Die Grundkonzeption von Aktienanleihen und Discountzertifikaten, dargestellt an ausgewählten Produkten


Vordiplomarbeit, 2006

33 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aktienanleihen
2.1 Der Grundgedanke
2.2 Aufbau einer Aktienanleihe
2.2.1 Akteure der Aktienanleihe
2.2.1.1 Der Emittent
2.2.1.2 Der Anleger
2.3 Parameter einer Aktienanleihe
2.3.1 Basiswert
2.2.2 Basispreis/Strike Price
2.3.3 Zinskupon
2.3.4 Rückzahlung

3 Bewertung von Aktienanleihen
3.1 Rendite versus Kupon
3.1.1. Szenario
3.1.2. Szenario
3.2 Gewinnschwelle/Break-Even
3.3 Renditevergleich mit dem Underlying

4 Aufbau eines Discountzertifikate
4.1 Der Grundgedanke
4.2.1 Akteure des Discountzertifikats
4.2.1.1 Der Emittent
4.2.1.2 Der Anleger
4.3 Parameter eines Discountzertifikats
4.3.1 Basiswert
4.3.2 Discount
4.3.3 Höchstbetrag/Cap
4.3.4 Rückzahlung

5 Kritische Werte
Gewinnprofil/Rendite
5.2 Outperformance-Punkt

6 Fazit
6.1 Chancen-/Risiken-Vergleich
6.1.1. Aktienanleihen
6.1.2 Discountzertifikate

7 Schlusswort

8 Anhang

9 Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

Am Kapitalmarkt existiert eine Vielzahl von Anbietern, die ihre Finanzprodukte verkaufen wollen. Für Privatanleger gestaltet es sich deshalb schwierig das richtige Produkt für die eigene Risikoneigung zu finden. Die angegebenen Kennzahlen, wie Rendite oder Kupon geben oft keine voll umfänglichen Informationen, die der Anleger braucht, um seine Entscheidung treffen zu können. In dieser Hausarbeit soll anhand von jeweils einem Beispiel die Funktionsweisen von Aktienanleihen und Discountzertifikaten dar- und gegenübergestellt werden. Es sollen Berechnungen vorgestellt werden, die es dem Anleger vereinfachen, das „ richtige Anlageprodukt“ zu seinem Chancen- und Risikoprofil zu finden. Dabei soll nur auf die Sichtweise des Anlegers eingegangen werden.

Die Risiken des Marktes sollen vorgestellt und mit Stress-Szenarien die Rückzahlungsrisiken veranschaulicht werden. Ebenso sollen die Chancen dieser Derivativen Produkte vorgestellt werden.

2 Aktienanleihen

2.1 Der Grundgedanke

Aktienanleihen oder auch Reverse Convertible Bonds genannt, sind festverzinsliche Wertpapiere und gehören zu den strukturierten Anlage-Produkten.[1]

Der Anleger erwirbt ein Wertpapier zu einem bestimmten Kurswert. Er erhält eine feste, jährliche Verzinsung, den Kupon (vergleichbar mit normalen Anleihen), der unabhängig von der Kursentwicklung des zugrunde liegenden Basiswertes (Aktie/Underlying) bezahlt wird. Bei Aktienanleihen erfolgt die Rückzahlung am Fälligkeitstag. Der Emittent als Anleiheschuldner und Optionskäufer) entscheidet ob der Anleger bei Fälligkeit entweder die Zahlung des jeweiligen Nennbetrags der Anleihe (notional amount) oder die Lieferung einer bestimmten Anzahl von Aktien auf Basis des festgesetzten Basiswertes erhält. .Aktien- und Indexanleihen sind ihrer Art und Konstruktion nach den Zertifikaten sehr ähnlich. Die Bank legt den Nennbetrag des Anlegers verzinslich an und kauft ihm gleichzeitig die in der Aktienanleihe integrierte Put-Option ab. Dadurch liegt der Kupon von Aktienanleihen deutlich über dem aktuellen Marktzinsniveau einer vergleichbaren Unternehmensanleihe mit vergleichbarer Laufzeit und Bonität , da sich der Kupon aus dem Marktzins und der Optionsprämie zusammensetzt..

