Tennis in der Schule. Koordinative Schulung für Rückschlagspiele mit Schläger und Ball

Möglichkeiten und Grenzen des Tennisspiels im Sportunterricht


Examensarbeit, 2006

105 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rückschlagspiele mit Schläger und Ball
2.1 Definition Rückschlagspiele
2.2 Einfeldspiele
2.2.1 Squash
2.2.2 Racquetball
2.2.3 Paddleball
2.3 Zweifeldspiele
2.3.1 Badminton
2.3.2 Tennis
2.3.3 Tischtennis
2.3.4 Paddle-Tennis
2.3.5 Plattform-Tennis
2.3.6 Pickle-Ball
2.4 Alternative Spiele
2.4.1 GOBA
2.4.2 Speckbrett
2.5 Rückschlagspiele im Schulsport

3 Koordination
3.1 Modelle zur Schulung der Koordination
3.1.1 Modell der sieben koordinativen Fähigkeiten nach Harre
3.1.2 Modell der koordinativen Aufgaben- bzw. Anforderungsklassen
3.2 Koordinative Schulung
3.2.1 Bedeutung der koordinativen Fähigkeiten im Sport und Alltag
3.2.2 Lernalter

4 Koordinative Schulung bei Rückschlagspielen mit Schläger und Ball
4.1 Koordinative Schulung nach dem Modell der koordinativen Aufgaben- bzw. Anforderungsklassen
4.1.1 Theoretischer Hintergrund
4.1.2 Übungsbeispiele für das Modell der koordinativen Aufgaben- bzw. Anforderungsklassen
4.2 Koordinative Schulung nach dem Modell der sieben koordinativen Fähigkeiten
4.2.1 Theoretischer Hintergrund
4.2.2 Übungsbeispiele für das Modell der sieben koordinativen Fähigkeiten

5 Koordinative Schulung im Tennis
5.1 Theoretischer Hintergrund
5.2 Ballkontrolle
5.3 Distanzregulation
5.4 Timing

6 Möglichkeiten des Tennisspiels in der Schule
6.1 Kooperation Schule Verein
6.2 Schülermentoren
6.3 Schulprojekte
6.4 Tennis bei „Jugend trainiert für Olympia“
6.5 Tennis als Angebot an Ganztagsschulen
6.6 Tennis im Sportunterricht

7 Unterrichtseinheit: Einführung in das Tennis unter Berücksichtigung der koordinativen Schulung in Klasse 5
7.1 Ziel der Unterrichtseinheit
7.2 Zeitraum
7.3 Unterrichtseinheiten
7.4 Bezug zum Bildungsplan
7.5 Allgemeine methodische Hinweise
7.6 Sicherheitshinweise
7.7 Unterrichtsstunde – Gewöhnung an Schläger und Ball
7.7.1 Situationsanalyse
7.7.2 Sachanalyse
7.7.3 Didaktisch-methodische Überlegungen
7.7.4 Lehr- und Lerngelegenheiten
7.7.5 Begründung des geplanten Unterrichtsverlaufs
7.7.6 Hypothetische Reflexion

8 Grenzen des Tennisspiels in der Schule
8.1 Organisatorischer Aufwand
8.2 Große Schülerzahlen in einer Klasse
8.3 Zeitlicher Aspekt im Schuljahr
8.4 Örtliche Begebenheiten
8.5 Fehlende Ausstattung
8.6 Unqualifizierte Lehrkräfte
8.7 Desinteresse der Schüler

9 Nachwort

10 Quellenverzeichnis
10.1 Literaturverzeichnis
10.2 Internetverzeichnis

Inhaltsverzeichnis des Anhangs

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1 Squashschläger und Ball

Abb. 2 Racquetballschläger und Ball

Abb. 3 Paddle

Abb. 4 Badmintonschläger und Federball

Abb. 5 Tennisschläger und Tennisball

Abb. 6 Kleinfeld

Abb. 7 Tischtennisschläger

Abb. 8 Paddle-Tennis

Abb. 9 Paddle

Abb. 10 GOBA-Spiel

Abb. 11: Koordinative Aufgaben- bzw. Anforderungsklassen

Abb. 12: Anteile des Zuwachses der koordinativen Leistungsfähigkeit im Alter von 5 bis 17 Jahren

Abb. 13: Entwicklung von Kopf & Gehirn und des allgemeinen Körperwachstum

Abb. 14 Einschätzungen der Bedeutung der Koordinationsbausteine für den Bereich der Rückschlagspiele

Abb. 15 Grundformel der Koordinationsschulung im Bereich der Rückschlagspiele

Abb. 16 Zwei Schläger

Abb. 17 Reifenaufsetzer

Abb. 18 Schlag – Wand – Hütchen

Abb. 19 Aufsetzerball

Abb. 20 Linienvolleyball

Abb. 21 Fuß und Volley

Abb. 22 Vierecktennis

Abb. 23 Übergabe

Abb. 24 Ballonreifenspiel

Abb. 25 Links - Rechts

Abb. 26 Partnerstaffel

Abb. 27 Gefüge der koordinativen Fähigkeiten

Abb. 28 Prellen von Bällen

Abb. 29 Jonglieren von Luftballons

Abb. 30 Schläger balancieren

Abb. 31 Umdrehen und spielen

Abb. 32 Rhythmisches Prellen von Bällen

Abb. 33 Vorhand Volley Überkopf

Abb. 34 Synchronprellen

Abb. 35 Koordinationsmodell

Abb. 36 Wandtennis – Zonenspiel

Abb. 37 Tennis mit überkreuzten Beinen

Abb. 38 Bälle mit Schläger fangen

Tabelle 1: „Lohnende Phasen“ der Trainierbarkeit der koordinativen Fähigkeiten

Dank

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mich in irgendeiner Form bei dieser wissenschaftlichen Hausarbeit hilfreich Beiseite standen.

