Im Rahmen meines Studiums der Pflege- und Gesundheitswissenschaften an der EFH- Darmstadt bekam ich die Aufgabe, dass im deutschsprachigen Raum als "Bezugsrahmen der Pflege- und Kranheitsverlaufskurve" bekannte Modell von Corbin und Strauss, auf seine Anwendbarkeit und Alltagstauglichkeit zu prüfen und es anzuwenden. Dazu sollte eine sogenannte Einzelfallstudie erstellt werden.
Das Modell dient dazu chronische Erkrankungen besser zu bewältigen. Zum einen geschieht diese Bewältigung aus Sicht des Betroffenen und seiner wichtigsten Bezugspersonen, zum anderen aus der Sicht der "professionellen Helfer" des Gesundheitssystems. Das Modell kann u.a. die chronische Erkrankung des Betroffenen "visualisieren", so dass unterschiedliche Verlaufsphasen ausgemacht und benannt werden können. Speziell das modifizierte Modell von Schütze/Riemann wurde in diesem Bericht zur Verlaufskurvenentwicklung herangezogen.
Während eines vierwöchigen Praktikums in einem ambulanten Pflegedienst wurde eine Patientin mit einer chronischer Krankheit (DIABETES MELLITUS Typ2) ausgewählt, die bereit war und kognitiv dazu in der Lage war, über ihr Leben bzw. ihre Krankheitsgeschichte zu berichten. Auch die Angehörigen sowie der behandelnde Hausarzt erklärten sich bereit Aussagen zu tätigen und wurden in die Verlaufskurvenarbeit miteinbezogen.
Dieser Praktikumsbericht soll einen kleinen Einblick über die Nutzung des Corbin/Strauss Modells in der Praxis geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beschreibung der Institution des Praktikums: Ein ambulanter Pflegedienst
3. Methodik zur Datenerhebung für die Darstellung der Pflege- und Krankheitsverlaufskurve
4. Beschreibung des Trajectory Work Modells nach Corbin und Strauss unter Einbezug der Modifikation nach Schütze und Riemann
5. Die chronische Krankheit Diabetes mellitus
5.1. Die Erkrankung und die medikamentöse Therapie bei Fr. P.
6. Die Einzelfallstudie: Fr. P.
6.1. Die Biografie von Frau P. bis zur Diagnose des Diabetes mellitus
6.2. Das Vorstadium: Aufschichtung des Verlaufkurvenpotentials
6.3. Hervorgehobenes auslösendes Ereignis der Verlaufskurve
6.4. Labiles Gleichgewicht
6.5. Entwicklung von Problemen „zweiter Ordnung“
6.6. Erschöpfung der inneren Handlungskapazitäten
6.7. Labiles Gleichgewicht
6.8. Labiles Gleichgewicht gerät erneut ins Trudeln
6.9. Labiles Gleichgewicht- bis heute
7. Zusammenfassung der Pflege- und Krankheitsverlaufkurve der Fr. P.
8. Das Modell und seine praktische Anwendung: Eine eigene Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, mittels des Trajectory Work Modells von Corbin und Strauss eine detaillierte Pflege- und Krankheitsverlaufskurve einer an Diabetes mellitus erkrankten Patientin zu erstellen, um Versorgungsbrüche zu identifizieren und Möglichkeiten für eine ganzheitliche, individuell abgestimmte Betreuung aufzuzeigen.
- Anwendung des Trajectory Work Modells in der ambulanten Pflege
- Analyse des Krankheitsverlaufs bei Diabetes mellitus Typ 2
- Bedeutung der Biographiearbeit und psychosozialer Faktoren
- Identifikation von Versorgungsbrüchen und Interventionsstrategien
- Stärkung der Rolle des Patienten als "Experte in eigener Sache"
Auszug aus dem Buch
6.6. Erschöpfung der inneren Handlungskapazitäten
Fr. P. brauchte einige Zeit, um sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Die Hilfsmittel schreckten sie ab und sie wollte auf deren Hilfe nicht angewiesen sein. Sie gewöhnte sich nur langsam daran, dass sie nun mehr Hilfe benötigte, aber sie sah ein, dass sie auch in Zukunft auf fremde Hilfe angewiesen sein wird.
„Ich hab mich wie ein kleines Kind gefühlt, weil jeder mir sagen wollte was für mich gut ist. Ich brauch eben immer länger, um mich mit einer neuen Situation zu Recht zu finden. Alle haben gewusst was für mich gut ist, aber keiner hat mich gefragt!“
Fr. P. hat seit ihren Stürzen sehr große Angst zu Laufen bekommen. Deshalb stattet sie sich mit Hüftprotektoren aus, die ihr während des Klinikaufenthalts empfohlen wurden.
