Es klingelt zur großen Pause. Jan läuft durch den Flur, dabei ist ihm Alexander im Weg, weshalb er ihn zur Seite schubst. Alexander lässt sich dies nicht gefallen und versteckt Jans Schulranzen, während dieser in der Pause ist. Nach der Pause betritt die Lehrerin das Klassenzimmer und kann die beiden Streitenden gerade noch trennen, bevor Schlimmeres passiert. Diese erfundene Situation spielt sich wahrscheinlich täglich an vielen Schulen so oder so ähnlich ab. Überall, wo Menschen gemeinsam leben, lernen und arbeiten, treten Konflikte auf. In der Schule gehören Konflikte zum Alltag von Lehrkräften und Kindern. Konflikte an sich sind nichts Negatives, sie spielen in der Entwicklung von Kindern eine wichtige Rolle. Allerdings müssen Kinder lernen, mit Konflikten angemessen umzugehen, ansonsten tun sie es wie in der oben beschriebenen Situation. Damit Kinder angemessen mit Konflikten umgehen und Konfliktlösungsstrategien entwickeln können, bedarf es geeigneter Methoden. In meinem B2-Praktikum an einer Haupt-
schule lernte ich den „Klassenrat“ als Konfliktlösungsmethode kennen. Im Rahmen eines Kompaktseminars im Sommersemester 2006 lernte ich die „Streitschlichtung“ als eine weitere Konfliktlösungsmethode kennen, weshalb es sich anbot, die beiden miteinander zu vergleichen.
Im Folgenden habe ich die beiden Konfliktlösungsmethoden hinsichtlich ihrer Vorteile und Ziele, ihrer Voraussetzungen und Organisation miteinander verglichen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, sowie die Grenzen der beiden Methoden herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition „Konflikt“
3 Klassenrat und Streitschlichtung
3.1. Ursprung und Definition
3.2 Vorteile und Ziele
4 Voraussetzungen
4.1 Für den Klassenrat
4.2 Für Die Streitschlichtung
5 Organisation
5.1 Des Klassenrates
5.1.1 Elemente
5.1.2 Ablauf
5.1.3 Konfliktmoderation
5.2 Der Streitschlichtung
5.2.1 Streitschlichterausbildung
5.2.2 Schlichtungsablauf
6 Grenzen des Klassenrates und der Streitschlichtung
7 Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die zwei schulischen Konfliktlösungsmethoden „Klassenrat“ und „Streitschlichtung“ hinsichtlich ihrer theoretischen Grundlagen, organisatorischen Voraussetzungen sowie ihrer spezifischen Vor- und Nachteile im Schulalltag.
- Vergleich von Klassenrat und Streitschlichtung als Methoden der Konfliktbewältigung
- Analyse der notwendigen Kompetenzen für Lehrkräfte und Schüler
- Strukturierung und organisatorische Abläufe beider Konzepte
- Identifikation von Gemeinsamkeiten und methodischen Unterschieden
- Erörterung der Grenzen der Anwendungsmöglichkeiten im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.1. Ursprung und Definition
Die Ursprünge des Klassenrats-Konzepts finden sich in den Disziplinen (Reform-) Pädagogik, Psychologie und Psychotherapie, vertreten durch die Autoren Freinet, Dreikurs und Gordon. Alle diese Autoren stützen sich in ihren Konzeptionen auf John Dewey, einen amerikanischen Philosophen und Pädagogen, dessen Gedanken zur Demokratisierung der schulischen Strukturen die Basis der weiteren Entwicklungen darstellen. Ich werde nur auf Freinets Vorstellungen des Klassenrates eingehen, da er mir als der bedeutendste Vertreter dieser Methode erscheint.
Celestin Freinet (1896-1966) war französischer Reformpädagoge und Dorfschullehrer. Seine Pädagogik baut darauf auf, dass jeder Schüler das Recht auf Verschiedenheit hat. Aus diesem Grund müsse die Schule die spezifischen Bedürfnisse der Schüler berücksichtigen. Wichtiger als das durch den Lehrer vermittelte Wissen, sei das Fördern der Fähigkeiten der Kinder, sich selbstständig Wissen anzueignen und zu erarbeiten. Daraus ergeben sich grundlegende Ziele für den Schulalltag wie z.B.:
freie Entfaltung der Persönlichkeit,
kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt,
Selbstverantwortung des Kindes,
kooperative Arbeit und gegenseitige Verantwortlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit von Konflikten in der Schule und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Methoden Klassenrat und Streitschlichtung zu vergleichen.
2 Definition „Konflikt“: In diesem Kapitel wird der Begriff Konflikt theoretisch hergeleitet und anhand wesentlicher Kennzeichen wie der Unvereinbarkeit von Handlungsabsichten definiert.
3 Klassenrat und Streitschlichtung: Dieses Kapitel widmet sich den historischen Wurzeln und Begriffsbestimmungen der beiden Konzepte, insbesondere unter Bezugnahme auf Celestin Freinet.
4 Voraussetzungen: Es werden die notwendigen personellen und kommunikativen Kompetenzen (z.B. Ich-Botschaften, aktives Zuhören) für Lehrkräfte und Schüler zur Implementierung der Methoden beschrieben.
5 Organisation: Das Kapitel erläutert detailliert die praktischen Umsetzungsschritte, von den Elementen des Klassenrats bis zur Ausbildung von Streitschlichtern.
6 Grenzen des Klassenrates und der Streitschlichtung: Hier werden die methodischen Limitationen aufgezeigt, insbesondere bei Fällen wie Mobbing oder komplexen Täter-Opfer-Konstellationen.
7 Abschließende Bemerkungen: Ein Fazit, das die Gemeinsamkeiten der Methoden hervorhebt und betont, dass beide als wertvolle, jedoch nicht als Allheilmittel fungierende Werkzeuge zu verstehen sind.
Schlüsselwörter
Klassenrat, Streitschlichtung, Konfliktlösung, Sozialkompetenz, Mediation, Freinet-Pädagogik, Ich-Botschaften, aktives Zuhören, Gewaltprävention, Schulklima, Demokratieerziehung, Perspektivenwechsel, Kommunikation, Selbstverantwortung, Konfliktmoderation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Vergleich zweier zentraler Methoden der schulischen Konfliktbearbeitung: dem Klassenrat und der Streitschlichtung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung, die organisatorische Durchführung sowie die Grenzen der Anwendbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Methoden herauszuarbeiten, um Lehrkräften eine Entscheidungsgrundlage für den Umgang mit schulischen Konflikten zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die auf den Konzepten renommierter Pädagogen und Mediatoren basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Methoden, die Analyse notwendiger Voraussetzungen (wie Gesprächstechniken) und eine detaillierte Beschreibung der organisatorischen Abläufe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Klassenrat, Streitschlichtung, Sozialkompetenz, Konfliktlösung, Mediation und Schulklima.
Warum ist der "Perspektivenwechsel" laut der Autorin so wichtig?
Der Perspektivenwechsel ermöglicht es den Beteiligten zu erkennen, dass es mehr als eine Sichtweise auf ein Problem gibt, und fördert so die Empathiefähigkeit und das Verständnis für das Verhalten anderer.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei beiden Methoden?
Obwohl die Methoden die Schüler zur Selbstständigkeit befähigen sollen, trägt die Lehrkraft weiterhin die Gesamtverantwortung und fungiert bei Bedarf als Moderator oder Supervisor.
- Citar trabajo
- Stefanie Schlegel (Autor), 2006, Klassenrat und Streitschlichtung - Zwei Konfliktlösungsmethoden im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72663