Interne Ratings - Gefahr oder Chance für Mittelstandskredite?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ausgangslage für die Kreditinstitute

3. Definition „Rating“ – wofür das ganze?

4. Ablauf eines (internen) Rating

5. Soll-/Ist-Analyse – Die Gegebenheiten im Mittelstand in Deutschland

6. Problemanalyse und Lösungsansätze

7. Rating in der Praxis – das Beispiel Sparkasse der Stadt Straelen

8. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bisher stützte sich die Kreditwürdigkeitsprüfung der Banken im Wesentlichen auf die Analyse der wirtschaftlichen Lage. Durch Vorlage von Jahresabschlüssen der Vorjahre, ergänzt durch aktuelle Zahlen, wurde das Risiko des Kredits eingestuft. Durch die Neuregelung der Eigenkapitalausstattung für Banken durch den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basel II) rückt die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stärker ins Blickfeld. Dazu gehören beispielsweise die Unternehmensstrategie, die Managementqualität, die Innovationskraft oder das Marktumfeld, die sich nicht aus den Bilanzen ablesen lassen. Bei Ratings werden solche qualitativen Fakten mit quantitativen Daten verknüpft. Dadurch entsteht eine ganzheitliche Gesamtsicht auf das Unternehmen, die nicht nur die Verhältnisse des Unternehmens, sondern auch z.B. das Marktumfeld bewertet.[1]

Doch die Ratings werden bzw. wurden speziell durch den deutschen Mittelstand mit Skepsis betrachtet. Die Angst geht (bzw. ging) um, Ratings könnten den enorm wichtigen Weg der Kreditfinanzierung für klein- und mittelgroße Unternehmen (KMU) blockieren.[2] Bei der Finanzierung von Mittelstandsinvestitionen kommt Bankkrediten eine überragende Bedeutung zu. 27,5 Prozent der Unternehmen halten Kredite für unverzichtbar, weitere 33,9 Prozent für sehr wichtig.[3] Vor allem bei Kleinstunternehmen mit einer Zahl von 1 bis 4 Mitarbeitern und einem Umsatz von unter 250.000 Euro, deren Zahl zwischen 2001 und 2005 von 45,7 auf 48,6 Prozent gestiegen ist[4], ist (bzw. war) die Sorge groß. Hat der Mittelstand Sorgen, ist die Gefahr der Ausbreitung auf die gesamte Wirtschaft groß. Schließlich repräsentieren die rund 4 Millionen selbständigen Mittelständler in Deutschland 2005 über 70 Prozent aller Arbeitsplätze und 82 Prozent aller Lehrstellen. Knapp 49 Prozent der Wertschöpfung, was rund 1.100 Milliarden Euro entspricht, wird vom Mittelstand erbracht.[5]

Diese Arbeit soll in Anrissen zeigen, welche Daten beim internen Rating untersucht werden, um dadurch Ängsten zu begegnen. Denn ein in der Literatur immer wieder genannter Vorteil von Basel II ist zukünftig die Möglichkeit für Kreditnehmer, Kreditkonditionen aktiv mitbestimmen zu können und dadurch unmittelbar den Unternehmenserfolg zu beeinflussen.[6]

2. Ausgangslage für die Kreditinstitute

Die Behauptung, Ratings wären eine „Erfindung“ von Basel II, ist sicherlich nicht richtig. Schon immer haben Kreditinstitute Kreditwürdigkeitsprüfungen durchgeführt. Sie wurden jedoch bisher lediglich für interne Zwecke im Eigeninteresse, zum Beispiel für Risikoanalysen, verwendet und wurde nicht mit dem Kunden diskutiert.[7] Durch die Forderung von Basel II, Kredite so mit Eigenkapital zu unterlegen, dass es dem Risiko angemessen ist und dadurch der Kreditzins dem Ausfallrisiko angepasst wird, bekommt das Rating eine fundamentale Bedeutung.[8] Die Banken sind quasi gezwungen, Ratings durchzuführen. Die Sparkasse Straelen beispielsweise unterlegt in Absprache mit der Bankenaufsicht Kredite an Unternehmen mit dem Ratingurteil AAA bis AA- (bzw. entsprechenden Ratingklassen in Zahlen) mit 20 Prozent Eigenkapital, A-plus bis A- mit 50 Prozent, BBB-plus bis BB- mit 100 Prozent und bereits ab B-plus mit 150 Prozent.

Nach den Vorschlägen des Baseler Ausschusses sollen Banken bei der Risikoeinschätzung des Kreditnehmers folgende Prüfkriterien beachten:[9]

- Die Fähigkeit, Erträge zu erwirtschaften
- Die Qualität und Nachhaltigkeit der Erträge und der Kontoführung
- Die Kapitalstruktur, die Abhängigkeit von Krediten, die finanzielle Flexibilität und die privaten Vermögensverhältnisse
- Die Branche und die Stellung im Wettbewerb
- Die Qualität des Managements und der Unternehmenssteuerung

Die Banken können zwischen einem auf internen Ratings basierenden Ansatz (Internal Rating-based – IRB) oder einem Standardansatz mit Ratings durch externe Agenturen wählen[10]. Beide Ansätze müssen von der Bankenkaufsicht genehmigt sein.

