Zum Management des Arbeits- und Unfallschutzes in deutschen und chinesischen Bergbau-Unternehmen


Diplomarbeit, 2005
99 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Danksagung

1 Motivation
1.1 Steinkohle als notwendige Energieressource
1.2 Problemstellung
1.3 Zielsetzung und Aufbau der Magisterarbeit

2 Grundlegende Begriffe
2.1 Zu den Begriffen Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Arbeitsunfall im Steinkohlebergbau
2.2 Zum Begriff Sicherheitskultur

3 Wissensmanagement nach dem Probst Modell

4 Allgemeine Situation von Steinkohlebergbau-Unternehmen in China und Deutschland
4.1 Allgemeine Entwicklung des Steinkohlebergbaus in China
4.11 Stellung der Primärenergie – Steinkohle in China
4.12 Produktionslage im Steinkohlebergbau zwischen 1996 und 2002 in China und Deutschland
4.13 Exportlage der Steinkohle in China
4.2 Allgemeine Lage des Steinkohlebergbaus in Deutschland
4.2.1 Steinkohlebergwerke in Deutschland
4.2.2 Deutsche Steinkohleförderung und –importe

5 Die Arbeitssicherheitslage im chinesischen Steinkohlebergbau
5.1 Die allgemeine Situation der Grubensicherheit in China
5.2 Arbeitssicherheitslage in chinesischen Steinkohlebergbau-Unternehmen
5.21 Veränderungen der Sicherheitslage in chinesischen Steinkohlebergbau-Unternehmen
5.22 Analyse der schweren Unfälle des chinesischen Steinkohlebergbaus im Allgemeinen

6 Die wichtigsten Ursachen der schweren chinesischen Grubenunglücke
6.1 Aktuelle Fälle der schweren Grubenunglücke in chinesischen Steinkohlebergbau-Unternehmen
6.2 Mangelhafte Investitionen in Arbeits- und Unfallschutz
6.3 Rückständiges Management der Arbeitssicherheit
6.4 Mangelnde Sicherheitskultur des Arbeits- und Unfallschutzes
6.5 Ausbildungsprobleme im chinesischen Steinkohlebergbau

7 Vergleich der Arbeits- und Unfallschutzmanagements im Steinkohlebergbau zwischen China und Deutschland
7.1 Die Bedeutung des Arbeits- und Unfallschutzmanagements
7.2 Vergleich der Organisation der Bergbauverwaltung in China und Deutschland
7.21 Vergleich des staatlichen Bergbauverwaltungsplans in den beiden Ländern
7.22 Vergleich der Kompetenzen der Bergbauverwaltung in den beiden Ländern
7.23 Vergleich der Organigramme in einem staatlichen chinesischen und deutschen Bergwerk
7.3 Vergleich der Aus- und Fortbildungsmöglichkeit im Bereich des Arbeits- und Unfallschutzes zwischen chinesischen und deutschen Bergbau-Unternehmen

8 Strukturierung eines möglichen Wissenstransfers zwischen China und Deutschland gemäß der Theorie des Wissensmanagements nach Probst
8.1 Die Bestimmung des Wissensziels
8.2 Wissensidentifikation
8.3 Wissenserwerb
8.4 Wissensentwicklung
8.5 Wissensverteilung
8.6 Wissensbewahrung
8.7 Wissensnutzung
8.8 Wissensbewertung

9 Ausblick

10 Literaturverzeichnis

Glossar

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Weltförderung an Steinkohle 2003

Abbildung 2: Bausteine des Wissensmanagements nach Probst

Abbildung 3: Steinkohleexport in China von 1988 bis 2003

Abbildung 4: Steinkohlebergwerke in Deutschland

Abbildung 5 Aufteilung der deutschen Steinkohleimporte

Abbildung 6: Die Lage der Unfalltoten im chinesischen Steinkohlebergbau von 1990-2003

Abbildung 7: Struktur des Vertikalmanagements in der chinesischen Staatsbergaufsichtsbehörde

Abbildung 8: Auszug aus dem Organisationsplan des Ministeriums für Verkehr, Energie und Landesplanung des Landes NRW

