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Die landesherrlichen Finanzen an der Schwelle zur Neuzeit am Beispiel Kursachsen

Title: Die landesherrlichen Finanzen an der Schwelle zur Neuzeit am Beispiel Kursachsen

Seminar Paper , 2005 , 12 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Wehrstedt (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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In den letzten Jahren hat sich die Geschichtsforschung in verstärktem Maße vom Bild des “dunklen” Mittelalters abgewandt. Es ist dem allgemeinen Trend zu verdanken, dass auch die Entwicklungen des 15. Jahrhunderts eine differenzierte Betrachtung erfahren hat. Die Schwelle zur Neuzeit war eine Zeit der technologischen Innovationen und staatspolitischen Zäsuren, wie etwa dem Wormser Reichstag von 1495 mit der Festlegung des ewigen Landfriedens und der Forderung nach einer Reichssteuer, aber auch außenpolitischem Druck wie z.B. den Hussitenkriegen oder der Türkengefahr. Erst diese politischen Probleme erzwangen Einigkeit im “alten” Reich, dementsprechend sorgte die absolute Geldknappheit zumindest auf der kleinstaatlichen Ebene für eine Verbesserung des Steuersystems, diese ging Hand in Hand mit der Herausbildung frühmoderner Territorialstaatlichkeit 1 , d.h. der Entwicklung vom mittelalterlichen Lehensstaat zum frühneuzeitlichen Ständestaat. So sind viele Forscher dazu übergegangen diese Zeit als Phase des “Frühkapitalismus” zu bezeichnen. Dies erklärt z.B. Boockmann indem er aufzeigt dass, die Gesellschaft der Fugger im 15. Jahrhundert wohl mehr mit einer heutigen Großbank gemeinsam hatte, als mit den Runtingern des frühen Mittelalters. Europäische Fürsten um 1500 waren ständig auf der Suche nach Einkommensquellen und bemüht die Verwaltung und das Finanzwesen zu zentralisieren, den Zugriff auf Land und Leute zu erweitern. Erst aus dieser ökonomischen Notwendigkeit (“necessitas in actu“) heraus, entstanden allmählich Institutionen 2 . Auch das Verhältnis zwischen Albrecht und dem Kaiser wird uns später noch beschäftigen. Während weitgreifende Entwicklungen sich in den meisten Nachbarländern auf nationalstaatlicher Ebene abspielten, geschah dies im “alten” Reich auf territorialstaatlicher Ebene und wurde durch die verschiedenen Landesherren auf unterschiedliche Art und Weise umgesetzt. Es ist jedoch festzuhalten, dass nicht der Staat sondern der Unterhalt des Fürsten der Gegenstand spätmittelalterlicher “Finanzpolitik” ist. 3 Am Beispiel Sachsens lässt sich dieser europaweite Trend auf sehr gute Art und Weise nachvollziehen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Einnahmequellen Albrechts (1488/89-1496)

2.1 Einnahmen durch Steuern

2.2. Der Silberbergbau im Erzgebirge

3. Ausgaben des Fürstentums

3.1 Struktur

3.2 Albrechts politisches Engagement und dessen (finanzielle) Folgen

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die finanzielle Situation des Kurfürstentums Sachsen an der Schwelle zur Neuzeit und analysiert, wie der Landesherr Albrecht der Beherzte mit chronischer Geldknappheit umging. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, welche Einnahmequellen dem Fürsten zur Verfügung standen, wie diese in ein sich wandelndes, frühmodernes Verwaltungssystem eingebettet waren und wie sich das politische Engagement des Herzogs im Rahmen der Reichs- und Landespolitik auf die fiskalische Stabilität auswirkte.

  • Strukturanalyse des frühneuzeitlichen sächsischen Staatshaushalts
  • Die ökonomische Bedeutung des Silberbergbaus im Erzgebirge
  • Finanzpolitische Auswirkungen fürstlicher Machtpolitik und politischer Loyalität
  • Die Transformation vom mittelalterlichen Lehensstaat zum Ständestaat
  • Konfliktlinien zwischen zentralisierter Finanzverwaltung und städtischer Autonomie

Auszug aus dem Buch

2. Die Einnahmequellen Albrechts (1488/89-1496)

Bei der Betrachtung der finanziellen Lage des Kurfürstentums nach der Leipziger Teilung sticht ins Auge, dass der Haushalt im Durchschnitt ein Defizit von 23% aufwies. Dieser chronische Geldmangel führte zur Einführung neuer Steuern und der Straffung des Haushalts. In der Folge soll nun geklärt werden mit welchen Mitteln, d.h. Steuern, Albrecht die laufenden Kosten deckte, sowie die Struktur und Bedeutung des Bergbaus im Erzgebirge betrachtet werden. Ohne die Neuanbrüche im Silberbergbau zu Beginn der 1470er Jahre ist eine so positive Entwicklung des Kurfürstentums bzw. das Erlangen eines solch starken politischen Gewichts, innerhalb des Reiches, nicht denkbar.

