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Die Abkehr von teleologischen Weltbildern - Jean-Jacques Rousseaus modernes Denken

Title: Die Abkehr von teleologischen Weltbildern - Jean-Jacques Rousseaus modernes Denken

Term Paper , 2007 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anne Waldow (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Die Vorstellung, dass menschliche Handlungen und natürliche Prozesse aus einem Ziel oder einem Zweck heraus bestimmt sind, hat in der Philosophie eine lange Geschichte. Sie beginnt in einfachsten Formen in der Antike, genauer mit der Literatur HOMERs, in der aus der Darstellung einer polytheistischen Götterwelt menschliche Organisationsformen wie z.B. die Familie abgeleitet werden. Sophisten sehen den Menschen dann als ein Wesen, das sich gegenüber Tieren nur behaupten kann, weil es von den Göttern bestimmte Fähigkeiten geschenkt bekommen hat. Dieser Gedanke wird von SOKRATES (470-399 v. Chr.) aufgegriffen, wobei er den Göttern eine Sorge um den Menschen zuspricht, die ihm hilft, sich zu perfektionieren. Zur klassischen Teleologie schließlich kann ARISTOTELES (384-322 v. Chr.) gezählt werden. Seine Schriften prägten die philosophischen Wissenschaften über Jahrtausende hinweg und werden auch heute noch rezipiert. Dessen ungeachtet, gab erst Christian WOLFF (1679-1754) der Lehre von der Zielgerichtetheit menschlichen Handelns den Namen »Teleologie«. Noch in demselben Jahrhundert kamen kritische Stimmen auf, die dieses Gedankengut vehement abwehrten. Zu den bedeutendsten dieser Philosophen zählt Jean-Jacques ROUSSEAU (1712-1778), der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Anthropologie entwarf, die im Gegensatz zu der ARISTOTELES´ und WOLFFs steht. Welche Argumente und Begriffe der ROUSSEAU´schen Lehre darauf aufmerksam machen, soll in der vorliegenden Hausarbeit geklärt werden, die im Rahmen eines Seminars über die Anthropologie und Staatstheorie Jean-Jacques ROUSSEAUs entstand. Dieses Ziel macht zunächst eine Betrachtung teleologischer Weltbilder in der politischen Ideengeschichte notwendig. ARISTOTELES und WOLFF, die dem zielgerichteten Handeln im individuellen wie politischen Bereich eine wichtige Rolle zuweisen, sollen dabei klassische Vertreter dieses Denkens darstellen. Der Fokus der Arbeit liegt darüber hinaus auf der stark modifizierten Lehre ROUSSEAUs im Zeichen der Aufklärung und deren Konsequenzen für Mensch und Staat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Teleologische Weltbilder – eine Einleitung

2 Teleologische Lehren in der Philosophie

2.1. ARISTOTELES´ klassische Teleologie

2.2. Das Streben nach »Vollkommenheit« als Naturrecht – Christian WOLFF

3 Die Abkehr von teleologischen Weltbildern – ROUSSEAUs neuzeitliches Denken

3.1. Der Begriff »Perfektibilität« und dessen Herleitung aus dem Naturzustand

3.2. Von individueller zu politischer Freiheit – Legitimation von Staatlichkeit

4 Konträre Rezeptionen der Teleologie in der Neuzeit – abschließende Betrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des teleologischen Denkens in der politischen Philosophie vom antiken Verständnis des Aristoteles bis hin zur kritischen Abkehr durch Jean-Jacques Rousseau. Dabei soll geklärt werden, wie Rousseau durch den Begriff der „Perfektibilität“ ein neues Menschen- und Staatsverständnis etablierte, das sich fundamental von der traditionellen zielgerichteten Anthropologie unterscheidet.

  • Vergleichende Analyse teleologischer Weltbilder
  • Aristotelische Teleologie und das Konzept der „Vollkommenheit“ bei Christian Wolff
  • Rousseaus Kritik an teleologischen Fortschrittsannahmen
  • Bedeutung der „Perfektibilität“ für die Anthropologie Rousseaus
  • Legitimation von Staatlichkeit und Freiheit bei Rousseau

