Herrschaftslegitimation des Tiberius als Nachfolger des Augustus


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

40 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Erbe des Augustus

3. Die Quellenlage bei Tiberius
3.1 Velleius Paterculus
3.2 Sueton
3.3 Tacitus
3.4 Cassius Dio

4. Tiberius´ Werdegang bis hin zur Übernahme des Prinzipats
4.1. Die Jugend bis hin zur Scheidung von Agrippina
4.2. Die unglückliche Ehe mit Iulia und das freiwillige Selbstexil auf Rhodos
4.3. Die Rückkehr nach Rom und die anschließende Adoption durch Augustus
4.4. Die Amtsübernahme nach dem Tod des Augustus
4.5 Die ersten Regierungsjahre
4.6 Rückzug auf Capri und die politischen Folgen

5. Eigenschaften des Tiberius
5.1 Die Persönlichkeit des zweiten Prinzeps
5.2 Das Verhältnis des Tiberius zum Senat

6. Tiberius im Schatten des Augustus
6.1 Augustus´ Einfluss durch die erzwungene Eheschließung mit Iulia – ein Schlüsselerlebnis für Tiberius
6.2. Tiberius´ Regentschaft im Vergleich mit Augustus

7. Fazit

8. Quellen- und Literaturverzeichnis:
8.1 Quellen
8.2 Literatur

Internet

1. Einleitung

Bei einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Charaktereigenschaften des Tiberius, seinem Wirken als zweiter Prinzeps und Nachfolger des Augustus und nicht zuletzt mit der Art und Weise, wie er von seinem Stiefvater als Nachfolger bestimmt und verstanden wurde, ist nicht zu übersehen, dass sich das Tiberius- Bild in der Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten gewandelt hat.[1]

Die Zeiten der Schwarz-Weiß-Malerei, im Hinblick auf Tiberius´ politische Rolle wie auch in Bezug auf die Bewertung seiner Persönlichkeit, sind längst vorüber. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde Tiberius meist als heuchlerischer und böswilliger Despot charakterisiert[2]. Hermann Schiller und Theodor Mommsen hingegen kommen im letzten Jahrhundert zu einer äußerst positiven Beurteilung seiner Person.[3]

Die Forschungsliteratur, an dieser Stelle sei besonders auf Ernst Kornemanns Tiberius-Biographie und eine weitere Biographie des israelischen Historikers Zvi Yavetz hingewiesen, fokussiert ebenfalls auf zwei grundsätzliche Charaktereigenschaften des Tiberius. Dies ist auf der einen Seite Tiberius als Opfer einer augusteischen Nachfolgepolitik, die ihn unwillkürlich als Notlösung aus Gründen der Staatsraison verstand. Tiberius wird hier als zutiefst gespaltene Persönlichkeit charakterisiert. Auf der anderen Seite werden Tiberius´ unzweifelhaft vorhandene Talente im Bereich der Diplomatie, der militärischen Führung und der Administration heraus gestellt.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem zweiten Princeps Tiberius und der Frage nach der Legitimation seiner Herrschaft. Dabei wird zu Beginn auf das Erbe Augustus´ sowie auf die Quellenlage bei Tiberius eingegangen, um die Ausgangssituation darzustellen. Im darauf folgenden Hauptteil werden Fragen zum jahrelangen Ausschauhalten des Augustus nach einem geeigneten Nachfolger aufgeworfen. Beleuchtet wird die Art und Weise, wie die Nachfolgepolitik in Bezug auf Zwangsvermählungen und -adoptionen betrieben wurde, sowie der widersprüchlich anmutende Charakter des Tiberius. Das Hauptaugenmerk gilt einerseits dem Verhältnis des Tiberius zu seinen Anverwandten und zu Augustus selbst. Andererseits sollen hier auch Tiberius´ charakterliche Merkmale Beachtung finden, die besonders unsere zeitgenössische Forschung bemüht ist zu ergründen.

Weniger im Fokus der Betrachtung steht die Regierungszeit, die von der Affäre um den Prätorianerpräfekten Seian geprägt war, der durch Intrigen zum zweiten Mann im Staat aufstieg, sowie die Nesiarchie des Regenten von Capri aus.