Es reicht aus, wenn die Bank den risikoadäquaten Zins kennt. Sie muss ihn nicht umsetzen. Damit bleibt die Freiheit der Banken bei der Preisgestaltung durch Basel II erhalten.[11] Auch die Freiheit, „ja“ oder „nein“ zu einem Kredit zu sagen, bleibt erhalten. Ein Rating dient der Vorbereitung der Kreditentscheidung, bei der die Bank eigene geschäftspolitische Ziele verfolgt. Die Entscheidungen hängen auch vom bereits vorhandenen Kreditportfolio ab. Kreditentscheidungen werden keinesfalls durch Basel II eingeengt. Eine Kreditablehnung mit Basel II zu begründen wäre falsch.[12]

3. Definition „Rating“ – wofür das ganze?

„Ein Rating ist eine Aussage über die zukünftige Fähigkeit eines Schuldners zur vollständigen und termingerechten Bedienung seiner Verbindlichkeiten. Das Kernstück eines Ratings ist die Sammlung und Auswertung von Informationen über einen Schuldner mit dem Ziel, die Ex-ante-Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mit der ein Schuldner seine Verbindlichkeiten in der Zukunft nachkommen kann.“[13] Fleck und Knaak (2006) definieren: „Ein Rating ist das Ergebnis eines Risikobeurteilungsprozesses, bei dem die Bonität eines Kreditnehmers in standardisierter Weise mit Hilfe quantitativer und qualitativer Kriterien in Klassen eingestuft wird. Jede Klasse ist mit einem bestimmten Risikograd verbunden.“[14] Allgemein gesagt geht es darum, nicht nur die erzielten Vergangenheitserfolge zu bewerten sondern auch die vorhandenen und entwicklungsfähigen Potentiale zu erkennen, was für die Kapitaldienstfähigkeit in der Zukunft wichtig ist.

Dabei wird unterschieden zwischen externen Ratings, die von Ratingagenturen durchgeführt werden und bei denen in der Regel die Initiative vom Unternehmen selbst ausgeht, und dem (bank-)internen Rating, das von der Bank initiiert wird. Interne Ratings dienten bisher hauptsächlich institutsinternen Zwecken und wurden nicht mit dem Kunden besprochen.[15] Das ändert sich durch Basel II. Alle Ratings werden unabhängig von Sicherheiten und Garantien erstellt, fließen aber bei der abschließenden Beurteilung mit ein.

Insbesondere gibt ein Rating Auskunft über

- Die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls eines Unternehmens (PD – Probability-of-default, EDF – Expected-Default-Frequency) auf ein Jahr hin gesehen.
- Die Ausfallquote (den uneinbringlichen Teil des Kredits bei Ausfall, LGD – Loss-Given-Default), ausgedrückt in Prozent des Kredits
- Dem Risiko ausgesetzter Kreditbetrag beim Ausfall (EAD – Exposure-AT-Default), erwartete Höhe der ausstehenden Forderung

[...]


[1] vgl. Brezski, Eberhard, Kinne, Konstanze: Implikationen für die Kreditvergabepraxis, in: Übelhör, Matthias, Warns, Christian: Basel II, PD-Verlag München, 2003, Seite 191

[2] Abzulesen beispielsweise in einer Befragung von Steuerberatern durch das Kognos-Institut 2001, zitiert in: Braun, Peter (Hrsg.): Rating kompakt, Augsburg, 2001, S. 67ff

[3] MIND 04 – Mittelstand in Deutschland. Wachsen aus eigener Kraft. Institut für Mittelstandsforschung, Bonn, 2005, S. 31

[4] MIND 04 – Mittelstand in Deutschland. Wachsen aus eigener Kraft. Institut für Mittelstandsforschung, Bonn, 2005, S. 14

[5] Ost, Friedhelm: Neue Weichenstellung für eine zukunftsorientierte Mittelstandspolitik, in: Reichmann, Thomas (Hrsg.): Rating nach Basel II, München, 2006, S. 6

[6] vgl. u.a. Nolte, Bernd: Basel II konkret, 2. Auflage, Freiburg, 2003, Seite 11

[7] Gleißner, Werner, Füser, Karsten: Leitfaden Rating, München, 2003 , S. 11

[8] vgl. Lüdich, Oliver: Ratingverfahren und –agenturen, in: Reichling, Peter: Risikomanagement und Rating, Wiesbaden, 2003, Seite 65

[9] vgl. Nolte, Bernd: Basel II konkret, 2. Auflage, Freiburg, 2003, Seite 11

[10] vgl. Reichling, Peter: Basel II: Rating und Kreditkonditionen, in: Reichling, Peter: Risikomanagement und Rating, Wiesbaden, 2003, Seite 6

[11] Burkhardt, Katrin, Gaumert, Uwe: Serie Basel II - Zentrale Fragen der Kreditfinanzierung, in: Die Bank, 4/2006, S. 62

[12] Burkhardt, Katrin, Gaumert, Uwe: Serie Basel II - Zentrale Fragen der Kreditfinanzierung, in: Die Bank, 4/2006, S. 62

[13] Lüdich, Oliver: Ratigverfahren und –agenturen, in: Reichling, Peter: Risikomanagement und Rating, Wiesbaden, 2003, Seite 67

[14] Fleck, Friedel u. Knaak, Caroline: Anforderungen an interne Ratingsysteme nach Basel II, in: Reichmann, Thomas (Hrsg): Rating nach Basel II, 2006, S. 29.

[15] Fischer/Holzkämper: Rating Advisory für den Kapital- und Kreditmarkt, in: Reichmann, Thomas (Hrsg): Rating nach Basel II, 2006, S. 140

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Interne Ratings - Gefahr oder Chance für Mittelstandskredite?
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Veranstaltung
Basel II
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V71368
ISBN (eBook)
9783638620611
ISBN (Buch)
9783638882927
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde vor allem wegen ihres kurzen empirischen Teils gelobt. Dazu wurde das Kreditmanagement einer Sparkasse mit Basel II beobachtet und analysiert.
Schlagworte
Interne, Ratings, Gefahr, Chance, Mittelstandskredite, Basel
Arbeit zitieren
Daniel Gonzales-Tepper (Autor:in), 2006, Interne Ratings - Gefahr oder Chance für Mittelstandskredite?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71368

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