„Das hat mich sicherer gemacht und einen Schönheitspreis gewinn ich eh nimmer“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung des Kontextes der Arbeit, die im Rahmen eines vierwöchigen Praktikums an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt entstand, sowie die Zielsetzung einer Fallstudie mittels des Modells nach Schütze/Riemann.
2. Beschreibung der Institution des Praktikums: Ein ambulanter Pflegedienst: Einblick in die Arbeitsweise und Ziele eines ambulanten Pflegedienstes, der auf eine ganzheitliche Betreuung setzt, um stationäre Aufenthalte zu vermeiden.
3. Methodik zur Datenerhebung für die Darstellung der Pflege- und Krankheitsverlaufskurve: Erläuterung des methodischen Vorgehens, das Dokumentenanalyse, teilnehmende Beobachtung sowie narrative und leitfadengestützte Interviews umfasste.
4. Beschreibung des Trajectory Work Modells nach Corbin und Strauss unter Einbezug der Modifikation nach Schütze und Riemann: Theoretische Einführung in das Bezugsmodell zur Darstellung chronischer Krankheitsverläufe mit Fokus auf die subjektiven Erleidensprozesse.
5. Die chronische Krankheit Diabetes mellitus: Medizinische Grundlagen der Erkrankung, differenziert nach Typ 1 und Typ 2, inklusive relevanter Symptome und Risiken für Spätfolgen.
6. Die Einzelfallstudie: Fr. P.: Detaillierte Rekonstruktion des persönlichen Krankheits- und Lebensverlaufes der Patientin in chronologischen Phasen von der Diagnose bis zur aktuellen Situation.
7. Zusammenfassung der Pflege- und Krankheitsverlaufkurve der Fr. P.: Kritische Reflexion der bisherigen Therapie und der Kommunikation zwischen den professionell Handelnden und der Patientin.
8. Das Modell und seine praktische Anwendung: Eine eigene Stellungnahme: Eigene Einschätzung des Autors zum Wert des Modells für die praktische Pflege sowie Herausforderungen bei dessen Implementierung.
Schlüsselwörter
Pflege- und Krankheitsverlaufskurve, Trajectory Work Modell, Corbin und Strauss, Diabetes mellitus, chronische Krankheit, ambulante Pflege, Fallstudie, Patientenautonomie, Versorgungsbrüche, Schütze und Riemann, ganzheitliche Pflege, Lebensqualität, Biographiearbeit, Krankheitsbewältigung, Gesundheitswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Verlauf einer chronischen Erkrankung (Diabetes mellitus) anhand einer Einzelfallstudie unter Anwendung eines spezifischen Pflegemodells.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die theoretischen Grundlagen des Trajectory Work Modells, die medizinischen Aspekte von Diabetes Typ 2 sowie die qualitative Analyse der Versorgungsbiografie einer Patientin.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, den Krankheitsverlauf transparent zu machen, um die Behandlung zu optimieren und die Patientin als Expertin ihres eigenen Lebens stärker in den Therapieprozess zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, bestehend aus Dokumentenanalysen, teilnehmenden Beobachtungen sowie narrativen und leitfadengestützten Interviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten biografischen und krankheitsbezogenen Aufarbeitung des Falls Fr. P., unterteilt in verschiedene Phasen der Verlaufskurve.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Trajectory Work Modell, chronische Krankheitsverläufe, Versorgungsqualität und die Rolle der Biographie in der Pflege.
Welche Rolle spielte der Wechsel des Hausarztes im Fall von Fr. P.?
Der Wechsel markierte einen Wendepunkt, da die neue Ärztin eine individuellere Betreuung ermöglichte und eine bessere Aufklärung über die Ernährung und den Therapieplan leistete.
Warum ist das "labile Gleichgewicht" für den Autor so bedeutsam?
Der Begriff unterstreicht die Instabilität chronischer Erkrankungen und sensibilisiert Pflegende dafür, präventiv einzugreifen, statt nur auf akute Verschlechterungen zu reagieren.
Wie bewertet der Autor den Nutzen des Modells für die Praxis?
Das Modell wird als wertvolles Instrument für eine ganzheitliche Pflege angesehen, erfordert jedoch eine hohe Qualifizierung und Zeitressourcen, die im derzeitigen System oft fehlen.
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- Alexander Loos (Author), 2003, Trajectory Work Modell- Corbin und Strauss, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71701