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Das osmanische Hofzeremoniell des 15. und 16. Jahrhunderts aus Sicht der abendländischen Gesandten

Título: Das osmanische Hofzeremoniell des 15. und 16. Jahrhunderts aus Sicht der abendländischen Gesandten

Trabajo , 2006 , 26 Páginas , Calificación: 11 Punkte

Autor:in: Björn Müller (Autor)

Historia de Europa - Edad Media, Edad Moderna
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Das Leben am Hof des osmanischen Sultans stellte sich für viele Generationen im Abendland Lebender äußerst geheimnisvoll dar und bot so eine Grundlage für zahlreiche Spekulationen. Sagenhafte Geschichten rankten sich um das Leben am Hofe des Sultans. Die Berichte solcher, welche dort eine Zeit lang verbracht und wieder heimkehrten, trugen nicht immer zur Entmystifizierung der dortigen Lebensart bei. Denn wie könnte sich ein Herrscher noch geheimnisvoller gebärden, als wenn er, in seinem herrlichen und für Europäer durch seine Exotik fast schon märchenhaften Palast, nur hinter einem für den Besucher nicht durchsichtigem Gitter anwesend war?1 Dieses, und weitere für den abendländischen Besucher nicht ohne weiteres zu verstehende Bräuche führten zu der eben erwähnten Mystifizierung des osmanischen Hofes. Das osmanische Hofzeremoniell fand im 16. Jahrhundert seine endgültige Gestalt.2 Angestoßen durch Mehmeds Qânûnnâme und der Konzeption seiner Herrschaft als Weltherrschaft sowie ihm als Nachfolger der oströmischen Kaiser3 führte die Entwicklung zu einer immer weiter fortschreitenden Entrückung des Sultans. Diese Entwicklung des Hofzeremoniells wurde in früheren Zeiten immer wieder verkannt. Eine Folge dieser Ansicht war, dass man lange davon ausging, dass die Osmanen ihr Zeremoniell allein vom Byzantinischen Reich übernommen hätten.4 Ganz in dieser Tradition verhaftet, schreibt Franz Babinger in seinem Buch „Mehmed der Eroberer“: „Unzweifelhaft an byzantinische Vorbilder anknüpfend, wurde sowohl am Hof als auch in der Beamtenschaft eine Zeremonialordnung entwickelt, die ebenfalls von Mehmed II. in allen Punkten bestimmt ward.“5 Vor allem Konrad Dilger hat durch seine Arbeit „Untersuchungen zur Geschichte des osmanischen Hofzeremoniells im 15. und 16. Jahrhundert“ Überlegungen angestoßen, welche die Selbstständigkeit des osmanischen Hofzeremoniells betonen. Neben Dilger hat sich Gülru Necipoglu in Form einer Monographie der Thematik des osmanischen Zeremoniells angenommen. Allerdings liegt Necipoglus Schwerpunkt auf der Architektur der Palastanlagen. In der Forschung nimmt die Thematik des Hofzeremoniells nur eine Randstellung ein. Sind die beiden eben genannten Werke doch die einzigen zur Thematik.
==
1 Dernschwam 1986, S. 64
2 Dilger 1967, S. 1
3 Faroqhi 2004, S. 41
4 Dilger 1967, S. 1
5 Babinger 1987, S. 474

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einführung

Der Eintritt in den Serây

3. Die Audienz beim Sultan

3.1 Der Empfangssaal (´Arżodasï)

3.1. Das Betreten des Audienzraumes

3.2. Das Führen der Gesandten

3.3. Der Handkuss und die Verbeugung

3.4. Die Proskynese

3.5. Das Aufstehen und Entgegenkommen des Sultans

3.6. Das Sitzen und Stehen vor dem Sultan

3.7. Die Kopfbedeckung

3.8. Der Wortwechsel zwischen dem Sultan und den Gesandten

4 Der Thron des Sultans

5 Das Geschenkwesen

6 Die Bewirtung im Serây

6.1 Das Gastmahl für die Gesandten

6.2 Die Abhubregelung

7 Die Großen des Reiches und andere Untergebene des Sultans

7.1 Die Handhaltung und das Niederschlagen der Augen

7.2 Die Alqïš

8 Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das osmanische Hofzeremoniell des 15. und 16. Jahrhunderts, wobei der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung und der Erfahrung durch abendländische Gesandte liegt. Ziel ist es, die spezifischen Abläufe der Audienz beim Sultan sowie die zeremoniellen Interaktionen basierend auf zeitgenössischen Reiseberichten zu rekonstruieren und ihre Bedeutung im Kontext der Herrschaftsinszenierung zu analysieren.

  • Entwicklung des osmanischen Hofzeremoniells und Einflüsse auf dessen Gestaltung
  • Struktur der Audienz und Interaktionsrituale zwischen Sultan und Gesandten
  • Symbolik und Bedeutung des Geschenkwesens sowie der Bewirtung
  • Rolle und Verhalten der Untergebenen im höfischen Kontext
  • Wahrnehmung des Sultans als entrückte Herrscherfigur durch europäische Beobachter

