Neokonservativismus und Patriotismus als Kritik in den Massenmedien


Seminararbeit, 2006

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2.1 Aufklärung und Kritik in der heutigen Gesellschaft
2.1.1. Aufklärung
2.1.2. Kritik
2.1.3. Das Massenmediensystem als Übermittler von Kritik
2.2 Neokonservativismus und Patriotismus als Kritik in den Massenmedien
2.2.1 Bücher
2.2.2 Fernsehen

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Kritik in der Gesellschaft. Ziel der Arbeit ist dabei nicht, Kritik an der Gesellschaft zu üben, sondern es soll aus der Position des Beobachters zweiter Ordnung beobachtet werden, wo und wie Kritik in der Gesellschaft statt findet, an welches Publikum sie sich wendet und warum sie funktioniert. Es geht also nicht um kritische Soziologie, sondern um eine Soziologie der Kritik.

Dazu soll zunächst der Begriff der Aufklärung bei Kant zur Erklärung der Notwendigkeit von Kritik herangezogen werden. Anschließend soll geklärt werden, welche Funktionen Kritik erfüllen kann und wo sie sich beobachten lässt. Im zweiten Teil soll eine Beobachtung von Kritik im Massenmediensystem stattfinden. Dazu wurden beispielhaft die Themen Neokonservativismus und Patriotismus herangezogen, da derzeit ein reger Diskurs innerhalb dieser Themenfelder festzustellen ist. Analysiert werden dabei Bücher, eine Fernsehsendung, sowie ein Werbespot, und deren Kommunikation von Neokonservativismus und Patriotismus als Kritik.

2.1 Aufklärung und Kritik in der heutigen Gesellschaft

2.1.1 Aufklärung

Laut Kant ist die „Freiheit [...] von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen“ Grundvoraussetzung für den Prozess der Aufklärung (Kant 1783: 11). Jeder Mensch darf frei sagen, was er denkt, solange er dies als „Gelehrter vor dem ganzen Publikum der Leserwelt“ tut (ebd.). Der private Gebrauch der Vernunft darf hingegen eingeschränkt sein. Ein Lehrer hat beispielsweise durchaus die Freiheit, das dreigliedrige Schulsystem öffentlich zu kritisieren, sei es durch Presseartikel oder öffentliche Veranstaltungen, trotzdem muss er als Lehrer in diesem Schulsystem seinen Lehrauftrag erfüllen. Jedes Individuum darf, ja soll sogar räsonieren, worüber und was es will, solange es tut, was es soll. Wäre der private Gebrauch der Vernunft ebenfalls frei, könnte also jeder nur noch tun, was er will, könnte die soziale Ordnung nicht mehr gewährleistet werden. Eine gewisse Einschränkung der Freiheit, seine Vernunft zu gebrauchen, ist also notwendig.

Was kann man nun in der heutigen Zeit unter Aufklärung verstehen? Prinzipiell hat heutzutage jedes Individuum die Freiheit, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, alles öffentlich zu hinterfragen und zu kritisieren. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist sogar eines der elementaren Grundrechte unserer Gesellschaft. Die Voraussetzung von Mündigkeit im Sinne Kants ist dadurch jedem Menschen gegeben. Es stellt sich allerdings die Frage, ob alle Menschen auch den Mut besitzen, sich „ohne Leitung eines anderen“ ihres eigenen Verstandes zu bedienen. In der heutigen Gesellschaft wird es immer schwieriger, sich eine wirklich eigene Meinung über die Dinge zu bilden, denn „was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ (Luhmann 1996: 9) Auf die Funktion und dem Einfluss der Massenmedien soll im zweiten Teil der Arbeit genauer eingegangen werden.

2.1.2 Kritik

Systemtheoretisch betrachtet ist jede Kritik kontingent, denn je nach dem, aus welchem System heraus beobachtet wird, entstehen andere Möglichkeiten für Kritik. Beispielsweise lässt sich häufig das politische System beobachten, wie es das Wirtschaftssystem beobachtet und dessen bedingungsloses Gewinnstreben kritisiert. Umgekehrt kann das Wirtschaftssystem das Machtstreben der Politik kritisieren etc. Die Ursache dafür ist, dass jedes System mittels eines eigenen binären Codes kommuniziert und operiert. Im Wirtschaftssystem geht es beispielsweise immer um Zahlung/Nicht-Zahlung. Es operiert rational, wenn es seine Zahlungsfähigkeit erhöht, also nach Gewinnmaximierung strebt. Aus der Sicht eines anderen Systems ist dies also durchaus kritisierbar, dieses System muss wiederum die Kritik seiner Operationen erfahren.

Auch innerhalb der Systeme findet Kritik statt. Vor allem das Wissenschaftssystem lebt von Kritik, denn jede neue Theorie über einen bestimmten Sachverhalt entsteht aus der Kritik über eine vorhergehende Theorie, als Beispiel sei an dieser Stelle die Systemtheorie von Niklas Luhmann zu nennen, die aus der Kritik am Strukturfunktionalismus von Talcott Parsons entstand.