Abbildung 9: Auszug aus dem Organisationsplan der Bezirkregierung Arnsberg

Abbildung 10: Aufstellung der staatlichen Organisation

Abbildung 11: Organisationsplan des Bergwerks Jining Nr. III der Berggesellschaft Yankuang

Abbildung 12: Organisationsplan der DSK AG

Abbildung 13: Organigramm Arbeits- und Umweltschutz

Abbildung 14: Die Befragung der Aus- und Fortbildungsmöglichkeit der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes und der Unfallverhütung in Bergbauunternehmen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Chinesischer Primärenergienkonsum von 1957 – 1999

Tabelle 2: 1996 – 2002 Steinkohlegewinnung in China und Deutschland

Tabelle 3: Steinkohleförderung nach Revieren

Tabelle 4: Übersicht über Ausrüstung für Grubensicherheit in 518 staatlichen Schlüsselbergwerken im Jahr 1996

Tabelle 5: Tödliche Unfälle im chinesischen Steinkohlebergbau von 1990 – 2003

Tabelle 6: Analyse der Grubenunfälle in China von 1990 bis 1999

Tabelle 7: Grubenunglücke in China im Jahr 2002

Tabelle 8: Das Ergebnis der Befragung des Bergwerks West der DSK

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Danksagung

Ich möchte mich ganz herzlich bei Herrn Dieter Blümke (Chef Projektmanager der RAG Bildung GmbH) bedanken, der mich bei der Recherche der Fachliteratur sowie beim Erwerb der Fachkenntnis für diese Magisterarbeit besonders unterstützt hat. Vor allem zu erwähnen ist die Organisation eines Besuches unter Tage im Bergwerk Kamp-Lintfort sowie seine persönliche Durchführung meiner Befragung im Bergwerk West und einem chinesischen Bergwerk.

Besonderer Dank gebührt den Herren Prof. Dr. Zimmermann, der mich zur RAG Bildung in Dortmund begleitet, mir beim Layout dieser Magisterarbeit geholfen und mich allgemein betreut hat.

Mein Dank gilt ferner Herrn Dominik Herrmann, Herrn Daniel Cragg, Herrn Dennis Kettenbeil und Frau Gabriele Schmidt-Kauf, die mir bei der Sprachkorrektur dieser Magisterarbeit geholfen haben.

Gerne bedanke ich mich auch bei dem Herren Claus Peter Weber (Leiter Zentralbereich Arbeits- und Umweltschutz der RAG AG), Herren Trygve Kadow (Abteilungsleiter Arbeitsschutz/Sicherheit der DSK AG) und Herrn Klaus Ehrenheim (Öffentlichkeitsarbeit der DSK AG), die mir bei der konkreten Themenauswahl meiner Magisterarbeit geholfen haben.

1 Motivation

1.1 Steinkohle als notwendige Energieressource

Energie ist eine notwendige strategische Ressource für wirtschaftliche und soziale Entwicklung in der ganzen Welt. Steinkohle wird noch immer als eine wesentliche Primärenergie in vielen Ländern genutzt und in vielen Regionen der Welt gefördert. Steinkohlenexporte liefern aber nur sechs Länder: Australien, China Südafrika, Indonesien, USA und Kolumbien. Aus Steinkohle werden 38% des weltweiten Stromangebots produziert. Die Weltförderung betrug 2003 3837 Mio. t Steinkohle (siehe Abb. 1). Als Energieträger Nr. 1 wird der Bedarf wegen des weiter steigenden Stromverbrauchs auch künftig steigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Weltförderung an Steinkohle 2003[1]

Obwohl die Tendenz des Primärenergieverbrauchs an Steinkohle in vielen entwickelten Ländern wie z. B. in Deutschland fallend ist, betrug der Primärenergieverbrauch in Deutschland im Jahre 2004 rund 492, 6 Mio. t Steinkohleeinheiten und macht damit immer noch 13,5% aus. Im Gegensatz zu solchen westlichen Industrieländern ist Steinkohle trotzdem eine wichtige Energiequelle in vielen Schwellen- sowie Entwicklungsländern wie z.B. in China.

Seit der Gründung Chinas vor über 50 Jahren stellt Steinkohle eine wesentliche Primärenergiequelle dar. Der Verbrauch an Steinkohle macht hier deshalb noch immer etwa 70% aus. Bis 2002 betrug er 13 Mrd. t und machte 66% von allen Primärenergien aus. Prognosen von Experten zeigen, dass sich diese Lage innerhalb von 50 Jahren nicht wesentlich verändern wird.

