Die vorliegende Studie beschäftigte sich mit folgenden Fragestellungen: Welchen Einfluss hat ein Kontrastintervall in Hörfunkwerbespots auf die Anteile der bewussten und unbewussten Erinnerung an die in den Werbespots präsentierten Produktnamen? Welchen Einfluss hat ein Kontrastintervall in Hörfunkwerbespots auf die Einstellung zu den in den Werbespots präsentierten Produktnamen? Welche Ergebnisse zeigt eine um sieben Tage verzögerte Erinnerungs- und Einstellungsabfrage (Delay) im Vergleich zur unmittelbaren Abfrage nach Präsentation der Hörfunkwerbespots? Die bewussten und unbewussten Erinnerungsanteile wurden mittels der Prozess-Dissoziations-Prozedur (PDP) von Jacoby (1991, 1998) geschätzt. Es konnte kein Einfluss eines Kontrastintervalls auf die Gesamterinnerungsleistung nachgewiesen werden. Ein Kontrastintervall verringerte die unbewussten Erinnerungsanteile, während ein Delay die bewussten Erinnerungsanteile verringerte. Im Zusammenhang mit der Einstellung konnte ein Mere-Exposure-Effekt nachgewiesen werden. Die Produkteinstellung korrelierte positiv mit den unbewussten Erinnerungsanteilen, nicht aber mit den bewussten. In der Bedingung eines Kontrastintervalls zusammen mit einem Delay korrelierten die unbewussten Erinnerungsanteile signifikant positiv mit der Produkteinstellung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Stand der Forschung
2.1 Hörfunk als Werbemedium
2.2 Bewusste und unbewusste Informationsverarbeitungsprozesse
2.3 Der Mere-Exposure-Effekt
2.4 Prozess-Dissoziation als experimentelles Paradigma
2.5 Empirische Ergebnisse
3. Methode
3.1 Stichprobe und Untersuchungsdesign
3.2 Material
3.3 Durchführung
4. Ergebnisse
4.1 Manipulation Checks (Auswertung auf Personenebene)
4.1.1 Schätzung der bewussten und unbewussten Erinnerungsanteile
4.1.2 Auswertung auf Personenebene
4.2 Auswertung auf der Produktebene
4.2.1 Untersuchung der Erinnerungsleistung
4.3 Untersuchung der Produkteinstellung
4.3.1 Deskriptive Darstellung der Daten zur Produkteinstellung
4.3.1 Unterschiede zwischen Kontroll- und Experimentalgruppe in der Produkteinstellung
4.3.2 Produkteinstellung und bewusste beziehungsweise unbewusste Erinnerungsanteile
4.3.3 Einfluss der Bedingungen Kontrastintervall und Delay auf die Produkteinstellung
4.4 Zusatzberechnungen
4.4.1 Der Zusammenhang von Vertrauen auf die eigene Intuition und Produkteinstellung
5. Diskussion der Ergebnisse
6. Implikationen für die Praxis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss eines Kontrastintervalls in Hörfunkwerbespots sowie eines verzögerten Abrufzeitpunkts (Delay) auf bewusste und unbewusste Erinnerungsanteile an Produktnamen sowie die resultierende Produkteinstellung. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie diese Faktoren gezielt genutzt werden können, um die Werbewirkung zu optimieren.
- Analyse von bewussten und unbewussten Gedächtnisprozessen bei Hörfunkwerbung
- Einsatz des Prozess-Dissoziations-Paradigmas (PDP) zur Differenzierung der Erinnerungsleistung
- Untersuchung des Mere-Exposure-Effekts auf die Einstellung zu Produktnamen
- Einfluss von Kontrastintervallen auf die Aufmerksamkeit und Erinnerung
- Bedeutung von zeitlichen Verzögerungen (Delay) zwischen Werbekontakt und Abfrage
Auszug aus dem Buch
2.4 Prozess-Dissoziation als experimentelles Paradigma
In vielen Studien konnte eine Dissoziation, also ein Auseinanderlaufen von expliziten und impliziten Gedächtnisleistungen nachgewiesen werden (Schacter, 1987). Am eindrucksvollsten zeigte sich dieses Phänomen bei Patienten mit Amnesie. Diese konnten zwar in Wortergänzungsaufgaben aus gelernten Wörtern unvollständige Wörter ergänzen, nicht aber zuvor gelernte Worte reproduzieren. Sie waren also zu einem expliziten, bewusstem Erinnern zuvor gelernten Materials nicht fähig, konnten aber durch implizites, unbewusstes Erinnern Worte ergänzen (Graf, Squire & Mandler, 1984).
