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Derridas Kritik an Carl Schmitts Begriff des Politischen in "Politik der Freundschaft"

Title: Derridas Kritik an Carl Schmitts Begriff des Politischen in "Politik der Freundschaft"

Intermediate Examination Paper , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Hauke Filmer (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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„Politik der Freundschaft“ beinhaltet Auseinandersetzungen mit philosophischen, politischen und literarischen Texten, die sich allesamt mit den Begriffen des Politischen und der Freund- bzw. Feindschaft beschäftigen. Das Werk ist vor allem eine Auseinandersetzung mit den kanonisierten abendländischen politischen und philosophischen Diskursen über Freundschaft. Derrida zeigt auf, dass in unserer Tradition die Begriffe Freund und Feind und der Begriff des Politischen letztlich auf einen fragwürdigen Schematismus der Abstammung, d.h. Herkunft, Geschlecht, Art, Blut, Natur und Nation zurückgreifen. Peter Zeillinger stellt fest, dass nicht Freundschaft als Freundschaft das eigentliche Thema sei, sondern eher ihr Bezug zu verschiedenen Formen der Politik. So ist etwa bei Carl Schmitt das Politische an die Unterscheidung von Freund und Feind gebunden. Derrida versucht diese Bindung zu überschreiten, und das scheint ein Grund dafür zu sein, weshalb Derrida Schmitt insgesamt drei Kapitel in „Politik der Freundschaft“ widmet.

In dieser Hausarbeit werde ich versuchen, Derridas Schmitt-Lektüre anhand ausgewählter Aspekte zu folgen. Im Zentrum meiner Untersuchung steht vor allem Derridas Auseinandersetzung mit dem Gegensatz von öffentlich und privat, der Schmitts Freund-Feind-Unterscheidung abstützt. Neben der Diskussion um die Trennung vom Öffentlichen/Privaten soll auf die damit verbundene Frage des Affekts und der Rolle der Frau in Schmitts Theorie eingegangen werden. Ich werde versuchen, die zentralen Aussagen Derridas in diesem Zusammenhang darzulegen und seine Argumentationsstruktur – soweit das möglich ist – zu erläutern. Derridas Aussagen werden dann mit Hilfe der Originaltexte von Schmitt überprüft. In einem ersten Schritt werden dazu die wesentlichen Thesen Schmitts aus „Der Begriff des Politischen“ wiedergegeben. Im Hauptteil folgen die Besprechungen der einzelnen ausgewählten Themen aus den relevanten Kapiteln. Begonnen wird mit der Frage nach dem Verlust des Politischen und der damit verbundenen Frage einer Repolitisierung der Dinge. Darauf folgen die Besprechungen über den Gegensatz Öffentlich/Privat, den Affekt, und die Rolle der Frau. Der Schlussteil stellt den Versuch einer Stellungnahme dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff des Politischen

3 Feinde, es gibt keinen Feind

4 Realität, Möglichkeit, Vorhandenheit

5 Der Gegensatz: Öffentlich / Privat

5.1 Platons Politeia und die Unterscheidung von stasis und polemos

5.2 Affekt

6 Die Schwester

7 Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Jacques Derridas Auseinandersetzung mit Carl Schmitts Begriff des Politischen, wie sie in dessen Werk "Politik der Freundschaft" dargelegt wird. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Derrida den Gegensatz von Öffentlich und Privat sowie die damit verbundene Freund-Feind-Unterscheidung Schmitts dekonstruiert und auf die Rolle der Geschlechterdifferenz hinterfragt.

  • Die Dekonstruktion von Schmitts Freund-Feind-Unterscheidung durch Derrida.
  • Die Problematisierung des Gegensatzes von öffentlich und privat.
  • Die Untersuchung des Begriffs des Politischen in Bezug auf Realität und Möglichkeit.
  • Die Analyse der Rolle der Frau und der Geschlechterdifferenz bei Schmitt.
  • Die Bedeutung der Abstammung und der "Brüderlichkeit" in politischen Diskursen.

Auszug aus dem Buch

4 Realität, Möglichkeit, Vorhandenheit

Wie weiter oben bereits erwähnt, unterscheidet Schmitt zwischen dem öffentlichen Feind und dem privaten Gegner bzw. Rivalen. Und in der Sphäre des Politischen hat nur der Begriff des öffentlichen Feindes einen Sinn.

Denn „Feind ist nur eine wenigstens eventuell, d.h. der realen Möglichkeit nach kämpfende Gesamtheit von Menschen, die einer ebensolchen Gesamtheit gegenübersteht.25

Derrida sieht in diesem Satz die „dunkelste Problemzone beschlossen“26. Er kommentiert ihn in folgender Weise:

„Als verstünde es sich ganz von selbst, bezeichnet er in verstohlener, fast elliptischer Weise tatsächlich das, wovon diese ganze Logik in letzter Instanz zehrt: den Übergang von der Möglichkeit zur Eventualität (die hier genauer als eine Mindesteventualität beschrieben wird: 'wenigstens eventuell') und von der Eventualität zur Wirklichkeit (die hier als 'reale Möglichkeit' bezeichnet wird). Dieser Übergang findet statt, oder wird vielmehr in aller Eile genau dort vollzogen, wo der Abgrund einer Unterscheidung sich schließt. Tatsächlich besteht er darin, diesen Abgrund zu leugnen. Die Fülle tritt wie stets im Präsens hervor, im Namen eines Gegenwärtigen, durch eine Präsensbehauptung, die hier die Form eines Partizip Präsens annimmt (kämpfende) [...].“27

Und Derrida schlussfolgert: Weil, oder sobald der Krieg möglich ist, ist er denn auch schon ausgebrochen, „ist er vor seinem Ausbruch bereits ausgebrochen.“28

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in Derridas Buch "Politik der Freundschaft" ein und skizziert das Forschungsziel, die kritische Auseinandersetzung Derridas mit Schmitts Begriff des Politischen anhand ausgewählter Aspekte zu analysieren.

