Die landesherrlichen Finanzen an der Schwelle zur Neuzeit am Beispiel Kursachsen


Seminararbeit, 2005

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Einnahmequellen Albrechts (1488/89-1496)
2.1 Einnahmen durch Steuern
2.2. Der Silberbergbau im Erzgebirge

3. Ausgaben des Fürstentums
3.1 Struktur
3.2 Albrechts politisches Engagement und dessen (finanzielle) Folgen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den letzten Jahren hat sich die Geschichtsforschung in verstärktem Maße vom Bild des “dunklen” Mittelalters abgewandt. Es ist dem allgemeinen Trend zu verdanken, dass auch die Entwicklungen des 15. Jahrhunderts eine differenzierte Betrachtung erfahren hat. Die Schwelle zur Neuzeit war eine Zeit der technologischen Innovationen und staatspolitischen Zäsuren, wie etwa dem Wormser Reichstag von 1495 mit der Festlegung des ewigen Landfriedens und der Forderung nach einer Reichssteuer, aber auch außenpolitischem Druck wie z.B. den Hussitenkriegen oder der Türkengefahr. Erst diese politischen Probleme erzwangen Einigkeit im “alten” Reich, dementsprechend sorgte die absolute Geldknappheit zumindest auf der kleinstaatlichen Ebene für eine Verbesserung des Steuersystems, diese ging Hand in Hand mit der Herausbildung frühmoderner Territorialstaatlichkeit[1], d.h. der Entwicklung vom mittelalterlichen Lehensstaat zum frühneuzeitlichen Ständestaat. So sind viele Forscher dazu übergegangen diese Zeit als Phase des “Frühkapitalismus” zu bezeichnen. Dies erklärt z.B. Boockmann indem er aufzeigt dass, die Gesellschaft der Fugger im 15. Jahrhundert wohl mehr mit einer heutigen Großbank gemeinsam hatte, als mit den Runtingern des frühen Mittelalters.

Europäische Fürsten um 1500 waren ständig auf der Suche nach Einkommensquellen und bemüht die Verwaltung und das Finanzwesen zu zentralisieren, den Zugriff auf Land und Leute zu erweitern. Erst aus dieser ökonomischen Notwendigkeit (“necessitas in actu“) heraus, entstanden allmählich Institutionen[2]. Auch das Verhältnis zwischen Albrecht und dem Kaiser wird uns später noch beschäftigen. Während weitgreifende Entwicklungen sich in den meisten Nachbarländern auf nationalstaatlicher Ebene abspielten, geschah dies im “alten” Reich auf territorialstaatlicher Ebene und wurde durch die verschiedenen Landesherren auf unterschiedliche Art und Weise umgesetzt. Es ist jedoch festzuhalten, dass nicht der Staat sondern der Unterhalt des Fürsten der Gegenstand spätmittelalterlicher “Finanzpolitik” ist.[3] Am Beispiel Sachsens lässt sich dieser europaweite Trend auf sehr gute Art und Weise nachvollziehen.

2. Die Einnahmequellen Albrechts (1488/89-1496)

Bei der Betrachtung der finanziellen Lage des Kurfürstentums nach der Leipziger Teilung sticht ins Auge, dass der Haushalt im Durchschnitt ein Defizit von 23% aufwies.[4] Dieser chronische Geldmangel führte zur Einführung neuer Steuern und der Straffung des Haushalts. In der Folge soll nun geklärt werden mit welchen Mitteln, d.h. Steuern, Albrecht die laufenden Kosten deckte, sowie die Struktur und Bedeutung des Bergbaus im Erzgebirge betrachtet werden. Ohne die Neuanbrüche im Silberbergbau zu Beginn der 1470er Jahre ist eine so positive Entwicklung des Kurfürstentums bzw. das Erlangen eines solch starken politischen Gewichts, innerhalb des Reiches, nicht denkbar.

Eine durch Johann von Mergenthal, dem ersten sächsischen Landrentmeister im Jahre 1469/70 eingeleitete Reform, die den Versuch beinhaltete das alte Anweisungssystem zu beseitigen, brachte nicht sofort die erwünschten Ergebnisse und so existierten auch im Jahre 1485 noch mehrere Kassen (z.B. Ämterkasse, Oberzehntenamtskasse, Kammerkasse). Erst im Jahre 1487 wurde im Herzogtum und 1492 auch im Kurfürstentum eine zentrale Kasse, die Rentkammer, in die alle direkten Einnahmen sowie die Überschüsse der Ämter fließen sollten, ins Leben gerufen. Durch diese verschiedenen Ebenen, zwischen denen ein reger Kapitalfluss herrschte, war es den Schössern der verschiedenen Ämter oder dem Fürsten nicht möglich einen Gesamtüberblick über die verfügbaren Mittel zu gewinnen. Die Geldnot der beiden Brüder Ernst und Albrecht konnte ab den 1470er Jahren glücklicherweise durch die teilweise hohen Einnahmen aus dem Silberbergbau im Erzgebirge und die Einführung einer Tranksteuer gelindert werden. Auf den Silberbergbau und dessen Bedeutung soll in der Folge vertieft eingegangen werden, da dieser aufs Engste mit der finanziellen Entwicklung des Fürstentums verbunden war.