Um das Bild des Tiberius abzurunden, beschäftigt sich der sechste Abschnitt der Arbeit im ersten Teil mit dem Einfluss, den Augustus auf Tiberius hatte und inwieweit Tiberius dieser Einfluss geschadet bzw. geholfen hat. Im zweiten Teil des sechsten Kapitels wird ein Vergleich der zwei Principes versucht, um dann ein Fazit zu ermöglichen. Zusammenfassend wird hier auf die Frage eingegangen, inwieweit Tiberius als Princeps und Nachfolger des Augustus legitimiert war und wodurch.

2. Das Erbe des Augustus

Das Prinzipat war die Schöpfung des Augustus und eine auf seine Person zugeschnittene Herrschaftsform. Darin waren monarchistische und republikanische Elemente verschmolzen. Es beruhte sowohl auf dem Heer, der eigentlichen Machtquelle, als auch auf dem Senat, der die rechtliche Legitimation gewährte, oder wie Kornemann formuliert: „Den Imperator schuf seit alters das Heer, den Augustus der Senat“.[4] Es war von entscheidender Bedeutung, sich auf die traditionelle römische Staatsform zu beziehen. Dies geschah, indem Augustus „die autoritäre Gewalt einer monarchischen Staatsführung in die alten Formen republikanischer Vorstellung kleidete“.[5] In der „res publica restituta“ sollte der Princeps Senator und „primus inter pares“ sein. Er sollte nicht außerhalb der republikanischen Führungsschicht stehen. Auf diese Weise wurde die soziale Stellung dieser noch machtvollen Schicht berücksichtigt und eine Verbindung zur alten Republik hergestellt. Jedoch wurden die republikanischen Verhältnisse nur zum Schein aufrechterhalten, um den sozialen Frieden mit der senatorischen Aristokratie zu erhalten. Vor dem Hintergrund der Bürgerkriege war dieser Wunsch verständlich.

Die Machtbefugnisse des Princeps bestanden zum einen im „imperium proconsulare maius“, das die Verfügung über das Heer und die Provinzen auch hinsichtlich der obersten Zivilgestalt gewährte.[6] Die Soldaten standen in einem Klientel-Verhältnis zum Princeps.

Dieses Klientel-Verhältnis war so beschaffen, dass der Patron seinen Klienten auf deren Bitte Beistand und materielle Fürsorge zukommen ließ, während die Klienten zur politischen Gefolgschaft gegenüber ihrem Patron verpflichtet waren.[7] Zum anderen bestanden die Machtbefugnisse des Princeps in der „tribunicia potestas“, die es dem Princeps ermöglichte, in Rom politisch tätig zu werden. Im einzelnen bedeutete dies das Interzessionsrecht gegenüber dem Magistrat und das Recht, „consilia plebis“, den Senat einzuberufen. Diese Bündelung der Macht wurde mit der Zeit unauftrennbar, schuf ein Gefälle zu Gunsten des Princeps und höhlte die traditionellen Machtbefugnisse des Senates aus.

Zur Stellung des Princeps gehörte auch die „auctoritas“, das soziale Prestige, das seine Basis im Klientelverhältnis hatte. In der republikanischen Zeit genossen die römischen Adelsfamilien „auctoritas“ aufgrund ihrer Leistungen für ihr Klientel. Im Prinzipat wuchs die Klientel des Princeps, während die Klientel der anderen Aristokraten immer kleiner wurde.[8] Die „auctoritas“, des Princeps war allgegenwärtig, aber nirgends konkret fassbar.[9] Des Weiteren war sie eine nicht institutionalisierte soziale Macht, die an die Person des Herrschers gebunden aber nicht erblich war wie die Klientel. Augustus wusste die „auctoritas“ gut einzusetzen und rühmte sich in seiner „res gestae“: „post id tempus auctoritate omnibus praestiti, potestatis autem nihilo amplius habui quam ceteri qui mihi quoque in magistratu conlegae fuerunt.“[10] Er verschleierte die wahren Machtverhältnisse und verstand es gut, den Senatoren ihren realen Machtschwund erträglich zu machen. Begünstigt wurde Augustus auch dadurch, dass die „securitas“, die das Principat gewährleistete, die Senatoren für die verschwundene „libertas“ entschädigte.[11]