2 Der Begriff des Politischen: Dieses Kapitel erläutert Schmitts Definition des Politischen, die auf der existenziellen Unterscheidung von Freund und Feind sowie der realen Möglichkeit des Krieges basiert.

3 Feinde, es gibt keinen Feind: Hier wird Derridas Kritik an Schmitts Axiom behandelt, dass das Politische ohne die Identifizierung eines Feindes nicht existieren könne, und die damit verbundene Frage der Orientierungslosigkeit nach dem Wegfall eines Hauptfeindes diskutiert.

4 Realität, Möglichkeit, Vorhandenheit: In diesem Kapitel untersucht der Autor Derridas Dekonstruktion von Schmitts Oszillieren zwischen Begriffen der Realität, Möglichkeit und Vorhandenheit im Zusammenhang mit dem Feindbegriff.

5 Der Gegensatz: Öffentlich / Privat: Dieses Kapitel widmet sich der Bedeutung der Trennung von öffentlichem und privatem Bereich bei Schmitt und Derridas Kritik daran.

5.1 Platons Politeia und die Unterscheidung von stasis und polemos: Hier wird analysiert, wie Schmitt Platons Differenzierung zwischen Bürgerkrieg (stasis) und Krieg (polemos) zur Rechtfertigung seiner eigenen Theorie nutzt und wie Derrida diese Interpretation dekonstruiert.

5.2 Affekt: Dieses Kapitel untersucht die Frage, ob sich eine politische Feindschaft tatsächlich von affektiven, privaten Gefühlen trennen lässt, wie es Schmitt postuliert.

6 Die Schwester: Dieser Abschnitt thematisiert das Fehlen der Geschlechterdifferenz und der weiblichen Perspektive in Schmitts Theorie, die laut Derrida auf einer einseitigen Struktur der "Brüderlichkeit" basiert.

7 Schluss: Das Schlusskapitel resümiert die Ergebnisse der Dekonstruktion Schmitts durch Derrida und reflektiert den Nutzen der Dekonstruktion für aktuelle politische Fragestellungen.

Schlüsselwörter

Carl Schmitt, Jacques Derrida, Politik der Freundschaft, Freund-Feind-Unterscheidung, Begriff des Politischen, Dekonstruktion, Öffentlich und Privat, Krieg, Bürgerkrieg, Geschlechterdifferenz, Brüderlichkeit, Affekt, Feindbegriff, Politische Theorie, Ontologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung des französischen Philosophen Jacques Derrida mit der politischen Theorie von Carl Schmitt, insbesondere dessen einflussreichem Werk "Der Begriff des Politischen", wie sie in Derridas "Politik der Freundschaft" expliziert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind die Freund-Feind-Unterscheidung, die Trennung von öffentlich und privat, die Rolle des Affekts in der Politik sowie die kritische Reflexion auf die durch Abstammung und Geschlecht geprägten Machtstrukturen in politischen Diskursen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, Derridas Schmitt-Lektüre anhand ausgewählter Aspekte zu verfolgen, seine Argumentationsstruktur offenzulegen und zu prüfen, wie Derrida Schmitts Konzepte dekonstruiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf die dekonstruktivistische Methode, wie sie von Jacques Derrida angewandt wird, um philosophische und politische Texte auf ihre verborgenen Voraussetzungen und binären Oppositionen hin zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt den Verlust des Politischen, die Rolle der Realität und Möglichkeit im Feindbegriff, die Trennung von öffentlichem und privatem Bereich, die Rolle der Affekte sowie die fehlende Berücksichtigung der Geschlechterdifferenz in Schmitts Theorie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Carl Schmitt, Jacques Derrida, Freund-Feind-Unterscheidung, Dekonstruktion, Politikbegriff, Öffentlich/Privat und Geschlechterdifferenz.

Inwiefern hinterfragt Derrida den "Bürgerkrieg" bei Schmitt?

Derrida kritisiert Schmitts scharfe Trennung von Krieg (polemos) und Bürgerkrieg (stasis), insbesondere unter Bezugnahme auf Platon, um Schmitts Versuch einer "reinen" Definition des Politischen als unhaltbar zu entlarven.

Warum ist laut Derrida die Kategorie der "Schwester" so wichtig?

Die Kategorie der Schwester dient Derrida als kritisches Korrektiv, um aufzuzeigen, dass Schmitts Theorie auf einer "Brüderlichkeit" basiert, die Frauen und Geschlechterdifferenzen systematisch ausschließt und unsichtbar macht.

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Details

Title
Derridas Kritik an Carl Schmitts Begriff des Politischen in "Politik der Freundschaft"
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Politische Theorien III: Jacques Derrida: Politik Der Freundschaft
Grade
1,0
Author
Hauke Filmer (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V71545
ISBN (eBook)
9783638632089
ISBN (Book)
9783640129669
Language
German
Tags
Derridas Kritik Carl Schmitts Begriff Politischen Politik Freundschaft Politische Theorien Jacques Derrida Politik Freundschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hauke Filmer (Author), 2007, Derridas Kritik an Carl Schmitts Begriff des Politischen in "Politik der Freundschaft", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71545
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