Auch indirekte Steuern trugen dazu bei, den Haushalt der Wettiner auszugleichen. Interessant in diesem Zusammenhang ist das Zusammenspiel alter Strukturen des Mittelalters mit den Neuerungen der Neuzeit. So veränderten sich zum Beispiel im Bergwerkswesen die Strukturen kontinuierlich, bestimmte Institutionen und Regelungen wie z.B. die Zehntenabgabe hielten sich in diesem Bereich und haben sich teilweise durch Bewährung in der Praxis bis heute, z.B. in Form der Mehrwertsteuer erhalten.[5] Im Folgenden soll geklärt werden, wie es um die fürstlichen Mittel Albrechts bestellt war, wofür diese verwendet wurden und welche Bedeutung diese Entwicklung aus heutiger Perspektive besaß. Viele andere Aspekte, wie zum Beispiel die Frage: inwiefern die Leipziger Teilung Einfluss auf die finanzielle sowie strukturelle Entwicklung beider Landesteile gehabt hat, können in diesem Zusammenhang nur erwähnt, nicht aber ausführlich diskutiert werden[6]. Welchen gravierenden Einfluss solche Teilungen nach mittelalterlicher Manier hatten, ist an verschiedenen Beispielen wie etwa dem Fürstentum Anhalt nachvollziehbar.[7]

2.1 Einnahmen durch Steuern

Das Fundament des „Budgets“ bildeten die Ämter bzw. deren fortlaufender Erlös. Diese Ämterwirtschaft war traditionsgemäß durch einen hohen Anteil an Naturalwirtschaft (Weinanbau, Waldnutzung,) gekennzeichnet.

Der erwirtschaftete Überschuss wurde verkauft und kam dem Haushalt zugute. Im Wesentlichen setzten sich die Gewinne aus den steuerlichen Geschoßerträgen und dem dem Erbzins zusammen. Buß- und Strafgelder sowie Geleits- und Zolleinnahmen rundeten schließlich den Haushalt des Schössers ab und stellten eine nicht unerhebliche Summe dar. Jedoch führten Unterhalt der Strassen, Brücken und Schlösser zu immensen Kosten. Neben der Erhaltung der Bausubstanz führten die Besuche des Fürsten mit seinen Räten und die damit verbundene Verpflegung sowie Versorgung der Pferde zu hohen Kosten. So ist es verständlich warum gerade die werdenden Residenzstädte wie etwa Dresden und Meißen geringere Erträge lieferten als Weißenfels, Freyburg, Leipzig und andere kleinere Städte.[8] Dieses große Ressort wurde durch andere Einnahmen wie etwa das Ungeld unterstützt. Dieses war eine Tranksteuer auf Bier und Wein, die Albrecht dem Landtag von Leipzig 1469 für einen Zeitraum von 5 Jahren (1470-1476) abgerungen hatte.

Eine andere Einnahmequelle waren die Jahrrenten, die aus der Bede des 13. Jahrhunderts hervorgegangen waren. Sie hatten durch gewohnheitsmäßige Verfestigung einen fixen Platz im Finanzplan erhalten. Waren sie früher auf freiwilliger Basis zu entrichten, gingen die Städte im Laufe der Zeit vermehrt dazu über einmal im Jahr einen mäßigen Betrag zu leisten, da sie nicht mehr von spontanen sehr hohen Forderungen des Landesherrn überrascht werden wollten[9]. Bis in die 1470er Jahre bildete sie einen wichtigen Bestandteil des Haushaltes, machte sie doch bis zu 5% des Haushaltes aus, verlor jedoch mit Anwachsen des Budgets ihre traditionelle Bedeutung.

Es ist anzumerken, dass die Höhe der Jahrrente nicht die wirtschaftliche Stärke der Zeit sondern die des 13. Jahrhunderts ausdrückt. Mit dieser Steuer vergleichbar ist das Schutz- und Versspruchsgeld. Dieses wurde von verschiedenen Klöstern und Städten an die Wettiner gezahlt. Dies war eine Art Schutzgeldzins, der von Schutzsuchenden an einen mächtigen Territorialherrn entrichtet wurde.

Dieses Verhältnis war kündbar und dieses Recht hat zum Beispiel Görlitz im Jahre 1489 wahrgenommen, da man meinte aufgrund der veränderten politischen Lage nicht länger auf den Schutz angewiesen zu sein. Tatsächlich ist es so, dass diese Verträge Verpflichtungen für die Wettiner bedeuteten, denen sie auch nachweislich nachkamen.[10] So zogen 1486 einige Amtsritterschaften nach Halberstadt und im Jahre 1487 nach Goslar und in das Fürstentum Sagan. Des Weiteren gab es das Tuchgeld, eine Steuer auf Tücher. Sie ist rein quantitativ zu vernachlässigen, kann jedoch im Gegensatz zur Jahrrente als Indikator der wirtschaftlichen Lage herangezogen werden, da sie auf den Leipziger Märkten pro Stück erhoben wurde. Das Gerichtsgeld stellte einen Pachtzins dar, es wurde für die Überlassung und Nutzung der Gerichte an den Fürsten gezahlt. Einigen Städten wie etwa Dresden, Laucha und Oschatz konnten sich so ein wenig mehr eigenen Spielraum erkaufen, freilich ohne die Oberhoheit der Wettiner auf irgendeine Art und Weise in Frage zu stellen.