Zur Messung bewusster und unbewusster Erinnerungsprozesse innerhalb einer Aufgabenstellung kann auf das experimentelle Paradigma der Prozess-Dissoziations-Prozedur (PDP) von Jacoby (1991, 1998) zurückgegriffen werden. Die Separierung der Anteile bewusster und unbewusster Informationsverarbeitungsprozesse erfolgt durch eine experimentelle Anordnung zweier unterschiedlicher Aufgabenbedingungen, der sogenannten Inklusions- und der Exklusionsbedingung. Bei der Inklusionsbedingung agieren bewusste und unbewusste Informationsverarbeitungsprozesse in die gleiche Richtung. Bei der Exklusionsbedingung laufen die Prozesse gegenläufig ab. Aus der Differenz der Aufgabenergebnisse beider Bedingungen lässt sich der Anteil der bewussten Informationsverarbeitung schätzen. Die Berechnung der Anteile bewusster und unbewusster Prozesse erfolgt unter der Annahme einer stochastischen Unabhängigkeit dieser beiden Prozesse (Jacoby, 1991).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird der theoretische Kontext der Hörfunkwerbung eingeführt und die zentrale Fragestellung bezüglich der bewussten und unbewussten Erinnerung sowie deren Einfluss auf die Einstellung dargelegt.
2. Der Stand der Forschung: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen zu Werbewirkung, Gedächtnisprozessen, dem Mere-Exposure-Effekt sowie dem methodischen Ansatz der Prozess-Dissoziation.
3. Methode: Beschrieben werden die Stichprobe, das experimentelle Design (2x2x2) sowie das verwendete Material und die Durchführung des Experiments.
4. Ergebnisse: Darstellung der empirischen Resultate unterteilt in Manipulation Checks, Analysen auf Personen- und Produktebene sowie zusätzliche Berechnungen zum Vertrauen auf die eigene Intuition.
5. Diskussion der Ergebnisse: Interpretation der Befunde im Vergleich zur bestehenden Literatur, Diskussion von Störfaktoren und methodischen Limitationen.
6. Implikationen für die Praxis: Ableitung konkreter Empfehlungen für Werbeverantwortliche zur Manipulation unbewusster Erinnerungsprozesse zur Steigerung der Werbewirkung.
Schlüsselwörter
Hörfunkwerbung, Kontrastintervall, Delay, bewusste Erinnerung, unbewusste Erinnerung, Prozess-Dissoziations-Prozedur, Mere-Exposure-Effekt, Produkteinstellung, Werbewirkung, Informationsverarbeitung, Gedächtnis, implizites Gedächtnis, explizites Gedächtnis, Vertrautheit, Aufmerksamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Gestaltungselemente in Hörfunkwerbespots, wie beispielsweise Kontrastintervalle, und zeitliche Verzögerungen die bewusste und unbewusste Erinnerung an Produktnamen sowie die Einstellung zu den Produkten beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Werbepsychologie, insbesondere die auditive Informationsverarbeitung, die Trennung von expliziten und impliziten Gedächtnisanteilen sowie die Einstellungsbildung bei Konsumenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verstehen, welche Faktoren die unbewusste Erinnerung und die Produkteinstellung beeinflussen, um daraus fundierte Empfehlungen für eine effektivere Gestaltung von Hörfunkwerbung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Studie nutzt das experimentelle Paradigma der Prozess-Dissoziations-Prozedur (PDP) von Jacoby, um die Anteile bewusster und unbewusster Erinnerungsprozesse zu separieren und zu quantifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst den Stand der Forschung, die detaillierte Beschreibung des methodischen Versuchsaufbaus, die Auswertung der erhobenen Daten und die Diskussion der Ergebnisse hinsichtlich der aufgestellten Hypothesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Hörfunkwerbung, Kontrastintervall, unbewusste Erinnerung, Prozess-Dissoziation und Produkteinstellung.
Wurde ein Kontrastintervall als wirksam zur Steigerung der Erinnerung identifiziert?
Nein, in dieser spezifischen Untersuchung konnte kein positiver Effekt des Kontrastintervalls auf die Gesamterinnerungsleistung nachgewiesen werden; teilweise waren die unbewussten Erinnerungsanteile sogar niedriger.
Welchen Einfluss hat ein zeitlich verzögerter Abruf (Delay) auf die Erinnerung?
Ein Delay von einer Woche reduziert signifikant die bewusste Erinnerungsleistung, während die unbewusste Erinnerungsleistung von dieser zeitlichen Verzögerung unbeeinflusst bleibt.
Wie korrelieren Erinnerungsprozesse mit der Produkteinstellung?
Es zeigte sich, dass die Produkteinstellung positiv mit den unbewussten Erinnerungsanteilen korreliert, wohingegen kein signifikanter Zusammenhang mit den bewussten Erinnerungsanteilen gefunden wurde.
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- M. Sc. Alex Scherz (Author), 2006, Kontrastintervall und Delay: Welchen Einfluss haben sie auf die Erinnerung an und die Einstellung zu Produktnamen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72748