Bereits seit einigen Jahren wird über den Finanzstandort Deutschland diskutiert, ein wichtiger Aspekt dieser Diskussion ist die Corporate Governance. Die Trennung von Eigentum und Kontrolle in einem Unternehmen ist seit langem ein zentrales Thema der Wirtschaft und Politik. Die wichtigen Sachverhalte für die Kontrolle von Unternehmen werden im Begriff Corporate Governance zusammengefasst.
Vor diesem Hintergrund soll in dieser Arbeit ein kurzer Abriss des bestehen Systems von Führung und Kontrolle in Deutschland und Großbritannien als Vergleichssystem dargestellt werden. Das CG-System in Deutschland kann als Insider-System beschrieben werden, da es hauptsächlich von internen Mechanismen beeinflusst wird, die in der institutionellen Organisation verankert sind und sich eher an den Stakeholdern orientiert. Im Gegensatz zum CG-System in Deutschland wird das britische System als Outsidersystem angesehen. Schon bei der Betrachtung des rechtlichen Hintergrundes wird ein großer Unterschied offenbar. So beruhen in Deutschland weite Teile der Unternehmensmechanismen auf gesetzlichen Vorgaben (z.B. AktG, MitbestG). Anders in GB, hier gilt „common law“.
Mit dem Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) soll eine Modernisierung des Unternehmensrechts geschaffen werden. „Vor dem Hintergrund der wachsenden Internationalisierung der Märkte hat die Kommission Vorschläge für eine Weiterentwicklung des deutschen Systems der Unternehmensführung und -kontrolle entwickelt.“1 Somit zielt der DCGK auf eine Stärkung der Vorteile des bestehenden Systems, Defizite sollen abgebaut und eine flexible Selbstregulierung ermöglicht werden.
Eine wichtige Entwicklung der Zukunft ist das Zusammenwachsen der europäischen Wirtschaftssysteme, ein Schritt auf diesem Weg stellt die europäische Gesellschaft dar.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DEFINITION VON CORPORATE GOVERNANCE
3. DAS CORPORATE GOVERNANCE SYSTEM IN DEUTSCHLAND
3.1. DIE HAUPTVERSAMMLUNG
3.2. DER AUFSICHTSRAT
3.3. WEITERE MECHANISMEN DER UNTERNEHMENSKONTROLLE
4. DAS CORPORATE GOVERNANCE SYSTEM IN GROßBRITANNIEN
4.1. DAS „UNITARY BOARD“
4.2. ANNUAL GENERAL MEETING
4.3. WEITERE MECHANISMEN DER UNTERNEHMENSKONTROLLE
5. DER DEUTSCHE CORPORATE GOVERNANCE KODEX
6. DIE EUROPÄISCHE GESELLSCHAFT (SE)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das System der Unternehmensführung und -kontrolle in Deutschland und Großbritannien einander gegenüberzustellen und vergleichend zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die jeweiligen Corporate-Governance-Systeme unterscheiden, welche Mechanismen zur Kontrolle etabliert sind und welche neuen Entwicklungen, insbesondere durch den Deutschen Corporate Governance Kodex sowie die Europäische Gesellschaft, zu verzeichnen sind.
- Vergleich zwischen dem deutschen Insider-System und dem britischen Outsidersystem.
- Analyse interner Kontrollmechanismen wie Aufsichtsrat, Vorstand und Hauptversammlung.
- Untersuchung der Rolle der Mitbestimmung und Kapitalgeber im deutschen Rechtssystem.
- Bewertung der Auswirkungen und Inhalte des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK).
- Betrachtung der strukturellen Entwicklung durch die Europäische Gesellschaft (SE).
Auszug aus dem Buch
3.2. Der Aufsichtsrat
Dem Aufsichtsrat ist die Kontrolle und Überwachung der Geschäftsführung übertragen (§111 Abs. 1 AktG), diese gründet sich auf Berichte des Vorstandes, in diesen werden die Geschäftpolitik, grundsätzliche Fragen der Führung und die Lage und Entwicklung des Unternehmens erläutert. Gem. § 111 Abs.5 AktG ist ausgeschlossen, dass Leitungsaufgaben an das Kontrollorgan übertragen werden. Eine Beteiligung des Aufsichtsrates an grundlegenden Geschäftsentscheidungen ist jedoch durch Festlegung in der Satzung oder Beschluss möglich. Daraus folgt, dass diese Grundsatzentscheidungen der Zustimmungspflicht durch den Aufsichtsrat unterliegen (§111 Abs. 4 AktG). Solche Themen sind beispielsweise Entscheidungen, die die Kapital-, Vermögens- oder Ertragslage des Unternehmens beeinflussen. Bei seiner Arbeit muss sich das Kontrollorgan der Gesellschaft am Unternehmensinteresse orientieren.
Der Aufsichtsrat setzt sich teilweise aus Vertretern der Anteilseigner und Vertretern der Arbeitnehmer zusammen (§96 AktG). Die Zahl der Mitglieder regelt sich dabei nach den Bestimmungen des §95 AktG. Durch die klare Trennung von Kontrolle und Führung im deutschen Rechtssystem, ist eine gleichzeitige Mitgliedschaft im Vorstand und dem Aufsichtsrat nicht möglich (§105 AktG).
