Gerhard Heller - In einem besetzten Land


Hausarbeit, 2002

11 Seiten, Note: 13/20


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I) Einleitung

II) Hauptteil
1.) Hintergrundinformatinen
a) Die Besetzung Franreichs
b) Die Kulturpolitik der deutschen Besatzer
2.) Über Sinn und Zweck des Buches:
Aufarbeitung oder Rechtfertgung?
3.) Hellers Haltung zum Nazi-Regime:
Unterwerfung oder Kampfansage?

III) Schluss

IV) Literaturverzeichnis

I) EINLEITUNG

„Ich sagte begeistert zu: das war eine unverhoffte Chance!“ beschreibt Gerhard Heller seine Freude, als ihm 1940 die Stelle des Sonderführers der Propaganda-Staffel, Abteilung Schrifttum, im besetzten Paris angeboten wird. Über diese Arbeit gibt er knapp vierzig Jahre später ein Buch heraus, in dem er seine Erinnerungen an diese Zeit beschreibt: In einem besetzten Land. NS-Kulturpolitik in Frankreich. Erinnerungen 1940-1944.

Gerhard Heller, 1909 in Potsdam geboren, studiert hauptsächlich Sprachen und verbringt jeweils ein Studienjahr in Toulouse und Italien. Seine Kenntnisse in romanischen Sprachen verhelfen ihm zu einer Stelle beim Berliner Rundfunk, später zum Sonderführer in der Propaganda-Staffel, im Juli 1942 wechselt er in die Kulturabteilung der Deutschen Botschaft. Für sein Engagement erhält er 1980 den deutsch-französischen Übersetzerpreis der Stadt Baden-Baden und von der Académie française den Grand Prix du Rayonnement français. Mit der Niederschreibung seiner Erinnerungen an die Arbeit im zweiten Weltkrieg ist Heller nicht der erste. Ebenso Karl Epting sowie Otto Abetz wollten nach dem Krieg über ihre Rolle im besetzten Frankreich berichten. Es ist anzunehmen, dass sie, bewusst oder unbewusst, ihre Mitarbeit für das Naziregime verharmlosen und ihr Engagement für Bedrohte hervorheben wollen. Heller betont zwar, dass er nicht wie etwa Abetz gleich nach Kriegsende das Bedürfnis nach Rechtfertigung verspürte. Doch trotz der Betonung dieses Gegensatzes verbleibt den beiden Deutschen doch die Gemeinsamkeit, als Frankreich-Freunde für ein Regime gearbeitet zu haben, dass seine Unterdrückung anstrebte. Heller über diese tägliche Konfrontation: „Jeder von uns musste mit diesem Zwiespalt, mit diesem Widerspruch irgendwie fertig werden (95).“

Diese Arbeit soll sich der Frage widmen, welches Ziel Heller mit seinem Buch abstrebt, inwieweit er sich als Regime-Gegner beziehungsweise Befürworter darstellt und wie man schlussfolgernd das Buch bewerten kann. Die nötigen Hintergrundinformationen über Hellers Arbeitsumfeld zur Analyse seiner Tätigkeiten sollen in Punkt II, Teil 1 behandelt werden.

II) HAUPTTEIL

1.) Hintergrundinformationen

a) Die Besetzung Frankreichs

Im Jahre 1940 fahren am 14. Juni um 5.30 Uhr morgens deutsche Panzer in Paris ein, nachdem es zur offenen Stadt erklärt worden ist. Drei Tage lang lässt Hitler die Glocken läuten, Millionen von Franzosen fliehen Richtung Süden. Eine Woche später wird in Compiègne mit den Franzosen der Waffenstillstand unterzeichnet. Frankreich wird zu drei Fünfteln besetzt, im Süden wird der Etat Français mit der Hauptstadt Vichy unter Marschall Pétain gegründet. Das Elsass und die Lorraine werden annektiert, eineinhalb Millionen französische Soldaten geraten in Gefangenschaft. Am 25. Juni 1940 wird das Feuer eingestellt - Frankreich soll vier Jahre besetzt bleiben.

b) Die Kulturpolitik der deutschen Besatzer

Mit dem Ziel der scheinbar unauffälligen Meinungsbeeinflussung stellt Deutschland immer mehr Geld für die Kulturpolitik bereit und zwar mit dem Argument, dass die neutralen Staaten politischer Propaganda ablehnend gegenüberständen und sich daher die Kulturpolitik als unauffälliges Mittel anbiete. Die Eröffnung des Deutschen Instituts im September 1940 in Paris ist nur der Anfang, viele andere in ganz Europa sollen folgen. Auf Konzerten werden deutsche Heimatlieder gespielt. So wird Paris zum Zentrum deutscher Kulturarbeit, es erscheinen deutschsprachige Bücher, Zeitungen und Zeitschriften wie der Adler, Signal, der Sieg oder die Wehrmacht. Die Deutschen erwerben bedeutende Aktienanteile französischer Zeitungen oder kaufen ganze Blätter auf. Jüdische Verlagshäuser werden enteignet, die übrigen Verlagsherren kommen den Besatzern soweit entgegen, dass keine gewaltsamen Eingriffe nötig sind.

Die Propagandastaffel in den Champs-Elysées soll sich um die permanente Verbreitung deutscher Ideologie kümmern und darauf achten, dass Werke von Regime-Gegnern nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Verschiedene Arbeitsgruppen sind auf bestimmte Aufgabenbereiche spezialisiert, so gibt es die Unterabteilungen Rundfunk, Kino, Theater oder Musik. Gerhard Heller arbeitet in der Arbeitsgruppe „Schrifttum“. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die neusten Manuskripte zu zensieren und die Papierzuteilung zu koordinieren. Die „Liste Otto“, von deutschen Behörden ausgearbeitet und seit 1940 existent, schließt jedoch von vornherein knapp tausend Werke aus. Die französischen Verleger verpflichten sich in einem Abkommen, keine Schriften zu veröffentlichen, „die durch ihren unwahren und tendenziösen Charakter zur systematischen Vergiftung der öffentlichen Meinung Frankreichs“ beitragen könnten. Der deutschen Zensur brauchen die Verleger also nur noch Manuskripte vorlegen, über die sie im Zweifel sind. So sind Ende 1940 nach offiziellen Angaben über 2 000 Tonnen Bücher beschlagnahmt und eingestampft worden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gerhard Heller - In einem besetzten Land
Hochschule
Université Sorbonne Nouvelle Paris III  (Licence études franco-allemandes)
Veranstaltung
Civilisation franco-allemande
Note
13/20
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V7132
ISBN (eBook)
9783638144827
ISBN (Buch)
9783640305568
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gerhard, Heller, Land, Civilisation
Arbeit zitieren
Sonja Breining (Autor), 2002, Gerhard Heller - In einem besetzten Land, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7132

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