Das Zusammenbringen des Begriffs Hochbegabung und der Forderung nach besonderer Förderung klingt vielleicht für manche zunächst kontrovers, da vielfach angenommen wird, das Hochbegabte die Sonnenkinder der Gesellschaft sind, denen alles zufliegt. Sie haben gute Noten in der Schule, lernen schneller als die anderen Kinder und üben als Erwachsene verantwortungsvolle und hoch angesehene Berufe aus oder werden berühmte Leute. In den Medien wird über Wunderkinder berichtet, die außergewöhnliche Dinge vollbringen. Generell löst Hochbegabung ein Erstaunen, eine Bewunderung und eine Wertschätzung aus. Wenn jedoch besondere Förderung für diese Kinder verlangt wird, wird von Elitebildung und undemokratischen Absichten gesprochen, wodurch dieses Thema negativ belegt wird. Viele teilen auch die Ansicht, eine Förderung sollte ausschließlich den Schwächeren vorbehalten sein, zum Beispiel ausschließlich Kindern mit Lernschwierigkeiten. Dabei wird vergessen, dass jeder einen Anspruch auf die Entfaltung seiner Persönlichkeit und seiner Fähigkeiten hat. Es gibt hoch begabte Kinder, in denen Begabungen schlummern, die jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen nicht bemerkt werden. Es gibt auch hoch begabte Kinder, die ihre Fähigkeiten nicht in schulische Leistungen umsetzen können und in der Schule versagen. Wenn Begabungen nicht entdeckt werden, enthalten wir diesen Kindern nicht etwas von ihrer Lebensfreude vor? Wenn sie doch bei einer Erkennung und Förderung mehr Erfolgserlebnisse verzeichnen könnten? Was ist mit denjenigen Kindern, bei denen eine hohe Begabung offensichtlich ist, die aber im Schulalltag oder in ihren Familien ständig in ihrem Wissensdurst gebremst werden? Deren viele und vielseitigen Fragen nicht erwünscht sind oder mit ungenügenden Antworten abgespeist werden? Die immer und überall auf andere warten müssen, bis diese ihren Stand erreicht haben? Es gibt Kinder, die komplexer denken und lernen als andere. Sie können mit einem Jahr in ganzen Sätzen sprechen, mit zwei Jahren interessieren sie sich für Zahlen und Buchstaben, mit drei Jahren können sie rechnen, mit vier bereits lesen, alles von sich aus und ohne eine treibende Kraft, mit sechs kommen sie in die Schule......Probleme bleiben nicht aus, die hohen Erwartungen enden meist in einer großen Enttäuschung. Es können sich vielfältigere Probleme bei diesen Kindern entwickeln, wenn ihre hohe Begabung nicht rechtzeitig erkannt und angemessen gefördert wird. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Worte
2. Definitionen und Modelle der Hochbegabung
2.1 Die sechs Definitionsklassen der Hochbegabung von Lucito
2.1.1 Ex-post-facto Definitionen
2.1.2 I.Q.-Definitionen
2.1.3 Soziale Definitionen
2.1.4 Prozentsatzdefinitionen
2.1.5 Kreativitätsdefinitionen
2.1.6 Mehrfaktoren-Definitionen
2.2 Zusammenfassung
2.3 Modelle der Hochbegabung
2.3.1 Drei-Ringe-Modell der Begabung von Renzulli
2.3.2 Komponentenmodell der Talententwicklung von Wieczerkowski und Wagner
2.3.3 Triadisches Interdependenzmodell der Hochbegabung von Mönks
2.3.4. Mehrdimensionales Begabungskonzept von Urban
2.3.5 Differenziertes Begabungs- und Talentmodell von Gagne`
2.3.6 Münchener ( Hoch)Begabungsmodell von Heller, Perleth und Hany
2.3.7 Implizite pentagonale Theorie der Hochbegabung nach Sternberg
2.4 Zusammenfassung
3. Persönlichkeitsmerkmale von hoch begabten Kindern
3.1 Kognitive Persönlichkeitsmerkmale
3.2 Soziale Persönlichkeitsmerkmale
3.3 Emotionale Persönlichkeitsmerkmale
3.4 Andere Persönlichkeitsmerkmale
3.5 Persönlichkeitsmerkmale von Underachievern
4.Diagnose von hoch begabten Kindern
4.1 Notwendigkeit und Bedeutung einer Diagnose bei Hochbegabten
4.2 Diagnoseverfahren zur Identifizierung hoch begabter Kinder
4.3 Objektive (formelle) Diagnoseverfahren
4.3.1 Intelligenztests
4.3.2 Kreativitätstests
4.3.3 Zensuren
4.3.4 Wettbewerbe
4.4 Subjektive (informelle) Diagnoseverfahren
4.4.1 Lehrernomination und Lehrerurteil
4.4.2 Elternauskunft und Elternnomination
4.4.3 Selbstauskunft und Selbstnomination
4.4.4 Peernomination
4.5 Kombination mehrerer Verfahren
4.6 Checklisten
4.7 Risikogruppen
4.7.1 Risikogruppe: Mädchen
4.7.2 Risikogruppe: Kinder aus sozial schwachen oder ethnischen Minderheiten
4.7.3 Risikogruppe: Underachiever
4.7.4 Risikogruppe : Behinderte Kinder
4.7.5 Risikogruppe: Kinder mit Teilleistungsschwächen
5. Probleme von hoch begabten Kindern
5.1 Asynchronien in der Entwicklung
5.2 Schulische Unterforderung und ihre Folgen
5.3 Problem Underachievement: Minderleistung bei hoch begabten Kindern
5.4 Perfektionismus als Problem bei hoch begabten Kindern
5.5 Isolation und Ausgrenzung
5.6 Aggressivität bei hoch begabten Kindern
5.7 Familiäre Konflikte
5.8 Lehrer-Schüler Konflikte
6. Die Förderung hoch begabter Kinder und deren Bedeutung
6.1 Erwartungen an die Lehrerperson für die Förderung von hoch begabten Kindern
6.2 Zielsetzung und Prinzipien einer optimalen Förderung
6.3 Akzeleration
6.3.1 Akzeleration durch frühere Einschulung
6.3.2 Akzelerationsmaßnahme : Überspringen von Klassen
6.3.3 Flexible Eingangsstufe
6.3.4. Akzeleration durch nachträgliche und höhere Einschulung
6.3.5 Akzeleration durch Teilzeitunterricht in höheren Klassen
6.3.6 Akzeleration durch Parallelfachklassen
6.3.7 Weitere akzelerierende Maßnahmen
6.4 Enrichment
6.4.1 Individualisierung durch innere Differenzierung
6.4.2 Enrichment durch äußere Differenzierung
6.4.3 Arbeitsgemeinschaften
6.4.4 Ressourcenzimmer
6.4.5 Wettbewerbe als Möglichkeit des Enrichment
6.4.6 Samstagsschulen
6.5 Separation
7. Abschließende Worte
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Feld der Hochbegabung mit dem Ziel, Diagnoseverfahren, spezifische Problemfelder und pädagogische Fördermöglichkeiten für die Primarstufe aufzuzeigen und kritisch zu reflektieren.