Die wesentlichen Kontrollmechanismen des Aufsichtrates gründen sich auf die Bestellung des Vorstandes durch den Aufsichtsrat, sowie die ggf. vorhandene Zustimmungspflicht bei wichtigen Fragen des Unternehmens. Da der Aufsichtsrat selbst bei seiner Einsetzung vom Vorstand unabhängig ist, jedoch im Umkehrschluss eine Abhängigkeit besteht, ist die Kontrolle durch den Aufsichtsrat wirksam zu vollziehen. Abgeschwächt wird diese Wirksamkeit durch die im Aktiengesetz verlangte niedrige Frequenz der Aufsichtsratssitzungen. So wird in §110 Abs. 3 AktG nur eine Gesamtzahl von 4 Sitzungen pro Jahr verlangt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Es wird die Bedeutung der Corporate Governance am Finanzstandort Deutschland erläutert und der Aufbau der vergleichenden Analyse zwischen Deutschland und Großbritannien skizziert.
2. DEFINITION VON CORPORATE GOVERNANCE: Das Kapitel definiert den Begriff der Corporate Governance als Gesamtheit der Regelungen für die Unternehmensführung und -kontrolle bei gleichzeitiger Hervorhebung der Trennung von Eigentum und Leitung.
3. DAS CORPORATE GOVERNANCE SYSTEM IN DEUTSCHLAND: Der Autor beschreibt das deutsche dualistische System, das durch strikte Trennung von Vorstand und Aufsichtsrat geprägt ist und auf internen Kontrollmechanismen basiert.
3.1. DIE HAUPTVERSAMMLUNG: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Rechte der Aktionäre und die Grenzen ihrer Einflussnahme auf die Geschäftsführung gemäß dem Aktiengesetz.
3.2. DER AUFSICHTSRAT: Hier wird die zentrale Überwachungsfunktion des Aufsichtsrats, seine Zusammensetzung und die Abhängigkeit der Wirksamkeit von den gesetzlichen Rahmenbedingungen erläutert.
3.3. WEITERE MECHANISMEN DER UNTERNEHMENSKONTROLLE: Das Kapitel behandelt ergänzende Instrumente wie Haftungsklagen, Großanleger als Kontrolleure und die Rolle der Arbeitnehmermitbestimmung.
4. DAS CORPORATE GOVERNANCE SYSTEM IN GROßBRITANNIEN: Es erfolgt die Gegenüberstellung zum deutschen System durch die Darstellung des britischen Outsidersystems, das stark durch das Common Law und die Selbstregulierung geprägt ist.
4.1. DAS „UNITARY BOARD“: Dieser Abschnitt erklärt das monistische Modell Großbritanniens, bei dem die Leitung und Kontrolle in einem einzigen Organ vereint sind.
4.2. ANNUAL GENERAL MEETING: Hier werden die Funktionen der jährlichen Gesellschafterversammlung und der Einfluss des Chairmans auf die Abstimmungsprozesse beschrieben.
4.3. WEITERE MECHANISMEN DER UNTERNEHMENSKONTROLLE: Das Kapitel stellt fest, dass im britischen System der Arbeitnehmereinfluss vernachlässigbar ist und stattdessen erfolgsbedingte Entlohnungssysteme an Bedeutung gewinnen.
5. DER DEUTSCHE CORPORATE GOVERNANCE KODEX: Es wird erläutert, wie der DCGK zur Modernisierung des deutschen Aktienrechts beitragen soll und welche Bedeutung das "Comply or Explain"-Prinzip einnimmt.
6. DIE EUROPÄISCHE GESELLSCHAFT (SE): Der Autor schließt mit einer Darstellung der Europäischen Gesellschaft, die als zukunftsweisendes Modell für die länderübergreifende Unternehmenszusammenarbeit in Europa dient.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Unternehmensführung, Unternehmenskontrolle, Deutschland, Großbritannien, Aktiengesetz, Aufsichtsrat, Vorstand, Mitbestimmung, Dualistisches System, Unitary Board, DCGK, Comply or Explain, Europäische Gesellschaft, Anteilseigner.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Analyse der Corporate-Governance-Systeme in Deutschland und Großbritannien, wobei insbesondere die Führungs- und Kontrollmechanismen im Fokus stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Unterschiede zwischen dem dualistischen deutschen System und dem britischen monistischen System sowie die Rolle gesetzlicher Regelungen versus Selbstregulierung.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen in verschiedenen Rechtssystemen kontrolliert werden und welche neuen Ansätze zur Modernisierung der Unternehmensführung, etwa durch den Deutschen Corporate Governance Kodex, existieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine deskriptive und rechtsvergleichende Analyse, die auf juristischen Grundlagen, Fachliteratur sowie aktuellen Entwicklungen in der Unternehmenspraxis basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der deutschen und britischen Governance-Systeme, die Analyse des Deutschen Corporate Governance Kodex und einen Ausblick auf die Europäische Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Typische Schlüsselbegriffe sind Corporate Governance, Dualismus, Aufsichtsrat, Common Law, Mitbestimmung und Transparenz.
Wie unterscheidet sich das britische „Unitary Board“ vom deutschen dualistischen System?
Im britischen monistischen System sind Führung und Kontrolle in einem Organ vereint, während in Deutschland eine gesetzlich verankerte, strikte Trennung zwischen Vorstand (Leitung) und Aufsichtsrat (Kontrolle) existiert.
Welche Bedeutung hat das Prinzip „Comply or Explain“ für deutsche Aktiengesellschaften?
Es ermöglicht Unternehmen, von den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex abzuweichen, sofern sie dies offenlegen und begründen, was eine flexible Selbstregulierung fördert.
Welchen Stellenwert nimmt die Arbeitnehmermitbestimmung in beiden Systemen ein?
In Deutschland ist die Mitbestimmung ein zentrales Element der Unternehmenskontrolle, wohingegen sie im britischen Rechtssystem nahezu keine Rolle spielt.
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- Tim Patrik Albrecht (Author), 2005, Corporate Governance - Zwei europäische Systeme und neue Ansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71925