Mein besonderer Dank für die zuvorkommende Unterstützung gilt Herrn Professor Paul Hempfer und Herrn Studienrat Winfried Abt danke ich für die Bereitschaft, die Zweitkorrektur zu übernehmen.

Des Weiteren möchte ich den Schüler aus Weingarten und Schwendi danken die mir bei den Übungen zur Seite standen.

1 Einleitung

Viele Tennistrainer konnten sich in den früheren Jahren nicht über Nachwuchsprobleme in den Vereinen beklagen. Die Zahl an tennisbegeisterten Kindern und Jugendlichen war so groß, dass sich durch die große Anzahl an Spielern ein hoher Leistungsstand im Profitennis herausbildete. Diese grandiosen Zeiten sind nun vorbei. In allen Bereichen stellt sich die Frage nach neuen Konzepten um Tennis wieder beliebt zu machen. Die großen Stars des deutschen Tennis sind abgetreten – Nachfolger sind nicht in Sicht.

Als langjähriger Tennistrainer und Spieler konnte ich bei Kindern und Jugendlichen immer wieder sehr große Unterschiede, in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit, feststellen. Es stellte sich heraus, dass eine große Zahl von Spielern im Schulkindalter es leichter fiel Dinge zu lernen als Spielern die fast erwachsen waren. Hingegen zeigten aber auch Kinder und Jugendliche gleichen Alters erhebliche Unterschiede auf. Manche konnten bereits nach wenigen Wochen nahezu perfekt spielen. Andere hatten Monate später immer noch Probleme einen Ball zu treffen. Mir stellte sich die Frage warum Schüler unterschiedlich schnell lernen einen Ball zu fangen und zu werfen oder wie beim Tennis zurückzuschlagen?

Als Lehramtstudent für Realschulen und ausgebildeter Tennistrainer möchte ich in meiner wissenschaftlichen Hausarbeit zeigen, wie eine koordinative Schulung bei Rückschlagspielen in der Schule umgesetzt werden kann. Des Weiteren soll gezeigt werden welche Möglichkeiten und Grenzen das Tennisspiel in der Schule hat.

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt und er spielt nur da wo er ganz Mensch ist“ (Karl Friedrich Schiller).

Dieser Satz von Karl Friedrich Schiller soll mein Arbeit von einer allgemeinen koordinativen Schulung hin zur Einführung in die Rückschlagsportart Tennis leiten.

Diese wissenschaftliche Hausarbeit ist in sieben Kapitel gegliedert. Beginnen möchte ich mit verschiedenen Rückschlagspielen mit Schläger und Ball. Bekannte und unbekannte Rückschlagspiele für den Sportunterricht sollen dabei vorgestellt werden. Das Kapitel 3 befasst sich mit der Koordination. Dabei werden zwei Modelle zu deren Schulung aufgezeigt und die Entwicklung geschildert. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der koordinativen Schulung bei Rückschlagspielen mit Schläger und Ball nach dem fähigkeitsorientierten Modell und dem Modell der Aufgaben- und Anforderungsklassen. Dabei sollen die Übungsbeispiele die Intensionen der Modelle verdeutlichen. Kapitel 5 bezieht sich auf die spezielle koordinative Schulung für das Tennisspiel. Anschließend werden die Möglichkeiten aufgezeigt, in welch unterschiedlichsten Formen Tennis in der Schule stattfinden kann. Im Kapitel 7 soll eine Möglichkeit einer Unterrichtseinheit für die Einführung in das Tennis unter Berücksichtung der koordinativen Schulung in Klasse 5 erfolgen. Dabei wird die Unterrichtsstunde zur Gewöhnung an Schläger und Ball besonders hervorgehoben. Zum Schluss sollen dann noch die Grenzen aufgezeigt werden auf die das Tennisspiel in der Schule trifft.

Des Weiteren möchte ich bemerken, dass ich aus Gründen des flüssigeren Lesens und Verstehens des Textes, ausschließlich die maskuline Form gebrauchen werden. Die männliche Form soll beide Geschlechter mit einschließen.

2 Rückschlagsspiele mit Schläger und Ball

Rückschlagspiele zählen neben den Mannschaftsspielen mit direktem Köperkontakt zu den Sportspielen.

Typisch für die komplexe Aufgabenstruktur der Sportspiele sind simultane und sukzessive koordinative Aufgaben bzw. Mehrfachaufgaben ( [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Koordination), die aus einer Vielzahl von Mit- und Gegnerspielern, Raum- und Zeitkonstellationen bzw. einer Vielfalt von individuellen und mannschaftlichen Handlungsmöglichkeiten in Angriff und Abwehr bestehen (Röthig / Prohl, 2003, S. 539 nach Stiehler / Döbler / Konzag).

D. h., dass Sportspiele eine gemeinsame Intension besitzen die eng miteinander verbunden sind. Auf der anderen Seite lassen sich die Rückschlagspiele wiederum in eine große Anzahl unterteilen.