Der Tod des Augustus stellte insofern eine kritische Stunde für Rom dar, denn nun handelte es sich darum, ob die Verfassung, die Augustus dem Staat gegeben hatte, auch ohne den großen Staatsschöpfer von Dauer sein oder nur eine Episode darstellen würde.[12]

Ein möglicher Nachfolger des Augustus musste viele Kriterien erfüllen, um dessen Erbe zu übernehmen. Bevor die Arbeit jedoch näher auf Tiberius und seine Legitimation eingeht, wird im nächsten Kapitel erst einmal die Quellenlage zur Zeit des Tiberius näher beleuchtet.

3. Die Quellenlage bei Tiberius

Um das Bild des Tiberius bei Velleius Paterculus, Sueton, Tacitus und Dio zu analysieren, wird hier zunächst ein kurzer, einführender Überblick über die Absichten des jeweiligen Verfassers dieser vier Gesamtdarstellungen gegeben.

3.1 Velleius Paterculus

Velleius Paterculus, der als Zeitzeuge sein Geschichtswerk schrieb, gehörte der Schicht der so genannten „Homines novi“ an, die sich im Laufe der Kaiserzeit zur neuen staatstragenden Schicht entwickelten.[13] Er hatte eine besondere Bindung zu Tiberius, da er ihm seinen gesellschaftlichen Aufstieg verdankte und ihm mit großer persönlicher Ergebenheit diente.[14] Obwohl Velleius Paterculus der einzige von den oben genannten Autoren ist, der Tiberius persönlich erlebt hat, gehört er zu den am schlechtesten überlieferten Schriftstellern des Altertums.[15] Historiker schätzen Velleius als naiven schmeichlerischen Chronisten ein, der dem Leser ein allzu paradiesisches und von Sicherheit und Glück gekennzeichnetes Bild der Zeit vermittelte.[16]

3.2 Sueton

Sueton (von 70 bis 140 n. Chr.) steht mit seinen Kaiserviten in der Tradition der antiken Biographie.[17] Der antiken Biographie geht es vornehmlich darum, die Wesenszüge eines einzelnen Menschen zu beschreiben. Dabei werden bedeutende Ereignisse als bekannt vorausgesetzt, historische Zusammenhänge verkürzt oder auch ganz weggelassen. Auch wird oft die Chronologie vernachlässigt.

Sueton versuchte dem weit verbreiteten Interesse seiner Zeit an intimen Details über die Kaiser und ihre engste Umgebung entgegenzukommen.[18] Um die einzelnen Rubriken zu füllen, riss er oft Fakten aus dem Sach- oder chronologischen Zusammenhang und presste sie in ein vorgefertigtes Schema, in das sie nicht hineingehörten.

Er verallgemeinerte, wenn etwas bewiesen oder belegt werden sollte; die Tatsachen interessieren nur insoweit, als sie den Kaiser charakterisieren.[19] Für das Tiberiusbild bei Sueton bleibt festzuhalten, dass die von ihm gebotenen Fakten und Einordnungen häufig eher vorsichtig aufzunehmen sind.[20]

3.3 Tacitus

Tacitus (von 55 bis 115 n. Chr.) verfolgte eine andere Zielsetzung als Sueton. Er wollte die senatorische Führungsschicht politisch belehren und zum rechten Handeln auffordern. Da er als Historiker die Gründe und tiefen Zusammenhänge der Ereignisse suchte und aufzeigen wollte, wählte er Fakten aus und gruppierte sie seiner Anschauung entsprechend. Dabei ließ er auch kleinere, beispielsweise chronologische Verschiebungen zu, wobei der Kern der Handlung aber gewahrt blieb.[21] Im Gegensatz zu Sueton interessiert ihn nicht die gesamte Persönlichkeit des Kaisers, sondern nur der moralisch-politische Aspekt; der Einfluss auf das Staatsleben hat.

