Der zweite Brief Cyprians

Schauspieler und Theaterlehrer in der Gemeinschaft der Christen?


Seminararbeit, 2007

13 Seiten, Note: 2,0

Benjamin Finkenrath (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das antike Theater

3. Christliche Kritik am antiken Theater - Tertullian

4. Der zweite Brief Cyprians
4.1 Biographie Cyprians
4.2 Inhalt des zweiten Briefes
4.3 Analyse des Briefes

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das öffentliche Leben in der römischen Kaiserzeit, zu dem die frühen christlichen Gemeinden in einem spannungsvollen Verhältnis standen, war geprägt von der Omnipräsenz der ‚spectacula’, der Spiele. Im Jahr 354 n. Chr. fanden, laut dem Kalender des Philocalus, an der Hälfte aller Tage im Jahr Spiele statt, deren Zahl sich bei besonderen Anlässen noch erhöhte.[1] Als Teil der Volkskultur war diese Unterhaltungsindustrie ein Magnet für tausende Bürger, die sich zu Kämpfen in Amphietheatern, zu Wagenrennen im Circus, Gladiatoren-, und Tierkämpfen sowie Theateraufführungen von Dramen und Komödien zusammen fanden. Doch die junge Kirche grenzte sich entschieden von dieser Praxis ab und machte es für ihre Mitglieder verpflichtend, solchen Veranstaltungen fern zu bleiben. Auch die verhältnismäßig harmlose, weil unblutige, Schauspielerei, war in den Augen der ersten christlichen Autoren aufs schärfste zu verurteilen. Somit war es auch für Schauspieler, die zum Christentum übertreten wollten, schwer, Beruf und Berufung in Einklang zu bringen. Der zweite Brief Cyprians ist ein typisches Zeugnis dafür. Im Karthago des Jahres 249 behandelt er die Frage eines befreundeten Bischofs, ob Darsteller, die selber nicht mehr in ihrem Beruf aktiv sind, aber weiterhin durch Schauspielunterricht ihr Geld verdienen, in der Gemeinschaft der Kirche verbleiben dürfen. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie der nordafrikanische Kirchenvater in seiner Ablehnung der Schauspielerei argumentiert, ob er dabei von seinem Vorgänger Tertullian beeinflusst worden sein könnte und warum seiner Ansicht nach der Beruf des Theaterlehrers für einen Christen nicht akzeptabel ist. Grundlage hierfür sei die deutsche Übersetzung des lateinischen Textes von Julius Baer aus dem Jahr 1928.

2. Das antike Theater

Das europäische Theater fußt auf dem Dionysos-Kult der Griechen.[2] Zu Ehren dieses Gottes wurde gesungen und getanzt, es entstanden Wechselgesänge, Trink- und Festgesänge, vom Chor gemeinsam vorgetragen. 534 v. Chr. fügte Thespis einen Gegensprecher hinzu, der dem Chor gegenüber trat, und tat damit den ersten Schritt zur dramatischen Gestaltung. Aischylos führte den zweiten, Sophokles den dritten Schauspieler ein. Mit drei Schauspielern war das Ende der Entwicklung erreicht. Zunächst waren die Dichter zugleich die Schauspieler, erst seit Aischylos trennten sich beide Funktionen. Die Schauspielerei war im frühen Griechenland jedoch noch kein Beruf, denn die griechischen Theatervorstellungen wurden wegen ihres religiösen Charakters nur selten, im Rahmen von Festtagen, aufgeführt. Bei den Festen traten jeweils drei Dichter mit ihren Stücken gegeneinander an. Der Sieger erhielt einen dionysischen Efeukranz und einen Dreifuß. Er war verpflichtet für diesen einen Schrein zu Ehren des Dionysos zu bauen. Die Schreine wurden an der Tripodenstraße aufgebaut, einem Weg der die beiden Heiligtümer des Dionysos verband. Die Schauspieler genossen als Diener des Dionysos Privilegien, so waren sie vom Kriegsdienst befreit und hatten freies Geleit durch Feindesland. Daher wurden Sie häufig für diplomatische Missionen eingesetzt. Die Schauspieler im römischen Kaiserreich waren überwiegend Sklaven und Freigelassene aus den östlichen Provinzen, daher war ihre Tätigkeit dort nicht sehr angesehen. Des Weiteren wurden im Pantomismus und im pantomimischen Ausdruckstanz sehr oft Frauenrollen von jungen, männlichen Darstellern gespielt, die für ihr glaubwürdiges Auftreten sehr bewundert, aber auch verachtet wurden.[3]

3. Christliche Kritik am antiken Theater - Tertullian

Tertullian wurde um das Jahr 160 in Karthago geboren. Er absolvierte eine literarische, rhetorische und philosophische Ausbildung und verfügte über juristische Kenntnisse. Er bekehrte sich ca. 197 zum Christentum und starb nach 220. Vermutlich wirkte er als Lehrer der Katechumenen in Karthago, er war jedoch kein Kleriker.[4]

Tertullian ist prinzipiell gegen den Besuch des Theaters durch Christen.[5] In seiner Schrift Über die Spiele kritisiert er den Circus, das Amphitheater, sportliche Wettkämpfe und die Schauspielerei. Dabei räumt er ein, dass es für dieses Verbot keinen eindeutigen Beleg in der Bibel gibt, er verweist allerdings auf Psalm 1,1, wo es heißt: „Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt“. Tertullian erwähnt zwar, dass sich dieser Psalm auf David bezieht, der nicht an der Versammlung der Juden teilgenommen hat, als sie über die Tötung des Herrn beratschlagten, jedoch müsse die Heilige Schrift an allen Stellen weit ausgelegt werden.

