Die Unternehmensbewertung erfolgt aus mannigfachen Gründen, wie dem Generationswechsel ohne Nachfolger von kleinen und mittelständigen Unternehmen, dem Verkauf von Unternehmensteilen z.B. innerhalb einer Outsourcingstrategie, dem Zukauf von Kompetenzen um Synergieeffekte zu erhalten, der Übernahme eines Konkurrenten zur Gewinnung von Marktanteilen, der Liquidation eines Unternehmens und dem Börsengang eines Unternehmens, um nur einige Gründe zu nennen.
Für den Verkäufer und den Käufer stellen sich u.a. folgende Fragen: Wie viel ist das Unternehmen Wert? Besteht der Wert nur aus dem Anlagevermögen oder sind zukünftige Erfolge mit zu berücksichtigen? Soll der „Goodwill“ des Unternehmens mitbedacht werden?
Auf diese komplexen Fragen geht die Unternehmensbewertung mit ihren unterschiedlichen Methoden und Verfahren ein. Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten zur Bewertung von Unternehmen wird in dieser Arbeit auf die wesentlichen, die in Deutschland anerkannten, Methoden eingegangen. Hierbei wird ein Schwerpunkt auf die Ansätze der Gesamtbewertungsverfahren gelegt. Generell werden die essentiellen Merkmale erläutert, sowie die Anlässe und Zwecke der Bewertung beleuchtet.
Durch die divergierenden Positionen des Investors und des Verkäufers ergeben sich nicht selten verschiedene Problemfelder innerhalb der Bewertung, auf die hier ebenfalls speziell näher eingegangen wird. In diesem Zusammenhang wird insbesondere auf die Bedeutung des Gutachters, die Probleme, die sich aus Informationsasymmetrien zwischen Käufer und Verkäufer ergeben, sowie die Berechnung des Kapitalzinsfußes eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
2 Grundlagen der Unternehmensbewertung
2.1 Bewertungsanlässe
2.2 Bewertungszwecke
3 Methoden der Bewertungsverfahren
3.1 Gesamtbewertungsverfahren
3.1.1 Ertragswertmethode
3.1.2 DCF-Methode
3.1.3 Multiplikatorverfahren
3.2 Einzelbewertungsverfahren
3.2.1 Substanzwert mit Reproduktionswert
3.2.2 Substanzwert mit Liquidationswert
3.3 Mischverfahren
3.3.1 Mittelwertverfahren
3.3.2 Übergewinnverfahren
4 Ausgewählte Problemfelder der Unternehmensbewertung
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen strukturierten Überblick über die wesentlichen, in Deutschland anerkannten Verfahren der Unternehmensbewertung zu geben, ihre Anlässe und Zwecke zu beleuchten und kritische Problemfelder bei der praktischen Anwendung aufzuzeigen.
- Grundlagen und Anlässe der Unternehmensbewertung in der Praxis
- Methodik der Gesamtbewertungsverfahren (insb. Ertragswert- und DCF-Methode)
- Verfahren der Einzelbewertung und Mischverfahren
- Kritische Analyse von Problemfeldern wie Informationsasymmetrien
- Bedeutung von Gutachtern und der Kapitalisierungszinssatz-Problematik
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Multiplikatorverfahren
Das Multiplikatorverfahren findet, aufgrund seiner einfachen Anwendbarkeit, in der Praxis häufig seine Anwendung bei Freiberuflern sowie kleinen und mittelständigen Unternehmen. Es dient aber auch der Plausibilitätskontrolle der Bewertungen nach dem DCF- oder Ertragswertverfahren, insbesondere bei der Analyse von Aktienkursen. Dabei bestimmt das Multiplikatorverfahren den Unternehmenswert anhand von konkreten, tatsächlich realisierten Marktpreisen von vergleichbaren Unternehmen.
Die Unternehmensanalyse erfordert einen Bewerter, der über ein umfangreiches Wissen hinsichtlich der Branchenzugehörigkeit, der Wettbewerbsposition, des zu erwartenden Unternehmenswachstums, künftigen Margenentwicklungen und den Kapitalstrukturen des Unternehmens verfügt. Des Weiteren müssen die Finanzdaten aufbereitet und bereinigt werden, da bei dieser Methode nur normalisierte Ergebnisse relevant sind. In dem Fall, dass die Bewertung auf den laufenden Geschäftsjahr bzw. zukünftigen Geschäftsjahren erfolgen soll, müssen Ergebnisse prognostiziert werden. Dies geschieht üblicherweise durch die Eigentümer des Unternehmens oder einen Bewerter.
