Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Aspekt des Konsums bzw. dessen Rezeption in der Frühen Neuzeit und zeigt, inwiefern Konsum eine Funktion der Selbstdarstellung, Aneignung von Prestige und Abgrenzung zukam und wie sich dies im Laufe der Zeit verändert hat.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Luxus –Definition des Instruments
3. Thorstein Veblen - demonstrativer und stellvertretender Konsum
4. Der Zivilisationsprozeß nach Elias
5. Versailles, Ludwig XIV. und die Repräsentation
6. Habitus und Geschmack nach Pierre Bourdieu
6.1 Habitus
6.2 Geschmack
6.3 Notwendigkeits- und Luxusgeschmack
7. Fazit
Zielsetzung und zentrale Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziale Funktion des Konsums in der Frühen Neuzeit und analysiert, inwiefern Luxuskonsum als Instrument der Selbstdarstellung, der Aneignung von Prestige und der sozialen Abgrenzung dient. Dabei wird insbesondere beleuchtet, ob der Luxuskonsum als gesamtgesellschaftlich bindende Kraft wirkt oder primär der sozialen Distinktion innerhalb verschiedener Klassen dient.
- Analyse des Wandels vom Feudalismus zum Kapitalismus unter dem Aspekt des Luxuskonsums.
- Untersuchung der Theorie des "demonstrativen Konsums" nach Thorstein Veblen.
- Diskussion des Zivilisationsprozesses nach Norbert Elias und dessen Anwendung auf das Hofleben in Versailles.
- Analyse der Habitus- und Geschmackskonzepte von Pierre Bourdieu zur Differenzierung sozialer Praktiken.
- Vergleich der Notwendigkeits- und Luxusgeschmack-Strukturen als Mittel zur Klassenabgrenzung.
Auszug aus dem Buch
6.1 Habitus
Das Kernelement der gesellschaftlichen Regulative stellt der Habitus dar, eine allgemeine Grundhaltung gegenüber der Welt, die von sozialer Herkunft und derzeitiger Position gekennzeichnet ist. Im Gegensatz zu Veblens Theorie lässt sich hier aber von einem System der Distinktion und Relation der verschiedenen Klassen zueinander sprechen. Der Habitus der eine Klasse ausmacht, beinhaltet ein System dauerhafter und übertragbarer Dispositionen. Er ist Produkt und Erzeuger von Handlungsmustern beziehungsweise „vernünftigen“ Verhaltensweisen, diese reagieren jedoch nicht mechanisch auf die jeweilige Situation, sondern der eigenen Logik entsprechend. Sie sind keine Vorwegnahme der Folgen, sondern logisches Ergebnis der Determiniertheit der Praktiken durch ihre früheren Produktionsbedingungen. Anders gesagt handelt es sich um geronnene Erfahrung oder die „Gegenwart der Geschichte“. Die Parallele zu Elias ist offensichtlich. Auch Bourdieu hebt ganz bewusst auf den prozessualen Charakter des Phänomens ab. Es ist eben weniger eine Bestandsaufnahme des statischen Moments als eine Erklärung der jüngeren Handlungspraktiken aus sich selbst heraus.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Wandel der Geschichtswissenschaft hin zur Konsumforschung ein und benennt die zentralen theoretischen Bezugspunkte wie Veblen, Elias, Bourdieu und Sombart.
2. Luxus –Definition des Instruments: Hier wird der Luxusbegriff als sozio-kulturelles Konstrukt definiert, das über das physiologische Notwendige hinausgeht und durch soziale Auswahlmechanismen gesteuert wird.
3. Thorstein Veblen - demonstrativer und stellvertretender Konsum: Dieses Kapitel erläutert, wie durch den demonstrativen Konsum von Zeit und Gütern Prestige generiert wird, um sich als müßige Klasse innerhalb der Gesellschaft abzuheben.
