Gerade zu einer Zeit , als die einstige Millionenstadt Rom auf eine in jeglicher Beziehung,
politisch , wirtschaftlich wie kulturell unbedeutende Stadt herabgesunken war1,verlieh Cola di
Rienzo in seinem Manifest, welches an die ganze Welt gerichtet war, der Verherrlichung
Roms den maßlosesten Ausdruck. Die Päpste hatten Rom den Rücken gekehrt und zogen
Südfrankreich Rom als Residenz vor doch unbeirrt hielt Cola di Rienzo an Rom als
Mittelpunkt der Welt fest. Eine solche Vorstellung wurde im Laufe der Jahrhunderte stets
aufrechterhalten, so das sich auch andere Städte wie Moskau mit dem Namen „drittes Rom“
brüsteten. Das Ende der Antike war keineswegs das Ende solcher Vorstellungen. Denn den
Zusammenbruch der antiken Staatenwelt überlebten die Werke der großen Autoren dieser Zeit
und damit auch deren Romgedanken. Diese waren jedoch in einen völlig anderen geistig
kulturellen Umkreis gestellt:2
„aus der Kaiserstadt ist die Papststadt Rom geworden, Mittelpunkt einer Kirche , die den
gleichen Anspruch auf Universalität stellt wie das römische Kaiserreich.“
Die im Mittelalter gebrauchten Begriffe „caput mundi“ und „caput orbis“ zur Bezeichnung
Roms, bezeichnen nicht mehr das aus der Antike bekannte, straff organisierte Weltreich,
sondern „größtenteils eben Ansprüche einer der drei Parteien in diesem Dreieck Papst/
Bischof – Kaiser – Stadtrömer den beiden anderen Parteien gegenüber.3
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1 Juhar, Monika –Beate: Der Romgedanke bei Cola di Rienzo. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades des
Fachbereichs Philosophie der Christian – Albrechts – Universität zu Kiel. Kiel 1977, S. I (Einleitung)
2 Vgl. Juhar, S. II (Einleitung)
3 Juhar, S. III (Einleitung)
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Die Figur des Cola di Rienzo in Literatur und Musik
2. Biographie bis 1347
3. Rienzos Romvorstellungen in Avignon 1343/44
4. Rienzos Romvorstellungen von 1344 – 1347
5. Rienzos Tribunat 1347
5.1 Vorgeschichte
5.2 Rienzo und Francesco Petrarca
5.3 Die Romvorstellungen während des Tribunats
5.3.1 Der sanctus status
5.3.2 Der Papst
5.3.3 Der Kaiser
5.3.4 der Zusammenhalt der römischen Städte
5.3.5 Fazit zu den Romvorstellungen während des Tribunats
6. Die böhmische Gefangenschaft
6.1 Eine Veränderung in der Kaiserfrage
6.2 Veränderung der Kirche
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Romvorstellungen von Cola di Rienzo anhand seines Briefwechsels zu zwei verschiedenen Zeitpunkten (1347 und 1350-52). Das primäre Ziel ist es, den Wandel seiner politischen und religiösen Konzepte im Hinblick auf das Kaisertum, das Papsttum und die Rolle Roms als weltweites Zentrum zu analysieren und zu hinterfragen.
- Vergleich der Rom-Konzepte zwischen der Zeit des Tribunats (1347) und der böhmischen Gefangenschaft (1350-52).
- Analyse der Rolle von Papst und Kaiser im politischen Weltbild des Cola di Rienzo.
- Untersuchung der Bedeutung der antiken Rom-Tradition und ihrer christlichen Umdeutung.
- Die Vision eines befriedeten Roms und eines geeinten Italiens.
- Kritik an der Kurie in Avignon und die Forderung nach einer "reformatio Ecclesie".
Auszug aus dem Buch
3. Rienzos Romvorstellungen in Avignon 1343/44
Es liegen 2 Schreiben an die Römer von Ende Januar 1343 vor, von denen eines ganz sicher Cola di Rienzo zugeordnet werden kann, weil es von ihm persönlich signiert ist. Da nur dieses Schreiben sicher auf ihn zurückzuführen ist, wird auf das anonyme Schreiben keine Rücksicht genommen. Die Grundtendenzen des von Cola sicher verfassten Briefes machen seinen Wunsch deutlich nach einer universellen Weltgeltung für Rom: „Romana civitas ... solium maiestatis ascendens“ , schreibt er über die Stadt. Der Boden auf dem die Stadt erbaut worden war, nennt er: „locus, in quo statis et vivitis, terra verrissime sancta est.“ Mit der Bezeichnung „heiliger Boden“ macht er die enge Beziehung der Stadt Rom zur Person des Papstes deutlich. Man könnte in diesem Schreiben von einer ersten bekannten Kritik di Rienzos an der Kurie sprechen, die unverständlicherweise für ihn aus Italien nach Südfrankreich geflüchtet war.
