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Über das Verstehen von Musik

Title: Über das Verstehen von Musik

Essay , 2006 , 9 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Thomas Friedrich (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Es ist nicht allzu lange her, als ich zum ersten Mal mehr oder weniger zufällig Richard Strauss’ Also sprach Zarathustra hörte. Gleich zu Beginn hatte ich den zu erwartenden Aha-Effekt. Ach, das ist das! 2001: Odyssee im Weltraum. Stanley Kubrick. Die Sonne geht auf über einer urzeitlichen Steppe. Einer unserer behaarten Vorfahren entdeckt den Oberschenkelknochen eines Tapirs als Werkzeug, als Waffe und schlägt erst langsam und zurückhaltend, dann immer ekstatischer und aggressiver damit um sich. Das ist also die Vorrede von Also sprach Zarathustra, die musikalische Interpretation Strauss’ zum gleichnamigen ersten Kapitel des ebenfalls gleichnamigen Buches von Friedrich Nietzsche, welches mir nur zu gut bekannt war. Und plötzlich verstand ich auch. Just in diesem Moment verstand ich, was erst Strauss in seinem Thema und dann mit Strauss Kubrick in seinem Film damit ausdrücken wollten. Den Sonnenaufgang! Die Morgenröte! Wie offensichtlich! Nach 10jähriger Einsamkeit im Gebirge, das Nietzsches Prophet Zarathustra zu seinem 30. Lebensjahr aufgesucht hatte, beschließt er seinen Berg und seinen Höhle wieder zu verlassen, um hinunter zu den Menschen zu gehen. Er wurde seiner Weisheit überdrüssig und möchte nun „verschenken und austeilen, bis die Weisen unter den Menschen wieder einmal ihrer Torheit und die Armen wieder einmal ihres Reichtums froh geworden sind“ (Nietzsche 1976: 11). Gleich der Sonne will er nun (hin)untergehen, sowie er einst (hin)aufgegangen ist. Dieser aufbruchsverkündende Sonnenaufgang war also gemeint. Kein gewöhnlicher Sonnenaufgang etwa, sondern eine nietzscheanische Morgendämmerung. Eine bedeutende Zäsur, ein neuer revolutionärer Schritt von einer evolutionären Stufe zur nächsten. Ich hörte mir die Vorrede noch einige Male an, erfreute mich an meiner neuen Sichtweise und folgte dann fort mit dem Hören der restlichen Kapitel, das einige interessante Reflexionen mit sich brachte, welche ich nun versuchen möchte nachzuzeichnen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Über das Verstehen von Musik

2. Das Problem des Verstehens von Musik

3. Die Unterscheidung von representation und expression

4. Die Bedeutung des Feuerwerks als Analogie

5. Das Verhältnis von Programm und Musik

6. Die werkästhetische Sichtweise

7. Intransitiver und transitiver Ausdruck

8. Der Musikstreit zwischen Absolutem und Relativem

9. Fazit und Respekt für die Musik

Zielsetzung & Themen

Dieser Essay untersucht die grundlegende Frage, wie Musik verstanden wird und welche Rolle außermusikalisches Hintergrundwissen für die ästhetische Erfahrung spielt, wobei insbesondere die theoretischen Ansätze von Roger Scruton kritisch beleuchtet werden.

  • Musikästhetik und die Frage nach dem musikalischen Verstehen
  • Abgrenzung zwischen representation (Darstellung) und expression (Ausdruck)
  • Der Einfluss von Programmmusik und Titeln auf die Wahrnehmung
  • Die historische Debatte zwischen absoluter Musik und Neudeutscher Schule
  • Die Unaussprechlichkeit (Ineffabilität) des musikalischen Gehalts

Auszug aus dem Buch

Das Problem des Verstehens von Musik

Das Problem des Verstehens von Musik brachte mich mit dem britischen Philosophen Roger Scruton in Kontakt. In seinem Buch The Aesthetics of Music widmet er sich unter anderem dieser Fragestellung. Dabei verwendet er eine Begriffsunterscheidung, die er vom italienischen Philosophen Benedetto Croce übernimmt, der sich wiederum von Immanuel Kants ästhetischen Theorien inspirieren ließ: die Unterscheidung von representation (Vorstellung, Darstellung) und expression (Ausdruck). Diese Unterscheidung deutlich zu machen ist eine der Hauptvoraussetzung, um Scruton’s Ästhetik zu verstehen. Für ihn ist Musik, im Gegensatz zu anderen Künsten, wie der Bildhauerei, der Schriftstellerei oder große Teile der Malerei (ausgenommen der abstrakten Malerei), „not representational“. Musik ist keine darstellende Kunst, kann man vielleicht übersetzen. Representation ist die einfachste Art künstlerischer Bedeutung, die, wenn überhaupt, nur sehr selten in der Musik zu finden, keineswegs aber wesentlich für sie ist. Das heißt, in Bezug auf das Verstehen von Musik spielt representation keine entscheidende Rolle, oder um es in Scruton’s Worten zu sagen: „music is not representational, because that is not how we understand it“ (ebd. 1997: 168).

Gleichzeitig muss expression aber schon von dem verstanden werden, der Musik verstehen will. Die Wahrnehmung des Ausdrucks von Musik, deren Wahrnehmung nach Scruton die eigentliche ästhetische Erfahrung ist, ist notwendig für das Verstehen von Musik. Mit dem folgenden Beispiel erhofft sich Scruton die Wichtigkeit dieses Punktes deutlich zu machen:

Zusammenfassung der Kapitel

Über das Verstehen von Musik: Einleitung in die persönliche Erfahrung des Autors mit Richard Strauss’ Zarathustra und der entstehenden Frage nach dem Musikverstehen.

Das Problem des Verstehens von Musik: Einführung in Roger Scrutons ästhetische Theorien und die zentrale Unterscheidung zwischen representation und expression.

Die Unterscheidung von representation und expression: Erläuterung der Begriffe im Kontext musikalischer Bedeutung und deren Relevanz für das ästhetische Erleben.

Die Bedeutung des Feuerwerks als Analogie: Darstellung von Scrutons Beispiel zur Abgrenzung zwischen funktionaler Bedeutung und ästhetischem Genuss.

Das Verhältnis von Programm und Musik: Analyse, ob außermusikalische Titel oder Programmatiken den expressiven Gehalt eines Musikstücks beeinflussen können.

Die werkästhetische Sichtweise: Reflexion über die werkzentrierte Ästhetik, die Gefühle nur innerhalb des Werks selbst zulässt.

Intransitiver und transitiver Ausdruck: Differenzierung von Ausdrucksformen, um das Paradox der musikalischen Bedeutung zu erklären.

Der Musikstreit zwischen Absolutem und Relativem: Historische Einordnung des Konflikts zwischen der Lehre der absoluten Musik und der Neudeutschen Schule.

Fazit und Respekt für die Musik: Zusammenfassende Betrachtung über die Unaussprechlichkeit des musikalischen Ausdrucks und die Notwendigkeit der Musik.

Schlüsselwörter

Musikästhetik, Roger Scruton, expression, representation, Absolute Musik, Richard Strauss, Also sprach Zarathustra, Programmmusik, Neudeutsche Schule, ästhetische Erfahrung, Musikphilosophie, Schopenhauer, Immanuel Kant, musikalische Bedeutung, Ineffabilität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in diesem Essay primär?

Der Essay befasst sich mit der philosophischen Untersuchung, was es bedeutet, Musik zu "verstehen" und inwieweit außermusikalisches Wissen diesen Prozess beeinflusst.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Musikästhetik, das Verhältnis von Musik zu außermusikalischen Inhalten sowie die historische Debatte über die absolute Musik.

Was ist das primäre Ziel des Autors?

Das Ziel ist es, nach einer persönlichen Aha-Erfahrung bei der Rezeption von Richard Strauss' Musik philosophisch zu klären, ob Hintergrundwissen für den ästhetischen Wert eines Werkes notwendig ist.

Welche wissenschaftliche Methodik liegt zugrunde?

Der Autor nutzt eine methodisch-reflexive Analyse, basierend auf einer kritischen Auseinandersetzung mit der Musikästhetik von Roger Scruton.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Unterscheidung von representation und expression sowie die Frage, ob Programmmusik wirklich "darstellt" oder nur auf sich selbst verweist.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Die wichtigsten Begriffe sind Musikästhetik, expression, representation, absolute Musik und das Paradoxon der musikalischen Bedeutung.

Warum spielt die Analogie des Feuerwerks für Scruton eine so große Rolle?

Sie dient dazu, zu verdeutlichen, dass das ästhetische Erleben von einer rein inhaltlichen oder kommunikativen Information (wie der Bedeutung eines Zeichens) abgekoppelt werden kann.

Was bedeutet der Begriff „Ineffabilität“ im Kontext des Essays?

Er beschreibt die Schlussfolgerung, dass der eigentliche Kern des musikalischen Ausdrucks nicht sprachlich gefasst werden kann – Musik drückt aus, was dem Wort entzogen ist.

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Details

Title
Über das Verstehen von Musik
College
University of Cologne  (Philosophisches Seminar)
Course
Musikästhetik
Grade
1,3
Author
Thomas Friedrich (Author)
Publication Year
2006
Pages
9
Catalog Number
V71820
ISBN (eBook)
9783638683692
Language
German
Tags
Verstehen Musik Musikästhetik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Friedrich (Author), 2006, Über das Verstehen von Musik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71820
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