1.2 Problemstellung

Der weltweit anerkannte hohe Sicherheitsstandard der Bergbaubetriebe in Deutschland ist Ergebnis einer konsequenten Überwachung durch die Bergbauverwaltung. Gradmesser des erreichten Sicherheitsniveaus ist die stetig sinkende Zahl der Unfälle in Bergbau-Unternehmen. Statistiken zeigen, dass der Beruf „Bergarbeiter“ nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen großen Bergbaubetriebsländern wie USA, Polen und Südafrika mittlerweile mit zu den sichersten Berufen gehört[2]. Die heutige Arbeitssituation in Bergbau-Unternehmen in diesen Ländern ist mit hoher Produktivität, einer niedrigen Unfallkennziffer und gutem Gesundheitsschutz verbunden. Seit China der WTO beigetreten ist, hat die chinesische Regierung sich intensiv in mehreren Sitzungen mit Präventionsstrategien zur Vermeidung von Unfällen beschäftigt. Trotzdem zählt die Arbeit in chinesischen Bergbau-Unternehmen zu den gefährlichsten Tätigkeiten. Die Grubenunglücksrate in China liegt bis heute immer noch weltweit am höchsten. So ereigneten sich in den Jahren 2004 und 2005 mehrere schwere Grubenunglücke in China. Beispielsweise hat das Grubenunglück im Bergwerk Tongchuan im November 2004 166 Bergleuten das Leben gekostet. Dieses Unglück war das Schwerste seit 10 Jahren.

1.3 Zielsetzung und Aufbau der Magisterarbeit

Diese Arbeit versucht durch den Vergleich des Arbeits- und Unfallschutzes im Bergbaubereich zwischen Deutschland und China die mögliche Ursachen und Hintergründe der bereits erwähnten Unglücksfälle zu verdeutlichen. Die Analyse der Auslösefaktoren von bisherigen chinesischen Grubenunglücken wird die Rolle des Managements des Arbeits- und Unfallschutzes in Steinkohlebergbau–Unternehmen beleuchten. Auf dieser theoretischen Basis lassen sich einige effiziente Lösungen erarbeiten, um zukünftigen Grubenunglücken vorzubeugen, eine Sicherheitskultur in chinesischen Steinkohlebergbau-Unternehmen zu etablieren und das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter zu steigern. Dadurch lässt sich auch die Produktionsleistung erhöhen.

Die wesentlichen Ausführungen dieser Arbeit sind nach dieser Einleitung so unterteilt: Zunächst werden im Kapitel 2 die Grundlegende Begriffe wie Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Arbeitsunfall im Steinkohlebergbau erklärt. Im Kapitel 3 wird das Wissensmanagement nach der Theorie von Probst als theoretischer Hintergrund dieser Arbeit dargestellt. Auf die allgemeine Entwicklung der chinesischen sowie deutschen Steinkohlebergbau-Unternehmen wird im Kapitel 4 detailliert eingegangen. Im Kapitel 5 bildet die Beschreibung der chinesischen Grubensicherheitslage den Mittelpunkt, dabei werden schwere chinesische Grubenunfälle konkret analysiert. Die genauen Sachverhalte der schweren Grubenunglücke seit 2004 in China werden im Kapitel 6 erläutert und die wichtigsten Ursachen der übrigen chinesischen Grubenunglücke schließlich aufgeführt. Mit verschiedenen Vergleichen in Organisationsstruktur und Ausbildung zwischen China und Deutschland werden die Schwachstellen des Arbeitsschutzmanagements in China im Kapitel 7 aufgezeigt. Im Kapitel 8 wird versucht, die entsprechenden Verbesserungsmöglichkeiten herauszuarbeiten. Wie man die Sicherheitskultur als geistige Unterstützung in chinesischen Bergbau-Unternehmen etablieren könnte, wird ebenso in diesem Kapitel behandelt. Abschließend wird im Kapitel 9 ein Ausblick über den möglichen Einfluss der chinesischen WTO-Mitgliedschaft auf den chinesischen Bergbau gegeben. Im angeschlossenen Glossar werden zusätzlich noch die chinesischen und deutschen Fachbegriffe gegenübergestellt.