Auszug aus dem Buch

3.1. Der Begriff »Perfektibilität« und dessen Herleitung aus dem Naturzustand

Der Begriff »Perfektibilität« war zur Zeit der Aufklärung ein gebräuchlicher in der französischen Philosophie. 1771 wurde das Wort lexikalisch erstmals erschlossen, tauchte jedoch mündlich schon um 1750 bei dem Franzosen Anne Robert Jacques TURGOT (1727-1781) auf. Im Allgemeinen wurde der Begriff positiv besetzt und explizierte, dass der Menschen seine eigene Zukunft bewusst gestalten kann. Nicht göttliches Schicksal bestimmt menschlichen Fortschritt, sondern der Mensch selber. Der Begriff verkörpert eine Abkehr vom klassisch-zyklischen hin zu einem linearen Prozessdenken; von resignierter Fügung unter Gott zu aktiver Gestaltung individueller Lebenswege.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass ROUSSEAU diesen Begriff im Ersten Diskurs seiner Schrift Diskurs über die Ungleichheit nicht ausführlich definiert und scheinbar beiläufig übernimmt. Seine Begriffsbestimmung distanziert sich jedoch von der traditionellen Definition seiner Zeit so stark, dass die bis dahin einheitliche Bedeutung des Wortes in der Wissenschaft unklar wurde. ROUSSEAU wendet sich deutlich von den ausschließlich positiven Denotationen des Begriffes ab und verleiht ihm einen ambivalenten Charakter: Perfektibilität befähigt den Menschen, sich grundsätzlich in alle Richtungen weiterentwickeln zu können. Der Selbstvervollkommnungsprozess kann zur Ausbildung von körperlicher Reife, vernünftigen Denken und sittlichen Handeln führen. Jedoch besteht dazu keine naturrechtliche Verbindlichkeit. Jedes menschliche Wesen und die Menschheit im Allgemeinen können sich ebenso in einem Prozess der Verschlechterung und Entartung befinden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Teleologische Weltbilder – eine Einleitung: Die Einleitung gibt einen historischen Überblick über den Begriff der Teleologie in der Philosophiegeschichte und definiert den Fokus auf den Gegensatz zwischen den klassischen Modellen und der Lehre Rousseaus.

2 Teleologische Lehren in der Philosophie: Dieses Kapitel erläutert die aristotelische Auffassung des Menschen als „staatliches Wesen“ sowie die darauf aufbauende, rationalistisch geprägte Vollkommenheitslehre von Christian Wolff.

3 Die Abkehr von teleologischen Weltbildern – ROUSSEAUs neuzeitliches Denken: Hier wird untersucht, wie Rousseau durch den ambivalenten Begriff der Perfektibilität die anthropologischen Grundlagen der Aufklärung hinterfragt und sein eigenes Verständnis von gesellschaftlicher Vergesellschaftung entwickelt.

4 Konträre Rezeptionen der Teleologie in der Neuzeit – abschließende Betrachtung: Die abschließende Betrachtung resümiert den radikalen Wandel, durch den Rousseau die bisher vorherrschende teleologische Deutung der menschlichen Geschichte vollständig ablöst.

Schlüsselwörter

Teleologie, Aristoteles, Christian Wolff, Rousseau, Perfektibilität, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Anthropologie, Staatstheorie, Freiheit, Vollkommenheit, Aufklärung, Politische Theorie, Ideengeschichte, Emanzipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung und den anschließenden Bruch mit teleologischen (zielgerichteten) Weltbildern in der politischen Ideengeschichte, mit besonderem Fokus auf den Wandel vom antiken Verständnis hin zur Moderne durch Jean-Jacques Rousseau.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die antike Teleologie des Aristoteles, die rationale Naturrechtslehre von Christian Wolff und die darauf folgende philosophische Gegenbewegung Rousseaus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die spezifischen Argumente und Begriffe der Rousseau’schen Anthropologie zu identifizieren, die eine Abkehr von der klassischen Zielgerichtetheit menschlichen und staatlichen Handelns begründen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, um die philosophischen Konzepte anhand von Primärquellen und einschlägiger Forschungsliteratur ideengeschichtlich zu rekonstruieren.

Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der „Perfektibilität“ bei Rousseau und dessen Verständnis von Staatlichkeit als künstliches Konstrukt, im Gegensatz zu den natürlich gewachsenen Staatsmodellen seiner Vorgänger.

Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?

Besonders prägend sind „Perfektibilität“, „Vollkommenheit“, „Naturzustand“, „Gesellschaftsvertrag“ und „Teleologie“.

Was bedeutet „Perfektibilität“ bei Rousseau im Vergleich zur zeitgenössischen Auffassung?

Während der Begriff zur Zeit der Aufklärung meist positiv als linearer Fortschritt verstanden wurde, verleiht Rousseau ihm einen ambivalenten Charakter, der sowohl Entwicklung als auch Verfall (Korruption) des Menschen einschließt.

Warum lehnt Rousseau laut der Arbeit den aristotelischen Staatsbegriff ab?

Rousseau sieht den natürlichen Menschen als ein isoliertes Wesen ohne inhärenten politischen Zweck; für ihn ist der Staat ein künstlicher Vertrag, der den Menschen den Anforderungen der Zivilisation anpassen muss, anstatt auf einer biologischen Notwendigkeit zu basieren.

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Details

Title
Die Abkehr von teleologischen Weltbildern - Jean-Jacques Rousseaus modernes Denken
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Institut für Polititkwissenschaft)
Grade
1,0
Author
Anne Waldow (Author)
Publication Year
2007
Pages
17
Catalog Number
V72294
ISBN (eBook)
9783638629485
Language
German
Tags
Abkehr Weltbildern Jean-Jacques Rousseaus Denken
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anne Waldow (Author), 2007, Die Abkehr von teleologischen Weltbildern - Jean-Jacques Rousseaus modernes Denken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72294
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