Der Grund für die unendlich vielen Möglichkeiten für Kritik liegt in der Unfähigkeit des Menschen, Dinge „an sich“, also frei von jeglicher Perspektive zu erkennen. Laut Kant ist es mittels Vernunft möglich, Wissen über apriorische Wahrheiten zu erlangen. Diese von jeglicher Erfahrung unabhängigen Erkenntnisse bezeichnet Kant als „reine Erkenntnisse.“ (Kant 1787: 52) „Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die Principien, etwas schlechthin a priori[1] zu erkennen, enthält.“ (ebd.: 68)

Für die Soziologie stellen sich dabei grundlegende Probleme: zum einen lässt sich die Gesellschaft a priori nicht erfassen, da sie sich laufend verändert und stetig neu erzeugt. Sie ist daher ausschließlich aposteriorisch, also empirisch erfahrbar. Zum anderen ist es unmöglich, die Gesellschaft als Ganzes von außen zu beobachten, weil jeder Beobachter selbst Teil davon ist. Schließlich ergibt sich das Problem der Kontingenz jeglicher Beobachtung, bei der eine Unterscheidung getroffen und eine Seite der Unterscheidung bezeichnet werden muss. Diese Unterscheidung kann immer auch anders ausfallen, weshalb die Welt „als Ganzes“ nicht beobachtbar ist, sie bleibt als unmarked space zurück. (Luhmann 2000: 29) „Die primäre Realität liegt [...] nicht in „der Welt draußen“, sondern in den kognitiven Operationen selbst [...]. (Luhmann 1996: 17f.)

Kritik kann diese Probleme zwar nicht vollständig lösen, bietet aber die Möglichkeit zur Reflexion. Einem soziologischen Theoretiker ist es zwar nicht möglich, die Zusammenhänge und Abläufe der Gesellschaft a priori zu erfassen, die Kritik anderer Wissenschaftler gestatten es ihm allerdings, mehr zu sehen als die Erkenntnis aus seiner eigenen Perspektive.

Für Armin Nassehi besteht Kritik im stetigen Hinterfragen der Bedingungen der eigenen Möglichkeiten. So ist auch das Entstehen der Soziologie als Wissenschaft auf seine Entstehungsbedingungen zu hinterfragen. Denn „erst dann wird ersichtlich, dass auch die soziologische Selbstbeschreibung der Gesellschaft in einem gesellschaftlichen Kontext steht und also auch nur im Hinblick auf selbst erzeugte (Bezugs-) Probleme zu interpretieren ist. (Nassehi 2006: 17)

Auch der Wissenschaftstheoretiker Karl Popper weist auf die Wichtigkeit von Kritik hin: „Wir müssen uns klarwerden, dass wir andere Menschen zur Entdeckung und Korrektur von Fehlern brauchen (uns sie uns); insbesondere auch Menschen, die mit anderen Ideen in einer anderen Atmosphäre aufgewachsen sind. (Popper 2003: 24) Popper schlägt in diesem Zusammenhang eine neue Berufsethik vor, die neben der Annahme der unpersönlichen Kritik von außen eine selbstkritische Haltung propagiert. Das oberste Ziel sei immer, der objektiven Wahrheit so nahe wie möglich zu gelangen. (ebd.: 23ff.)

2.1.3 Das Massenmediensystem als Übermittler von Kritik

Unter dem Begriff Massenmedien sollen Institutionen der Gesellschaft verstanden werden, die mittels Technik Produkte in großer Zahl erzeugen und dadurch der Verbreitung von Kommunikation dienen. Dazu gehören beispielsweise Zeitungen, Bücher, Radiosender, das Fernsehen oder das neue Medium Internet. Die technische Produktion der Medien macht die massenhafte Verbreitung der Produkte (Massenkommunikation) möglich, weil dadurch keine Interaktionen zwischen Sender (beispielsweise ein Fernsehsender) und Empfänger (Zuschauer) möglich sind. Diese „Kontaktunterbrechung“ ist für die Ausdifferenzierung und das Funktionieren des Systems der Massenmedien nach Luhmann essentiell. (Luhmann 1996: 10f.)

Die Funktion des Systems besteht in der Bereitstellung von Wissen über die Realität, welches zur Orientierung notwendig ist. Für Luhmann besteht die Leistung des Systems in der Formung einer öffentlichen Meinung, die eine Realität beschreibt, an der sich die Gesellschaft orientiert. (Luhmann 1997: 1102) Die operative Schließung des Massenmedien-Systems geschieht durch die Selektion über den binären Code Information/Nichtinformation. Lässt sich also Kritik in einem Massenmedium beobachten, wird diese der Informationsseite zugeordnet.

[...]


[1] Hervorhebungen entsprechen stets der Quelle

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Neokonservativismus und Patriotismus als Kritik in den Massenmedien
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Soziologie der Kritik
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V71362
ISBN (eBook)
9783638620567
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
This term paper deals with criticism in the society. The first part of the paper discusses the items enlightenment and criticism. The second section is a observation of the mass media system as an example and the communication of criticism in this system, espe-cially criticism in the form of neo-conservativism and patriotism.
Schlagworte
Neokonservativismus, Patriotismus, Kritik, Massenmedien, Soziologie, Kritik
Arbeit zitieren
Simone Schrodi (Autor:in), 2006, Neokonservativismus und Patriotismus als Kritik in den Massenmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71362

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