Kartelltheorie am Beispiel der OPEC


Seminararbeit, 2006

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Einleitung

Das Hauptziel dieser Arbeit soll darin bestehen, zu klären, ob und inwiefern die OPEC als Kartell angesehen werden kann und warum die OPEC-Kooperation trotz einiger Faktoren, die dagegen sprächen, bereits über einen so langen Zeitraum stabil bleibt. Bevor diese Fragen beantwortet werden, möchte ich aber zunächst auf einige allgemeine Themen betreffend Kartelle und die OPEC eingehen.

1. Kartell und Kartellarten

Ein Kartell ist nach Wied-Nebbelings Definition eine „Vereinbarung zwischen rechtlich selbstständigen Wirtschaftssubjekten einer Marktseite, (mit dem Ziel) [Anm. d. Verf.], den zwischen ihnen bestehenden Wettbewerb zu beschränken.“[1]

Man unterscheidet Kartelleje nach Vertragsart nach

a) Gebietskartell (jedes Unternehmen hat ein eigenes Absatzgebiet)

b) Konditionskartell (gemeinsame Zahlungs- und Lieferbedingungen und Lieferzeiten)

c) Kontingierungskartell (Festlegung der Produktionsmenge pro Jahr fürjedes Unternehmen)

d) Preiskartell (Festlegung der Verkaufspreise)

e) Generalkartell ((internationale) Dachorganisation mehrerer Kartelle)

f) Syndikat (gemeinsame Verkaufsorganisation; straffste Form des Kartells).[2]

Die OPEC stellt ein Kontingierungs- bzw. Preiskartell dar. Je nach Ziel und (ökonomischen) Voraussetzungen wird die Produktionsmenge fürjedes Mitglied festgelegt oder der Erdölpreis festgesetzt.

1.1 Stabiles und instabiles Kartell

1.1.1 Die vorteilhafte Außenseiterposition

Werden im Zuge eines Kartellvertrags bestimmte Preise vereinbart, so müssen auch die Absatzmengen festgelegt werden, da dieser Preis nur gehalten werden kann, wenn die zu produzierenden Mengen beschränkt werden.[3]Nun kann es Vorkommen, dass es für einen Anbieter nicht von Vorteil ist, Mitglied des Kartells zu werden, da der Gewinn größer sein kann, wenn erNutzen zieht aus dem erhöhten Kartellpreis, aber mehr produziert, als er als Kartellmitglied dürfte. Man nennt dies die „vorteilhafte Außenseiterposition“. Da Kartelle an dieser Problematik oft scheitern, handelt es sich dabei um instabile Kartelle. Umgekehrt ist ein Kartell nur dann stabil, wenn es sich lohnt, Kartellmitglied zu sein und nicht die Außenseiterposition einzunehmen, also wenn als Kartellmitglied ein höherer Gewinn möglich ist.[4]

Ebenso stellt die Situation des Gefangenendilemmas, auf das später aber noch näher eingegangen wird, ein Hindernis für die Instabilität eines Kartells dar.

1.1.2 Weitere Kriterien zur Stabilität von Kartellen

Der Vollständigkeit halber sollen an dieser Stelle Wied-Nebbelings weitere Kriterien zur Stabilität von Kartellen aufgeführt werden, auch wenn sie zum Teil nicht für die Beantwortung der Fragestellung dieser Arbeit relevant sind:

„Eine Kartellvereinbarung kommt um so eher zustande,

- je geringer die Anbieterzahl ist,

- je ähnlicher sich die Kostensituation darstellt,

- j e mehr Einigkeit über die Zielsetzung herrscht,

- j e weniger die Umsetzung der Vereinbarung kostet,

- j e geringer das Risiko der Entdeckung durch die Kartellbehörden undje höher der erwartete zusätzliche Gewinn im Vergleich zu der drohenden Geldbuße ausfallen,

- j e stabiler die Nachfrage ist,

- j e besser die Marktübersicht und die Möglichkeiten zu einer schnellen 'Bestrafung' abtrünniger Kartellmitglieder sind,

- je höher die Markteintritts- und -austrittsschranken sind,

- je besserdie Investitionspolitik abgestimmt wird und

- je homogener die Produkte sind.“[5]

2. Die OPEC

2.1 Die OPEC und ihre Gründung

OPEC ist die Abkürzung für Organization of the Petroleum Exporting Countries, also die Organisation der Erdölexportländer. Sie wurde gegründet im Jahre I960 in Bagdad. Gründer waren die fünfFörder- und Exportstaaten Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela.[6]

Die OPEC besteht heute aus elfMitgliedsländern: Algerien, Indonesien, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Venezuela und den Vereinigten Arabische Emiraten. Sie hat ihren Sitz in Wien und ihr Ziel ist es, die Erdölpolitik der Mitgliedsländer zu koordinieren und zu vereinheitlichen.[7]

Bis in die fünfziger Jahre wurde der internationale Ölmarkt fast vollständig von den sogenannten „Sieben Schwestern“ (Exxon, Mobil, Chevron, Texaco, Gulf, British Petroleum und Royal Dutch/Shell), großen multinationalen Ölgesellschaften, kontrolliert. Die Preisfestsetzung für Rohöl lag in deren Hand und der Lieferpreis für Rohöl, der sogenannte „Posted Price“, bildete die Grundlage zur Berechnung der an die Produzentenstaaten zu zahlenden Steuern.[8]

Als die sogenannten „Unabhängigen“ (kleinere und mittlere Ölgesellschaften in den USA) nach neuen Ölvorkommen fanden, forderten die alten Ölanbieterstaaten Produktionserhöhungen, um keine Verluste durch die neuen Exporteure einzufahren.

