Die industrielle Revolution, welche zum Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhundert eine Wende der charakteristischen Strukturen in allen gesellschaftlichen Bereichen hervorrief, ging einher mit der Entstehung der Soziologie im Allgemeinen und der soziologischen Gesellschaftstheorie im Speziellen . Dies soll aber nicht heißen, dass die Soziologie als Wissenschaft hier ihre ersten Anfänge zeigte. Zumindest in ihrer Vorgeschichte lässt sie sich tatsächlich bis in die Antike und in das Mittelalter zurückverfolgen. Bereits Platon, Aristoteles, die Sophisten und Thomas von Aquin beschäftigten sich mit der Problematik des menschlichen Zusammenlebens . Bis heute wird die Soziologie des Öfteren als „Krisenwissenschaft“ bezeichnet, da sie im Zuge der Industriellen Revolution vorrangig die Schattenseiten der Moderne beleuchtet. Demzufolge richtete die frühe soziologische Gesellschaftstheorie ihre Aufmerksamkeit auf gesellschaftliche Herrschaft und soziale Ungleichheit, Verelendung, Traditions- und Gemeinschaftsverlust, Entfremdung und Anomie .
Vorrangig wurde hierbei die Ungleichheit der gesellschaftlichen Lebensverhältnisse betrachtet, da sich gesellschaftliches Sein und kulturell projektiertes Sollen im Zuge der Modernisierung in divergente Richtungen bewegten. Bezüglich dieser Thematik kristallisierte sich demzufolge in der sozialen Gesellschaftstheorie der bis in die Gegenwart fortbestehende Strang der Ungleichheitstheorien heraus. Er beinhaltet die marxistischen Klassentheorien, die Schichtungstheorien sowie neuere Denkansätze über soziale Verhältnisse und Lebensstile. Da die Ungleichheitstheorien für diese Arbeit keine Relevanz darstellen, werden sie im Folgenden nicht weiter erläutert. Ein weiterer Strang der sozialen Gesellschaftstheorie, welchen Schimank als Hauptstrang bezeichnet, stellt die differenzierungstheoretische Perspektive dar.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Phänomen der Arbeitsteilung als Ausgangspunkt für gesellschaftliche Differenzierung
- Adam Smith – Die Lehre der Arbeitsteilung als theoretische Grundlage
- Die Ursachen der Arbeitsteilung nach Adam Smith
- Die Ursachen der Arbeitsteilung nach Emile Durkheim
- Die differenzierungstheoretische Perspektive von Emile Durkheim
- Herbert Spencer als Ausgangspunkt
- Durkheims Unterscheidung von „einfachen“ und „höheren“ Gesellschaften nach ihrem Differenzierungsprinzip
- Die segmentär differenzierte Gesellschaft
- Die funktional differenzierte Gesellschaft
- Der Übergang zur funktionalen Differenzierung
- Die Arten der Solidarität
- Die „mechanische“ Solidarität
- Die „organische“ Solidarität
- Weitere Mechanismen zur Erklärung der „organischen“ Solidarität
- Kritik
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der differenzierungstheoretischen Perspektive von Emile Durkheim und untersucht, wie er die moderne Gesellschaft anhand eines Vergleichs mit der vormodernen zu erklären versucht. Darüber hinaus werden die Faktoren analysiert, die Durkheim zur Veranschaulichung des Zusammenhalts der Gesellschaft als Ganzes anführt.
- Das Phänomen der Arbeitsteilung als Ausgangspunkt für gesellschaftliche Differenzierung
- Die Unterscheidung zwischen „einfachen“ und „höheren“ Gesellschaften nach ihrem Differenzierungsprinzip
- Die Arten der Solidarität: „mechanische“ und „organische“ Solidarität
- Weitere Mechanismen zur Erklärung der „organischen“ Solidarität
- Kritik an Durkheims Theorie der „organischen“ Solidarität
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 legt den Grundstein für die Arbeit und betrachtet das Phänomen der Arbeitsteilung als Ausgangspunkt für gesellschaftliche Differenzierung. Hier werden die Ansätze von Adam Smith und Emile Durkheim zur Erklärung der Arbeitsteilung beleuchtet.
Kapitel 3 widmet sich der differenzierungstheoretischen Perspektive von Emile Durkheim. Es werden „einfache“ und „höhere“ Gesellschaften dargestellt, wobei Durkheim beiden Gesellschaftstypen unterschiedliche Differenzierungsprinzipien zuordnet. Weiterhin wird die Verbindung zwischen den verschiedenen Arten der Solidarität in diesen Gesellschaftstypen und der gesellschaftlichen Integration der Individuen beleuchtet.
Kapitel 4 fasst verschiedene Kritikpunkte an Durkheims Theorie zusammen, die aufzeigen, dass die Natur der „organischen“ Solidarität weitgehend ungeklärt bleibt.
Schlüsselwörter
Die zentralen Begriffe und Konzepte dieser Arbeit sind: gesellschaftliche Differenzierung, Arbeitsteilung, Solidarität, „mechanische“ Solidarität, „organische“ Solidarität, einfache Gesellschaften, höhere Gesellschaften, Emile Durkheim.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen mechanischer und organischer Solidarität?
Mechanische Solidarität herrscht in einfachen Gesellschaften mit hoher Ähnlichkeit der Individuen. Organische Solidarität entsteht in modernen Gesellschaften durch Arbeitsteilung und gegenseitige Abhängigkeit.
Welche Rolle spielt die Arbeitsteilung bei Emile Durkheim?
Arbeitsteilung ist für Durkheim nicht nur ein ökonomisches Prinzip, sondern die Grundlage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Moderne.
Was versteht Durkheim unter einer „anomischen“ Arbeitsteilung?
Anomie bezeichnet einen Zustand der Regellosigkeit, in dem die soziale Integration versagt, weil die Arbeitsteilung nicht durch ausreichende moralische Normen unterfüttert ist.
Wie unterscheiden sich Durkheims und Adam Smiths Ansichten zur Arbeitsteilung?
Während Smith die ökonomische Effizienz betont, fokussiert sich Durkheim auf die soziale Integrationsfunktion und die moralischen Aspekte der Arbeitsteilung.
Warum wird die Soziologie oft als „Krisenwissenschaft“ bezeichnet?
Weil sie als Reaktion auf die Umbrüche der Industriellen Revolution entstand, um Phänomene wie soziale Ungleichheit, Entfremdung und den Verlust von Traditionen zu erklären.
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- Tina Mauersberger (Author), 2005, Differenzierung und Solidarität bei Emile Durkheim, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72678