Grammatikerwerb des Deutschen im Kleinkindalter


Seminararbeit, 2006

15 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Themenstellung

3. Der Grammatikerwerb des Deutschen im Kleinkindalter
3.1 Der Zusammenhang zwischen Weltverstehen und Spracherwerb (BUTZKAMM)
3.2 Die Stadien des Grammatikerwerbs des Deutschen im Kleinkindalter (SZAGUN)
3.2.1 Die Einwortäußerungen
3.2.2 Die Zweiwortäußerungen
3.2.3 Die Drei- und Mehrwortäußerungen
3.2.4 Komplexe Strukturen

4. Anmerkung

5. Literaturverzeichnis:

6. Anlage: Handout zum Referat

1. Vorbemerkung

Die vorliegende Arbeit stellt die Verschriftlichung eines im Seminar gehaltenen Referats dar. Da ein Referat adressatenorientiert und zeitlich sehr begrenzt ist, kann diese Arbeit nicht den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Hausarbeit genügen und keine umfassende Darstellung des Grammatikerwerbs gewährleisten. Dem Referat lagen die Arbeiten von Gisela Szagun[1] und Wolfgang Butzkamm[2] zu Grunde.

2. Themenstellung

Das Thema „Grammatikerwerb des Deutschen im Kleinkindalter“ lässt sich genauer spezifizieren. Am einfachsten ist das betrachtete Alter der Kinder zu umreißen. Kleinkindalter meint in diesem Fall Kinder bis zum 5. Lebensjahr. Die so genannte Lall-Phase wird in diesem Zusammenhang außer Acht gelassen.

Der Grammatikerwerb der deutschen Sprache ist gesondert zu betrachten, weil jede Sprache sprachliche Phänomene unterschiedlich gelöst hat. Ein Vergleich der Pluralbildung zwischen dem Englischen und dem Deutschen verdeutlicht das Gemeinte. Es liegen uns für das Deutsche verhältnismäßig wenige detaillierte Studien in Form von Tagebuchaufzeichnungen vor. Zu nennen wären hier Beispielsweise die Veröffentlichung von Stern/Stern (1928), die die Aufzeichnungen der sprachlichen Entwicklung von drei Kindern zur Verfügung stellt. Darüber hinaus gibt es Untersuchungen von Miller zu einem Kind (1976) und von Clahsen zu drei Kindern (1982). Daneben existieren noch einige Studien. Es handelt sich bei allen Untersuchungen um Längsschnittstudien.[3]

Im Folgenden soll zuerst der Zusammenhang von Weltverstehen und Spracherwerb, wie ihn Butzkamm thematisiert, betrachtet werden. Im Anschluss erfolgt dann die Darstellung der Stadien des Grammatikerwerbs nach Szagun.

3. Der Grammatikerwerb des Deutschen im Kleinkindalter

3.1 Der Zusammenhang zwischen Weltverstehen und Spracherwerb (BUTZKAMM)

Am Anfang des Sprechens steht das Verhältnis zwischen Sprecher und Hörer: Der Sprecher will etwas erreichen und setzt dazu Sprache ein. Dies bezeichnet man als pragmatischen Aspekt des Spracherwerbs. Die Pragmatik gibt demnach das Ziel vor, welchem Semantik, also die Darstellungsfunktion des sprachlichen Zeichens, und Syntax, die rechte Ordnung unter den Zeichen, folgen. Die Syntax verstehen wir hier als Grammatik, das bedeutet gleichzeitig, dass Pragmatik und Semantik der Grammatik vorausgehen[4].

Als Keimzelle der Sprache gilt, so Butzkamm, das Zusammenspiel von Mutter und Kind. Standartsituationen zwischen den Eltern und dem Kind, wie etwa das Wickeln oder Füttern, werden vom Kind sehr schnell durchschaut. Die Eltern liefern die Sprache quasi gratis dazu. Das Kind weiß in einer routinierten Situation, was der Sprecher will. Es hat also den Sprecher verstanden, bevor es das Gesprochene versteht.

Kinder haben bereits Wörter und können mit ihnen kommunizieren, bevor sie eine erste Grammatik erworben haben. Diese frühen Äußerungen werden jedoch erst durch Hintergrundinformationen verstehbar. Hier liegt der Grund dafür, dass kleine Kinder meist von ihren Eltern oder Personen ihrer unmittelbaren, alltäglichen Umgebung besser verstanden werden, als von Fremden.