Zur Auswahl der Multiplikatoren kann der Bewerter für die Unternehmensbezugsgröße entweder Strom- (Gewinn, Cashflow, Umsatz etc.), Bestands- (Buchwert des Eigenkapitals etc.) oder Wertgrößen (Börsenkurs, Transaktionspreis etc.) anwenden. Für den Multiplikator selbst sind, je nach Industrie- bzw. Branchensektor, eigene Multiplikatoren relevant. Liegen keine Vergleichsmultiplikatoren vor, müssen vom Bewerter selbst vergleichbare Unternehmen und Transaktionen herangezogen werden. Bei Aktienanalysen sind entweder Equity-Value-Multiplikatoren (Kurs-Gewinn-Verhältnis) oder Enterprise-Value-Multiplikatoren (auf Basis des EBIT) verbreitet. Diese beiden Verfahren sind jedoch, aufgrund fehlender Vergleichsstatistiken, in Deutschland nicht sehr gebräuchlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Unternehmensbewertung ein, nennt typische Anlässe für Gutachten und skizziert die methodische sowie problemorientierte Ausrichtung der Arbeit.
2 Grundlagen der Unternehmensbewertung: Hier werden Bewertungsanlässe systematisiert und die theoretischen Konzepte hinter den verschiedenen Bewertungszwecken (objektiv, subjektiv, funktional) erläutert.
3 Methoden der Bewertungsverfahren: Das Kapitel bietet eine detaillierte Darstellung und mathematische Herleitung der drei Hauptgruppen von Bewertungsverfahren: Gesamt-, Einzel- und Mischverfahren.
4 Ausgewählte Problemfelder der Unternehmensbewertung: Hier wird kritisch auf die Rolle des Gutachters, das Problem der Informationsasymmetrie zwischen Käufer und Verkäufer sowie die Herausforderungen bei der Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes eingegangen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die methodischen Empfehlungen zusammen und betont die übergeordnete Bedeutung einer sorgfältigen Due Diligence für eine fundierte Wertermittlung.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Ertragswertverfahren, DCF-Methode, Multiplikatorverfahren, Gesamtbewertungsverfahren, Substanzwert, Goodwill, Kapitalisierungszinssatz, Due Diligence, Informationsasymmetrie, Unternehmenswert, Bewertungsgutachten, Shareholder Value, Cashflow, Unternehmensplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen, die gängigen Methoden und die spezifischen Probleme bei der Bewertung von Unternehmen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Systematisierung von Bewertungsanlässen, die detaillierte Darstellung von Bewertungsverfahren und die Diskussion praktischer Schwierigkeiten bei Unternehmensakquisitionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über anerkannte Bewertungsmethoden zu geben und insbesondere auf die Problemfelder bei der Wertermittlung, wie Informationsasymmetrien, hinzuweisen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse betriebswirtschaftlicher Standards sowie der Darstellung mathematischer Bewertungsmodelle wie dem Ertragswertverfahren und dem DCF-Verfahren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Verfahren (Gesamt-, Einzel- und Mischverfahren) sowie die Analyse der Problemfelder bei der praktischen Bewertungsdurchführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Unternehmensbewertung, Ertragswert, DCF-Methode, Due Diligence und Informationsasymmetrie.
Warum ist das Multiplikatorverfahren laut der Arbeit besonders praxisrelevant?
Aufgrund seiner einfachen Anwendbarkeit wird es häufig bei kleineren Unternehmen genutzt oder dient als ergänzende Plausibilitätskontrolle zu komplexeren Verfahren.
Welche Rolle spielt die Informationsasymmetrie bei der Bewertung?
Sie stellt ein zentrales Problem dar, da der Verkäufer über mehr unternehmensinterne Informationen verfügt als der Käufer, was die Wertermittlung erschwert und die Notwendigkeit einer Due Diligence unterstreicht.
- Citation du texte
- Dipl.-Kfm. Jan Otto (Auteur), 2006, Ausgewählte Methoden und Probleme der Unternehmensbewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72018