2.1 Definition Rückschlagspiele

Die Gemeinsamkeiten der Rückschlagspiele werden durch die beiden Wortsilben „Rück“ und „Schlag“ zum Ausdruck gebracht. Die erste Silbe verweist darauf, dass ein bestimmtes Spielobjekt (Ball, Federball, Indiaca, ...) zwischen zwei Parteien hin und her gespielt wird. Die zweite Silbe verdeutlicht, dass es zu keinem eigentlichen „Besitz“ des Spielobjektes kommt. Charakteristisch ist vielmehr eine nur kurzzeitige Berührung mit der Hand oder einem Schlaggerät. Das Ziel besteht darin, das Spielobjekt so in das gegenüberliegende Feld oder über einen Wand wieder in das eigene Feld zu schlagen, dass kein regelgerechter Rückschlag des Gegners möglich ist (Bremer, 1981, Medler und Schuster, 1996, Adolph und Hönl, 1998, Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft, 1997 zitiert nach Roth / Kröger / Memmert, 2002, S. 42).

Zusätzlich schlagen Roth / Kröger / Memmert, 2002, S. 42) zwei weitere Differenzierungskriterien vor:

1. Ein- (Wand) und Zweifeldspiele (Netz, Linie)
2. Ein- und Mehrkontaktspiele.

Bei Einkontaktspielen wechselt nach jedem Kontakt des Spielobjekts das Schlagrecht. Sie werden zumeist mit Schläger und Ball als Einzel- oder Doppelform gespielt.

Mehrkontaktspiele zeichnen sich durch mehrere (maximal drei) aufeinander folgende Berührungen des Spielobjekts innerhalb einer Mannschaft aus. Die Mannschaftsgröße beginnt bei zwei Spielern und kann sich je nach Sportart vergrößern. Der Ball wird hierbei mit der Hand und nicht mit Hilfe eines Schlägers gespielt.

2.2 Einfeldspiele

2.2.1 Squash

Beim Squash versuchen zwei Spieler den Ball so zu platzieren, dass der Gegner ihn nicht mehr erreicht. Der Ball wird mittels der Seitenwände gegen eine Wand direkt oder geschlagen. Zwischen den Schlägen darf der Ball maximal einmal aufspringen. Wichtig ist dabei der Sicherheitsaspekt, damit kein Spieler gefährdet wird, ansonsten kann der Ballwechsel wiederholt werden..

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gespielt wird auf einem 9,75 m langen und 6,40 m breiten Feld. Die Begrenzungslinien an Wand und Boden schränken das Feld zusätzlich ein. Die Aufschlagvierecke und die Aufschlaglinie sind nur für den Aufschlag von Bedeutung.

Abb. 1 Squashschläger und Ball (http://de.wikipedia.org/wiki/Squash).

Der Schläger (Abbildung 1), ist wie ein Tennis- oder Badmintonschläger besaitet. Der Gummiball ähnelt einem

Tischtennisball nur in der Größe. Seine Sprungeigenschaften, die er nur nach dem Warmspielen voll entfaltet, und sein Gewicht sind völlig gegensätzlich zum Tischtennisball. Im Spiel kann nur der Spieler punkten, der das Aufschlagrecht besitzt (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Squash).

Im Schulsport ist Squash nur in abgeänderter Form spielbar, da Spielfelder mit Seitenwänden in Schulturnhallen kaum zu finden sind.

2.2.2 Racquetball

Racquetball, ursprünglich abstammend vom Tennis, wird in Hallen von 12,20 m Länge sowie 6,10 m Breite und 6,10m Höhe gespielt. Der Spielball, der nicht ganz so groß wie ein Tennisball ist, zeichnet sich durch gute Sprungeigenschaften aus. Der Schläger sieht wie ein Tennisschläger mit verkürztem Griff aus (Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Racquetballschläger und Ball (http://en.wikipedia.org/wiki/Racquetball).

Ein Vorteil von Racquetball ist, dass es für Anfänger schnell und einfach zu erlernen ist. So sorgen die große Schlagfläche, die sich relativ nahe an der Hand befindet, sowie der verhältnismäßig große Ball für eine große Treffsicherheit. Zusätzlich wird durch ein hohes Anspiel der Wand, was von Anfängern automatisch gemacht wird, der Ball verlangsamt. Der Ball ist auch nach mehrmaligem Aufspringen noch spielbar, was Anfänger auch ausnutzen sollten (vgl. http://www.racquetball.de/racquet.html).

Bei einem Spiel können zwei bis vier Personen das Ziel verfolgen, den Ball so gegen die Wand zu schlagen, dass der Gegner diesen nach maximal einem Ballkontakt nicht mehr zurückspielen kann. Punkte können dabei nur vom Aufschläger erzielt werden (vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Racquetball).

2.2.3 Paddleball

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Paddle (http://www.paddle ball1.com).

Paddleball wird traditionell gegen eine Wand mit einem Holzschläger (Abbildung 3) und einem Tennisball gespielt. Es kann auch mittlerweile, wie Squash, in einem von vier Wänden abgeschlossenen Raum gespielt werden. Dabei entspricht die Spielfeldgröße der des Racquetballs, also 12,20 m Länge und 6,10 m Breite. Das Ziel des Spiels ist es, den Ball so gegen die „Frontwall“ zu schlagen, dass der Gegner ihn nicht zurückschlagen kann, bevor der Ball ein zweites Mal aufspringt. Wie beim Tennis gibt es auch ein begrenztes Aufschlagfeld (vgl. http://www.paddleball1.com).