Alle Fakten und Daten, welche in dieser Arbeit verwendet und zitiert werden, sind das aktuellste verfügbare Material aus China sowie aus Deutschland.

2. Grundlegende Begriffe

Im Bergbau kennt man viele Fachausdrücke. Deshalb bemühe ich mich in diesem Kapitel die wichtigsten Bergriffe für diese Arbeit zusammenzutragen und sie allgemein verständlich zu erklären. Im folgenden Text sollen die Begriffe Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Arbeitsunfall, Sicherheitskultur verdeutlicht werden.

2.1 Zu den Begriffen Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Arbeitsunfall im Steinkohlebergbau

„Arbeitsschutz ist selbstverständlicher Bestandteil der täglichen Arbeit.“

„Arbeitssicherheit ist Voraussetzung für wirtschaftliche Produktion.“

─ DSK[3]

Alle Arbeitsplätze sind auf ein Mindestmaß an Arbeitsschutz angewiesen, wie es auch gesetzlich festgelegt ist. Dies geschieht zum einen aus finanziellen Gründen, zum anderen um einen reibungslosen Arbeitsablauf zu gewährleisten und den Arbeiter und seine Gesundheit zu schützen. Vor allem im Steinkohlebergbau ist Arbeitsschutz zwingend erforderlich, da unter Tage besonders gefährliche Arbeitsbedingungen herrschen.

„Das kleine Bergbau Lexikon“ definiert den Begriff Arbeitsschutz als „Summe alle Maßnahmen, die den Schutz des arbeitenden Menschen vor Gefahren und Nachteilen aller Art bei seiner Berufstätigkeit am Arbeitsplatz zum Ziel haben.“[4] Hier unterscheidet man sozialen Arbeitsschutz und technischen Arbeitschutz.

Sozialer Arbeitsschutz bedeutet „rechtliche Reglungen, die eine Verhinderung körperlicher Überforderung des Menschen im Betrieb zum Inhalt haben und besonders Schutzbedürftiger Personengruppen durch entsprechende Gesetze zu schützen.“[5]

Technischer Arbeitsschutz beinhaltet Betriebs- und Gefahrenschutz. Er umfasst Schutz gegen Unfallgefahren (Unfallverhütung), gegen Gesundheitsgefahren (Arbeitshygiene) und gegen Gefährdung der Sittlichkeit.“[6]

Da viele Bergbaufremde denken, dass Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit identisch sind und die beiden Begriffe öfter verwechseln, soll hier Arbeitssicherheit hier klar definiert werden.

Arbeitssicherheit ist ein „anzustrebender gefahrenfreier Zustand bei der Berufsausübung. Die Arbeitssicherheit umfasst die Katastrophenabwehr, Umfallverhütung, Bekämpfung von Berufskrankheiten.“[7] Ziel der Arbeitssicherheit ist Erhaltung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Belegschaft sowie im Zusammenhang damit die Vermeidung von Sachschäden und Betriebsstörungen.

Arbeitsunfall ist „ein von außen ein wirkendes körperschädigendes, plötzliches Ereignis in Zusammenhang mit Betriebstätigkeit, Lohn- und Gehaltabhebung, Verwahrung und Beförderung von Arbeitsgerät.“[8]

Die Beziehung zwischen Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und Arbeitsunfall lautet nach den Definitionen in „Das kleine Bergbau Lexikon“: Aus arbeitssicherheitlicher Sicht wird Arbeitsunfall durch Arbeitsschutzmaßnahmen verhindert.

2.2 Zum Begriff Sicherheitskultur

„Vertraute Umgebung verleitet zur Routine, und Routine verführt.“

─ Dr. Rainer Kohlen, Degussa[9]

Der Begriff Sicherheitskultur hat sich mittlerweile als Ausdruck einer Neuorientierung sicherheitsgerichteten Denkens und Handelns im Steinkohlebergbau durchgesetzt. Soziale und organisatorische Faktoren sowie Human Faktor Aspekte rücken immer mehr ins Zentrum der Betrachtung in Bezug auf die Arbeitsprozesse.

