In Goethes Festspiel Pandora (1808) wird der Konflikt einer antiken My-thenwelt im Übergang zu einer modernen Gesellschaft thematisch am Stoff des Prometheus-Mythos entwickelt. Gerade von Prometheus und seiner Symbolkraft als Held und fortschrittlichen Rebell der Aufklärung war Goethe augenscheinlich sehr fasziniert. Die Mythologie um Prometheus hat Goethe so kontinuierlich beschäftigt wie keine andere. Doch wie wird in Pandora am klassischen Mythos der Übergang in die moderne Arbeitswelt verarbeitet?
Obwohl Goethe das Festspiel nie fertig gestellt hat und daher nur ein Fragment erhalten ist, können aus seinen Aufzeichnungen über die ge-plante Wiederkehr Pandoras Rückschlüsse für die Interpretation des Fragments gezogen werden. Auffällig für die Figur des Prometheus ist die Umdeutung seines Charakters im Werk Goethes. In jungen Jahren erfährt Prometheus noch eine heldenhafte Verehrung durch Goethe und die Formierung der Aufklärer in Anlehnung an die Lichtmetapher. Dies ist in Pandora anders. Ebenso die positive Belegung Pandoras mit der Erlösung der Menschheit ist ein weiterer Schritt Goethes mit der zeitgemäßen Neubesetzung im Zeichen der weiblichen Schönheit. Ihre Gaben, die ebenfalls nicht mehr als „Geisel der Menschheit“, sondern als Geschenke des Glücks umgedeutet werden, sollten Wissenschaft und Technik mit-einander versöhnen. Gerade die klassische Form der antiken Mythosges-talten mit moderner Arbeitswelt setzt die Aktualität des goethischen Zeit-alters als Umbruch von einer „alten“ zu einer „neuen“ Welt dar. Im Nebeneinander der verschiedenen Welten herrscht eine „sinnentleerte, gewalttätige Ordnung, und die Reintegration, die wechselvolle Durch-dringung der verschiedenen Bereiche.“ So wird mit der Verbindung in Form der Kinder der Titanen eine mögliche Perspektive des Dramas auf eine sinnvolle, menschenfreundliche Gestaltung der Arbeit mit der Kunst (Kultur) eröffnet, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht entzieht, sondern eine Symbiose von Mensch, Natur und Technik schafft. Am antiken Mythos entwickelt Goethe die Problematik der modernen Arbeitswelt. Im Folgenden wird die Konstellation der Gegensätze und de-ren Konfliktpotenzial näher beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
1. Zur Entstehung des Werkes
1.1 Mythologischer Stoff und Goethes Bearbeitung
2. Systole und Diastole: Prometheus - Epimetheus
2.1 Prometheus
2.2 Epimetheus
2.3 Phileros und Epimeleia – die Kinder der Titanen
3. Alte Zeiten und neues Zeitalter – Mythos und Moderne
4. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Übergang von einer antiken Mythenwelt zu einer modernen Arbeitsgesellschaft in Goethes Festspiel "Pandora" (1808). Die Forschungsfrage konzentriert sich dabei darauf, wie Goethe mittels der Prometheus-Mythologie die Problematik der modernen, technisierten Welt und die Konstellation der Gegensätze zwischen Prometheus und Epimetheus gestaltet.
- Mythologische Bearbeitung bei Goethe
- Polarität von Prometheus und Epimetheus (Systole und Diastole)
- Die Rolle der Technik und ihre gesellschaftlichen Folgen
- Die Bedeutung der Kinder der Titanen (Phileros und Epimeleia)
- Umbruch von der antiken Welt zur Moderne
Auszug aus dem Buch
2. Systole und Diastole: Prometheus - Epimetheus
Das Thema des Festspiels ist also die Polarität der beiden ungleichen Brüder. Von Tat und Reflexion, vita acvtiva und vita centemplativa, Prometheus und Epimetheus. Beide Bereiche des Lebens dieser Brüder erscheinen verderblich und getrennt. Es herrscht eine „sinnentleerte, gewalttätige Ordnung, und die Reintegration, die wechselvolle Durchdringung der verschiedenen Bereiche.“
Die Perspektive des Dramas verweist auf eine mögliche Verbindung der sinnvollen, menschenfreundlichen Gestaltung der Arbeit mit der Kunst (Kultur), die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht entzieht. Mit der Umbesetzung der Vaterrolle, von Zeus zu Prometheus selbst, wird das Feuer zum Mittel der Unterwerfung genutzt; als Bedingung des Überlebens auf Erden. An die Stelle Prometheus ist ein neuer Sohn gekommen: Phileros, der Sohn des Prometheus. Dieser Sohn stellt mit seiner Verbindung zur Tochter von Pandora und Epimetheus die nächste Generation dar, die das urzeitliche Dilemma von Trotz und Unterwerfung bereits hinter sich gelassen hat. Aber auch dieses Paar der nachfolgenden Generation macht erste Erfahrungen mit Gewalttätigkeiten. So muss der eigene Vater den Sohn davon abhalten, Epimeleia zu verletzen. Prometheus fordert damit genau das von seinem Sohn, was er selbst „hochmütig und trotzig“ einst missachtet hat: Er fordert von seinem Sohn den Respekt und die Treue gegenüber dem Vater.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt das Festspiel "Pandora" vor und erläutert die thematische Auseinandersetzung mit dem Prometheus-Mythos im Kontext der modernen Arbeitswelt.
