Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Während Subjektivierung, Entgrenzung und Vermarktlichung den Charakter der Arbeit schrittweise ändern, haben die daraus resultierenden neuen Rahmenbedingungen auch Einfluß auf die Organisationen der Arbeitnehmer: die Gewerkschaften. In dieser Arbeit wird zunächst Produktionsweise der vergangenen Jahrzehnte dargelegt, dann auf die traditionelle Politik der bundesdeutschen Gewerkschaften eingegangen, um anschließend die Folgen der Veränderungen in der Arbeitswelt für die Gewerkschaften darzustellen. Die aus Sicht des Autors verschärften Bedingungen für Arbeitnehmer setzen die Frage nach einer wirklichen Humanisierung der Arbeit (wieder) auf die Tagesordnung. Deshalb habe ich dem Kapital „Folgen für die Gewerkschaften“ einen Beitrag „Humanisierung der Arbeit“ nachgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellenlage und Definitionen
3. Fordismus und Taylorismus
4. Die bundesdeutschen Gewerkschaften
5. Veränderte Rahmenbedingungen
6. Folgen für die Gewerkschaften
7. Humanisierung der Arbeit
8. Fazit
9. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Arbeitswelt unter dem Einfluss ökonomischer und technologischer Veränderungen sowie deren Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit und Krise der deutschen Gewerkschaften. Dabei wird kritisch hinterfragt, wie Gewerkschaften auf neue Produktionsformen und Flexibilisierungsstrategien reagieren können.
- Analyse der historischen Entwicklung von Produktionsweisen (Fordismus und Taylorismus).
- Untersuchung der strukturellen Krise und der veränderten Rolle der Gewerkschaften.
- Diskussion über die Auswirkungen von Flexibilisierung, Outsourcing und Deregulierung.
- Kritische Betrachtung der sogenannten "Humanisierung der Arbeit" als Managementstrategie.
- Suche nach zukunftsfähigen gewerkschaftlichen Strategien in einer globalisierten Ökonomie.
Auszug aus dem Buch
3. Fordismus und Taylorismus
Der Begriff Fordismus bezeichnet im sozialwissenschaftlichen Sinne mehr eine Regulations- und Akkumulationsweise als eine Produktionsform. Oft werden die politischen und sozialen Strukturen ebenso darunter subsumiert. Das Fließband und seine an ihm arbeitenden Arbeiter sind das Zeichen der Zeit. Die unter dem Unternehmer Henry Ford „standardisierte Massenproduktion“ hat auch einen Typ des Massenkonsums hervorgerufen. Ideologische Begleitung für die Hochzeit des Fordismus war: die Idee des starken Konsumenten, der Massenkaufkraft und der Nachfragestimulierung. Keynesianismus und Wohlfahrtstaat prägten vor allem die 1970er in Westeuropa. Der massiven Entfremdung im Betrieb wurde der sichere Sozialstaat entgegengesetzt, was lange Zeit für relativen Wohlstand und sozialen Frieden sorgte.
Die von Taylor 1912 in den „Prinzipien wissenschaftlicher Betriebsführung“ veröffentlichten Grundsätze ergänzten sich mit der von Ford in seinen Chicagoer Autowerken erstmalig erprobten Mechanisierung der Arbeit. Trennung von Hand- und Kopfarbeit, Anpassung und Festlegung von Arbeitspensum sowie nicht zuletzt die Vermeidung von direkten Klassenauseinandersetzungen durch Einsetzen einer „Dienstklasse“ (K. Renner 1935) in Form von Experten, Ingenieuren und Betriebsleitern. Die Kombination aus beidem – Fabrikregime und soldatisches Funktionieren einerseits, Sozialpartnerschaft, sicherere Löhne und regulierender (Wohlfahrts-) Staat andererseits – sorgte mehrere Jahrzehnte für eine funktionierende Wirtschaftswelt, vornehmlich im postfaschistischen Westeuropa.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die industriesoziologische Perspektive auf die Entwicklung von Arbeit, Organisation und die Rolle der Gewerkschaften im Kontext einer sich wandelnden Wirtschaft.