Indem er Rom als „sedes apostolica“ bezeichnet, greift er die Kurie an. Nur Rom kommt also für den Sitz des Papstes in Frage. Dieses nach seinen Wünschen entworfene Rom unterscheidet sich vom antiken Rom, welches seine Stellung in der Welt mit blutigen Kriegen erworben hatte. Denn „sein“ Rom würde mit Hilfe der Päpste und deren geistigen Waffen zu großem Ruhm kommen. Der Papst spielt für ihn die wichtigste Rolle: „clementissimus pater patrum, auctor et liberator urbis.“
Ein päpstliches Rom mit dem Papst als „Befreier“ hatte also in seiner Vorstellung einen Vorteil gegenüber dem antiken Rom. Aber schon in diesem Brief kommt seine Vorliebe für das antike Rom zur Geltung indem er ihm seine Bewunderung verleiht: „Scipio...Cesar...Metullus,[...] liberatores patrie veteribus recensemus annalibus et inextinguibili dignos memoria iudicamus, quorum solempnes effigies in preciosis lapidibus sculptas pro virtutis memoria et splendore miramur.“
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung Roms als "caput mundi" im Mittelalter ein und erläutert die Forschungsfrage bezüglich der Entwicklung von Cola di Rienzos Romgedanken.
1. Die Figur des Cola di Rienzo in Literatur und Musik: Ein kurzer Überblick über die Rezeption von Cola di Rienzo in verschiedenen künstlerischen Werken, von Wagner bis zu historischen Romanen.
2. Biographie bis 1347: Dieses Kapitel skizziert die Lebensumstände Rienzos, seine Jugend in Anagni und sein erstes politisches Auftreten in Avignon 1343/44.
3. Rienzos Romvorstellungen in Avignon 1343/44: Analyse der frühen Briefe Rienzos, die bereits den Anspruch auf eine universelle Geltung Roms unter päpstlicher Führung beinhalten.
4. Rienzos Romvorstellungen von 1344 – 1347: Untersuchung seiner Studien der Antike während der Jahre, in denen er politisch inaktiv war, und seine Sorge um das Rom dieser Zeit.
5. Rienzos Tribunat 1347: Beleuchtung der Machtübernahme, seiner Rolle als Volkstribun und seiner Versuche, ein befriedetes, geeintes Rom zu schaffen.
6. Die böhmische Gefangenschaft: Dieses Kapitel analysiert Rienzos veränderte Haltung zum Kaisertum und zur Kirche nach seiner Exkommunikation, mit Fokus auf Karl IV.
7. Fazit: Zusammenfassende Gegenüberstellung der zwei Rom-Konzepte Rienzos und Ausblick auf die aufgeworfenen Fragen bezüglich seiner Motivation.
Schlüsselwörter
Cola di Rienzo, Romvorstellungen, Mittelalter, Papsttum, Kaisertum, Tribunat, Karl IV., Avignon, reformatio Ecclesie, Romgedanke, 1347, Universalität, Geschichte, Politik, Rom.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Wandel der politischen und religiösen Visionen von Cola di Rienzo bezüglich der Rolle Roms und der Führungsmächte Kaiser und Papst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Konzepte des "sanctus status", die Rolle Roms als "caput mundi", die Beziehung zwischen weltlicher Macht (Kaiser) und geistlicher Autorität (Papst) sowie der Einfluss des Antiken-Studiums.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Vergleich der Romvorstellungen Rienzos in zwei Phasen: während seines Tribunats 1347 und während seiner Gefangenschaft bei Karl IV. zwischen 1350 und 1352.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin/Der Autor nutzt vornehmlich die Quellenanalyse der Briefe des Cola di Rienzo und verzichtet dabei weitgehend auf Sekundärliteratur, um die Positionen direkt aus den Originalzeugnissen abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biographischen Grundlagen, die Analyse der Romkonzepte von 1343/44, die Jahre 1344–1347, die Details des Tribunats und schließlich die radikale Neuorientierung während der böhmischen Gefangenschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Cola di Rienzo: Romvorstellungen, reformatio Ecclesie, Kaiser, Papsttum, Tribunat und Universalität.
Warum spielt Karl IV. in der zweiten Phase eine so große Rolle für Rienzo?
Rienzo erkennt in Karl IV. einen vom Papst unabhängigen, von Gott legitimierten Herrscher an, dem er die Aufgabe zur Weltreform zuschreibt – eine deutliche Abkehr von seinem früheren Wunsch nach einem römischen Kaiser.
Wie definiert Rienzo die Rolle des Papstes während seines Tribunats?
Während des Tribunats fordert Rienzo die Rückkehr des Papstes nach Rom, jedoch beschränkt auf seine geistige Funktion, während er den Schutz der kirchlichen Besitztümer als seine eigene Aufgabe als Tribun definiert.
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- Eric Agne (Author), 2006, Die Entwicklung der Romvorstellungen von Cola di Rienzo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71938