Das interdisziplinäre Institut für Intelligente Geschäftsprozesse von der Fachhochschule Heilbronn für Technik und Wirtschaft hat Sicherheitskultur so definiert: „ Die Sicherheitskultur umfasst allgemeine Denkweisen im Umgang mit sicherheitsrelevanten Themen innerhalb eines Unternehmens. Diese Denkweisen werden sowohl von Vorgesetzten als auch von Mitarbeitern unbewusst übernommen und beachtet. Es entsteht ein Sicherheitsbewusstes Verhalten.“[10]

Sicherheitskultur ist ein relevanter Teil der Unternehmenskultur. Verschiedene Unternehmen haben ebenso verschiedene Schwerpunkte beim Aufbau der Sicherheitskultur. Sie besteht aus den sachlichen Voraussetzungen, der Arbeitsumgebung, dem Sicherheitsbewusstsein, der Werteinstellung, der Moral und den standardisierten Handlungen bzw. solchen geistigen Faktoren. Steinkohlebergbauarbeit ist ein spezieller Beruf in harter Arbeitsumgebung. Bergleute haben manchmal ein niedriges Bildungsniveau und schwaches Sicherheitsbewusstsein. Diese Gründe bestimmen die Aufbausschwerpunkte der Sicherheitskultur in Steinkohlebergbau-Unternehmen. Erhöhung des Sicherheitsbewusstseins und der Sicherheitsqualifikation der Bergleute sowie Verbreitung der Einstellung – „Sicherheit ist das Wichtigste!“[11]. Ein Ziel des Aufbaus der Sicherheitskultur ist die konsequente Verfolgung der Sicherheit bzw. Beachtung möglicher Gefährdung menschlichen Lebens in Steinkohlebergbau-Unternehmen.[12] Im Kapitel 7 wird der Aufbau der Sicherheitskultur in Steinkohlebergbau-Unternehmen konkret erläutet.

3 Wissensmanagement nach dem Probst Modell

Dieses Kapitel soll einen Überblick über das Wissensmanagement nach dem Probst Modell für die chinesische Steinkohlebergbau-Unternehmensführung liefern. Die Definitionen des Wissens bzw. des Wissensmanagements werden dabei in die Darstellung miteinbezogen. Um die Übertragung auf die konkreten chinesischen Problemstellungen des Arbeitssicherheitsmanagements im Bergbau zu erleichtern, wird das Probst Modell im Kapitel 8 praxisnah angewendet.

Nach der Definition von Probst bedeutet Wissen “die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden“.[13] Nach Probst bildet das Wissensmanagement ein integriertes Interventionskonzept, das der Gestaltung der organisationalen Wissensbasis dient.[14]

Das Wissensmanagementmodell von Gilbert Probst, tätig an der Universität Genf, bildet ein Wissenskreislauf aus acht Bausteinen. Dieses Modell strukturiert den Managementprozess in logische Phasen und bietet Ansätze für die Führungsebene zur Verhinderung von Wissensproblemen in einem Unternehmen.

Wissensmanagement lässt sich als Wissenstransfer-Ablauf beschreiben (siehe Abb. 2) Die Bausteine aus dem Probst Modell lassen sich wie Folgend darstellen:[15]

- Wissensziele
Die Bestimmung der Wissensziele als Kernaufgabe des Managements steht am Anfang und dient zur Planung als Grundlage für Kontrolle und Umsetzung. Sie beziehen sich auf wissensbezogene Unternehmensziele auf normativer, strategischer und operativer Ebene und machen den Erfolg des Wissensmanagements durch das zukünftige Feedback überprüfbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Bausteine des Wissensmanagements nach Probst[16]

- Wissensidentifikation
Wissensidentifikation bedeutet Schaffung von Transparenz über internes und externes Wissen. Insbesondere geht es um die Analyse und Beschreibung von Wissen im Unternehmen und im Wissensumfeld.

- Wissenserwerb
Beim Wissenserwerb geht es um den Import von Wissen aus externen Quellen. Der Wissenserwerb kann durch folgende Aktivitäten erreicht werden: Erwerb von Wissen externer Wissensträger (Rekrutierung, externe Berater), Erwerb von Wissen anderer Unternehmen (Kooperationen jeglicher Art, Product links, Knowledge links), Erwerb von Stakeholderwissen (Kunden, Lieferanten) und Erwerb von Wissensprodukten.