Auszug aus dem Buch

3.2. Das Führen der Gesandten

Nach dem Betreten des Raumes mussten die Gesandten zuerst einmal stehen bleiben. Jetzt kamen „zwen Agella oder Verschnidte“, welche die Gesandten zum Sultan führten. Die Gesandten wurden hierzu an den Händen gefasst. Eine ausführliche Beschreibung dieses Brauches haben wir Salomon Schweigger zu verdanken. In seiner Reisebeschreibung formulierte er es folgendermaßen: „vor den Herren gieng ein Kapitßhiwascha ein obrister Thürhüter grosses ansehens/der trug in der Hand ein egyptisch Rohr/wie sie im rothen Meer wachsen/und beleitet die Herren Gesanten ins Gemach/gleich vor dem Gemach warteten vier Zauschen/die seyn Abelmessig/deren zween ergriffen einen aus der beiden Legaten zuvörderst an den Wammeßermeln/und griffen unter die Ermel/fürtens also für den Sultan hinein/unnd stiessen sie alßdann vor dem Sultan ganß ungestümmiglich und unfreundlich zu boden auff die Knie/ein Kämmerling oder Kapagaschi reicht den knienden Legaten deß Sultans/der gleich vor inen saß/Rockermel/den musten sie küssen.“

Über den Ursprung dieser Praxis gibt es verschiedene Thesen. Manchmal wird das Führen der Gesandten mit der Ermordung Murâds I. auf dem Amselfeld in Zusammenhang gebracht, manchmal aber auch mit einem auf Bâyezîd II. verübten Attentat. Eine andere Richtung vertritt die Meinung, dass es sich dabei um einen allgemeinen orientalischen Brauch handelt, oder auch um einen spezifisch byzantinischen. Konrad Dilger spricht sich gegen alle diese Theorien aus. Er sieht die Ursache für die Aufnahme dieses Rituals im Schutz des Großherren aus aktuellen Gegebenheiten heraus. Als Grundvoraussetzung dieser Verhaltensweise nennt er aber auch die immer stärkere Entrückung des Großherren. Fest steht jedoch, dass diese Praxis erstmalig im Jahr 1518 bei einem Empfang in Ägypten vorkommt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Der Abschnitt beleuchtet die Mystifizierung des osmanischen Hofes aus abendländischer Sicht und skizziert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Hofzeremoniell.

Der Eintritt in den Serây: Dieses Kapitel beschreibt den Weg des Gesandten durch die Tore und Höfe des Palastes bis zur eigentlichen Audienz.

3. Die Audienz beim Sultan: Untersuchung der Privataudienzen beim Sultan, inklusive der räumlichen Gestaltung und der spezifischen Begrüßungsrituale wie Handkuss und Proskynese.

4 Der Thron des Sultans: Analyse der Sitzgelegenheiten des Sultans und der Bedeutung der Körperhaltung bei der Audienz.

5 Das Geschenkwesen: Betrachtung der symbolischen Bedeutung von Geschenken als Tribut und Zeichen der Unterwerfung.

6 Die Bewirtung im Serây: Darstellung der täglichen Gastmähler für Hofvolk und Gesandte sowie der speziellen Abhubregelung.

7 Die Großen des Reiches und andere Untergebene des Sultans: Analyse der korrekten Handhaltung, des Verhaltens der Beamten und der Bedeutung des Alqïš-Zurufs.

8 Schlussbemerkung: Resümee über die Bedeutung der kulturellen Einflüsse auf das Zeremoniell und dessen Entwicklung hin zur stärkeren Distanzierung des Herrschers.

Schlüsselwörter

Osmanisches Hofzeremoniell, Sultan, Gesandte, Audienz, Serây, Hofordnung, Reiseberichte, Ärmelkuss, Proskynese, Geschenkwesen, Gastmahl, Alqïš, Herrscherdarstellung, 15. Jahrhundert, 16. Jahrhundert

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Zeremoniell am Hof des osmanischen Sultans im 15. und 16. Jahrhundert aus der spezifischen Perspektive abendländischer Gesandter.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Audienzrituale, das Geschenkwesen, die Bewirtung, die architektonischen Rahmenbedingungen der Palastanlagen sowie die Entwicklung der Herrscherdarstellung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Rekonstruktion und Analyse der Empfangszeremonien für abendländische Besucher, um zu verstehen, wie das osmanische Hofzeremoniell zur Distanzierung des Sultans beitrug.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine quellenkritische Analyse zeitgenössischer Reiseberichte von Gesandten, Kaufleuten und Gefangenen, ergänzt durch Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt detailliert den Ablauf vom Eintritt in den Serây über die Audienz, die Nutzung des Thrones, das Geschenkwesen und die Bewirtung bis hin zum Verhalten des Hofstaates.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind osmanisches Hofzeremoniell, Audienz, Gesandte, Sultan, Reiseberichte und Herrschaftsinszenierung.

Warum wurden abendländische Gesandte im 16. Jahrhundert in Privataudienzen empfangen?

Durch die Konzeption der Herrschaft als Weltherrschaft verstärkte sich die Entwicklung zur Entrückung des Sultans, was zu einer Reduzierung öffentlicher Empfänge zugunsten privater Audienzen führte.

Welche Rolle spielte der "Alqïš" im höfischen Zeremoniell?

Der Alqïš war ein organisierter Zuruf positiven Inhalts gegenüber dem Herrscher, der ursprünglich spontan erfolgte, später jedoch zu einem festen, befohlenen Bestandteil des Zeremoniells wurde.

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Detalles

Título
Das osmanische Hofzeremoniell des 15. und 16. Jahrhunderts aus Sicht der abendländischen Gesandten
Universidad
Saarland University  (Historisches Institut)
Calificación
11 Punkte
Autor
Björn Müller (Autor)
Año de publicación
2006
Páginas
26
No. de catálogo
V72039
ISBN (Ebook)
9783638633956
Idioma
Alemán
Etiqueta
Hofzeremoniell Jahrhunderts Sicht Gesandten
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Björn Müller (Autor), 2006, Das osmanische Hofzeremoniell des 15. und 16. Jahrhunderts aus Sicht der abendländischen Gesandten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72039
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