Durch eine Vernetzung aller an der Gesundheitsversorgung in Deutschland Beteiligten und der Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte - als Ersatz für die bisherige Versichertenkarte - ist eine Verbesserung von Prozessabläufen möglich, die zu höherer Qualität und Effizienz im Gesundheitssystem führen kann. Die dazu erforderlichen Kommunikations- und Informationstechnologien sind heute verfügbar. Neben den automatisch ablaufenden Datenströmen, wie Abrechnungsdaten für die KVen, Abzweigung von pseudonymisierten und anonymisierten Daten für Statistiken und Patienteninformationssysteme wird es einen sehr sensiblen Bereich geben, der dem Selbstbestimmungsrecht des Patientens unterliegt, dessen „Herr der Daten“ nur der Patient sein kann und er folglich die Schlüsselgewalt darüber haben muss. Jeder Leistungserbringer wird weiterhin eigene Ordner über den Patienten verwalten, es sprechen aber gewichtige Argumente dafür, dass der Patient Mitbesitzer oder sogar Eigentümer seiner medizinischen Daten sein muss, wenn sie in den elektronischen Datenpool eingestellt werden. Die Entwicklung einer elektronischen Gesundheitskarte darf gesetzliche und zugesagte Patientenrechte nicht unberücksichtigt lassen; die Mitwirkungsbereitschaft von Patienten erhöht sich und eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit und Leistungstransparenz wird erreicht. Datenschützer appellieren eindringlich an die Datenhoheit der Patienten, denn sie sollen entscheiden, welche Daten gelöscht und welche Daten welchem Leistungserbringer zugänglich gemacht werden. Die Verwendung der Patientendaten soll nur innerhalb des gesetzlichen Rahmens und des bestehenden Schutzniveaus erlaubt werden. In Zukunft haben Patienten jederzeit selbst die Möglichkeit, Daten auf der Karte einzusehen und bekommen somit einen Überblick über erbrachte Leistungen und entstandene Kosten. Der sichere Zugang erfolgt über die Gesundheitskarte des Patientens zusammen mit der „Health Professional Card“ des Arztes oder anderer Leistungserbringer, für die jeweils unterschiedliche Zugangsberechtigungen zu Patientendaten gelten. Patient und Arzt müssen sich dabei authentifizieren, bspw. über biometrische Merkmale. Die Gesundheitskarte soll neben den Daten zur Identifizierung und Authentifizierung des Patientens nur eine Verweisfunktion auf die zukünftige elektronische Patientenakte sowie einen Notfalldatensatz enthalten. Durch diese Transparenz im Gesundheitswesen wird dem Patienten die Mündigkeit zugesprochen.
Inhaltsverzeichnis
1 Executive Summary
2 Einleitung
3 Hauptteil
3.1 Situation im Gesundheitswesen
3.1.1 Informationsdefizit als Kernproblem im Gesundheitswesen
3.1.2 Transparenz durch Vernetzung
3.2 Rahmenbedingungen der eGK
3.3 Card Enabled Network
3.4 Konzept: Kartenmodell
3.5 Datenschutz und „digital divide“
3.6 Der Mensch im Mittelpunkt
3.7 Sicherstellung informationeller Selbstbestimmung der Patienten
3.7.1 Datenschutzrechtliche Grundsätze
3.7.2 Weitergabe von Daten
3.7.3 Datenschutzfreundliche Techniken
3.7.4 Datenübertragung
3.7.5 Durchblick statt Einblick
3.8 Anforderungen an medizinische Daten
3.8.1 Arzneimitteldokumentation
3.8.2 Notfallrelevante Informationen aus Patientenpässen
3.9 Die eGK – ein Schlüsselprojekt für das Gesundheitswesen?
3.10 Messung des Nutzens einer eGK
4 Abschlussteil
4.1 Fazit
4.2 Ausblick
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in Deutschland, mit dem Ziel zu analysieren, ob diese als effizientes Behandlungsmodell dient oder primär ein Datenschutzproblem darstellt. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche Möglichkeiten die eGK für Patienten bietet und wie eine informationelle Selbstbestimmung in einem vernetzten Gesundheitssystem gewährleistet werden kann.
- Technologische Anforderungen und Sicherheitsmechanismen der eGK
- Bedeutung der informationellen Selbstbestimmung und des Datenschutzes
- Potenziale für Effizienzsteigerung und Qualität in der medizinischen Versorgung
- Herausforderungen durch die soziale digitale Spaltung ("digital divide")
- Strategien zur Akzeptanzförderung in der Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
3.6 Der Mensch im Mittelpunkt
Alles deutet darauf hin, das eHealth nicht nur eine Modeerscheinung ist; eHealth ist Kommunikationskonzept und Organisationsmittel zugleich. Der Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie ist Voraussetzung für die Optimierung des Gesundheitswesens: die eGK wird sowohl zur Effizienz- und Qualitätssteigerung als auch zur Kostensenkung beitragen.