- Wissensentwicklung
Wissensentwicklung ist als komplementärer Baustein zum Wissenserwerb zu sehen, bei dem die Produktion neuer Fähigkeiten, Produkte, neuer und besserer Ideen sowie leistungsfähigerer Prozesse im Mittelpunkt steht. Schlüsselbereiche für die kollektive Wissensentwicklung sind Kommunikation, Transparenz und Integration.

- Wissens(ver)teilung
Wissens(ver)teilung ist zwingende Voraussetzung, um isoliert vorhandenes Wissen der gesamten Organisation zur Verfügung zu stellen. Sie kann sich entweder auf zentral gesteuerte Verteilung, auf eine festgelegte Gruppe oder auf Mitteilen von Wissen unter Individuen beziehen. Die Aufgaben sind: Multiplikation von Wissen, Sicherung und Teilung von gemachten Erfahrungen und simultaner Wissensaustausch, der direkt zu Wissensentwicklung führt. Kulturelle Teilungsbarrieren können der Wissens(ver)teilung im Weg stehen.

- Wissensbewahrung
Die Bedeutung des organisatorischen Gedächtnisses steht im Zentrum dieses Bausteins und bildet ein System von Wissen und Fähigkeiten, das gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt als Grundlage für neues Wissen abgerufen werden kann. Zur Wissensbewahrung sind die Prozesse der Selektion, Speicherung und Aktualisierung von wertvollem Wissen notwendig.

- Wissensnutzung
Wissensnutzung ist der produktive Einsatz des organisationalen Wissens. Wissensmanagement muss einen Kontext schaffen, in dem Wissensnutzung erleichtert wird und tatsächlich stattfinden kann, da eine Reihe von Barrieren existiert. Zur Erreichung der Nutzungsorientierung sollten in allen Bausteinen die Bedürfnisse der Nutzer bedacht werden.

- Wissensbewertung

Entsprechend den definierten Wissenszielen auf normativer, strategischer und operativer Ebene müssen Methoden zur Messung vorhanden sein. Hier zeigt sich die Qualität der formulierten Zielvorstellungen. Zur Messung existiert kein erprobtes Instrumentarium von Indikatoren und Messverfahren, daher müssen neue Wege beschritten werden. Als möglicher Weg wird mehrdimensionale Wissensbewertung durch Ursache-Wirkungszusammenhänge vorgeschlagen. Wissensbewertung als der letzte Baustein des Wissenstransfer-Ablaufs dient als Feedback, welches den Vergleich mit dem ursprünglichen Wissensziel erlaubt. Dieser Vergleich dient zur Bemessung des Erfolges.

Wissensidentifikation, Wissenserwerb, Wissensentwicklung Wissens(ver)teilung, Wissensbewahrung und Wissensnutzung sind die sechs Kernprozesse des Wissensmanagement. Durch Bestimmung der Wissensziele und die Durchführung einer Wissensbewertung lässt sich der Managementkreislauf schließen. Der Managementprozess startet mit der Festlegung der Wissensziele, die sich aus den Unternehmenszielen ableiten. Im nächsten Prozessschritt der Wissensidentifikation werden die unternehmensinternen und -externen Wissensquellen lokalisiert. Im Rahmen des Wissenserwerbs wird das identifizierte Wissen in kommunizierbarer Form, sofern möglich, zur Verfügung gestellt. Durch die Wissensentwicklung wird die Integrationsbarriere des neuen Wissens beseitigt. Wissens-(ver)teilung werden die Wissensbedürfnisse mit den Wissensquellen verknüpft, Wissen von außerhalb in das Unternehmen integriert und alle notwendigen Teilprozesse der Wissenslogistik innerhalb des Unternehmens aktiviert. Durch den Subprozess der Wissensbewahrung wird gewährleistet, dass sowohl einmal als relevant identifiziertes Wissen als auch Erfahrungen aus der Anwendung für spätere Problem- und Aufgabenbearbeitungen zur Verfügung stehen. Wissensnutzung setzt Wissen in Unternehmensprozessen zur Lösung bestimmter Probleme bzw. zur Bearbeitung von Aufgaben ein. Die Wissensbewertung sorgt für den regelmäßigen Abgleich zwischen den Wissenszielen und den bewerteten Ergebnissen der Subprozesse des Wissensmanagement.[17]

