Die folgende Staatsarbeit beschäftigt sich mit einer in Schulen und Wissenschaft hochaktuellen Thematik, Lese-Rechtschreibschwäche (LRS). Oft wird bei Kindern eine LRS vermutet, für die jedoch keine eindeutige Erklärung vorliegt. Wie kann eine LRS diagnostiziert werden und welche Fördermöglichkeiten können seitens der Eltern, der Schule, und der Gesellschaft geboten werden, um Kindern wie Nadja das Lesen und Schreiben zu erleichtern?
Immer wieder suchen Eltern, Lehrer und die pädagogische sowie medizinische Forschung nach Ursachen einer LRS. Da bis heute immer wieder visuelle Wahrnehmungsstörungen als Hauptursache für LRS angenommen werden und einen intensiven Teil der Forschungspraxisbilden, wird in der vorliegenden besonders auf visuelle Schwächen, sowohl hinsichtlich der Diagnose, als auch der Förderung bei diagnostizierten Mängeln der Schriftsprache Bezug genommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hinführung zur Thematik und Aufbau der Arbeit
3. Überblick über Lese– Rechtschreibschwäche (LRS)
3.1 Historischer Abriss des Begriffs LRS
3.2 Definitionen
3.3 Erlasslage in NRW
3.4 Anzeichen und Symptomatik der LRS
3.4.1 Symptome einer Lesestörung
3.4.2 Schwächen in der Rechtschreibung:
3.4.3 Sekundäre, begleitende Symptome
3.5 Mögliche Risikofaktoren und Ursachenannahmen der LRS
3.5.1 Störungen des Speicherns, Behaltens und Abrufs
3.5.2 Individuelle körperliche Faktoren
3.5.2.1 Motorische Auffälligkeiten
3.5.2.2 Linkshändigkeit
3.5.3 Genetische „Vorbelastung“
3.5.4 Soziale und kognitive Faktoren
3.5.5 Schulische Bedingungen
3.5.6 Defizite der auditiven Wahrnehmung und sprachliche Defizite
3.5.7 Defizite in der visuellen Informationsverarbeitung
3.5.7.1 Visuelle Wahrnehmung und cerebrale Funktionen
3.5.7.1.1 Grundlagen des Sehens und der Verarbeitung visueller Seheindrücke
3.5.7.1.2 Physiologische Grundlagen des Lesens
3.5.7.2 Voraussetzungen einer guten visuellen Wahrnehmung
3.5.7.2.1 Blicksteuerung und Dynamisches Sehen
3.5.7.2.2 Optische Differenzierung
3.5.7.3 Defizite der visuellen Wahrnehmung bei LRS
3.5.7.3.1 Fehlerhafte Blickbewegungen
3.5.7.3.2 Heterophorie und „Winkelfehlsichtigkeit“
4. Diagnose von LRS
4.1 Stellenwert und Bedeutung der Diagnose
4.2 Förderdiagnostik
4.3 Multiaxiale Diagnostik
4.4 Psychodiagnostische Verfahren zur Früherkennung von LRS
4.4.1 Bielefelder Screening (BISC)
4.4.2 Differenzierungsprobe (DP)
4.4.3 Psycholinguistischer Entwicklungstest (PET)
4.4.4 Körperkoordinationstest für Kinder (KTK)
4.5 Hilfsangebote für Eltern und Lehrer
4.6 Standardisierte Testverfahren
4.6.1 Intelligenztests
4.6.2 Rechtschreibtests
4.6.3 Lesetests
4.7 Diagnose visueller Wahrnehmungsdefizite
4.7.1 Visuelle Auffälligkeiten
4.7.2 Augenärztliche, orthoptische und optometrische Untersuchungen
4.7.3 Testung visueller Wahrnehmungsfähigkeiten
4.7.3.1 Berücksichtigung der visuellen Wahrnehmung in ausgewählten Verfahren
4.7.3.2 Standardisierte Tests zur visuellen Wahrnehmungsfähigkeit
4.7.3.2.1 Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung (FEW)
4.7.3.2.2 Test zur Prüfung optischer Differenzierungsleistungen (POD)
5. Fördermöglichkeiten für Kinder mit LRS
5.1 Schulische Förderung
5.1.1 Interne Förderung
5.1.2 Externe Förderung (Förderunterricht)
5.2 Außerschulische Fördermaßnahmen
5.2.1 In einer Fördereinrichtung
5.2.2 Zu Hause
5.3 Okuläre Therapien und Fördermöglichkeiten der visuellen Wahrnehmung
5.3.1 Okuläre Therapie
5.3.1.1 Prismenbrille
5.3.1.2 Okkulsionstherapie
5.3.1.3 Rasterbrille
5.3.1.4 Irlen- Therapie
5.3.2 Hinweise und Übungsanregungen für den Unterricht
5.3.3 Hilfen zur Erleichterung des Lese- Rechtschreibprozesses
5.3.4 Förderkonzept nach Marianne FROSTIG
5.3.5 Training mit Computerprogrammen
5.3.6 Außerschulisches, institutionelles Training visueller Funktionen
5.3.6.1 Optometrisches Visualtraining
5.3.6.2 Erfahrungen des Visualtrainings mit Sarah in England
5.3.7 Hinweise und Übungsanregungen zur visuellen Wahrnehmungsförderung durch die Eltern
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Lese- Rechtschreibschwäche (LRS) mit einem besonderen Fokus auf visuelle Wahrnehmungsdefizite. Ziel ist es, Eltern und Lehrkräften auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Medizin und Pädagogik Hilfestellungen für eine frühzeitige Diagnose und effektive Fördermöglichkeiten zu bieten, um Lernrückständen und einer Stigmatisierung der betroffenen Kinder entgegenzuwirken.
- Grundlagen und Symptomatik der Lese- Rechtschreibschwäche
- Diagnostische Verfahren zur Früherkennung und Förderdiagnostik
- Visuelle Wahrnehmungsstörungen als zentrale Risikofaktoren
- Schulische und außerschulische Interventionsmöglichkeiten
- Okuläre Therapieansätze und Visualtraining
Auszug aus dem Buch
3.5.1 Störungen des Speicherns, Behaltens und Abrufs
Kinder mit Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben sind häufig nicht in der Lage, sich Wörter zu merken oder zu reproduzieren, geschweige denn sie nach einer Weile wieder zu erkennen.
Normalerweise wird ein Wort, kurz nachdem es visuell analysiert wurde, neurophysiologisch an das Gehirn „weitergegeben“, damit dort die Buchstaben, die Buchstabenfolge und die damit verbundene Lautverbindung eingeordnet und abgespeichert werden können. Die Informationen können dann in dieser Verknüpfung für bestimmte Zeit im Gedächtnis abrufbar sein um sie wieder zu verwenden und mit neu Gelerntem in Verbindung zu bringen.
Das Speichern, das Behalten und der Abruf der aufgenommenen und entschlüsselten Information (Buchstaben, Silben, Wörter oder sogar ganze Sätze) sind bei einer LRS je für sich oder kummulativ gestört. Diese Störung kann sich auf verschiedene Arten bemerkbar machen:
1) Die Speicherleistung kann sehr gering sein oder die wahrgenommene bzw. aufgenommene Information kann trotz intakter Speicherfunktion im Gehirn nicht mehr abgerufen werden.
2) Wort- Laut- Verbindungen können im Gedächtnis abgespeichert werden, sie sind jedoch nicht lange genug abrufbar, d.h. das Gedächtnis kann die Information nicht lange genug behalten.
3) Der Abruf könnte dadurch gestört sein, dass die visuelle Information den Speicher im Gedächtnis nicht zuverlässig genug erreicht.
Bemerkbar macht sich die Speicherschwäche im Zusammenhang mit der Störung des Behaltens und des Abrufs z.B. in der Rechtschreibleistung. Kennzeichnend sind Buchstabenauslassungen, Abschreibfehler oder eine Perpetuierung von Rechtschreibfehlern, die bei fast allen Kindern anfangs auftreten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung verdeutlicht die Relevanz der LRS-Thematik und stellt die Forschungsfrage nach effektiven Diagnose- und Fördermöglichkeiten unter Berücksichtigung visueller Schwächen.