2.3 Zweifeldspiele

2.3.1 Badminton

Badminton ist ein Rückschlagspiel, welches mit einem speziellen Badmintonschläger und einem Federball gespielt wird (Abbildung 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Badmintonschläger und Federball.

Ziel des Spiels ist es, den Federball so zu schlagen, dass der Gegenspieler ihn nicht mehr zurückschlagen kann. Badminton wird oft fälschlicherweise mit dem Freizeitspiel Federball gleichgesetzt. Bei diesem kommt es jedoch, im Gegensatz zum Badminton, auf möglichst lange Ballwechsel an. In der Schule kann dies bei der Übungsphase auch von Bedeutung sein.

Badminton ist dem Tennis ähnlich, unterscheidet sich andererseits aber in grundlegenden spieltechnischen und taktischen Gesichtspunkten. Das 13,40 m lange und 5,10 m Breite (5,89 m Doppelfeld) fällt wesentlich kleiner, das Netz (1,55 m) höher und Schläger sowie Bälle sind deutlich leichter. Der Federball, mit seinen besonderen Flugeigenschaften, darf nur als Volley gespielt werden. Reflexe, Grundschnelligkeit und Kondition stehen im Vordergrund, wobei Konzentrationsfähigkeit, taktisches Verständnis und Spielwitz für ein gelingendes Spiel nicht fehlen dürfen (vgl. Boeckh-Behrens, 1994, S. 5 ff). Besonders für den Schulsport bietet Badminton durch seine günstigen Rahmenbedingungen in Hallen die Möglichkeit zum Erlernen eines Rückschlagspiels.

2.3.2 Tennis

Beim Tennis wie auch bei den anderen Zweifeldspielen besteht die Besonderheit, dass die Spielpartner oder Gegner durch ein Netz voneinander getrennt sind. Ziel des Spiels ist es, den Tennisball mit Hilfe des Tennisschlägers so in das Feld des Gegenspielers zu spielen, dass dieser ihn nach maximal einem Bodenkontakt nicht mehr erreicht. Beim nicht-wettkampforientierten Tennisspiel kann man die Spielidee, wie bei allen anderen Rückschlagspielen auch, verändern. So kann ein Spiel mit möglichst vielen Ballwechseln im Vordergrund stehen, wobei dann der Spielverlauf und nicht das Ergebnis an erster Stelle steht (vgl. DTB, 1995, S. 11).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der besaitete Tennisschläger und der Filzball dienen als Spielgeräte (Abbildung 5). Das Tennisfeld (23,77 m Länge; 8,23 m Breite bzw. 11,89 m beim Doppel) kann aus unterschiedlichen Untergründen bestehen (Sand-, Kunstrasen-, Rasen-, Teppich- oder Hartplatz). Die Netzhöhe beträgt 0,91 m in der Mitte und 1,07 m am Rand. Im Kinder- und Jugendbereich gibt es heutzutage spezielle Schläger (kürzer und leichter) und drucklose Bälle, die den Einstieg in den Tennissport erleichtern. Zusätzlich gibt es ein Kleinfeld (10,97 m Länge; 6,10 m Breite) mit einem 0,80 m hohen Netz, das den erleichterten Bedingungen angepasst wurde (Abbildung 6). Ziel ist es, auch bei Wettkämpfen, den Kindern und Jugendlichen „Spaß und Freude beim Tennisspiel“ (DTB; 1996, S. 55) zu vermitteln sowie langweilige und langandauernde Grundlinienduelle mit Lobs und „Ballonbällen“ zu vermeiden. Auch in der Schule erleichtern diese Modifizierungen aus dem Kinder- und Jugendbereich den Einstieg in das Tennisspiel und erhöhen damit den Spielspaß sowie die Motivation der Schüler.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 Kleinfeld (http://www.wtb-tennis.de/verein.php?s=94).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Tennisschläger und Tennisball.

2.3.3 Tischtennis

Beim Tischtennis stehen sich zwei Spieler (bzw. vier Spieler beim Doppel) an einem Tisch, der durch ein Netz in der Mitte in zwei Spielfeldhälften getrennt ist, gegenüber. Sie „versuchen den Ball nach einmaligem Tischkontakt mit ihrem Schläger in die gegnerische Spielhälfte zu schlagen“ (Gross, 1993, S. 11) und versuchen den erfolgreichen Rückschlag des Gegenspielers zu unterbinden. Im Vergleich zu den Rückschlagsportarten Tennis oder Badminton unterscheidet sich die tischtennis-spezifische Spielstruktur hauptsächlich in der Schlagregel, dass der Ball erst nach einmaligem Tischkontakt geschlagen werden darf (Tennis: nach einmaligen Bodenkontakt oder als Volley; Badminton: nur Volleyspiel) (vgl. Gross, 1993, S. 12).

Technische Details:

- Tisch: Länge 274,0 cm; Breite 152,5 cm, Höhe 76,0 cm, aufgeteilt in zwei gleich große Hälften durch ein Netz und durch eine Linie
- Netz: Höhe 15,25 cm, Länge 183,00 cm

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7 Tischtennisschläger.

