Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Bildlichkeit - eine geschichtsphilosophische Kategorie, oder: W. G. Sebalds Metaphysik der Koinzidenz

Titel: Bildlichkeit - eine geschichtsphilosophische Kategorie, oder: W. G. Sebalds Metaphysik der Koinzidenz

Seminararbeit , 2007 , 32 Seiten

Autor:in: Anton Distler (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Als Autor ragt W.G. Sebald vor allem mit seinen späten prosaischen Texten heraus, gefolgt von seinen späten, vor allem literaturwissenschaftlichen Werken zur österreichischen Literatur und zu randständigen Protagonisten. Sein literaturwissenschaftliches Frühwerk hingegen, das heisst seine Magisterarbeit über Carl Sternheim aus dem Jahre 1969 und seine Dissertation über Alfred Döblin von 1973, die 1980 in Druck ging, wird dabei in der deutsch- und englischsprachigen Rezeption grösstenteils vernachlässigt. Zu Unrecht, wenn man beachtet, wie sehr philosophiegeschichtlich fundiert und durchdacht seine sämtlichen Arbeiten sind. Nur aufgrund seiner wissenschaftlichen Sozialisation in jungen Jahren aber - die verbunden ist mit seinem Studienbeginn an der Universität Freiburg im Breisgau - wird sich das Spätwerk W.G. Sebalds, das heisst vor allem seine prosaischen Arbeiten seit den 90iger Jahren, angemessen einordnen und darin der Stellenwert der vielseitig verwendeten, typisch anmutenden Bildlichkeit Sebalds bemessen lassen.
Die literaturwissenschaftliche Einordnung, insbesondere der Prosawerke, fällt aufgrund der komplexen von Sebald behandelten Thematik schwer. Versuche gibt es dennoch viele, wobei die einen dazu tendieren, Sebalds Texte, die, so Claudia Albes, „gegenwärtig unter dem Schlagwort ›postmodernes Schreiben‹ gehandelt“ werden, „mit kunstvoller Oberflächlichkeit und Redundanz gleich[zusetzen].“ Und „deutsche Berufskollegen wie Georg Klein“, hält Rüdiger Görner fest, werfen ihm unter anderem „ein problematisch leidensselig-masochistisches Verhältnis zur Vergangenheit und eine unzulässige Intimität mit den Toten“ vor. Es steht wohl nicht in Rede, dass W.G. Sebald ein bekennender, zutiefst melancholischer und sich um stete Selbstvergewisserung bemühender Mensch war, der sich allmählich entwickelte vom „Literaturwissenschaftler zum Schriftsteller, zum Maler, genauer: zum Porträtmaler in impressionistischer Manier.“ Wie aber konnte diese Transformation vollzogen werden, so dass dessen Erzählstil nichts desto trotz oder gerade deshalb vor allem in Grossbritannien und in den USA bei Leser und Kritiker gleichermassen überwiegend positive Resonanzen hervorrief und hervorruft?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Betrachtungsweise der verwendeten Bildlichkeit

3. Sebalds, der Zerstörung gewidmete, geschichtswissenschaftliche Sozialisation und sein Geschichtsverständnis in Anlehnung an

3.1 Walter Benjamin

3.2 Theodor W. Adorno

3.3 Max Horkheimer

4. Schlussbetrachtung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die philosophisch fundierte Bildlichkeit im Werk von W.G. Sebald und analysiert, wie diese als Mittel zur Sinnstiftung in einer als zerstörerisch erfahrenen Geschichte fungiert, wobei eine Verbindung zur Kritischen Theorie (Benjamin, Adorno, Horkheimer) hergestellt wird.

  • Analyse der geschichtswissenschaftlichen Sozialisation Sebalds
  • Untersuchung der "Metaphysik der Koinzidenz" als zentrales Motiv
  • Vergleich der Sebaldschen Bildverwendung mit theoretischen Ansätzen von Roland Barthes
  • Verhältnis von Literatur, Geschichte und dem "beschädigten Leben"

Auszug aus dem Buch

3.1. Walter Benjamin

W.G. Sebalds Wirkungsästhetik erfährt vor allem durch sein schriftstellerisches Werk, seinem Roman Austerlitz, seinem prosaischen Naturgedicht Nach der Natur und seinen essayistischen Arbeiten in erster Linie zur deutschsprachigen, insbesondere zur österreichischen Literatur und deren randständigen Protagonisten - Martin Klebes bezeichnet sie zurecht als „Sebald`s Pathographies“ -, breite und zum Teil hochlobende Resonanz und Kritiken. Unbekannter sind seine ersten literaturwissenschaftlichen und -kritischen Arbeiten, die hier zur Einteilung und Scheidung seines Werkes in Früh- und Spätwerk als Leitfaden dienen sollen. Gerade in jenen zwei grossen, dem Frühwerk zuzurechnenden Arbeiten zu den Werken Carl Sternheims und Alfred Döblins versammelt und entfaltet Sebald all sein philosophie- und geschichtskritisches und während seines Studiums der Literaturwissenschaften „geschliffenes“ methodologisches Potential, welches im Spätwerk, also seinen Essays und in seinen ihn einem breiten Publikum bekannt machenden Prosawerken, sowohl in ästhetischer als auch in inhaltlicher bzw. thematischer Weise eindrücklich nachwirkt. Es lässt sich an dieser Stelle nur eine Verschiebung der Tonart behaupten, die im weiteren Erläuterung erfahren wird: Im Frühwerk noch selbstbewusst und methodisch-kritisch-rebellisch, wird Sebald im Übergang zum sich exponierenden Schriftsteller, respektive zum Spätwerk, zunehmend melancholischer und in seiner Kritik zwar subtiler, aber methodisch vager, was einer versuchten, komplizierten Synthese seines durch zahlreiche Theorien quasi schon belasteten und nun resignativ anmutenden Denkens geschuldet sein dürfte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet W.G. Sebald als hochdiskutierten Autor und begründet die Notwendigkeit, sein literarisches Spätwerk durch die Linse seiner wissenschaftlichen Sozialisation zu betrachten.