2.2 Aufbau einer Aktienanleihe

2.2.1 Akteure der Aktienanleihe

2.2.1.1 Der Emittent

Der Emittent (meist eine Bank) ist der Schuldner der Aktienanleihe und verkauft dem Anleger diese inkl. einer Verkaufsoption (Put). Die Bank kauft dem Anleger den Put gegen eine Optionsprämie ab und fungiert somit als Käufer einer Verkaufsoption oder ist in der Long-Put-Position. Damit erwirbt die Bank das Recht, zu einem festgelegten Zeitpunkt und Preis dem Anleger eine vorher festgelegte Anzahl einer bestimmten Aktie (Underlying) oder Index zu liefern, statt den Anlagebetrag zurück zahlen zu müssen (s. Anlage 2). Dieses Wahlrecht vergütet die Bank über die Optionsprämie.[2]

2.2.1.2 Der Anleger

Der Anleger ist Käufer der Aktienanleihe und Verkäufer einer Verkaufsoption., d.h. Stillhalter in Geld über die Aktienanleihe und in der Short-Put Position. Der Anleger verkauft der Bank diese Verkaufsoption und erhält dafür eine Optionsprämie. Das Risiko für den Stillhalter besteht darin, dass der Emittent seine Option ausübt und den Stillhalter / Anleihegläubiger dazu verpflichtet, am Ende der Laufzeit eine festgelegte Anzahl an Aktien oder eines Index zum vereinbarten Basiswert abzunehmen, statt seinen Anlagebetrag zurück zu erhalten.

Die Differenz zwischen der marktüblichen Anleiheverzinsung und dem (höheren) Zinssatz der Aktienanleihe ist die im Kupon implizit eingerechnete Optionsprämie, abzüglich einer etwaigen Marge des Strukturierers bzw. Emittenten.[3]

2.3 Parameter einer Aktienanleihe

2.3.1 Basiswert

Jeder Aktienanleihe liegt eine bestimmte Aktie bzw. ein bestimmter Index zugrunde, der Basiswert. Ein gewählter Basiswert in Deutschland ist meist eine DAX-Notierung (klassische Standardwerte / Blue Chips wie z.B. BMW, Siemens, Bayer etc.). Es werden aber auch europäische und amerikanische Basiswerte am Markt sowie Aktienanleihen auf Indizes wie den Dax. angeboten.[4]

Für die Aktienanleihe ergibt sich die grundsätzliche Konsequenz, dass sich ihr Wert zu einem wesentlichen Teil aus der Bewegung des Underlyings (der Aktie oder dem Index) ableitet. Die Aktienanleihe entwickelt sich also niemals (völlig) unabhängig von der Aktie, weshalb man auch von einem „derivativen“, also im ursprünglichen Sinn des Wortes „abgeleiteten“ Wertpapier spricht.[5]

Für unser Beispiel wählen wir die Aktie der Deutschen Post AG. Alle Stammdaten des Underlyings bzw. der Anleihe stehen im Anhang.

2.2.2 Basispreis/Strike Price

Bei Emission der Aktienanleihe wird ein Basispreis festgelegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Berechnung Basispreis = Nennbetrag/Anzahl anzudienender Aktien[6]

1.000 € / 45,25 = 22,10 €

Der Basispreis ist nicht nur der Stückpreis pro Aktie sondern ist auch der Strike Preis. Dieser Strike Preis hat eine strategische Benchmarkfunktion. Der Strike Price ist der Kurswert der Aktie, den diese am Bewertungstag erreichen muss, damit der Anleger den Nennwert seiner Aktienanleihe bekommt. Liegt das Underlying unter dem Strike, wird der Emittent seine Option ausüben und dem Anleger die in den Anleihebedingungen festgelegte Anzahl von Aktien andienen.[7]

Schaubild 1: Basispreis/Strike[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schließt die zugrunde liegende Aktie(Underlying) am Bewertungsstichtag

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schaubild 1 zeigt die Ausgangssituation am 28.Februar 2006. Die X-Achse spiegelt die Werte des Underlyings wider. An dem Punkt, an dem die Gerade die Y-Achse schneidet, ist der aktuelle Wert des Underlyings ablesbar. Das Underlying hatte einen Kurs von 21,91 € und liegt somit unter dem Strike von 22,10 €, der durch die rote, senkrechte Linie gekennzeichnet ist. Um also am Ende den Nennwert zurück zu erhalten fehlen noch 0,19 €.

