"Die Menschheit steht an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte. Wir erleben eine Festschreibung der Ungleichheiten zwischen und innerhalb von Nationen, eine Verschlimmerung von Armut, Hunger, Krankheit und Analphabetentum sowie die fortgesetzte Zerstörung der Ökosysteme, von denen unser Wohlergehen abhängt."
So umreißt die Präambel der Agenda 21 die Situation, in der wir uns heute befinden und lenkt den Blick auf die Größe unserer Aufgabe. Die Agenda 21, das Leitpapier zur nachhaltigen Entwicklung für das 21. Jahrhundert, ist das Produkt der „Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen“ in Rio de Janeiro 1992.
Vertreter von 179 Staaten sowie zahlreiche Nichtregierungsorganisationen waren an der Ausarbeitung beteiligt. Zwar hat die Agenda 21 weltweit für ein Umdenken gesorgt, jedoch sind wir auf dem Weg zur Erreichung ihrer Ziele nur sehr wenig vorangekommen. Immer neue Gefahren tun sich für das Ökosystem auf und der Elan der Staatenwelt, Änderungen herbeizuführen, scheint nicht sonderlich groß zu sein. Gleichzeitig verblasst die Agenda 21 in der öffentlichen Wahrnehmung. Grundeinsicht der Agenda 21 ist, dass die Staatengemeinschaft nicht allein in der Lage ist, die Welt in einen Zustand der Nachhaltigkeit zu überführen. Die Zivilgesellschaft muss mithelfen und von sich aus Anstrengungen unternehmen um dieses Ziel zu erreichen.
Aufgabe der Bildung ist es, dafür zu sorgen, dass das Thema Nachhaltigkeit ins öffentliche Bewusstsein gelangt. Neben dieser Kommunikationsfunktion hat die Bildung die Funktion, die Zivilgesellschaft für nachhaltiges Handeln zu qualifizieren. Wie genau Umweltpädagogik zu verstehen ist, beschreiben Armin Kremer und Hilmar Westholm in ihren Beiträgen für das XVII. Friedrich Jahresheft. Ihre Positionen sollen hier dargelegt werden. Anhand der Betrachtung der Agendaprozesse in Deutschland und Pakistan soll festgestellt werden, inwieweit die Realität ihren Erwartungen entspricht. Schließlich sollen diesen Beobachtungen Folgerungen für die Aufgabe der Bildung in diesem Prozess folgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Von den „Grenzen des Wachstums“ zur nachhaltigen Entwicklung: Die Agenda 21
3. Umweltbildung im Zeichen der Nachhaltigkeit
3.1. Ökologie braucht politische Bildung
3.2. Politik braucht ökologische Bildung
4. Nachhaltige Entwicklung zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Deutschland und Pakistan
4.1. Lokale Agenda 21 in Deutschland am Beispiel Darmstadt
4.2. Lage des Agendaprozesses in Pakistan
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Rolle der Umweltbildung im Kontext der Agenda 21 und analysiert, wie diese als politische Bildung dazu beitragen kann, den notwendigen Bewusstseinswandel für eine nachhaltige Entwicklung in der Zivilgesellschaft zu fördern, unter besonderer Berücksichtigung der Umsetzungsprozesse in Deutschland und Pakistan.
- Verhältnis von Umweltbildung und politischer Bildung
- Bedeutung der Agenda 21 für zivilgesellschaftliche Lernprozesse
- Vergleich der Umsetzung der Lokalen Agenda 21 in Deutschland (Beispiel Darmstadt) und Pakistan
- Rolle von Bildung als „vierte Säule“ nachhaltiger Entwicklung
- Überwindung struktureller Hemmnisse durch zivilgesellschaftliche Partizipation
Auszug aus dem Buch
Ökologie braucht politische Bildung
Dass bei den zur Umsetzung der Agenda 21 entwickelten umweltdidaktischen Konzepten aber genau diese Beschränkung der Fall ist, kritisiert Armin Kremer in seinem Aufsatz „Ökologie braucht politische Bildung“. Das Konzept, das Umweltbildung konsequent als politische Bildung versteht, sei hier deutlich unterrepräsentiert.
Vorherrschend seien immer noch einerseits das Konzept der „naturerlebnispädagogischen Ausrichtung von Umweltbildung“, das bei der Naturentfremdung des Menschen ansetzt und versucht diese durch Natur-Begegnung und Erleben wieder zu beheben. Als ein Problem dieses Konzepts sieht Kremer vor allem die Neigung, hier das Mensch-Natur-Verhältnis als ein abstraktes, völlig losgelöst von Produktions- und Reproduktionsprozess zu betrachten. „Der Mensch“ ist hier Kollektivsubjekt. Kremer merkt jedoch an, dass es „immer konkrete Individuen in sozialen Beziehungen [sind], deren persönliche oder delegierte Interessenverfolgung Folgen für andere [Individuen] zeitigt“. Diese Individuen stehen wiederum in hierarchisch organisierten sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen zueinander. Darüber hinaus sei auch „die Natur“ nicht existent, sondern längst eine von den Menschen gestaltete Kulturlandschaft.