2. Hinführung zur Thematik und Aufbau der Arbeit: Es wird die Komplexität visueller Wahrnehmungsprozesse dargelegt und die Notwendigkeit begründet, Eltern und Lehrern fundierte Hilfestellungen an die Hand zu geben.
3. Überblick über Lese– Rechtschreibschwäche (LRS): Dieser Abschnitt liefert eine theoretische Basis, definiert LRS historisch und medizinisch, erläutert Symptome und beleuchtet verschiedene Risikofaktoren, insbesondere visuelle und auditive Defizite.
4. Diagnose von LRS: Hier wird der Prozess der Diagnostik von allgemeinen Verfahren bis hin zur spezifischen Prüfung visueller Wahrnehmungsdefizite und der Einsatz standardisierter Tests beschrieben.
5. Fördermöglichkeiten für Kinder mit LRS: Das Kapitel widmet sich konkreten schulischen und außerschulischen Interventionsstrategien, diskutiert okuläre Therapieansätze sowie Trainingsprogramme und betont die Wichtigkeit der Elternarbeit.
6. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Appell, LRS-Kinder behutsam zu fördern, Druck durch Notengebung zu vermeiden und interdisziplinär zu handeln, um langfristige Erfolge zu sichern.
Schlüsselwörter
Lese- Rechtschreibschwäche, LRS, Legasthenie, Visuelle Wahrnehmung, Diagnostik, Förderdiagnostik, Winkelfehlsichtigkeit, Visualtraining, Schriftspracherwerb, Wahrnehmungsstörungen, Frostig, Therapie, Förderung, Schule, Eltern.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der wissenschaftlichen Arbeit?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Diagnose und den Fördermöglichkeiten bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche (LRS), wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Einfluss visueller Wahrnehmungsdefizite liegt.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Legasthenie, die Bedeutung der visuellen Wahrnehmung für das Lesen und Schreiben, verschiedene Diagnosemethoden sowie diverse schulische und außerschulische Interventionsansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis aktueller medizinischer und pädagogischer Erkenntnisse praktische Hilfestellungen für Eltern und Lehrpersonen zu entwickeln, um betroffenen Kindern eine frühzeitige Diagnose und wirksame Förderung zu ermöglichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Forschungsansätze sowie der Darstellung und kritischen Reflexion standardisierter Testverfahren und therapeutischer Methoden.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil konzentriert sich stark auf die Differenzierung von Risikofaktoren, die detaillierte Darstellung diagnostischer Tests zur Erfassung visueller Fähigkeiten sowie die Vorstellung verschiedener Förderkonzepte, inklusive okulärer Therapien.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie LRS, visuelle Wahrnehmungsstörungen, Förderdiagnostik, Legasthenie-Therapie, visuelle Informationsverarbeitung und optometrisches Visualtraining sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Was ist die Bedeutung der "Winkelfehlsichtigkeit" im Kontext dieser LRS-Forschung?
Die Arbeit diskutiert Winkelfehlsichtigkeit als ein mögliches visuelles Teilproblem, das durch eine fehlerhafte Zusammenarbeit der Augenmuskulatur entsteht und bei betroffenen Kindern einen hohen Energieaufwand beim Lesen erfordert, was oft zu Ermüdung und Fehlern führt.
Wie bewertet die Autorin den Einsatz von Visualtraining?
Die Autorin betrachtet Visualtraining als eine effektive Ergänzung, insbesondere bei nachgewiesenen visuellen Defiziten, betont jedoch die Notwendigkeit einer interdisziplinären Zusammenarbeit und warnt vor einer Überbewertung rein okulärer Ansätze ohne pädagogische Einbettung.
- Quote paper
- Anne Kirsten Meller (Author), 2005, Diagnose und Fördermöglichkeiten lese-rechtschreibschwacher Kinder unter besonderer Berücksichtigung visueller Wahrnehmungsdefizite, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72481