2.3.3 Zinskupon

Einer der Gründe, in eine Aktienanleihe anzulegen, ist der attraktive Zins. Wie bereits erwähnt, erfolgt die Zahlung des Kupons einer Aktienanleihe unabhängig vom Kurs der Aktie. Die Zinszahlung erfolgt p.r.t. für die Zeit zwischen dem Erwerbszeitpunkt der Aktienanleihe und deren Rückzahlung durch vorzeitigen Verkauf oder bei Fälligkeit. Der Zinsanspruch errechnet sich aus dem Produkt von Nennwert und Anleihekupon. Der Kupon steht immer für 365 (366, Schaltjahr) Zinstage. Wird die Anleihe 365 Tage gehalten, erhält der Anleger bei einem Kupon von 8% und einem notional amount von € 1.000 € Zinsen in Höhe von 80,00 €. Ist die Laufzeit kürzer, so ist auch der Zinsanspruch kleiner und umgekehrt. Den dem Anleger zustehenden Zins kann man über folgende Formel berechnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stückzinsen

Die Zinsanspruch beginnt ab dem Erwerbszeitpunkt und endet spätestens zum Rückzahlungszeitpunkt , meist einen Tag davor.. Da der Kupon i.d.R. jährlich nachträglich fällig ist, betragen die outstanding interests maximal 359 Tage.

In unserem Beispiel wird der Zinslauf für Zinsansprüche zwischen 90 und 364 Tagen dargestellt

Tabelle 2: Berechnung der Stückzinsen nach der Actual/Actual Methode

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Exkurs Stückzinsen

Der Emittent zahlt den gesamten Kupon (also für die vollen 365 Tage) dem Inhaber der Aktienanleihe am Fälligkeitstag. Was passiert aber bei einem Erwerb zwischen den Kuponfälligkeiten? Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen:

- Zinskupon jeweils am 19.1. eines Jahres

Erwerbszeitpunkt am 19.3., also zwei Monate nach Begin des Zinslaufs

Der Investor erhält am 19.4. des Folgejahres die volle Zinszahlung von 80,00 €.

Er kann aber nur einen Zinsertrag für 315 Tage beanspruchen, d.h. 69,04 €. Die Differenz von 13,15 € steht dem Verkäufer der Anleihe zu. Der Anleger zahlt deshalb bei Erwerb die so genannten Stückzinsen

Stückzinsen sind Zinsen, die bis zum Kauf der Anleihe seit letzter Kuponzahlung angefallen sind, bei unseren Beispiel für noch 90 Tage = 19,73 €.Verkauft unser Anleger vor Fälligkeit des nächsten Kupons, erhält er durch die Vorgehensweise seine anteiligen Zinsen. vom Käufer der Aktienanleihe.

In der Praxis vereinfacht sich die Rechnung noch, da Aktienanleihen wie Anleihen in Prozent notiert werden. [9]

In unserem Beispiel betragen die prozentumgerechneten Stückzinsen

(90 gelaufene Tage * 8% Kupon) / 365 Tage = 1,93%. Das Herausrechnen der Stückzinsen vereinfacht dabei letztlich die Beurteilung der Aktienanleihen in Bezug auf die effektive Verzinsung.

Beispiel:

Reduziert man den Kurs der Aktienanleihe von beispielsweise 90,55% um die auf Prozentpunkte umgerechneten Stückzinsen von 1,93% (Kurswert von 90,55% Xetra Frankfurt, 18.08.2006, 11:41 Uhr), ergibt sich ein Wert von 88,62%. Notiert die Aktienanleihe wie in obigem Beispiel unter 100%, so ist die jährliche Rendite aus der Anleihe zu diesem Zeitpunkt höher als der jährliche Kupon, notiert sie über 100%, so ist die jährliche Rendite niedriger. Gründe hierfür liegen u.a.

