelsrechtlicher Ansatz der Höhe nach
3.2.1. Bewertungsgebote und -verbote
3.2.2. Bewertungswahlrechte
4. Zukünftige Entwicklung
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz im deutschen Bilanzsteuerrecht, wobei der Fokus auf dem Maßgeblichkeitsprinzip und seiner Umkehrung liegt. Das zentrale Ziel ist es, die komplexen gesetzlichen Regelungen, deren Zweck sowie die daraus resultierenden Vor- und Nachteile zu erläutern und anhand konkreter Beispiele zu verdeutlichen.
- Grundlagen des Maßgeblichkeitsprinzips
- Die Umkehrung der Maßgeblichkeit und ihre Funktionen
- Darstellung von Bilanzierungswahlrechten und -geboten
- Bewertungsvorschriften im Handels- und Steuerrecht
- Internationale Entwicklungstendenzen in der Rechnungslegung
Auszug aus dem Buch
2.2.2. Durchbrechung der Maßgeblichkeit
Wenn steuerliche Gewinnermittlungsrundsätze sowie Bilanzierungs- und Bewertungsvorbehalte den handelsrechtlichen Muss- oder Kann-Vorschriften zu Ansätzen und Bewertungen entgegenstehen, gehen diese als lex specialis dem Maßgeblichkeitsgrundsatz vor. Es kommt zur bewussten Durchbrechung der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz. Zu den Gewinnermittlungsgrundsätzen aus höherrangigen Normen gehören z.B. das Prinzip der Sicherung des Steueraufkommens und das Gebot der Gleichmäßigkeit der Besteuerung (Art. 3 GG). Aus letzterem lässt sich wiederum der Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ableiten. Daraus folgt, dass die Manipulationsspielräume für den Steuerpflichtigen, das Vermögen niedrig und die Schulden hoch anzusetzen, beschränkt werden müssen. In diesem Sinne hat die höchstfinanzrichterliche Rechtssprechung die Maßgeblichkeit der HB eingeschränkt, indem Ansatzwahlrechte des Handelsrechts grundsätzlich nicht für die StB gelten. Vielmehr führen sie dort zu Aktivierungsge- bzw. Passivierungsverboten, es sei denn es bestehen steuerrechtliche Vorbehalte.
Eine Folge der Durchbrechung sind die Ergebnisdifferenzen in beiden Bilanzen aufgrund von zeitlich und/oder betragsmäßig unterschiedlichen Ansätzen und Bewertungen. Um in der Handelsbilanz die Vermögenslage und den Steueraufwand periodengerecht darzustellen, muss ein Ausgleich durch Bildung von latenten Steuern geschaffen werden (§ 274 Abs. 1 HGB).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Vorgehensweise: Einführung in das Thema der Bilanzverknüpfung in Deutschland und Erläuterung des Zieles der Arbeit.
2. Ausprägungsformen der Maßgeblichkeit: Theoretische Herleitung der verschiedenen Formen der Maßgeblichkeit, unterteilt in die direkte Maßgeblichkeit und die umgekehrte Maßgeblichkeit.
3. Darstellung der Ausprägungsformen an Beispielen: Konkrete Anwendung der theoretischen Grundsätze auf Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften sowie deren jeweilige Kombinationsmöglichkeiten.
4. Zukünftige Entwicklung: Analyse der Einflüsse durch die Internationalisierung der Rechnungslegung (IAS/IFRS) auf das deutsche Maßgeblichkeitsprinzip.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Einschätzung der langfristigen Bedeutung des Maßgeblichkeitsprinzips unter Berücksichtigung der zunehmenden Kritik.
Schlüsselwörter
Maßgeblichkeit, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Umkehrmaßgeblichkeit, Bilanzsteuerrecht, Gewinnermittlung, Bilanzierung, Bewertung, GoB, Steuervergünstigungen, Kapitalgesellschaften, Rechnungslegung, Vorsichtsprinzip, Internationalisierung, IAS/IFRS
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die engen Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen der handelsrechtlichen und steuerrechtlichen Bilanzierung in Deutschland, insbesondere unter dem Aspekt des Maßgeblichkeitsprinzips.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der direkten sowie der umgekehrten Maßgeblichkeit, der Abgrenzung von Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften und der Diskussion über die Zukunft dieser Kopplung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die komplizierten Regelungen des Bilanzsteuerrechts transparent zu machen und durch theoretische Erläuterungen sowie praktische Beispiele verständlich aufzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Literatur- und Rechtsanalyse, die durch tabellarische Gegenüberstellungen und konkrete Praxisbeispiele ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen, Rechtsgrundlagen und den Zweck beider Formen der Maßgeblichkeit sowie deren Anwendung bei Bilanzierungsgeboten, -verboten und -wahlrechten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Maßgeblichkeitsprinzip, Bilanzverknüpfung, steuerliche Gewinnermittlung und dem Einfluss internationaler Standards.
Warum ist die umgekehrte Maßgeblichkeit so umstritten?
Sie wird kritisiert, weil sie aus steuerlichen Gründen zu einer verzerrten Darstellung der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens führen kann und somit die Aussagekraft der Handelsbilanz mindert.
Welchen Einfluss hat die Internationalisierung auf das deutsche Bilanzrecht?
Die zunehmende Bedeutung von IAS/IFRS, die das Maßgeblichkeitsprinzip nicht kennen, führt zu einer Diskussion über die Sinnhaftigkeit der bisherigen Kopplung von Handels- und Steuerbilanz.
Was ist die „Durchbrechung der Maßgeblichkeit“?
Dies tritt ein, wenn steuerliche Vorschriften den handelsrechtlichen Regelungen entgegenstehen und als vorrangige "lex specialis" gelten, was zu Ergebnisdifferenzen zwischen den Bilanzen führt.
Wie wirkt sich die Maßgeblichkeit auf Personengesellschaften aus?
Viele dieser Unternehmen nutzen aufgrund von Kosteneinsparungen eine Einheitsbilanz, was faktisch zu einer Umkehrung der Maßgeblichkeit führt, da die steuerlichen Regelungen hier dominieren.
- Quote paper
- Ronny Seifert (Author), 2006, Maßgeblichkeit und umgekehrte Maßgeblichkeit von Handels- und Steuerbilanzen - Darstellung der Grundsätze mit Beispielen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71246