Ein Verbot des Besuchs der Schauspiele für Christen leitet er aus dem Taufversprechen ab.

„Wenn es mithin feststeht, daß alles, was zu den Spielen gehört, vom Götzendienst herrührt, dann dürfte damit ein unumstößliches Präjudiz gegeben sein, daß unsre (sic!) Beteuerung des Widersagens bei der Taufe sich auch mit auf die Spiele bezieht; denn diese sind dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln zum Eigentum verfallen, durch den Götzendienst.“[6]

Das Theater war wie oben gesagt aus dem Götterkult heraus erwachsen, von dem die Christen sich distanzieren wollten, da es für sie Götzendienst war. Der Besuch im Theater würde somit für einen Christen Glaubensabfall bedeuten und wäre die schwerste Sünde, ein Verstoß gegen das Taufgelübte.

Ebenso verbietet Tertullian den Christen den Umgang mit Menschen, die zu den Schauspielen gehen. Den Christen sei befohlen, jede Unzüchtigkeit von sich fernzuhalten und das Theater sei der Tummelplatz der moralischen Verkommenheit, wo alles Beifall findet, das anderswo auf Ablehnung stößt.

„Daher setzt sich sein größter Zauber (der des Theaters, B.F.) meistens aus Unflätereien zusammen, welche der Atellanenspieler durch Gestikulationen ausdrückt, welche der mimische Schauspieler sogar in Weiberkleidern wirklich darstellt [...], welche endlich auch der Ballettänzer von Jugend auf an seinem Körper erduldet, um ein rechter Künstler sein zu können.“[7]

Das Tragen von Frauenkleidern ist für Männer in Dtn 22,5 untersagt. „Eine Frau soll nicht die Ausrüstung eines Mannes tragen und ein Mann soll kein Frauenkleid anziehen; denn jeder der das tut, ist dem Herrn, deinem Gott, ein Gräuel.“ Für Tertullian verträgt sich die Schauspielerei daher nicht mit den Geboten Gottes.

Des Weiteren ist Tertullian davon überzeugt, dass Gott keinen Gefallen an den Masken der Schauspieler hat, denn dieser sei gegen jegliche Nachbildung seiner Schöpfung, und erst recht die seines eigenen Ebenbildes. Tertullian bezieht sich dabei auf Ex 20,4 wo es heißt: „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“ Das Betreten der Veranstaltungsorte der Spiele zu einem Zeitpunkt außerhalb der Vorstellungen, mit einem triftigen Grund, der nicht mit dem eigentlichen Zweck dieses Ortes zu tun haben darf, ist laut Tertullian ohne Gefahr für den eigenen Glauben möglich. Ob Tertullian Cyprian bei seiner Argumentation beeinflusst haben könnte, soll noch untersucht werden.

[...]


[1] Vgl. Weismann, Werner: Kirche und Schauspiele. Die Schauspiele im Urteil der lateinischen Kirchenväter unter besonderer Berücksichtigung von Augustin, Würzburg 1972, 25.

[2] Für das Folgende: Blume, Horst-Dieter: Einführung in das antike Theaterwesen, Darmstadt 1978, 14.

[3] Vgl. Ders., Art. Theater, in: Der neue Pauly, Band 12, Stuttgart 2002, 254-274.

[4] Fürst, Alfons: Tertullian, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Band 9, Freiburg 2000, 1344-1348.

[5] für das Folgende: Tertullian: De spectaculis, Über die Schauspiele, Lateinisch/Deutsch übersetzt und eingeleitet von Kellner, Heinrich (Bibliothek der Kirchenväter 7/I), München 1912. Künftig zitiert: Tertullian: Schauspiele.

[6] Ders., 108.

[7] Tertullian: Schauspiele,123.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der zweite Brief Cyprians
Untertitel
Schauspieler und Theaterlehrer in der Gemeinschaft der Christen?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Was das Bischofsamt so alles mit sich bringt. Ausgewählte Briefe Cyprians
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V72928
ISBN (eBook)
9783638733458
ISBN (Buch)
9783638802895
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Karthago des Jahres 249 behandelt Cyprian die Frage eines befreundeten Bischofs, ob Darsteller, die selber nicht mehr in ihrem Beruf aktiv sind, aber weiterhin durch Schauspielunterricht ihr Geld verdienen, in der Gemeinschaft der Kirche verbleiben dürfen. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie der nordafrikanische Kirchenvater in seiner Ablehnung der Schauspielerei argumentiert, ob er dabei von seinem Vorgänger Tertullian beeinflusst wurde.
Schlagworte
Brief, Cyprians, Bischofsamt, Ausgewählte, Briefe, Cyprians
Arbeit zitieren
Benjamin Finkenrath (Autor:in), 2007, Der zweite Brief Cyprians , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72928

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