Die Kombination von gesammelten Gesundheitsdaten, die sozial verantwortungsbewusst genutzt werden, mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ist Voraussetzung für die „Evidence-based Practice“ und ermöglicht ein bedürfnistorientiertes Gesundheitswesen. Der patientenorientierte Technologieeinsatz wird die Patientenbeziehung nicht ersetzen, sondern verbessern, und die Partizipation sowie das Selbstmanagement der Patienten fördern.
Als Dateneigentümer wird der Bürger differenzierte Ebenen von Vertraulichkeit festlegen, wobei er Detaillierungsgrad und Einblicktiefe der am Versorgungsprozess beteiligten Institutionen und Personen auf seine Krankengeschichte seinen Bedürfnissen anpassen kann. Für die Patienten steht der individuelle Krankheits- bzw. Gesundheitsaspekt im Vordergrund. Sie werden im ersten Schritt überwiegend von einer Stärkung des informellen Selbstbestimmungsrechtes mit Einblick in ihre medizinischen Daten und weniger Doppeluntersuchungen sowie größerer Sicherheit der Arzneimittelverordnungen profitieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Executive Summary: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über die Vernetzung im deutschen Gesundheitswesen durch die eGK und betont die zentrale Rolle des Patienten als "Herr der Daten".
Einleitung: Hier wird das IT-Vorhaben eGK als struktureller Wandel für das Gesundheitswesen eingeführt und das Spannungsfeld zwischen technischem Fortschritt und informationeller Selbstbestimmung abgesteckt.
Hauptteil: Dieser Teil analysiert detailliert die Ausgangslage, die technischen Rahmenbedingungen, Datenschutzanforderungen, die Rolle des Patienten sowie die Messung des Nutzens und die gesellschaftliche Akzeptanz der Karte.
Abschlussteil: Das Fazit und der Ausblick fassen zusammen, dass Datenschutz und Sicherheit die Grundvoraussetzungen für den Erfolg der eGK sind, um bis 2010 eine bessere Vernetzung und Versorgungsqualität zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Elektronische Gesundheitskarte, eGK, Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung, Gesundheitswesen, Vernetzung, Patient, Datensicherheit, eHealth, eRezept, Arzneimitteldokumentation, Patientenrechte, Digital Divide, Telematik, Versorgungsqualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der geplanten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte in Deutschland und analysiert kritisch das Spannungsfeld zwischen effizienter medizinischer Versorgung und dem Schutz sensibler Patientendaten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den technischen Grundlagen, den gesetzlichen Rahmenbedingungen des Datenschutzes, der Wahrung der Patientenrechte sowie der Bedeutung einer erfolgreichen Kommunikationsstrategie für die Akzeptanz der Technologie.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu erörtern, ob die eGK ein Fortschritt für ein effizientes Behandlungsmodell ist oder ein unkalkulierbares Datenschutzrisiko darstellt, wobei die informationelle Selbstbestimmung des Patienten den roten Faden bildet.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema, ergänzt durch eine deskriptive Analyse von Umfragedaten des Bundesministeriums für Gesundheit zur Akzeptanz der Gesundheitskarte.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den Rahmenbedingungen insbesondere Konzepte wie das "Card Enabled Network", technische Aspekte der Datenübertragung, Anforderungen an medizinische Daten sowie Strategien zur Nutzerakzeptanz detailliert erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie informationelle Selbstbestimmung, Datenschutz, elektronische Gesundheitskarte (eGK), Patientenzentrierung und Vernetzung des Gesundheitswesens geprägt.
Warum spielt die "Health Professional Card" eine wichtige Rolle?
Die HPC fungiert als Sicherheitsinstrument für Leistungserbringer wie Ärzte, um in Verbindung mit der Karte des Patienten eine sichere, authentifizierte Identifikation und Zugriffskontrolle zu ermöglichen.
Welches Problem beschreibt der Begriff "digital divide" im Kontext der eGK?
Der Begriff beschreibt die soziale Ungleichheit beim Zugang zu IT-Infrastrukturen, was dazu führen könnte, dass bestimmte Patientengruppen aufgrund mangelnder technischer Möglichkeiten benachteiligt werden.
Wie soll das Problem der Notfalldaten auf der Karte gelöst werden?
Die Arbeit schlägt vor, für Notfälle wichtige Informationen wie Allergien oder Medikation auf der Karte zu speichern, während bei komplexeren Ausweisen nur auf deren Existenz und Ablageort verwiesen werden sollte, um die Praxistauglichkeit zu wahren.
- Quote paper
- Dipl.-Betriebswirtin (FH) Julia Zotter (Author), 2005, Der gläserne Patient – Effizientes Behandlungsmodell oder: Welche Möglichkeiten stellt die elektronische Gesundheitskarte für den Patienten dar?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72221