Die Arbeit an sich ist heute dank des technischen Fortschritts wesentlich
vereinfacht worden. Auf dem Weg zur Dienstleistungsgesellschaft
sind gesundheitliche Probleme aufgrund körperlicher Arbeit
vielfach aus dem Alltag verschwunden. An diese Stelle sind
andere Faktoren getreten, die den Arbeitsalltag zunehmend belasten.
Zu diesen Belastungsfaktoren, denen ein Mensch am Arbeitsplatz
ausgesetzt sein kann, gehören: Mangel an Herausforderung,
tägliche Reibereien und Ärgernisse (z.B. wichtige Informationen
erreichen den Arbeitsplatz nur unvollständig oder wichtige Arbeitsmittel
sind unzuverlässig) und quantitative Überforderung
(z.B. Arbeit unter hohem Zeitdruck, Überstunden und Schichtarbeit).
Weitere Faktoren können soziale Konflikte oder traumatisierende
Ereignisse bei psychisch anspruchsvollen Berufen, wie etwa
bei dem Polizeidienst, sein. Eine besondere Belastungssituation
kann entstehen, wenn mehrere der genannten Phänomene gleichzeitig
auftreten.
Das Thema „Mobbing“, welches in der jüngeren Vergangenheit
verstärkt in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt worden ist,
nimmt dabei aufgrund seiner Berufsimmanenz einen besonderen
Stellenwert ein. Dabei ist das Problem Mobbing nicht neu, dies belegen
die Befragungen von Levenstein aus dem Jahre 1912, der
sich mit der Qualität der sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz beschäftigte.
Doch ähnlich wie bei anderen Themen wurde Mobbing
erst zum Gesprächsgegenstand, als erste populärwissenschaftliche
Veröffentlichungen die Gesellschaft erregten.
Der Grund für die Verbreitung des Themas mag wohl abgesehen
von der menschlichen Seite überwiegend der volkswirtschaftliche
Schaden für die Bundesrepublik Deutschland sein, der auf ca. 15
bis 50 Mrd. Euro jährlich geschätzt wird. Allerdings gibt es keine gesicherten Zahlen, die Schätzung scheint aber angesichts der
weiten Verbreitung von Mobbing durchaus realistisch.3
Der schwedische Psychologe Heinz Leymann hat eine der umfangreichsten
Untersuchungen auf dem Gebiet „Mobbing“ durchgeführt.
Er interviewte Anfang der Neunziger zahlreiche Betroffene
und führte Umfragen in schwedischen Unternehmen durch. Die
Ergebnisse und seine Schlussfolgerungen genießen einen hohen
Stellenwert innerhalb der Fachwelt. Seine Arbeiten sollen deshalb
Grundlage für diese Arbeit sein.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Mobbing
2.1 Definition
2.2 Begriffsabgrenzung
2.3 Was unterscheidet Mobbing vom alltäglichen beruflichen Ärger?
2.4 Mobbinghandlungen
3 Mobbing anhand einer Umfrage
4 Vier Phasen des Mobbings
5 Mobbingursachen
5.1 Organisation und Gestaltung der Arbeitsaufgaben
5.2 Leitungs- und Führungsverhalten
5.3 Soziale Dynamik der Arbeitsgruppe
5.4 Mangelnde Konfliktbewältigung
5.5 Theorien der Persönlichkeit
6 Mobbing als psychosozialer Stress
6.1 Folgen für die Gesundheit
6.1.1 Psychische Auswirkungen
6.1.2 Körperliche und psychosomatische Beschwerden
6.2 Folgen für das Unternehmen und den Betroffenen
7 Interventionsmöglichkeiten und Prävention
7.1 Konfliktverständnis und Handhabung durch den Vorgesetzten
7.2 Konflikthandhabung durch den Betroffenen
7.3 Hilfe durch professionelle Berater
7.3.1 Mobbingtagebuch
7.3.2 Betriebsvereinbarung
7.4 Juristische Lösungsansätze
7.5 Prävention auf der strukturell-organisatorischen Ebene
8 Resümee
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychischen und sozialen Prozesse beim Phänomen Mobbing im Arbeitsumfeld. Das primäre Ziel ist es, den Verlauf und die Ursachen von Mobbing zu analysieren sowie Interventions- und Präventionsmöglichkeiten aufzuzeigen, um Betroffenen und Organisationen Handlungssicherheit zu bieten.
- Strukturanalyse von Mobbing als Prozess im Arbeitsalltag
- Erforschung von Ursachen innerhalb der Arbeitsorganisation und Führung
- Darstellung der psychosozialen Auswirkungen auf Betroffene
- Bewertung von Präventionsmaßnahmen und juristischen Lösungsansätzen
Auszug aus dem Buch
2.4 Mobbinghandlungen
Im Kern sind es drei Bereiche des Arbeitslebens, die beim Mobbing manipuliert werden:
1. Die zwischenmenschliche Kommunikation. Hierbei wird die Kommunikation mit dem Betroffenen gestört, z.B. durch Ignorieren, Schreien, Brüllen, unberechtigte Kritik an Arbeit oder Privatsphäre, Beschimpfen oder ausschließlich schriftliche Kommunikation, um dem Betroffenen deutlich zu machen, er sei eines Gespräches nicht würdig.