4. Der Zivilisationsprozeß nach Elias: Es wird die Theorie der Affektregulierung und Triebdämpfung dargelegt, die in der Entwicklung von höfischen bis zu industriellen Gesellschaftsformen eine zentrale Rolle spielt.
5. Versailles, Ludwig XIV. und die Repräsentation: Dieses Kapitel analysiert das Hofleben als Paradebeispiel für den Zivilisationsprozess, in dem der König durch Inszenierung und Machtverteilung eine soziale Ordnung erzwingt.
6. Habitus und Geschmack nach Pierre Bourdieu: Eine theoretische Auseinandersetzung mit den Konzepten Habitus und Geschmack, welche die unterschiedlichen Lebensstile der Klassen durch ihre Kapitalstrukturen erklären.
6.1 Habitus: Erläuterung des Habitus als ein System dauerhafter, übertragbarer Dispositionen, das gesellschaftliche Handlungspraktiken determiniert.
6.2 Geschmack: Darstellung des Geschmacks als wertendes Instrument, das zur Festlegung der Gruppenzugehörigkeit und der sozialen Distinktion dient.
6.3 Notwendigkeits- und Luxusgeschmack: Gegenüberstellung der zwei gegensätzlichen Geschmacksarten, die einerseits auf Notwendigkeit und pragmatischem Hedonismus, andererseits auf symbolischer Distinktion basieren.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Verständnis des Hofwesens eine multiperspektivische Analyse erfordert und der Absolutismus in seiner Zuspitzung auf die Person Ludwig XIV. einen Sonderfall innerhalb der soziologischen Konzepte darstellt.
Schlüsselwörter
Konsumgeschichte, Luxuskonsum, Habitus, Geschmack, Soziale Distinktion, Thorstein Veblen, Norbert Elias, Pierre Bourdieu, Zivilisationsprozess, Versailles, Ludwig XIV., Höfische Gesellschaft, Kapitalismus, Repräsentation, Soziale Ungleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Historie des Konsums, insbesondere wie Luxusgüter seit der Frühen Neuzeit dazu genutzt wurden, soziale Identität, Prestige und Klassenzugehörigkeiten zu definieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Geschichte des Konsums, die höfische Repräsentation unter Ludwig XIV., die Soziologie der sozialen Distinktion sowie die Theorien der Zivilisation und des Habitus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Konsum als Instrument der Selbstdarstellung fungiert und inwiefern theoretische Ansätze von Veblen, Elias und Bourdieu helfen, die Dynamiken der sozialen Abgrenzung zu verstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es handelt sich um eine geschichtswissenschaftliche Arbeit, die eine vergleichende Analyse soziologischer Theorien anwendet, um historische Phänomene des Luxuskonsums zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Veblen, Elias und Bourdieu, eine historische Fallstudie zu Versailles und eine detaillierte Analyse von Habitus- und Geschmacksstrukturen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem: Habitus, demonstrativer Konsum, Zivilisationsprozess, soziale Distinktion, Luxuskonsum und höfische Repräsentation.
Wie unterscheidet sich der Luxusgeschmack vom Notwendigkeitsgeschmack laut Bourdieu?
Der Luxusgeschmack basiert auf Distinktion, Ästhetisierung und symbolischem Kalkül der Oberschicht, während der Notwendigkeitsgeschmack aus materieller Notwendigkeit resultiert und auf pragmatische Sättigung abzielt.
Inwiefern stellt Ludwig XIV. einen Sonderfall für das Konzept des Habitus dar?
Da Ludwig XIV. als absolutistischer Herrscher die sozialen Normen des Hofes maßgeblich selbst definierte und ökonomischen Zwängen entrückt war, sprengte er die klassische Einordnung, die der Habitus-Begriff für das Zusammenspiel von Klassen vorsieht.
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- Sebastian Wehrstedt (Author), 2007, Selbstdarstellung durch Konsum in der Frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71766