Machtkonzeption bei Thukydides - Die Problematik der Methodik


Hausarbeit, 2007

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Macht
2.1 power over und power to
2.1.1 power over im Detail
2.1.2 power to im Detail
2.2 Macht - Spiel der Extreme

3. Das Machtverständnis von Thukydides
3.1 Die Problematik der Methode

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es, das Machtverständnis von Thukydides, so wie er es in seinem Werk „Der Peloponnesische Krieg“ skizziert, herauszuarbeiten. Die Erkenntnisse, welche aus diesem Teil der Arbeit gewonnen werden, sollen dann auf ihre Kohärenz mit dem methodischen Konzept, welches Thukydides in seinem Kapitel „Über die Methode“ entwickelt, untersucht werden.

Die Kernfrage, die es zu beantworten gilt, ist also folgende: Kann man aus dem Werk „Der Peloponnesische Krieg“ wirklich so etwas wie ein thukydideisches Machtverständnis ableiten und unter welchen Bedingungen ist dies möglich?

Hierfür wird als erstes eine Einführung in die Problematik „Macht“ in der Politikwissenschaft gegeben. Hier sollen das Problem, welches mit dem Machtbegriff verbunden ist, an sich geschildert, Grundbegriffe geklärt und Konzepte, welche sich mit Macht beschäftigen, vorgestellt und teilweise auf ihre praktische Anwendbarkeit hin analysiert werden.

Auf dieser Grundlage basierend soll „Der Peloponnesische Krieg“ im Anschluss auf ein mögliches Machtverständnis von Thukydides hin untersucht werden. Hierbei wird anhand einiger ausgewählter Textstellen des eigentlichen Werkes die Machtkonzeption des Historikers herausgearbeitet und ein Modell derer erstellt.

Schließlich wird dieses Modell auf seine Kohärenz mit dem thukydideischen Methodensatz hin untersucht.

Wenn diese Grundlage geschaffen worden ist, also eine mögliche Machtkonzeption von Thukydides herausgearbeitet wurde, geht es darum, diese auf ihre Stichhaltigkeit im Hinblick auf den thukydideischen Methodensatz hin zu analysieren.

2. Macht

Wie alle Begriffe, welche sich auf die Basis unserer Gesellschaft beziehen, erweckt auch der Begriff Macht sehr unterschiedliche und kontroverse Vorstellungen. Was genau darunter zu verstehen ist, ist bis heute nicht einheitlich geklärt. Die Vielzahl von Versuchen, Macht genauer und möglichst ultimativ zu bestimmen, sind zum einen Zeuge dieser Problematik, führen aber zum anderen auch immer wieder zu neuen Ansätzen, welche abermals zu weiteren Versuchen einer Erklärung Anlass geben; ein wahrer Teufelskreis also. Die vielfältigen und kontroversen Sichtweisen, welche die Menschheit vom Wesen der Macht hat, resultieren ganz klar aus der Komplexität des Sachverhalts.[1]

Ein Problem, welches sich auf den ersten Blick eigentlich nicht stellt, da Macht in der Realität doch scheinbar so eindeutig erfahrbar ist. Diese Asymmetrie der Bedeutung eines Begriffes ist in den Sozialwissenschaften ein häufiges Problem. Man arbeitet mit Nominaldefinitionen, um im nächsten Atemzug eine passende Operationalisierung vorzunehmen. Dass dem so ist, sollte Grund genug sein, sich nicht vorschnell auf einseitige Modelle von Macht festzulegen, und erklärt zeitgleich die Notwendigkeit variabler Erklärungsmodelle.[2]

2.1 power over und power to

Die wohl bekannteste Unterscheidung im Konzept Macht ist die Bestimmung power over oder power to, welche in dieser Form von Hanna Pitkin erstellt wurde[3]. Power over bedeutet in diesem Fall, Macht über andere Personen zu haben, also die Durchsetzung der eigenen Interessen gegenüber den Interessen anderer Individuen, sowie die Realisierung der eigenen Handlungsmöglichkeiten auf Kosten der Handlungsmöglichkeiten anderer Individuen. Damit handelt es sich bei power over um eine soziale Beziehung[4] ersten Grades. Im Gegensatz dazu bezieht sich power to nicht auf andere Personen[5]. Es handelt sich hierbei vielmehr um die Fähigkeit (capacity), etwas zu tun beziehungsweise zu erreichen und zwar unabhängig davon, wie andere Personen dazu stehen[6]. Damit bezeichnet p ower to primär die Handlungsfähigkeit des Individuums oder die der Gruppe. Das wiederum bedeutet aber auch, dass es sich bei power to um keine soziale Beziehung nach Weber handelt:

Soziale Beziehung soll ein seinem Sinngehalt nach aufeinander gegenseitig eingestelltes und dadurch orientiertes Sichverhalten mehrerer heißen. Die soziale Beziehung besteht also durchaus und ganz ausschließlich: in der Chance, dass in einer (sinnhaft) angebbaren Art sozial gehandelt wird, einerlei zunächst: worauf diese Chance beruht.[7]

Es handelt sich allerdings trotzdem um eine Beziehung, eben nur eine Beziehung auf einer anderen Ebene. Diese Ebene nämlich bezieht sich auf das handelnde Individuum selbst und direkt, man kann also an dieser Stelle von einer klar reflexiven Beziehung sprechen.

2.1.1 power over im Detail

Berücksichtigt man das allgemeine Machtverständnis in der Bevölkerung, so sind die Machtkonzeptionen, welche sich daraus ableiten lassen, power over- Konzepte . Macht bedeutet hierbei zumeist, die Kraft oder Mittel zu haben, etwas gegen andere durchzusetzen. Im Konkreten beinhaltet es also die Möglichkeit, den eigenen Willen, die Wünsche, Ideen, Vorstellungen, Interessen oder Präferenzen umsetzen zu können. Versucht man dieses Konzept in ein eher objektives, weniger individuell geprägtes Bild zu bringen, so zeichnen sich gewisse funktionale Erfordernisse, Sachzwänge sowie vorgegebene Normen ab, auf welche das ebenfalls zutrifft[8].

[...]


[1] Vgl. Abbildung 1

[2] Vgl. Weiß, Ulrich, Macht, in: Nohlen, Schultze (Hrsg.), Lexikon der Politikwissenschaft. Theorien, Methoden, Begriffe. Aktualisierte und erweiterte Auflage, Band 1: A-M, C.H. Beck, München 2004, S. 522.

[3] Pitkin, Hanna F., Wittgenstein and Justice. Berkeley, Los Angeles, London: University of California Press, 1972, S. 276-8.

[4] Vgl. Weber

[5] Oder zu mindestens geschieht dies hier nicht in erster Linie.

[6] Eine sehr interessante Stellung hierzu vertritt John Stuart Mill in seinem Werk „Über die Freiheit“.

[7] Max Weber, Soziale Beziehung, Wirtschaft und Gesellschaft, Kapitel 1, § 3

[8] Vgl. Weiß, Ulrich, Machttheoretische Ansätze, in: Nohlen, Schultze (Hrsg.), Lexikon der Politikwissenschaft. Theorien, Methoden, Begriffe. Aktualisierte und erweiterte Auflage, Band 1: A-M, C.H. Beck, München 2004, S. 524ff.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Machtkonzeption bei Thukydides - Die Problematik der Methodik
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Macht im politischen Denken
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V71576
ISBN (eBook)
9783638632256
ISBN (Buch)
9783656210191
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Anmerkung des Dozenten(gekürzt): Sie haben eine gut formulierte und gut strukturierte Arbeit abgeliefert und sich um eine differenzierte Darstellung bemüht. Die Auseinandersetzung mit Thukydides' Machtverständnis ist aber etwas knapp ausgefallen, da wäre die Betrachtung weiterer Aspekte (z.B. der Stellung des Melierdialogs im Gesamtwerk) wünschenswert gewesen. Persönliche Anmerkung: Kompakter Überblick über die Theorie der Macht und damit universell einsetzbar.
Schlagworte
Machtkonzeption, Thukydides, Problematik, Methodik, Macht, Denken
Arbeit zitieren
Philipp Berner (Autor:in), 2007, Machtkonzeption bei Thukydides - Die Problematik der Methodik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71576

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