Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Kritik in der Gesellschaft. Ziel der Arbeit ist dabei nicht, Kritik an der Gesellschaft zu üben, sondern es soll aus der Position des Beobachters zweiter Ordnung beobachtet werden, wo und wie Kritik in der Gesellschaft statt findet, an welches Publikum sie sich wendet und warum sie funktioniert. Es geht also nicht um kritische Soziologie, sondern um eine Soziologie der Kritik. Dazu soll zunächst der Begriff der Aufklärung bei Kant zur Erklärung der Notwendigkeit von Kritik herangezogen werden. Anschließend soll geklärt werden, welche Funktionen Kritik erfüllen kann und wo sie sich beobachten lässt. Im zweiten Teil soll eine Beobachtung von Kritik im Massenmediensystem stattfinden. Dazu wurden beispielhaft die Themen Neokonservativismus und Patriotismus herangezogen, da derzeit ein reger Diskurs innerhalb dieser Themenfelder festzustellen ist. Analysiert werden dabei Bücher, eine Fernsehsendung, sowie ein Werbespot, und deren Kommunikation von Neokonservativismus und Patriotismus als Kritik. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1 Aufklärung und Kritik in der heutigen Gesellschaft
2.1.1. Aufklärung
2.1.2. Kritik
2.1.3. Das Massenmediensystem als Übermittler von Kritik
2.2 Neokonservativismus und Patriotismus als Kritik in den Massenmedien
2.2.1 Bücher
2.2.2 Fernsehen
3. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht aus der Perspektive eines Beobachters zweiter Ordnung, wie Neokonservativismus und Patriotismus als Formen der Kritik innerhalb des Massenmediensystems kommuniziert werden und welche Funktionen diese innerhalb der Gesellschaft erfüllen.
- Soziologie der Kritik im Anschluss an systemtheoretische Ansätze
- Aufklärung und die Rolle des eigenen Verstandes bei Kant
- Das Massenmediensystem als Produzent von Realitätskonstruktionen
- Diskursive Darstellung von Neokonservativismus und Patriotismus in Büchern und TV
- Die Funktion von bürgerlichen Werten als Antwort auf gesellschaftliche Krisen
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Kritik
Systemtheoretisch betrachtet ist jede Kritik kontingent, denn je nach dem, aus welchem System heraus beobachtet wird, entstehen andere Möglichkeiten für Kritik. Beispielsweise lässt sich häufig das politische System beobachten, wie es das Wirtschaftssystem beobachtet und dessen bedingungsloses Gewinnstreben kritisiert. Umgekehrt kann das Wirtschaftssystem das Machtstreben der Politik kritisieren etc. Die Ursache dafür ist, dass jedes System mittels eines eigenen binären Codes kommuniziert und operiert. Im Wirtschaftssystem geht es beispielsweise immer um Zahlung/Nicht-Zahlung. Es operiert rational, wenn es seine Zahlungsfähigkeit erhöht, also nach Gewinnmaximierung strebt. Aus der Sicht eines anderen Systems ist dies also durchaus kritisierbar, dieses System muss wiederum die Kritik seiner Operationen erfahren.
Auch innerhalb der Systeme findet Kritik statt. Vor allem das Wissenschaftssystem lebt von Kritik, denn jede neue Theorie über einen bestimmten Sachverhalt entsteht aus der Kritik über eine vorhergehende Theorie, als Beispiel sei an dieser Stelle die Systemtheorie von Niklas Luhmann zu nennen, die aus der Kritik am Strukturfunktionalismus von Talcott Parsons entstand.
Der Grund für die unendlich vielen Möglichkeiten für Kritik liegt in der Unfähigkeit des Menschen, Dinge „an sich“, also frei von jeglicher Perspektive zu erkennen. Laut Kant ist es mittels Vernunft möglich, Wissen über apriorische Wahrheiten zu erlangen. Diese von jeglicher Erfahrung unabhängigen Erkenntnisse bezeichnet Kant als „reine Erkenntnisse.“ (Kant 1787: 52) „Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die Principien, etwas schlechthin a priori zu erkennen, enthält.“ (ebd.: 68)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, Kritik nicht als Kritiker, sondern als Beobachter zweiter Ordnung soziologisch zu untersuchen und die methodische Vorgehensweise anhand konkreter Medienbeispiele darzulegen.
2.1 Aufklärung und Kritik in der heutigen Gesellschaft: Dieses Kapitel erläutert den Aufklärungsbegriff Kants und diskutiert die systemtheoretischen Grundlagen von Kritik sowie die Rolle der Massenmedien als vermittelnde Instanzen.
2.2 Neokonservativismus und Patriotismus als Kritik in den Massenmedien: Hier wird analysiert, wie neokonservative Forderungen und Patriotismus als Antworten auf wahrgenommene gesellschaftliche Krisen in spezifischen Büchern und Fernsehformaten kommuniziert werden.
3. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die hohe Anschlussfähigkeit neokonservativer Kritik in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen und betont die fortdauernde Bedeutung von Aufklärungsprozessen.
Schlüsselwörter
Neokonservativismus, Patriotismus, Soziologie der Kritik, Massenmedien, Systemtheorie, Aufklärung, Bürgerlichkeit, Realitätskonstruktion, Gesellschaftskritik, Kant, Luhmann, Identität, Werbespot, Diskurs, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie neokonservative Ideologien und patriotische Strömungen in den Massenmedien als Mittel der Gesellschaftskritik eingesetzt werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen das Konzept der Aufklärung, systemtheoretische Überlegungen zur Kritik sowie die mediale Kommunikation von Werten wie bürgerliche Tugenden, Ordnung und Patriotismus.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, aus einer beobachtenden Perspektive zweiter Ordnung zu verstehen, wie und warum Kritik in unserer Gesellschaft funktioniert und an welches Publikum sie sich richtet.
Welche methodische Grundlage wird genutzt?
Die Autorin verwendet einen systemtheoretischen Ansatz, insbesondere Konzepte von Niklas Luhmann, um die Funktionsweise von Massenmedien und die Kontingenz von Kritik zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret untersucht?
Der Hauptteil analysiert Beispiele aus der Literatur (Bücher von Udo Di Fabio und Matthias Matussek) sowie aus dem Fernsehen (ein Werbespot der LBS und die Talkshow „Beckmann“).
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Die wichtigsten Begriffe sind Neokonservativismus, Systemtheorie, Massenkommunikation, Bürgerlichkeit und gesellschaftliche Selbstbeschreibung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Werbespots der LBS?
Der Spot dient als Beispiel dafür, wie neokonservative Ideale (Spießertum, Eigenheim) gezielt zur Verkaufsförderung genutzt werden, was die Anschlussfähigkeit dieser Themen unterstreicht.
Welche Bedeutung kommt der Talkshow „Beckmann“ in der Untersuchung zu?
Die Sendung fungiert als Fallbeispiel für einen öffentlichen Diskurs, in dem verschiedene gesellschaftliche Akteure über nationale Identität, Schuld und Patriotismus debattieren.
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- Simone Schrodi (Autor), 2006, Neokonservativismus und Patriotismus als Kritik in den Massenmedien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71362