Zusammenfassend lässt sich über Tacitus sagen, dass auch bei ihm die Person des Kaisers eine große Bedeutung hat, aber seine Absichten gingen über eine einfache Tiberiusbeschreibung weit hinaus.[22] Die heutige Forschungsmeinung warnt davor, jede diskreditierende Äußerung Tacitus´ ungeprüft zu übernehmen.[23]

Yavetz bewertet Tacitus´ Werk als durch böswillige Behauptungen und durch die weitaus übertrieben dargestellte Lasterhaftigkeit des Prinzeps gekennzeichnet. Dennoch wird in der Sekundärliteratur zu Tiberius fortlaufend Bezug auf den als scharfsinnig, wortgewandt und kritisch geltenden Tacitus genommen, denn eine klare Widerlegung seiner Schilderung ist bisher auch nicht gelungen.[24]

3.4 Cassius Dio

Cassius Dios (von 155 bis 235 n. Chr.) Darstellungsweise der Kaiserzeit ist im wesentlichen an der Person des jeweiligen Kaisers orientiert. Er wollte nur die der Öffentlichkeit als wahrscheinlichste Variante geltende Version bieten, da seit der Kaiserzeit einfach zu viele Dinge nicht mehr letztlich überprüfbar seien angesichts der Geheimniswahrung am kaiserlichen Hof.

Was Dios politische Einstellung anbelangt, so war zu Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus längst keine Alternative zum Prinzipat als Staatsform mehr ernsthaft denkbar. Insgesamt wird Cassius Dio in der Literaturgeschichte nach wie vor „stiefmütterlich“ behandelt. Wenn man den Umfang seines Werkes berücksichtigt, dann war es, laut Baar, kaum vermeidbar, dass er sich nicht zu allen Einzelheiten ein abgewogenes Urteil bilden konnte.[25]

4. Tiberius´ Werdegang bis hin zur Übernahme des Prinzipats

4.1. Die Jugend bis hin zur Scheidung von Agrippina

Die Geburt des Tiberius Claudius Nero ist auf den 16. November 42 v. Chr. in Rom datiert. Er stammte aus dem alten Adelsgeschlecht der Claudier. Sein Vater und Großvater mütterlicherseits galten als traditionsbewusste Anhänger der Republik. Da eine adlige Herkunft eine der wichtigsten Bedingungen für die Legitimierung als Herrscher darstellte, sei hier eine Aussage von Tacitus angebracht: „[…]sanctos acceptosque numinibus Claudios[…]“[26] Was die familiäre Herkunft betrifft, stand Tiberius´ Weg zum Principat nichts entgegen.

Zudem, so erfahren wir bei Velleius[27], war Tiberius´ Mutter Livia durch ihren Charakter und ihr Aussehen eine der ersten Frauen Roms und sein Vater[28] von höchster Bildung. Zu der Quelle über die Mutter ist noch hinzuzufügen, dass nicht nur Velleius sie so empfand, sondern sie sich selbst auch als erste Frau sah. Man konnte davon ausgehen, dass sie alles tun würde, um diese Position zu sichern. Später würde sie auch ihren Sohn an diese Stelle zu führen.

Sueton schreibt in seiner Kaiserbiographie von einer Begebenheit die schon vor der Geburt des Tiberius voraussagte, dass er dereinst eine besondere Stellung einnehmen würde: „[…]Praegnans eo Livia cum an marem editura esset, variiscaptaret ominibus, ovum incubanti gallinae subductum nunc sua nunc ministrarum manu per vices usque fovit, quoad pullus insigniter cristatus exclusus est. Ac de infante Scribonius mathematicus praeclara spopondit, etiam regnaturum quandoque, sed sine regio insigni, ignota scilicet tunc adhuc Caesarum potestate[…]“[29]

Das Hähnchen mit dem auffälligen Kamm steht hier also für Tiberius, dem man auf Grund dieser Begebenheit eine besondere Stellung voraus sagte. Darüber hinaus wird die Besonderheit des Tiberius in seiner Jugend durch Scribonius Aussage gefestigt. Scribonius sagte Tiberius eine „praeclara“ (glänzende) Zukunft voraus. Allein durch das Wort „praeclara“ wird dem Leser die Wichtigkeit der Stellung deutlich.