- Ball: Zelluloidball von 40 mm Durchmesser

- Schläger: Oval aus mehrfach geleimten Holz mit zwei unterschiedlich farbigen Belägen (Abbildung 7)

(vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Tischtennis)

2.3.4 Paddle-Tennis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8 Paddle-Tennis (http://www.paddleslice.de/paddle_tennis/produkte/schlaeger).

Paddle Tennis ist eine Kombination von Tennis und Squash auf einem 10 m mal 20 m großen Platz. Dieser ist von vier Wänden umgeben (3 bis 4 Meter hoch) die in das Spiel mit einbezogen werden dürfen. Der Schläger aus Graphit ist wie beim Plattform-Tennis durchlöchert und hat einen kurzen Griff (Abbildung 8). Der Ball wird wie beim Tennisspiel über das Netz gespielt, so dass der Gegenspieler den Ball möglichst nicht mehr zurückspielen kann (vgl. http://www.abendblatt.de/daten/2004/08/21/ 331500.html).

2.3.5 Plattform-Tennis

Plattform-Tennis ähnelt sehr dem Tennisdoppel. Es unterscheidet sich vom Tennisspiel allerdings in folgenden Punkten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9 Paddle (http://en.wikipedia.org/wiki/ Platform_tennis).

Es wird nur im Doppel gespielt, es gibt nur einen Aufschlag, Netzbälle werden weitergespielt, und die Bälle können auch über Seitenwände gespielt werden.

Zusätzlich wird mit einem so genannten „Paddle“ (Abbildung 9) und mit einem schwammartigen Gummiball gespielt. Das erhöhte Aluminiumfeld entspricht in der Größe einem um ein Viertel verkleinerten Tennisfeld mit einem 1,03 m hohen Netz. Umgeben ist das Feld von einem 3,65 m hohen Zaun, der in das Spielgeschehen mit einbezogen werden darf (vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Platform_tennis). Für den Schulsport eignet es sich auf Grund des besonderen Feldes mit seinen Wänden nur in abgewandelter Form.

2.3.6 Pickle-Ball

Pickle-Ball wird auf dem Badmintonfeld gespielt. Jedoch benutzt man Holzschläger, so genannte „Paddles“ und gelöcherte Bälle aus Plastik. Der Ball darf in der vorderen Zone nicht als Volley gespielt werden. Davon abgesehen sind die Spielregeln die gleichen wie beim Badminton. Der Vorteil liegt darin, dass die Bälle platzierter gespielt werden müssen und dass durch die nicht so schnell gespielten Bälle längere Ballwechsel zustande kommen.

2.4 Alternative Spiele

2.4.1 GOBA

„GOBA ist ein Rückschlagrundspiel, das durch seine Einfachheit und Variabilität einen leichten Zugang zu den bekannten Rückschlagspielen wie Tennis, Tischtennis, Badminton oder Squash ermöglicht“ (Schneider, 2004, S. 27). Folglich eignet es sich in der Schule hervorragend für die Einführung von Rückschlagspielen mit Schläger und Ball.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10 GOBA-Spiel (Conzelmann / Schneider, 2000, S. 76).

Das Spielgerät, eine runde Schlagfläche aus Holz, wird mittels Gurten an beiden Händen angebracht (Abbildung 10). Der Spielball ist nicht festgelegt. Am geeignetsten scheint jedoch auf Grund seiner guten Sprungeigenschaften und seines Gewichts ein Tennisball zu sein. Im Vordergrund steht das gemeinsame Spiel in Gruppen oder Partnerform. Erst später erfolgt das Spiel gegeneinander.

Des Weiteren zählt Schneider (vgl. 2004, S. 27) folgende Vorteile des GOBA-Spiels auf:

- Das beidseitige einhändige Spiel fördert eine harmonische Körperausbildung und hilft muskuläre Dysbalancen zu vermeiden.
- Die direkte Verbindung der Hand mit dem Schläger erleichtert die Schulung der Auge-Hand-Koordination.
- Die Spiel- und Übungsformen erfordern keine großen organisatorischen Maßnahmen; die Schläger können sogar im Werkunterricht der Schule selbst erstellt werden.
- In den Übungsstunden können große Übungsgruppen agieren, ohne dass Sicherheitsrisiken zu befürchten sind.

2.4.2 Speckbrett

Speckbrett, auch Beachball, Knüppelball oder Strandtennis genannt, ist ein „Spiel mit Holzschlägern und Gummiball, das in der Regel am Strand oder im Park von zwei Personen gespielt wird“ (Tappe, 2003, S. 16). Es ist, wie auch das GOBA-Spiel, leicht und ohne größeren Aufwand selbst anzufertigen.

Ziel des Spiels ist es, den Ball mit seinem Partner im Spiel zu halten. Eine andere Form ist es, seinen Gegner „durch faires, aber gekonntes Schlagen des Balles auszuspielen“ (Tappe, 2003, S. 16).

Das Speckbrettspiel besitzt einen „hohen Aufforderungscharakter […] und [ist] nicht zuletzt wegen seines Freizeitwertes […] ideal im Sportunterricht und im außerunterrichtlichen Schulsport (Pausen, Klassenfahrten usw.) einzusetzen“ (Tappe, 2003, S. 16).

2.5 Rückschlagspiele im Schulsport

So lassen sich wie gezeigt unterschiedlichste Rückschlag spielen finden die in der Schule gespielt werden können. Alle Rückschlagspiele haben auch Gemeinsamkeiten. So lassen sich Rückschlagspiele mit Schläger und Ball den Einfeldspielen mit Wand und die Zweifeldspiele mit Netz einordnen. Für die Schulung kann ein sportspielübergreifender Unterricht stattfinden um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Spielen von Rückschlagspielen mit Schläger und Ball.