1. Zur Entstehung des Werkes: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte von "Pandora" als Auftragsarbeit und analysiert Goethes fragmentarische Herangehensweise sowie seine Umdeutung der mythischen Figuren.
1.1 Mythologischer Stoff und Goethes Bearbeitung: Es wird der traditionelle Prometheus-Mythos skizziert und aufgezeigt, wie Goethe diesen für seine spezifische Bearbeitung rezipiert und transformiert hat.
2. Systole und Diastole: Prometheus - Epimetheus: Das Kapitel erläutert die zentrale Polarität zwischen den beiden Brüdern, die als Repräsentanten für unterschiedliche Lebensformen (Tat vs. Reflexion) fungieren.
2.1 Prometheus: Eine detaillierte Analyse der Figur des Prometheus als Technokrat und Vertreter der modernen, nutzenorientierten Arbeitswelt.
2.2 Epimetheus: Diese Sektion widmet sich dem kontemplativen Epimetheus, der der Vergangenheit zugewandt ist und für den die Realisierung seiner Träume unerreichbar bleibt.
2.3 Phileros und Epimeleia – die Kinder der Titanen: Das Kapitel beleuchtet die Rolle der nächsten Generation, deren Liebe und Schicksal die bestehenden Gegensätze der Väterwelt aufbrechen.
3. Alte Zeiten und neues Zeitalter – Mythos und Moderne: Hier wird der philosophische Zusammenhang von Technik, Gesellschaft und dem Bruch mit der Antike erörtert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Gattung, die Umdeutung des Mythos und die Thematisierung des technischen Fortschritts bei Goethe zusammen.
Schlüsselwörter
Goethe, Pandora, Prometheus, Epimetheus, Mythos, Moderne, Technik, Arbeitswelt, Polarität, Systole, Diastole, Aufklärung, Fragment, Philanthropie, Zivilisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert J. W. Goethes Festspiel "Pandora" hinsichtlich der Darstellung des Übergangs von einer antiken Mythenwelt zu einer modernen Gesellschaft, wobei der Fokus auf dem Prometheus-Mythos liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Polarität zwischen Tat und Reflexion, die Rolle der Technik als Machtmittel, die Interpretation der Frauenrolle Pandoras und die Transformation der Gesellschaft im 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Goethe am Beispiel des Prometheus-Mythos die Problematik der modernen Arbeitswelt und die wechselvolle Durchdringung von Mensch, Natur und Technik gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Dramenfragments durchgeführt, die den Text in einen ideengeschichtlichen und philosophischen Kontext zur Technik- und Mythosdeutung einbettet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehungsgeschichte, der detaillierten Charakteranalyse von Prometheus und Epimetheus sowie der Bedeutung ihrer Kinder und dem philosophischen Wandel von der Antike zur Moderne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Goethe, Prometheus, Technik, Moderne, Mythos, Polarität, Systole und Diastole sowie Zivilisation.
Welche Funktion hat die Figur des Prometheus bei Goethe in diesem Werk?
Im Gegensatz zu früheren Werken zeichnet Goethe Prometheus hier nicht als heldenhaften Aufklärer, sondern als Technokraten und Sinnbild der modernen Arbeitswelt, die alles dem Nutzen unterwirft.
Was bedeutet das "Systole und Diastole"-Schema in der Arbeit?
Es ist ein zentrales Strukturmodell, das Prometheus (Systole/Zusammenziehen/Arbeit) und Epimetheus (Diastole/Dehnung/Kontemplation) als zwei unvereinbare, aber aufeinander angewiesene Welten darstellt.
Warum spielt die Figur der Pandora eine entscheidende Rolle, obwohl sie nicht auftritt?
Ihre geplante Rückkehr und ihre symbolische Aufwertung als Geschenkbringerin fungieren als notwendiger Ausgleichspunkt, um die starre, gewalttätige Ordnung der Welt des Prometheus zu überwinden.
- Quote paper
- Master of Arts Alexander Monagas (Author), 2006, Klassischer Mythos und moderne Arbeitswelt in J. W. Goethes Pandora, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71978