Im Jahr 39 v. Chr. ließ Livia sich von ihrem Mann scheiden und ehelichte im Jahre 38 den Augustus. Eine, wie sich herausstellen sollte, entscheidende Begebenheit, die die Zukunft des Tiberius nachhaltig beeinflusst hat. Er selbst und sein vier Jahre jüngerer Bruder Drusus wuchsen im Haus ihres leiblichen Vaters auf, bis dieser im Jahre 33 v. Chr. starb. Beim Tod seines Vaters hielt Tiberius im Alter von 9 Jahren eine Lobrede am Grab, was ihn im öffentlichen Leben der römischen Aristokratie positionierte. Seitdem waren beide im Hause ihres Stiefvaters Augustus aufgenommen und wurden unter dessen Vormundschaft erzogen.

Die weitere Jugendzeit des Tiberius verlief scheinbar weitgehend ereignislos. Aus der Quelle von Velleius erfahren wir noch, dass ,„[…]Tiberius eine Erziehung [genoss], die sich auf höhere Weisungen gründete: er wuchs heran zu einem jungen Mann, dem alle Vorzüge zu Gebote standen: eine Edle Geburt, gutes Aussehen, eine hoheitsvolle Gestalt, dazu die beste Ausbildung und hervorragende Geistesgaben[…]“.Er zeigte sogleich hoffnungsvolle Anzeichen seiner künftigen Größe und erwies sich schon von seiner Erscheinung her als der nachmalige Princeps.[30]

Hinsichtlich seiner Bildung und geistigen Begabung brachte Tiberius somit laut Velleius die besten Voraussetzungen für ein hohes Amt mit. Auch durchlief er ordnungsgemäß die Ämterlaufbahn (Quästor, Praetor und Konsul). Hierzu ist noch anzumerken, dass er die Quästur zwei Jahre früher bekam und dazu das Privileg erhielt, das Amt des Praetors bzw. des Konsuls fünf Jahre früher als gesetzlich vorgeschrieben anzutreten.[31]

Kurz nach dem Anlegen der Männertoga im Jahr 27 v. Chr. begann seine militärische Ausbildung. Ein Jahr später begleitete er Augustus in den Krieg gegen die Kantabrer, ein Volk im Nordwesten des heutigen Spaniens. In den folgenden Jahren schlossen sich weitere militärische, diplomatische und politische Aufgaben an. Zu nennen ist etwa die Herbeiführung eines Thronwechsels in Armenien, zur damaligen Zeit der Hauptbrennpunkt an den Grenzen des Reiches, sowie im Jahre 15 v. Chr. Feldzüge im Gebiet Rätiens, die er zusammen mit seinem Bruder Drusus kommandierte.

Während Velleius die militärischen Qualitäten des Tiberius ausführlich beschrieb[32], beschränkte sich Tacitus auf die Aussage: „tot receptos in iuventa aut spretos triumphos“.[33] Die Tatsache, dass selbst Tacitus die Triumphe erwähnte, lässt deren Bedeutung erahnen, da er Tiberius tendenziell im negativen Licht erscheinen ließ. Die Betonung des militärischen Elements und die Verherrlichung errungener Siege war für den heranwachsenden Pinceps von höchster Bedeutung, denn militärische Erfolge waren es, die das römische Volk von den Kaisern als Legitimation ihrer Machtstellung forderte.

Im Jahr 12 v. Chr. verlor Augustus zum zweiten Mal seinen Nachfolger, diesmal in Person seines Schwiegersohnes Agrippa. Dies veranlasste ihn, wie schon nach dem Ableben des Marcellus im Jahr 23 v. Chr., potentielle Nachfolgekandidaten zu mustern. Hierbei traf Augustus eine Entscheidung, die Wissenschaftler als Schlüsselerlebnis für Tiberius bezeichnen. Dieser musste sich nämlich auf Augustus´ Drängen hin von Agrippina scheiden lassen, obwohl es eine für die damalige Zeit glückliche Ehe war, um die einzige Tochter des Augustus Iulia zur Frau zu nehmen.[34] Ein, wie sich später zeigen sollte, persönliches Opfer, das Tiberius dem Staat und der Nachfolgeregelung seines Stiefvaters zu erbringen hatte.