3 Koordination

„Ko-ordinieren“ heißt wörtlich „zusammenordnen“. Was jedoch bei einer Bewegungsausführung „zusammengeordnet“ wird, das ist je nach wissenschaftlichem Ausgangspunkt (Sportpädagogik, funktionelle Anatomie, Sportpsychologie, Trainingslehre, ...) unterschiedlich (vgl. Meinel / Schnabel, 1998, S. 37). Meinel / Schnabel definieren Bewegungskoordination deshalb folgendermaßen: Bewegungskoordination ist „die Ordnung, die Organisation von Bewegungen und damit auch der zugrunde liegenden sensomotorischen Prozesse in Ausrichtung auf ein bestimmtes Ziel beziehungsweise Zweck. Das bedeutet die Abstimmung aller Bewegungsparameter im aktuellen Prozess der Wechselwirkung des Sportlers mit der jeweiligen Umweltsituation. Sie ist dem Sportler und dem Sportpädagogen zunächst nur zugängig und erfassbar als Abstimmung der Bewegungsphasen, der Bewegungen oder der Teilhandlungen“ (1998, S. 38).

Davon abgeleitet sind koordinative Fähigkeiten „relativ verfestigte und generalisierte Verlaufsqualitäten spezifischer Bewegungssteuerungsprozesse und Leistungsvoraussetzungen zur Bewältigung dominant koordinativer Leistungsanforderungen“ (Hirtz, 1994, zit. nach Martin u. a., 1999, S. 83), das heißt Fähigkeiten, die primär koordinativ bestimmt sind. Ihre Wirksamkeit und Ausprägung wird deshalb „besonders beim Erlernen sportmotorischer Fertigkeiten, bei ihrem Verfügbarmachen in variablen Situationen und beim Umsetzen konditionell-energetischer Möglichkeiten in Fertigkeitsleistungen“ (Martin / Carl / Lehnertz, 1991, S. 57) deutlich. Im Unterschied zu den sporttechnischen Fertigkeiten sind die koordinativen Fähigkeiten nicht nur einer einzigen Bewegungsaufgabe zugeordnet, sondern gelten als Voraussetzung für mehrere Bewegungshandlungen, das heißt sie unterscheiden sich im Grad ihrer Allgemeinheit (vgl. Harre, 1986, S. 187). Sie sind als komplex wirkende Leistungsvoraussetzungen zu sehen, die oft erst im Zusammenwirken mit anderen Fähigkeiten (konditionelle, kognitive, musische, ...) voll zur Geltung kommen (vgl. Meinel / Schnabel, 1998, S. 208).

Die Schulung der koordinativen Fähigkeiten ist insbesondere im Kinder- und Jugendtraining von großer Bedeutung. Hier wird auf eine allgemeine, sportartenübergreifende Koordinationsschulung Wert gelegt. Im späteren Trainingsprozess werden die koordinativen Fähigkeiten dann meist als technisches

Ergänzungstraining oder durch das Betreiben einer anderen Sportart neben der Spezialdisziplin trainiert (vgl. Martin / Carl / Lehnertz, 1991, S. 57).

Die besondere Bedeutung des Koordinationstrainings im Kindes- und Jugendalter liegt nicht nur in seinem allgemein bildenden Effekt, sondern in den enormen durchschnittlichen Zuwächsen in der Gesamtkörperkoordination vom frühen Schulkindalter bis zur Adoleszenz (vgl. Roth, 1998, S. 85). Gerade die im frühen Schulkindalter erworbenen koordinativen Fähigkeiten haben großen Einfluss auf die Bewegungshandlungen bzw. auf das Erlernen von Bewegungen im späteren Leben (vgl. Kosel, 1998, S. 10). „Oft bereiten entsprechende Lernvorgänge [die Verbesserung der koordinativen Leistungen betreffend] im späteren Lebensalter erhebliche Schwierigkeiten [...]. Je umfangreicher, stabiler und abwechslungsreicher die Bewegungserfahrungen aus den ersten Jahren der Schulzeit sind, umso höher ist die Bewegungssicherheit im Erwachsenenalter“ (Kosel, 1998, S. 10). Daher sollte auch das Training bei Kindern und Jugendlichen möglichst vielfältig und variantenreich sein, das heißt es sollte noch nicht spezialisiert trainiert werden (vgl. Roth, 1998, S. 85 f).

Die Frage nach den konkreten Inhalten dieses Trainings lässt sich nicht eindeutig und allgemeingültig beantworten, da es in der Literatur sehr unterschiedliche Versuche gibt, die koordinativen Fähigkeiten zu definieren und zu systematisieren. „Sie reichen von der Unterscheidung einiger weniger komplexer koordinativer Fähigkeiten bis zur Ableitung einer größeren Anzahl von elementaren koordinativen Fähigkeiten“ (Meinel / Schnabel, 1998, S. 210).