Durch die Abstraktion Mensch – Natur und die sich aus ihr als Lösungsmöglichkeit ableitende Forderung dieses Konzepts, „Betroffenheit zu entwickeln und Verantwortung in Sachen Natur zu übernehmen“ macht keinen Unterschied zwischen Opfern und Tätern und ist deswegen nach Ansicht Kremers „bestens geeignet, die Aufklärung über Gründe und Ursachen des Waldsterbens zu verhindern.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die globale Situation nach der Agenda 21 und verdeutlicht, dass nachhaltige Entwicklung zivilgesellschaftliches Engagement sowie einen tiefgreifenden Bewusstseinswandel erfordert.
2. Von den „Grenzen des Wachstums“ zur nachhaltigen Entwicklung: Die Agenda 21: Dieses Kapitel erläutert den historischen Kontext und die Definition von Nachhaltigkeit als Verknüpfung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen.
3. Umweltbildung im Zeichen der Nachhaltigkeit: Hier werden pädagogische Konzepte gegenübergestellt, wobei insbesondere die Notwendigkeit hervorgehoben wird, Umweltbildung als politische Bildung zu begreifen.
4. Nachhaltige Entwicklung zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Deutschland und Pakistan: Das Kapitel analysiert praktische Umsetzungsschritte der Agenda 21 anhand der Beispiele Darmstadt und Pakistan und zeigt auf, welche Hemmnisse den Agendaprozess bremsen.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die zentrale Bedeutung der Bildung als Katalysator für gesellschaftliche Lernprozesse, um eine nachhaltige Entwicklung global und lokal voranzutreiben.
Schlüsselwörter
Agenda 21, Nachhaltige Entwicklung, Umweltbildung, Politische Bildung, Zivilgesellschaft, Lokale Agenda 21, Darmstadt, Pakistan, Bewusstseinswandel, Major Groups, Partizipation, Umweltproblematik, Bildungsarbeit, Strukturwandel, Soziale Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Rolle der Umweltbildung bei der Umsetzung der Agenda 21 und argumentiert, dass Bildung als politische Bildung verstanden werden muss, um gesellschaftliche Veränderungsprozesse anzustoßen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte nachhaltiger Entwicklung, die verschiedenen Ansätze der Umweltpädagogik sowie die praktischen Erfahrungen mit Agendaprozessen in Deutschland und Pakistan.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, dass nachhaltige Entwicklung ohne einen tiefgreifenden Bewusstseinswandel in der Zivilgesellschaft nicht erreichbar ist und Bildung die notwendigen subjektiven Voraussetzungen für dieses Handeln schaffen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine diskursive Literaturanalyse und vergleicht theoretische Bildungskonzepte mit empirischen Statusberichten und Fallbeispielen zur Umsetzung der Lokalen Agenda 21.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit umweltpädagogischen Ansätzen und eine empirische Betrachtung der Agendaprozesse in Deutschland und Pakistan inklusive der damit verbundenen Hindernisse.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Agenda 21, politische Bildung, Zivilgesellschaft und nachhaltige Entwicklung charakterisiert.
Warum wird das Beispiel Darmstadt in der Arbeit angeführt?
Darmstadt dient als konkretes Fallbeispiel für die praktische Umsetzung der "Lokalen Agenda 21", um aufzuzeigen, welche Herausforderungen, wie etwa mangelndes Interesse oder hohe Komplexität, in der kommunalen Praxis auftreten.
Welche Rolle spielen die sogenannten „major groups“ im Kontext von Pakistan?
Die major groups (wie Frauen oder Nichtregierungsorganisationen) sind in Pakistan die Hauptleidtragenden bei Umweltproblemen, wobei ihre Einbindung in politische Prozesse durch finanzielle Restriktionen und mangelnde Vernetzung erschwert wird.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Zukunft der Bildung?
Der Autor schließt, dass eine durch Bildung erstarkte und mündige Zivilgesellschaft eine internationale Vernetzung benötigt, um als eigenständiger Akteur eine nachhaltige Entwicklung global umzusetzen.
- Quote paper
- Vincent Steinfeld (Author), 2005, Ökologie braucht politische Bildung - Politik braucht ökologische Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71469