[...]


[1] Vgl. Baar, S.9.

[2] Vgl. Yavetz, Tiberius, S.169.

[3] Vgl. Kornemann, Tiberius, S.5.

[4] Vgl. Kornemann, Prinzipat, S.20.

[5] Vgl. Duckeit, S.169.

[6] Vgl. Bleicken, VerGesch, S.28f.

[7] Vgl. Premerstein, S.101ff.

[8] Vgl. Bergener, S.11.

[9] Vgl. Bleicken, VerGesch, S.45.

[10] Augustus: Res gestae 34, Übers v. Marion Giebel, S.39: „[…]Seit dieser Zeit überragte ich alle übrigen an Autoritas, an Amtsgewalt aber besaß ich nicht mehr als die anderen, die ich auch im Amt zu Kollegen hatte.“

[11] Vgl. Bergener, S.9.

[12] Vgl. Kornemann, Tiberius, S.53.

[13] Vgl. Kuntze, Claudia, S.254.

[14] Vgl. Ebd., S.259.

[15] Vgl. Giebel, S.279.

[16] Vgl. Yavetz, S.13-19.

[17] Vgl. Gugel, S.5ff.

[18] Vgl. Wittke, S.32.

[19] Vgl. Hilpert, S.43.

[20] Vgl. Baar, S. 14.

[21] Vgl. Arnold, S:164.

[22] Vgl. Baar, S.16.

[23] Vgl. Ebd., S.17.

[24] Vgl. Yavetz, S.169-172.

[25] Vgl. Baar, S. 18.

[26] Tac. Ann, IV, 63-66, Übers: „[…] heilig und Schützlinge der Götter seien eben die Claudier, […]“

[27] Vell. II, 75 (2);Übers. „Sehen wir Livia: Sie war die Tochter des edlen, tapferen [Livius] Drusus Claudianus, von ihrem Adel, ihrem Charakter und ihrer Schönheit her die erste der Frauen Roms.

[28] Vell. II,75 (1),Übers.„[…}, der Vater des Tiberius Caesar war ein Mann von nobler Gesinnung und höchster Bildung, der sich zum Patron der Landenteigneten erklärt hatte[…]“

[29] Suet. Tib. 14,2, Übers. „[…]Als Livia mit ihm schwanger ging, versuchte sie aus verschiedenen Vorzeichen herauszubringen, ob sie einen Sohn gebähren werde. Einer brütenden Henne nahm sie ein Ei weg und hielt es teils in ihrer, teils in der Hand ihrer Dienerinnen so lange warm, bis ein Hähnchen mit einem auffallend brächtigen Kamm ausschlüpfte. Schon dem kleinen Kind hatte der Astrologe Scribonius eine glänzende Zukunft vorausgesagt, auch daß er einmal König sein werde, aber ohne das Abzeichen eines Königs; verständlich, denn man wußte ja damals noch nichts von der Macht, die die Kaiser heute besitzen[...]“

[30] Vell. II; 94 (2)

[31] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Tiberius

[32] Vell. II, 122,(1).

[33] Tac. Ann, III, 47,4.Übers. v. Heller, S.255: “[…]nach so vielen Triumphen, die er in seiner Jugend erhalten hat[…]!

[34] Vgl. Clauss, S.50/51.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Herrschaftslegitimation des Tiberius als Nachfolger des Augustus
Hochschule
Universität Stuttgart  (Abteilung für Alte Geschichte)
Veranstaltung
HS: Vierkaiserjahr
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
40
Katalognummer
V72030
ISBN (eBook)
9783638633918
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herrschaftslegitimation, Tiberius, Nachfolger, Augustus, Vierkaiserjahr
Arbeit zitieren
Manuela Schilli (Autor), 2007, Herrschaftslegitimation des Tiberius als Nachfolger des Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72030

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