3.1 Modelle zur Schulung der Koordination

Immer noch große Verbreitung findet das fähigkeitsorientierte Modell von Hirtz. Hirtz unterscheidet fünf grundlegende koordinative Fähigkeiten: „(1) Die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit, durch sie erhalten Bewegungen ihre detaillierte Differenzierung und Abstufung aufgrund vorwiegend kinästhetischer Informationen aus Muskeln und Sehnen. (2) Die räumliche Orientierungsfähigkeit, sie begründet sich auf Beobachtungen und Verarbeitung vorwiegend optischer Informationen zur raumorientierten Bewegungssteuerung. (3) Die Gleichgewichtsfähigkeit, die das Halten bzw. Wiederherstellen des Gleichgewichts bei wechselnden Situationen und das Lösen von motorischen Aufgaben bei labilen Gleichgewichtsverhältnissen umfasst. (4) Die komplexe Reaktionsfähigkeit, sie ist die zweckmäßige Einleitung und Ausführung kurzzeitiger Bewegungshandlungen auf unterschiedliche Signale. (5) Die Rhythmusfähigkeit, die das Erfassen, Speichern und Darstellen von vorgegebenen bzw. in der Bewegung selbst enthaltenen zeitlich-dynamischen Strukturen, bezeichnet“ (Hirtz, 1985, zit. nach Martin / Carl / Lehnertz, 1991, S. 59). Harre ergänzt das Modell von Hirtz um zwei weitere Fähigkeiten zur Optimierung der Schulung sportmotorischer Fertigkeiten: (6) „Die Kopplungsfähigkeit ist die Fähigkeit, Teilkörperbewegungen, Einzelbewegungen und Operationen zu einer zielgerichteten Gesamtbewegung zu koordinieren. [….] (7) Die Umstellungsfähigkeit stellt die Grundlage, bei Situationsveränderungen das Handlungsprogramm den neuen Gegebenheiten anzupassen“ (Harre, 1986, zit. nach Martin / Carl / Lehnertz, 1993, S. 59).

Ein weiterer Ansatz stammt von Roth. Er schlägt vor, dass man die verschiedenen bestehenden Ansätze „nicht „gegeneinander“ diskutiert, sondern die – je für sich – durchaus wertvollen Detailerkenntnisse aus den Einzelkonzeptionen gewinnbringend miteinander verbindet“ (Roth, 1998, S. 89). Weil sich dieses Vereinigungsmodell nur auf die Zusammenschau der Aufgaben des Koordinationstrainings beschränkt und keine neue Klassifizierung der koordinativen Fähigkeiten für sich beansprucht, sich davon sogar ausdrücklich distanziert, verwendet Roth diesen Begriff nicht mehr und spricht dagegen von koordinativen Aufgaben- bzw. Anforderungsklassen (vgl. Roth, 1998, S. 89).

3.1.1 Modell der sieben koordinativen Fähigkeiten nach Harre

In Anlehnung an das Modell von Hirtz unterscheidet sich das Modell der sieben koordinativen Fähigkeiten, wie oben schon angesprochen, zwischen der kinästhetischen Differenzierungsfähigkeit, der räumlichen Orientierungsfähigkeit, der Gleichgewichtsfähigkeit, der Reaktionsfähigkeit der Rhythmisierungsfähigkeit, der Kopplungsfähigkeit und der Umstellungsfähigkeit.

Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit

Unter kinästhetischer Differenzierungsfähigkeit versteht man „die Fähigkeit zum Erreichen einer Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen, die in großer Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie zum Ausdruck kommt. Sie beruht auf der bewussten, präzisen Wahrnehmung der Kraft-, Zeit- und Raumparameter des aktuellen Bewegungsvollzuges und dem Vergleich mit dem auf verschiedenen Regulationsebenen kodierten Handlungsprogramm“ (Meinel / Schnabel, 1998, S. 212 f).

Für Rückschlagspiele mit Schläger und Ball lässt sich daraus ableiten, dass die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit für die Feinanpassung zuständig ist. Beim Aufschlag beispielsweise entscheiden Schlagwinkel, Drall und Schlaglänge über das Gelingen. Diese Bewegungen, bei denen es schon bei einer geringen Abweichung zu einem Fehler kommen kann, laufen inerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne (Schlagablaufzeit: 0,5-0,9 sec, Kontaktzeit: 0,005-0,003 sec) ab (vgl. DTB, 1996, S. 94). Das heißt, es müssen über bewegungsempfindliche Analysatoren die optimalen Bewegungen erkannt bzw. die falschen abgeändert werden, um erfolgreich abschließen zu können.

Räumliche Orientierungsfähigkeit

Räumliche Orientierungsfähigkeit ist „die Fähigkeit zu Bestimmung und zieladäquaten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum und Zeit bezogen auf ein definiertes Aktionsfeld und / oder ein sich bewegendes Objekt“ (Meinel / Schnabel, 1998, S. 216).

Für Rückschlagspieler ergibt sich aufgrund des geometrischen Spielfeldes und der ständigen Änderung des Standortes, dass räumliche Wahrnehmung und Einschätzung unentbehrlich sind (vgl. Heinzel / Koch / Strakerjahn, 1997, S. 16 f).

Für Rückschlagspieler ergibt sich aufgrund des geometrischen Spielfeldes und der ständigen Änderung des Standortes, dass räumliche Wahrnehmung und Einschätzung unentbehrlich sind (vgl. Heinzel / Koch / Strakerjahn, 1997, S. 16 f).

Gleichgewichtsfähigkeit

„Gleichgewichtsfähigkeit ist die Fähigkeit, den gesamten Körper im Gleichgewichtszustand zu halten oder während und nach umfangreichen Körperverlagerungen diesen Zustand beizubehalten beziehungsweise wiederherzustellen“ (Meinel / Schnabel, 1998, S. 217).