2. Quellenlage und Definitionen: Der Autor bewertet die vorhandene Fachliteratur als ausreichend und ordnet die Zielsetzung der Arbeit sowie die Definition der betrachteten Gewerkschaften ein.
3. Fordismus und Taylorismus: Dieses Kapitel beschreibt die historischen Phasen des Fordismus und Taylorismus als Grundlage der industriellen Arbeitsorganisation und der Sozialpartnerschaft in Westeuropa.
4. Die bundesdeutschen Gewerkschaften: Es wird die historische Bedeutung des DGB als Machtfaktor im Wirtschaftswunder sowie der Wandel der gewerkschaftlichen Einheitsstruktur beleuchtet.
5. Veränderte Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel analysiert die aktuellen ökonomischen und technologischen Umwälzungen, die zu neuen Produktionskonzepten und zur Entgrenzung der Arbeit führen.
6. Folgen für die Gewerkschaften: Der Autor erörtert die Krise der Gewerkschaften durch schrumpfende Kernbelegschaften, Individualisierung und die abnehmende Bedeutung klassischer Arbeitsverhältnisse.
7. Humanisierung der Arbeit: Es wird kritisch dargelegt, inwiefern Konzepte zur Humanisierung der Arbeit oft lediglich strategische Managementinstrumente zur Steigerung der Produktivität unter "kontrollierter Autonomie" darstellen.
8. Fazit: Die Schlussbetrachtung fordert eine Abkehr von nationalstaatlich geprägten sozialpartnerschaftlichen Ansätzen hin zu transnationalen, offensiven gewerkschaftlichen Strukturen.
9. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Quellen, Fachbücher und Internetressourcen auf.
Schlüsselwörter
Gewerkschaften, Fordismus, Taylorismus, Arbeitswelt, Humanisierung der Arbeit, Sozialpartnerschaft, Postfordismus, Strukturwandel, Entgrenzung, Managementstrategien, Globalisierung, DGB, Mitbestimmung, Arbeitskämpfe, Prekarisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den historischen und gegenwärtigen Wandel der Arbeitswelt und untersucht, warum sich die deutschen Gewerkschaften derzeit in einer strukturellen Krise befinden.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Produktionsweisen (Fordismus), den Auswirkungen der Globalisierung, den Problemen bei der Mitgliederbindung und der Effektivität traditioneller gewerkschaftlicher Strategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu hinterfragen, wie die Gewerkschaften auf die neue ökonomische Realität reagieren und ob eine grundlegende Neuausrichtung notwendig ist, um wieder handlungsfähig zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer industriesoziologischen Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit gewerkschaftlichen Dokumenten sowie sozioökonomischen Strukturdaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen von Arbeitsformen, die Untersuchung der DGB-Strukturen, den Wandel der Rahmenbedingungen sowie eine kritische Hinterfragung von "Humanisierungs"-Konzepten im Management.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Strukturwandel, Entgrenzung, Prekarisierung, Sozialpartnerschaft und der Dialektik von Kontrolle und Autonomie im Arbeitsprozess.
Was kritisiert der Autor an den aktuellen Gewerkschaftsstrategien?
Der Autor bemängelt, dass Gewerkschaften zu sehr in alten Mustern des Fordismus verhaftet bleiben, anstatt sich den neuen Realitäten einer individualisierten, globalisierten Wirtschaft mit innovativen Mitteln zu stellen.
Wie bewertet der Autor den Begriff "Humanisierung der Arbeit"?
Der Autor sieht "Humanisierung" kritisch, da sie in der heutigen Praxis häufig von Unternehmensleitungen als Instrument genutzt wird, um durch "kontrollierte Autonomie" die Identifikation mit dem Betrieb zu erhöhen, ohne die tatsächliche Macht der Beschäftigten zu stärken.
- Quote paper
- Hannes Heine (Author), 2002, Der Wandel in der Arbeitswelt und die Krise der Gewerkschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72592