2. Das soziale Ansehen. Das soziale Ansehen einer Person wird in erster Linie geschädigt durch Verbreitung von Gerüchten. Der Betroffene wird lächerlich gemacht, verleumdet und verhöhnt.
3. Manipulation der Arbeitsaufgabe. Manipulieren der Arbeitsaufgabe geschieht vor allem durch das Erteilen gefährlicher oder unattraktiver Tätigkeiten, durch sinnlose, unterfordernde Arbeiten, kränkende oder unlösbare Aufgaben.
Wie belastend eine Mobbingsituation empfunden wird, hängt auch von folgenden Faktoren ab:
Die Anzahl der Mobber
Der Zeitfaktor
Die Intensität der Mobbinghandlung
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Belastung im modernen Arbeitsalltag und führt in das Thema Mobbing als ein in den Fokus der Öffentlichkeit gerücktes Problem ein.
2 Mobbing: Dieses Kapitel definiert den Begriff Mobbing, grenzt ihn von allgemeinem Ärger ab und erläutert die verschiedenen Handlungsbereiche, in denen psychischer Terror am Arbeitsplatz stattfindet.
3 Mobbing anhand einer Umfrage: Hier werden die Ergebnisse einer praktischen Untersuchung im Bundesgrenzschutzpräsidium Mitte vorgestellt, um das theoretische Wissen durch authentische Erfahrungen zu ergänzen.
4 Vier Phasen des Mobbings: Dieses Kapitel beschreibt das Verlaufsmodell nach Leymann, das den schleichenden Prozess von Konflikten bis hin zum Ausschluss aus der Arbeitswelt verdeutlicht.
5 Mobbingursachen: Hier werden die verschiedenen Ursachen für Mobbing analysiert, insbesondere die Rolle der Arbeitsorganisation, das Führungsverhalten und die Dynamik von Arbeitsgruppen.
6 Mobbing als psychosozialer Stress: Das Kapitel untersucht die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen, sowohl auf psychischer als auch auf körperlicher Ebene.
7 Interventionsmöglichkeiten und Prävention: Es werden Strategien zur Konflikthandhabung durch Vorgesetzte und Betroffene sowie juristische Ansätze und strukturelle Präventionsmaßnahmen diskutiert.
8 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Haupterkenntnisse und betont die Notwendigkeit eines geschärften Bewusstseins für Mobbing in Unternehmen und Behörden.
Schlüsselwörter
Mobbing, Psychoterror, Arbeitsplatz, Stress, Konfliktbewältigung, Prävention, psychische Auswirkungen, Arbeitsorganisation, Führungsverhalten, soziale Dynamik, Diskriminierung, Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Betriebsvereinbarung, Arbeitsrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit Mobbing am Arbeitsplatz als komplexem Prozess, der zu erheblichen psychischen und physischen Belastungen führt und die Leistungsfähigkeit einer Organisation beeinträchtigt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Verlauf des Mobbingprozesses, die Ursachen in der Organisationsstruktur und Führung, die gesundheitlichen Folgen sowie Interventionsmöglichkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Problembewusstsein zu schärfen und zu verdeutlichen, dass Mobbing ein dynamischer Prozess ist, der individuelle Gegenmaßnahmen und strukturelle Prävention erfordert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Neben einer intensiven Literaturanalyse wurde eine empirische Befragung von Mitarbeitern des Bundesgrenzschutzpräsidiums Mitte durchgeführt, um das Thema durch praxisnahe Daten zu untermauern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Mobbing, das Phasenmodell des Verlaufs, die Ursachen in der Arbeitswelt sowie die gravierenden gesundheitlichen Konsequenzen für die Betroffenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Psychoterror, Arbeitsorganisation, Konfliktbewältigung, Prävention, psychische Auswirkungen und professionelle Beratung.
Warum ist das Phasenmodell nach Leymann für die Arbeit von Bedeutung?
Es dient als theoretische Grundlage, um den Eskalationsprozess von anfänglichen Konflikten bis zum vollständigen Ausschluss aus der Arbeitswelt systematisch zu beschreiben.
Welche Rolle spielt die Führungskraft bei der Mobbingprävention?
Vorgesetzte tragen eine Fürsorgepflicht und sollten als Konfliktmanager fungieren, um durch einen partizipativen Führungsstil und ein frühzeitiges Erkennen von Konflikten ein gesundes Arbeitsklima zu sichern.
- Quote paper
- Johanna Wiegand (Author), 2002, Arbeitsbelastungsfaktoren - eine zusammenfassende Darstellung paralleler, sozialer und psychischer Verläufe - untersucht am Beispiel Mobbing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7165