Aufgrund dessen kam es zu einem Überangebot an Öl und die „Sieben Schwestern“ mussten das Öl zum Teil unter dem Posted Price verkaufen, was selbstverständlich den betroffenen Anbieterstaaten nicht zusagte. So gründeten die Staaten Iran, Irak, Saudi­Arabien und Venezuela vier Wochen nach der Senkung des Posted Price die OPEC. In der folgenden Zeit konnten die OPEC-Mitgliedsstaaten die Gewinnaufteilung zu ihren Gunsten verschieben und die Erzeugerstaaten ersetzten das Steuerregime durch ein Regulierungsregime, was ihnen ermöglichte, Fördermengen festzusetzen sowie auf die Preise Einfluss zu nehmen. Schließlich erfolgte die Festsetzung des Posted Price durch die Produzentenstaaten.[9]

2.2 Strategien und Ziele der OPEC-Staaten

Die OPEC besteht heute, wie bereits erwähnt, aus elf verschiedenen heterogenen Staaten, welche auchjeweils unterschiedliche Ziele und Interessen bezüglich der Ölpolitik verfolgen. Blank unterscheidet innerhalb der OPEC-Staaten drei Gruppen:

1) High-Absorber als Preismaximierer

2) High-Absorber als Outputmaximierer

3) Low-Absorber

Die erste Gruppe zeichnet sich hauptsächlich aus durch „hohe heimische Absorptionsfähigeit bei geringen Pro-KopfReserven (sowie) [Anm. d. Verf.] hohe Produktion bei niedrigen Reserven“.[10]

Zu diesen Staaten gehören Indonesien, Nigeria, Ecuador, Algerien und Gabun. Ihr Ziel ist es, ihr Erdöl möglichst teuer zu verkaufen, um ihre knappen Ressourcen zu schonen.[11]

Die High-Absorber als Outputmaximierer wie Iran, Venezuela und Irak verfügen über

„hohe heimische Absorptionsfähigkeit bei großen Pro-KopfReserven.“[12]

Sie bedürfen hoher Exporterlöse und versuchen daher, bei hohen Preisen einen überproportional großen Anteil am Weltexportvolumen zu halten. Um die Low- Absorber Staaten zu Produktionsbeschränkungen zu veranlassen, neigen sie zu internen Kooperationen.[13]

Saudi-Arabien, Kuwait, Qatar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Libyen als Low-Absorber haben sehr große Pro-KopfReserven, aber geringe heimische Absorptionsfähigkeit. Da sie über Vermögensanlagen in den OECD-Staaten verfügen, ist ihr Ziel ein „niedriger und langfristig kalkulierbarer Erdölpreisanstieg, damit

a) keine Rezession in der Weltwirtschaft auftritt und so die Vermögensanlagen in den Industriestaaten auftritt und

b) auch langfristig noch Erdöl exportiert werden kann, um so zu vermeiden, daß die Industriestaaten als Folge hoher Erdölpreise Alternativtechnologien entwickeln, die den Absatz von Erdöl deutlich schwieriger, wenn nicht unmöglich machen.“[14]

2.3 Die OPEC - ein Kartell?

Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, besteht die OPEC aus verschiedenen Staaten, die mitunter sehr unterschiedliche Ziele verfolgen. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig zu Verhandlungen, um Entscheidungen hinsichtlich der zu verfolgenden Politik und die Quotenzuteilung zu treffen, wobeijeder Staat über unterschiedliche Verhandlungsmacht verfügt, welche wiederum abhängt von Förderkosten, aktueller Produktion, Reserven und Produktionskapazitäten.[15]

So gesehen ist die OPEC eine Kollusion von verschiedenen Staaten - Blank distanziert sichjedoch bezogen auf die OPEC vom Begriff„Kartell“, wenn man unter einem Kartell „eine Gruppe von Anbietern (versteht) [Anm. d. Verf.], die eine Politik verfolgt, die den gemeinsamen Nutzen maximiert und die neben der Zuteilung von Quoten diese auch durchsetzen kann.“[16]

[...]


[1] Wied-Nebbeling (2004); S. 226

[2] Vgl. http::/www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/finanzen/index,page= 1137128.html; 19.06.2006

[3] Vgl. Wied-Nebbeling (2004); S. 227

[4] Vgl. Wied-Nebbeling (2004); S. 227.

[5] Wied-Nebbeling (2004); S. 233.

[6] Vgl. http://richter-publizistik.de/07orgs/opec.html; 19.06.2006.

[7] Vgl. http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/finanzen/index,page=1204268.html; 19.06.2006.

[8] Vgl. Blank (1994); S. 21.

[9] Vgl. Blank (1994); S. 21 - 23.

[10]Blank (1994); S. 32.

[11]Vgl. Blank (1994); S. 33.

[12]Blank (1994); S. 33.

[13]Vgl. Blank (1994); S. 33.

[14]Blank (1994); S. 33f.

[15]Vgl. Blank (1994); S. 34.

[16]Blank (1994); S. 34.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kartelltheorie am Beispiel der OPEC
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Wirtschaftswissenschaft Abt. Gegenwartsbezogene Orientforschung)
Veranstaltung
Die Anwendung mikro- und makroökonomischer Daten auf die Wirtschaftsprobleme des Nahen Ostens
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V72106
ISBN (eBook)
9783638695336
ISBN (Buch)
9783638787147
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kartelltheorie, Beispiel, OPEC, Anwendung, Daten, Wirtschaftsprobleme, Nahen, Ostens
Arbeit zitieren
Stefanie Rustler (Autor), 2006, Kartelltheorie am Beispiel der OPEC, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72106

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