Eine durch Johann von Mergenthal, dem ersten sächsischen Landrentmeister im Jahre 1469/70 eingeleitete Reform, die den Versuch beinhaltete das alte Anweisungssystem zu beseitigen, brachte nicht sofort die erwünschten Ergebnisse und so existierten auch im Jahre 1485 noch mehrere Kassen (z.B. Ämterkasse, Oberzehntenamtskasse, Kammerkasse). Erst im Jahre 1487 wurde im Herzogtum und 1492 auch im Kurfürstentum eine zentrale Kasse, die Rentkammer, in die alle direkten Einnahmen sowie die Überschüsse der Ämter fließen sollten, ins Leben gerufen. Durch diese verschiedenen Ebenen, zwischen denen ein rege Kapitalfluss herrschte, war es den Schössern der verschiedenen Ämter oder dem Fürsten nicht möglich einen Gesamtüberblick über die verfügbaren Mittel zu gewinnen. Die Geldnot der beiden Brüder Ernst und Albrecht konnte ab den 1470er Jahren glücklicherweise durch die teilweise hohen Einnahmen aus dem Silberbergbau im Erzgebirge und die Einführung einer Tranksteuer gelindert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext des 15. Jahrhunderts und ordnet die Finanzgeschichte Sachsens als Beispiel für die Herausbildung frühmoderner Territorialstaatlichkeit ein.

2. Die Einnahmequellen Albrechts (1488/89-1496): Dieses Kapitel untersucht die fiskalischen Instrumente zur Defizitdeckung, insbesondere die Steuersysteme und die zentrale Rolle des Silberbergbaus.

2.1 Einnahmen durch Steuern: Hier wird die Struktur der Ämterwirtschaft, die Bedeutung von Natural- und Geldabgaben sowie die Rolle von Jahrrenten und Schutzgeldern dargelegt.

2.2. Der Silberbergbau im Erzgebirge: Das Kapitel analysiert die Bedeutung der Bergbaueinnahmen, des Zehnten und der Monopolrechte für die Stabilität des herzoglichen Haushalts.

3. Ausgaben des Fürstentums: Dieses Kapitel thematisiert die mangelnde Zentralität der Ausgabenverwaltung und die Prioritäten der fürstlichen Finanzpolitik außerhalb der Hofhaltung.

3.1 Struktur: Hier werden die verschiedenen Kassenhierarchien erläutert, die zur Verteilung und Ausgabenverwaltung der fürstlichen Mittel dienten.

3.2 Albrechts politisches Engagement und dessen (finanzielle) Folgen: Die Ausführungen behandeln die hohen Kosten durch militärisches und politisches Engagement des Herzogs für den Kaiser und deren Auswirkungen auf den Haushalt.

4. Fazit: Das Fazit fasst die ökonomischen Transformationsprozesse des 15. Jahrhunderts zusammen und bewertet die Rolle Albrechts bei der Etablierung sächsischer Machtstrukturen.

Schlüsselwörter

Kursachsen, Albrecht der Beherzte, Silberbergbau, Finanzverwaltung, Leipziger Teilung, Steuerwesen, Rentkammer, Territorialstaat, Frühkapitalismus, Wettiner, Landesherr, Haushalt, Wirtschaftsgeschichte, 15. Jahrhundert, Territorialherrschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Finanzstruktur des Kurfürstentums Sachsen unter Albrecht dem Beherzten zwischen 1488 und 1496 und beleuchtet den Umgang mit chronischen Haushaltsdefiziten.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation des Steuer- und Abgabensystems, der wirtschaftlichen Bedeutung des erzgebirgischen Silberbergbaus sowie den finanziellen Folgen fürstlicher Reichspolitik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich durch ökonomische Notwendigkeiten ein frühmodernes Finanzverwaltungssystem entwickelte und wie entscheidend die Einnahmen aus dem Bergbau für die politische Handlungsfähigkeit des Fürsten waren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse unter Verwendung zeitgenössischer Quellen und ausgewählter Fachliteratur zur sächsischen Territorialgeschichte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Einnahmequellen (Steuern, Bergbau) und der Ausgabestrukturen inklusive der finanziellen Belastungen durch das Engagement im Reichsdienst.

Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?

Zentrale Begriffe sind die Rentkammer, der Silberbergbau, die Leipziger Teilung, die Herausbildung des Territorialstaates und der Wandel von der Natural- zur Geldwirtschaft.

Welche Rolle spielt das politische Engagement für die Finanzen?

Die Unterstützung des Kaisers und militärische Feldzüge, wie etwa in Friesland, stellten eine enorme finanzielle Belastung dar, die den Haushalt wiederholt an die Grenzen der Leistungsfähigkeit brachte.

Warum war der Silberbergbau für das Fürstentum so entscheidend?

Er fungierte als "Retter in der Not", da seine Erträge den chronischen Geldmangel abfederten und es dem Landesherrn erst ermöglichten, seine politischen Ambitionen und den notwendigen Verwaltungsapparat zu finanzieren.

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Details

Title
Die landesherrlichen Finanzen an der Schwelle zur Neuzeit am Beispiel Kursachsen
College
Martin Luther University  (Institut der Geschichtswissenschaft)
Course
Proseminar: Grundprobleme des 15. Jahrhunderts
Grade
1,3
Author
Sebastian Wehrstedt (Author)
Publication Year
2005
Pages
12
Catalog Number
V71765
ISBN (eBook)
9783638632379
Language
German
Tags
Finanzen Schwelle Neuzeit Beispiel Kursachsen Proseminar Grundprobleme Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Wehrstedt (Author), 2005, Die landesherrlichen Finanzen an der Schwelle zur Neuzeit am Beispiel Kursachsen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71765
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