Bei Rückschlagspielen mit Schläger und Ball wird sie vor dem Schlag als Grundlage zur Präzision des Schlages und nach dem Schlag zur Wiederherstellung des stabilen Standes bei gleichzeitiger Laufvorbereitung benötigt. Nach einem Schlag muss der Spieler in kürzester Zeit wieder eine ideale Ausgangsposition einnehmen. Je früher er in diese gelangt, desto gelassener kann er sich erneut auf einen präzisen Schlag vorbereiten. Eine instabile Lage vor einem Schlag zieht eine extreme Präzisionsabweichung nach sich, so dass der Ball nicht sogar verfehlt werden kann.

Reaktionsfähigkeit

Reaktionsfähigkeit ist die „Fähigkeit zur schnellen Einleitung und Ausführung zweckmäßiger kurzzeitiger motorischer Aktionen auf ein Signal. Dabei kommt es darauf an, zum zweckmäßigsten Zeitpunkt und mit einer aufgabenadäquaten Geschwindigkeit zu reagieren, wobei meistens das maximal schnelle Reagieren das Optimum ist“ (Meinel / Schnabel, 1998, S. 218).

Ausgehend vom Zeitdruck und schlecht bzw. unvorhersehbaren Richtungsänderungen des Gegners oder des Balles kommt der Reaktionsfähigkeit bei Rückschlagspielen eine besondere Bedeutung zu (vgl. Heinzel / Koch / Strakerjahn, 1997, S. 17). Des Weiteren können äußere Einflussgrößen dem Ball unerwartete Richtungsänderungen geben. Um den Ball im Spiel zu halten, müssen Veränderungen frühzeitig wahrgenommen und motorische Aktionen eingeleitet werden, damit ein präziser Schlag erfolgen kann.

Rhythmisierungsfähigkeit

Rhythmisierungsfähigkeit ist „die Fähigkeit, einen von außen vorgegebenen Rhythmus zu erfassen und motorisch zu reproduzieren sowie den verinnerlichten, in der eigenen Vorstellung existierenden Rhythmus einer Bewegung in der eigenen Bewegungstätigkeit zu realisieren“ (Meinel / Schnabel, 1998, S. 218).

Für Rückschlagspieler ist ein konstanter und auch individueller Schlagrhythmus wichtig, um mehr Sicherheit in den Schlag zu bekommen (vgl. Heinzel / Koch / Strakerjahn, 1997, S. 17). Eigene Möglichkeiten können somit besser eingeschätzt und ausgenutzt werden.

Kopplungsfähigkeit

Unter Kopplungsfähigkeit versteht man „die Fähigkeit, Teilkörperbewegungen (beispielsweise Teilbewegungen der Extremitäten, des Rumpfes und des Kopfes) untereinander und in Beziehung zu der auf ein bestimmtes Handlungsziel gerichteten Gesamtkörperbewegung zweckmäßig zu koordinieren“ (Meinel / Schnabel, 1998, S. 214).

Bei Rückschlagspielen ist es von großer Bedeutung, sich auf einen gezielten Rückschlag vorzubereiten. Für eine gute Ausgangsposition müssen die Teilbewegungen fließend ineinander übergehen.

Umstellungsfähigkeit

Umstellungsfähigkeit ist „die Fähigkeit, während des Handlungsvollzuges auf Grund wahrgenommener oder vorausgenommener Situationsveränderungen das Handlungsprogramm den neuen Gegebenheiten anzupassen oder die Handlung auf völlig andere Weise fortzusetzen (Meinel / Schnabel, 1998, S. 218).

Sie tritt ähnlich wie die Reaktionsfähigkeit bei geplanten oder begonnen Handlungen mit Schläger und Ball auf, falls diese kurzfristig geändert oder neu strukturiert werden müssen (vgl. Afflerbach / Grözinger / Moosmann / Rettich / Stephan, 2004, S. 122).

Sehr wichtig für die gezielte Schulung und Verbesserung der sieben koordinativen Fähigkeiten (und damit auch der Gesamtkoordination) ist die Tatsache, dass sie bei der Steuerung einer Bewegung oder Bewegungssequenz selten alleine, sondern meist in sportart- bzw. disziplinspezifischen Fähigkeitskomplexen auftreten (Afflerbach / Grözinger / Moosmann / Rettich / Stephan, 2004, S. 122).

Das bedeutet auch, dass sie nicht durch isolierte Aufgaben gezielt trainiert werden können, sondern bei Übungen gleichermaßen anzutreffen sind.

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Ende der Leseprobe aus 105 Seiten

Details

Titel
Tennis in der Schule. Koordinative Schulung für Rückschlagspiele mit Schläger und Ball
Untertitel
Möglichkeiten und Grenzen des Tennisspiels im Sportunterricht
Hochschule
Hochschule Ravensburg-Weingarten
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
105
Katalognummer
V71612
ISBN (eBook)
9783638621120
ISBN (Buch)
9783638693486
Dateigröße
2107 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulung, Rückschlagspiele, Schläger, Ball, Möglichkeiten, Grenzen, Tennisspiels, Sportunterricht
Arbeit zitieren
Fabian Schnetter (Autor), 2006, Tennis in der Schule. Koordinative Schulung für Rückschlagspiele mit Schläger und Ball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71612

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