- in einer Veränderung des Kapitalmarktniveaus ( zinsinduziert) oder
- in einer Veränderung der Bonität des Underlyings, was indikativ an einer

Veränderung des Ratings abgelesen werden kann. Oder

- der Konstitution des Aktienmarktes ( Volatilität/Trends)

2.3.4 Rückzahlung

Aktienanleihen haben im Normalfall eine Laufzeit zwischen 12 und 24 Monaten und damit einen überschaubaren Anlagehorizont.

Die Rückzahlung der Aktienanleihe in Geld oder in Aktien ist, wie bereits erwähnt, von dem Kurs des Underlyings abhängig, d.h. ob über, auf oder unter dem Strike..:

Tabelle 3: Rückzahlung Szenario der Deutschen Post AG[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Emittent legt die Rückzahlung einige Tage vor Ende der Laufzeit fest. In unserem Beispiel ist das der Schlusskurs der Aktie Deutsche Post AG, mit der WKN: 555200 am 20.Februar.2007, gehandelt im elektronischen XETRA-Handelssystem. Der break-point liegt bei 45,25 Aktien zum Preis von 22,10 Euro , da dieses Produkt genau dem Nennbetrag der Aktienanleihe von 1.000 Euro entspricht,

Für unsere Aktienanleihe ergeben sich 3 Szenarien, die für den Emittenten entscheidungsrelevant sind:

Szenario 1 Aktienanleihe ist am Geld

- Die Aktie der Deutschen Post AG liegt auf dem Strike von 22,10.
- Der Emittent (Long-Put-Position) zahlt dem Anleger (Stillhalter)den
- Nennbetrag
- Wert der Aktie = 22,10 €

Szenario 2 Aktienanleihe ist im Geld

- Die Aktie der Deutschen Post AG liegt über dem Strike von 22,10.
- Der Emittent (Long-Put-Position) zahlt dem Anleger (Stillhalter)den Nennbetrag
- Betrifft jeder Wert über 22,10 €

Szenario 3 Aktienanleihe aus dem Geld

- Die Aktie der Deutschen Post AG liegt unter dem Strike von 22,10.
- Der Emittent (Long-Put-Position) zahlt dem Anleger (Stillhalter)die Aktien
- Betrifft jeden Wert kleiner 22,10 €

Schaubild 2: Szenarien zur Rückzahlung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei einem Aktienkurs von 20,80 Euro entsprechen 45 Aktien (gerundet) einem Wert von 936,00 Euro; in Prozent sind das 93,60% des Nennbetrages und ein Verlust von 100% - 93,60% = 6,40%.[11]

[...]


[1] Vgl.: Optionsscheine, Zertifikate und strukturierte Produkte, HSBC Trinkhaus, 2005, S. 137

[2] Vgl.: Optionsscheine, Zertifikate und strukturierte Produkte, HSBC Trinkhaus, 2005, S. 137

[3] Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Put-Option, 15.08.2006

[4] Vgl.: Aktienanleihen, Sal. Oppenheim, 2006, S. 5

[5] Vgl.: Optionsscheine, Zertifikate und strukturierte Produkte, HSBC Trinkhaus, 2005, S. 138

[6] Vgl.: Optionsscheine, Zertifikate und strukturierte Produkte, HSBC Trinkhaus, 2005, S. 138

[7] Vgl.: Aktienanleihen, Sal. Oppenheim, 2006, S. 5

[8] http://www.godmode-trader.de/tools/overview/http://www.godmode-trader.de/tools/overview/ Szenario-Rechner von Sal. Oppenheim, 17.08.2006

[9] Vgl.: Aktienanleihen, Sal. Oppenheim, 2006, S. 6 f

[10] Vgl.: http://www.godmode-trader.de/tools/overview/, Aktienanleihen-Szenario-Calculator, 17.08.06

[11] Vgl. Aktienanleihen, Sal. Oppenheim, 2006, S. 7

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Grundkonzeption von Aktienanleihen und Discountzertifikaten, dargestellt an ausgewählten Produkten
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Finanzierung
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
33
Katalognummer
V71720
ISBN (eBook)
9783638633239
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundkonzeption, Aktienanleihen, Discountzertifikaten, Produkten, Finanzierung
Arbeit zitieren
Nicole Nahlik (Autor:in), 2006, Die Grundkonzeption von Aktienanleihen und Discountzertifikaten, dargestellt an ausgewählten Produkten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71720

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