Zuletzt soll die Goldmünze genannt werden, wenn sich auch die Einnahmen aus ihrer Prägung sehr gering äußerten, da in den wettinischen Landen kein Gold geschürft wurde, musste dieses auf internationalen Märkten erstanden werden und folglich fiel der Ausmünzgewinn recht gering aus[11]. Es ist zu bemerken, dass sich die Brüder all diese Einnahmen wie auch der Gewinn aus dem Silber entsprechend ihren Ländern aufteilten. Natürlich gab es kleinere Abweichungen, diese sollen hier jedoch nicht Gegenstand der Diskussion sein. Durch die schon angesprochene schlechte Haushaltslage war man gezwungen den Haushalt bis zu 50% über Anleihen zu decken.

Das heißt Albrecht musste Ämter mit dem Recht des Rückkaufs verpfänden, so zum Beispiel die Sachsenburg an den Grafen von Mansfeld für 22.000fl. Es kam jedoch auch häufiger vor, dass er den Leipziger Stadtrat um einen Kredit bat. So half ihm dieser 1491/92 mit 16.900 fl. ; 1493/94 mit 16.500 fl. und im Jahre 1496/97 mit 15.250 fl. aus. Während diese Ausweitung der Befugnisse gegenüber der schwachen königlichen Gewalt ohne weiteres möglich war, kollidierte der Versuch der Machtausdehnung mit der jahrhundertelang behaupteten Autonomie der Städte sowie den kirchlichen Institutionen. Gerade die Städte bildeten mit dem sich entwickelnden Patriziat eine nicht zu unterschätzende Hürde für den Herzog.[12] Neben diesen Hilfen existierten freilich auch die normalen Schuldbriefe weiterhin, bei denen es sich meist um Beträge handelte, die innerhalb von 1 bis 2 Jahren zurückgezahlt wurden.[13]

[...]


[1] Schirmer, Uwe, Die finanziellen Einkünfte Albrechts. in: Thieme; Andre (Hg.), Herzog Albrecht der Beherzte 1443-1500. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien, 2002 S.143.

[2] Braueder, Wilhelm, Die Territorialstrukturen im süddeutsch-österreichischen Raum. In: Schriften des Italienisch-Deutschen Historischen Instituts in Trient, Bd. 8, Berlin, 1996, S. 47 ff.

[3] Schubert, Ernst, Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter. Oldenbourg Verlag, München, 1996 S. 33.

[4] Schirmer, Finanzielle Einkünfte Albrechts, S. 155.

[5] Köhler, Johann, Die Keime des Kapitalismus im Sächsischen Bergbau (1168-1500) S. 112.

[6] So prägte etwa u.a. Karl Heinz Blaschke die These der Selbstbegrenzung einer deutschen Macht in: Ders., Die Leipziger Teilung der wettinischen Länder 1485, in Heimatbll. 31, 1985, S.276-280.

[7] Werner, Freitag, Kleine Reichsfürsten im 15. Jahrhundert - das Beispiel Anhalt, in: Sachsen und Anhalt, Bd. 23, 2001, S.

[8] Schirmer, Uwe, Finanzielle Einkünfte Albrecht, S. 162.

[9] Schubert, Ernst, (wie Anm. 4), S. 46.

[10] Schirmer, Uwe, (wie Anm. 1), S.171.

[11] Schirmer, Uwe, (wie Anm. 1), S.174.

[12] Spangenberg, Hans, Landesherrliche Verwaltung, Feudalismus und Ständetum in den deutschen Territorien des 13. bis 15. Jahrhunderts, in: HZ 103, 1909, S. 523 aber auch allgemein :Boockmann, Hartmut, Einführung in die Geschichte des Mittelalters. C.H. Beck, München, 2001 S.49.

[13] Schirmer, Uwe, Die Finanzen der Kurfürsten und Herzöge zwischen 1485 und 1547. in: Landesgeschichte als Herausforderung und Programm. Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Steiner-Verlag, Stuttgart, 1997 S. 262 ff.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die landesherrlichen Finanzen an der Schwelle zur Neuzeit am Beispiel Kursachsen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut der Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar: Grundprobleme des 15. Jahrhunderts
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
12
Katalognummer
V71765
ISBN (eBook)
9783638632379
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzen, Schwelle, Neuzeit, Beispiel, Kursachsen, Proseminar, Grundprobleme, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Sebastian Wehrstedt (Autor), 2005, Die landesherrlichen Finanzen an der Schwelle zur Neuzeit am Beispiel Kursachsen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71765

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