Mit zunehmender Mobilität will sich das Kind weitere Räume erobern. Da sich nun mehr Situationen ergeben, die sich noch dazu voneinander unterscheiden lassen, benötigt das Kind auch mehr Sprache um eben diese Situationen zu differenzieren und kommunikativ zu bewältigen. So lernt das Kind sehr schnell zu unterscheiden, wer etwas tut, worauf sich sein tun richtet, wer wo etwas tut und womit, wann und mit wem etwas geschieht. Diese Phänomene werden im Deutschen mit den grammatischen Fällen ausgedrückt.

Bevor ein Kind einzelnen Wörtern in einem Satz ihre thematische Rolle zuweisen kann, muss es, so Butzkamm, die Situation des Satzes erfahren, bzw. durchdacht haben. Butzkamm liefert hierzu das Beispiel von sinken und versenken.[5] Für das Verb sinken ist eine thematische Rolle von Belang, nämlich: Wer oder was sinkt? Andere Komponenten, wie etwa Zeit oder Ort, sind dabei erstmal unwichtig. Das Verb versenken jedoch enthält zwei thematische Rollen, nämlich die des Täters (Wer versenkt etwas?) und die des Betroffenen (Was wird versenkt?). So wissen beispielsweise schon zweijährige Kinder, dass der Satz: „Der nette Vater gibt ihm.“ nicht richtig ist. Da fehlt etwas. Dies weiß das Kind durch die bereits erworbene Welterfahrung. Die Grammatik resultiert also aus dem Verständnis, das ein Kind seiner Umwelt entnommen hat und ihr somit wieder entgegenbringen kann. Dazu gehören vor allem folgende Grunderfahrungen, die sich aus wiederholenden, wiederkehrenden Situationen oder Dingen ergeben:

1. Es gibt Dinge und Personen. (Objektpermanenz nach Piaget)
2. Es gibt mich und ich erziele eine Wirkung.
3. Es gibt Aktionen.
4. Dinge und Personen haben Eigenschaften.
5. Für all das gibt es Wörter.

Anfangs unterscheidet das Kind diese Erfahrungen, bzw. die damit verbundenen Wortarten anhand prägnanter Beispiele. Für Verben wären dies etwa Tätigkeiten, die es selbst tut, wie essen, trinken, schlafen. Als typische Eigenschaften gelten zum einen Farben, aber auch solche Phänomene, die ein Kind an sich selbst oder an Gegenständen feststellen kann, so beispielsweise müde, kalt, heiß oder schwer.[6] Das Kind arbeitet zunächst mit diesen markanten Fügungen, in dem es sie als Prototypen verwendet und neue Wörter in dieses Muster einfügt. Die Leistung des Kindes auf dieser Stufe der Entwicklung besteht in der Analogiebildung und Abstraktion.

In einem nächsten Schritt erkennt das lernende Kind formale Besonderheiten an Wörtern. Butzkamm verdeutlicht dies am Beispiel „ein großer Zeh“ und „ein großes Zelt“. Das Kind merkt, dass „Zeh“ und „Zelt“ bestimmen, wie groß „groß“ ist. Später erfasst es auch den formalen Unterscheid zwischen „großer“ und „großes“ und bemerkt, dass dies ebenfalls abhängig von „Zelt“ und „Zeh“ ist.[7] Der Grundstein für den Erwerb einer Grammatik ist bereits gelegt.

[...]


[1] Szagun, Gisela: Sprachentwicklung beim Kind. Weinheim: Beltz, 2001.

[2] Butzkamm, Wolfgang: Wie Kinder sprechen lernen. Tübingen, Basel 1999.

[3] Szagun: S. 30.

[4] im Folgenden Butzkamm S. 189 ff.

[5] Butzkamm: S. 197.

[6] Die letztgenannten Beispiele entstammen der Erfahrung der Verfasserin dieser Arbeit.

[7] Butzkamm: S. 198.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Grammatikerwerb des Deutschen im Kleinkindalter
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Grundlagen von Sprachlernprozessen und Leistungsmessungen im muttersprachlichen Deutschunterricht
Note
gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V72602
ISBN (eBook)
9783638733236
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grammatikerwerb, Deutschen, Kleinkindalter, Grundlagen, Sprachlernprozessen, Leistungsmessungen, Deutschunterricht
Arbeit zitieren
Mandy Schleer (Autor:in), 2006, Grammatikerwerb des Deutschen im Kleinkindalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72602

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