4 Allgemeine Situation von SteinkohlebergbauUnternehmen in China und Deutschland

China hat zahlreiche Bodenschätze, insbesondere Steinkohle. In den 33 chinesischen Provinzen außer Shanghai und Hongkong gibt es überall Reviere mit verschiedenen Kohlequalität und Menge. Bis Ende 1996 wurden insgesamt 5354 Reviere gezählt. Steinkohle ist das Mineral in China, welches am weitesten verbreitet ist. Laut einer Statistik des Jahres 1997 gibt es zwischen 30 · 1015m3 bis 35 · 1015m3 Kohle unter der Erde. Davon entfällt auf Nordchina 68% (22,27 · 1015m3). Der chinesische Kohlevorrat macht weltweit 11,6% aus.[18] Die chinesische Steinkohlebergbauentwicklung hat erst 1950 begonnen. Bisher hat China immer sehr hohe Überschüsse bei der Steinkohleförderung erzielt, sodass die Fördermenge neben der Deckung des Eigenbedarfs auch für einen weltweiten Export ausreichte. Fast alle staatlichen Steinkohlebergbau-Unternehmen in China haben die Automatisierung abgeschlossen. Im Vergleich zu China hat Deutschland bereits vor über 100 Jahren mit dem Steinkohleabbau begonnen. Daher besitzt Deutschland moderne Bergbautechnik, bessere Kohleabbaumethoden, ausgereifte Arbeitsschutzregelungen und Unfallrettungen und ein optimales Organisationssystem. Aufgrund der teureren Arbeitskräfte im Steinkohlebergbau sind die deutschen Gruben reduziert worden, so gibt es nur noch neun Gruben. In der Zukunft werden wahrscheinlich nur noch drei Gruben existieren. In den letzten Jahren gab es im Bereich Bergbautechnik mehrere Kooperationen zwischen China und Deutschland. Da in der vergangenen Zeit häufig Grubenunglücke in China sind, haben sowohl viele Manager aus chinesischen Steinkohlebergbau-Unternehmen als auch Stipendiaten bei der RAG-Bildung in Deutschland an Fort- und Ausbildungen teilgenommen.

[...]


[1] DSK in: http://www.dsk.de/medien/pdf/T-1122968966.pdf

[2] Zhao Tiechui (2003), S.1

[3] DSK (2004), S.2

[4] Das Kleine Bergbau Lexikon (1988), S.28

[5] Das Kleine Bergbau Lexikon (1988), S.321

[6] Das Kleine Bergbau Lexikon (1988), S.348

[7] Das Kleine Bergbau Lexikon (1988), S.29

[8] Das Kleine Bergbau Lexikon (1988), S.29

[9] Folio – Das Mitarbeitermagazin der RAG (6/2005), S.14

[10] i3g in: http://sicherheits.i3g.fh-heilbronn.de/dv-glossar.html

[11] Chinesisches Slogan, Übersetzung durch Autor

[12] Vgl. Li Luohu (2004), S.437-438

[13] Probst, Gilbert (97), S.44

[14] Vgl. Probst, Gilbert (97), S.45

[15] Wissensmanagement in: http://www.artm-friends.at/am/km/km-d/km-basics-d.html

[16] Wissensmanagement in: http://www.artm-friends.at/am/km/km-d/km-basics-d.html

[17] Vgl. Wissensmanagement in: http://www.artm-friends.at/am/km/km-d/km-basics-d.html

[18] Vgl. Huang Shenchu, Zhu Chao, Xu Huijun (2000), S.112

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Zum Management des Arbeits- und Unfallschutzes in deutschen und chinesischen Bergbau-Unternehmen
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Informationswissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
99
Katalognummer
V71931
ISBN (eBook)
9783638624169
ISBN (Buch)
9783638701198
Dateigröße
1418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Management, Arbeits-, Unfallschutzes, Bergbau-Unternehmen
Arbeit zitieren
M.A. Danni Sun (Autor), 2005, Zum Management des Arbeits- und Unfallschutzes in deutschen und chinesischen Bergbau-Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71931

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