- Definitionen und wissenschaftliche Modelle der Hochbegabung
- Charakteristische kognitive, soziale und emotionale Persönlichkeitsmerkmale
- Diagnostische Methoden und Herausforderungen bei der Identifikation von Risikogruppen
- Strategien der schulischen Förderung (Akzeleration und Enrichment)
Auszug aus dem Buch
2.1.2 I.Q.-Definitionen
Die Definitionen, die den Intelligenzquotienten einer Person als ausschlaggebend für eine Hochbegabung betrachten, werden in dieser zweiten Definitionsklasse der I.Q.-Definitionen zusammengefasst. Der erreichte IQ-Wert in einem Intelligenztest gilt somit als Indikator für eine Hochbegabung. Der Grenzwert für eine Hochbegabung liegt bei den meisten Definitionen dieser Klasse bei einem IQ-Wert von 130. In einigen Definitionen variieren die Werte von 125 bis 172 (vgl. Feger 1988, S.58, vgl. Jost 1999, S.9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Worte: Die Einleitung beleuchtet die Ambivalenz des Themas Hochbegabung und begründet die Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose und gezielten Förderung.
2. Definitionen und Modelle der Hochbegabung: Dieses Kapitel stellt verschiedene Klassifikationssysteme und theoretische Modelle vor, um das komplexe Konstrukt der Hochbegabung wissenschaftlich einzuordnen.
3. Persönlichkeitsmerkmale von hoch begabten Kindern: Es werden typische kognitive, soziale und emotionale Merkmale sowie Besonderheiten bei Minderleistern (Underachievern) beschrieben.
4.Diagnose von hoch begabten Kindern: Das Kapitel vergleicht objektive Testverfahren mit subjektiven Beobachtungsmethoden und beleuchtet die Identifikationsschwierigkeiten bei spezifischen Risikogruppen.
5. Probleme von hoch begabten Kindern: Die Ausführungen behandeln die Risiken asynchroner Entwicklung, schulischer Unterforderung und sozialer Isolation.
6. Die Förderung hoch begabter Kinder und deren Bedeutung: Dieses zentrale Kapitel analysiert Methoden der Akzeleration und des Enrichments und formuliert Anforderungen an die pädagogische Gestaltung.
7. Abschließende Worte: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit individueller pädagogischer Ansätze jenseits von Vorurteilen.
Schlüsselwörter
Hochbegabung, Underachievement, Diagnostik, Akzeleration, Enrichment, Intelligenztests, Persönlichkeitsentwicklung, Förderung, Primarstufe, Differenzierung, kognitive Fähigkeiten, Pädagogik, Hochbegabtenforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen, der Diagnose und den Problematiken hoch begabter Kinder sowie den Möglichkeiten ihrer schulischen Förderung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Begabungstheorien, Persönlichkeitsmerkmale, diagnostische Verfahren, Problembereiche wie Unterforderung und Underachievement sowie konkrete pädagogische Maßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrkräfte hoch begabte Kinder besser erkennen und gezielt unterstützen können, um Fehlentwicklungen zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine schriftliche Hausarbeit, die den aktuellen Forschungsstand anhand der Analyse relevanter Fachliteratur und psychologischer Modelle strukturiert darstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Modellbildung, die Erläuterung von Persönlichkeitsmerkmalen, die Darstellung von Diagnosemöglichkeiten und eine ausführliche Behandlung von Förderstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Hochbegabung, Diagnose, Akzeleration, Enrichment, Underachievement, Schulförderung und Differenzierung.
Wie unterscheidet sich "Enrichment" von "Akzeleration"?
Während Akzeleration darauf abzielt, das Pensum in kürzerer Zeit zu bewältigen (z.B. Klassen überspringen), setzt Enrichment auf eine inhaltliche Anreicherung und Vertiefung des Lernstoffes.
Warum wird Underachievement als "Risikogruppe" eingestuft?
Underachiever zeigen trotz hohen intellektuellen Potenzials schlechte Leistungen, wodurch sie im herkömmlichen System oft als leistungsschwach missverstanden und ihre Hochbegabung nicht erkannt wird.
- Quote paper
- Esengül Yigit (Author), 2004, Diagnose, Probleme und Möglichkeiten der Förderung hoch begabter Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71810