2. Allgemeine Betrachtungsweise der verwendeten Bildlichkeit: Dieses Kapitel untersucht Sebalds Bildverständnis in Anlehnung an Roland Barthes und dessen Kategorien von 'studium' und 'punctum'.

3. Sebalds, der Zerstörung gewidmete, geschichtswissenschaftliche Sozialisation und sein Geschichtsverständnis in Anlehnung an: Das zentrale Kapitel analysiert die philosophischen Einflüsse von Benjamin, Adorno und Horkheimer auf Sebalds Arbeit und sein Verständnis von Geschichte.

3.1 Walter Benjamin: Hier wird der ästhetisch-philosophische Einfluss Benjamins, insbesondere im Hinblick auf das Kunstwerk und die Geschichtsphilosophie, auf Sebalds Frühwerk und seine spätere Prosa dargelegt.

3.2 Theodor W. Adorno: Dieses Kapitel erörtert die Auseinandersetzung mit Adornos Konzept des "beschädigten Lebens" und dessen Resonanz in Sebalds Blick auf die Nachkriegsgeschichte.

3.3 Max Horkheimer: Die Analyse konzentriert sich auf Horkheimers Aufsatz "Metaphysik und Materialismus" und dessen Bedeutung für Sebalds Sinnsuche im Kontext einer vernunftkritischen Geschichtsbetrachtung.

4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, wie Sebalds Bildlichkeit als "melancholische Bastelei" eine Brücke zwischen kritischem Studium und ästhetischem Schaffen schlägt.

5. Literatur- und Quellenverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der primären und sekundären Literaturquellen.

Schlüsselwörter

W.G. Sebald, Bildlichkeit, Metaphysik der Koinzidenz, Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Kritische Theorie, Geschichtsphilosophie, Melancholie, Erinnerungsarbeit, Literaturwissenschaft, Austerlitz, Nach der Natur, traumatische Erfahrung, Ästhetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die philosophischen Grundlagen von W.G. Sebalds Literatur, insbesondere die Rolle seiner Bildlichkeit als Werkzeug zur Sinnstiftung innerhalb einer geschichtskritischen Perspektive.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Geschichtsverständnis, die philosophische Prägung durch die Frankfurter Schule und die Verbindung von Bild und Text im Werk Sebalds.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Sebalds literarisches Schaffen besser einzuordnen, indem seine frühen literaturwissenschaftlichen Arbeiten und die dort verarbeiteten theoretischen Einflüsse auf sein späteres Prosawerk bezogen werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine werkimmanente Analyse durchgeführt, die intertextuelle Bezüge zu philosophischen und literaturtheoretischen Schriften (insbesondere Benjamin, Adorno, Barthes) untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Sebalds Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie, seine Sicht auf die Fotografie sowie sein Verständnis von Geschichte und Natur als zentrale Kategorien diskutiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem "Metaphysik der Koinzidenz", "melancholische Bastelei", "Trauma", "Geschichtskritik" und "Bildlichkeit".

Wie beeinflusste Walter Benjamin Sebalds Werk?

Benjamin dient als Leitfigur für Sebalds methodischen Ansatz, insbesondere durch sein Verständnis von Allegorie, Geschichte und das Verhältnis des Künstlers zu den Ruinen der Vergangenheit.

Welche Rolle spielt die Fotografie in Sebalds Texten laut der Analyse?

Die Fotografie fungiert bei Sebald nicht nur als Dokumentation, sondern als "nomadisches" Element, das den Betrachter zur Reflexion über Zeit, Tod und Erinnerung anregt und eine Brücke zwischen dem Sichtbaren und dem Unsagbaren schlägt.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Bildlichkeit - eine geschichtsphilosophische Kategorie, oder: W. G. Sebalds Metaphysik der Koinzidenz
Hochschule
Universität Zürich  (Deutsches Seminar - Komparatistik)
Veranstaltung
Bildlichkeit und Erinnerung bei W. G. Sebald
Autor
Anton Distler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
32
Katalognummer
V72150
ISBN (eBook)
9783638716611
ISBN (Buch)
9783638717007
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildlichkeit Kategorie Sebalds Metaphysik Koinzidenz Bildlichkeit Erinnerung Sebald
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anton Distler (Autor:in), 2007, Bildlichkeit - eine geschichtsphilosophische Kategorie, oder: W. G. Sebalds Metaphysik der Koinzidenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72150
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  32  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum