Diese Ausarbeitung setzt sich mit der Frage auseinander ob es PETER HANDKE in seiner modernen Auslegungen des Don Juan-Stoffes gelungen ist selbigen in das Gewand des 21. Jahrhunderts zu kleiden.
In diesem Sinne wird HANDKES Buch “Don Juan (erzählt von ihm selbst)“ kritisch betrachtet: Wird seine Don Juan-Interpretation überhaupt seiner Rolle gerecht? Ist dies, in unsere moderne Zeit gestellt, überhaupt möglich?
Bevor jedoch diese Frage beantwortet werden kann, beleucht der Text zunächst in historischer und inhaltlicher Hinsicht was einen “wirklichen“ Don Juan überhaupt ausmachen könnte. Letztendlich wird sich herausstellen das es nicht nur einen großen Unterschied zwischen der tradierten Don Juan-Figur und dem handkeschen Don Juan gibt. Vielmehr versucht der Text die Notwendigkeit der Weiterentwicklung literarischer Stoffe im Laufe der Zeit aufzuzeigen.
Nicht zuletzt wird dadurch auch versucht nachzuweisen woher diese Variation des Don Juan-Mythos ihre Daseinsberechtigung gegenüber der überwältigenden Anzahl der vor ihr erschienen Stoff-Adaptionen bezieht.
Schlagwörter: Don Juan, Handke, Mythos, Liebe, Emanzipation, Moderne, Gesellschaft
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was macht den Don Juan-Mythos aus?
2.1. Wann ist eine literarische Figur als Don Juan zu betiteln?
2.2. Das Verführermotiv.
3. Ist Peter Handkes Don Juan der Moderne noch ein Don Juan? – ein Vergleich.
4. Ein Mythos wird neu aufgelegt.
5. Abschluss.
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Peter Handkes Werk "Don Juan (erzählt von ihm selbst)" aus dem Jahr 2004 als moderne Interpretation des klassischen Don Juan-Mythos Bestand hat und wie sich die Figur in den Kontext gesellschaftlicher Rollenbilder des 21. Jahrhunderts einfügt.
- Analyse der Definition und der Kernelemente des traditionellen Don Juan-Mythos.
- Gegenüberstellung von Handkes Protagonisten mit klassischen Vorbildern.
- Untersuchung des Verführermotivs im Wandel der Zeit.
- Reflektion über den "Wandel der Männlichkeit" und die gesellschaftliche Funktion des Mythos.
- Bewertung der Modernisierung literarischer Stoffe als Spiegelbild soziokultureller Entwicklungen.
Auszug aus dem Buch
3. Ist Peter Handkes Don Juan der Moderne noch ein Don Juan? – ein Vergleich
Ich möchte für die folgende Betrachtung den traditionellen Typus des Don Juan heranziehen. Denn er ist es, an den die meisten von uns denken, wenn wir den Namen “Don Juan“ hören (ähnlich den Feministinnen in den Arkaden). Meine Entscheidung unterstützend finden sich im HANDKEbuch einige Anspielungen auf eben diesen klassischen Don Juan. Auf Seite dreizehn wird zum Beispiel geschildert, wie dem Auftritt Don Juans eine in den Garten fliegende Lanze voran geht. Obwohl sich diese bei genauerer Betrachtung als Haselstock herausstellt, könnte man sie dennoch als Symbol für die obligatorischen Degenduelle des klassischen Don Juans mit den betrogenen Ehemännern der Frauen deuten. Ein ähnliches Vergleichsfeld eröffnet sich durch den Umstand, dass HANDKEs Protagonist der Musik überdrüssig ist. Hier lässt sich vermuten, dass HANDKe sich damit bewusst vom Don Juan MOZARTs bzw. der Oper im Allgemeinen abgrenzen will.
Auf den ersten Blick widerspricht HANDKEs Don Juan klar dem, an das Buch herangetragenen, klassischen Vorverständnis einer Don Juan-Figur. Zwar entlehnt HANDKE dem Stoff Reichliches, verändert seinen Protagonisten aber gleichzeitig derart radikal, dass man meinen könnte es handle sich hierbei um das genaue Gegenteil des berühmten Verführers. Der eine ist Pragmatiker, der andere ein reiner Kopfmensch. Im Gegensatz zum Ur-Don Juan, welcher sich immer nur der Körperlichkeit hingibt, treibt HANDKEs Don Juan eine innere Trauer voran, aus der er seine Stärke zieht.
Trüge HANDKEs Don Juan also nicht diesen Namen, wäre sicher kaum ein Leser auf Anhieb geneigt anzunehmen, dass es sich hierbei um den prominenten Frauenhelden handeln soll. Der Verfremdungseffekt wird dadurch noch verstärkt, dass Don Juan hier kontextfremd in unsere Zeit gestellt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen dem populärkulturellen Bild des "Frauenfressers" und der spezifischen literarischen Neuinterpretation durch Peter Handke.
2. Was macht den Don Juan-Mythos aus?: In diesem Kapitel werden die historischen Wurzeln und die konstitutiven Elemente der Don Juan-Figur, insbesondere das Verführermotiv, kritisch hinterfragt.
3. Ist Peter Handkes Don Juan der Moderne noch ein Don Juan? – ein Vergleich.: Hier erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung von Handkes Protagonisten mit traditionellen Don Juan-Darstellungen, um dessen Charakteristika als modernen Identitätsentwurf herauszuarbeiten.
4. Ein Mythos wird neu aufgelegt.: Das Kapitel analysiert, warum die ständige Neuerfindung des Don Juan-Stoffes notwendig ist, um gesellschaftliche Veränderungen und das moderne Männerbild zu reflektieren.
5. Abschluss.: Die Abschlussbetrachtung resümiert, dass Handkes Don Juan den postmodernen Mann verkörpert und damit die Relevanz des Mythos im 21. Jahrhundert bestätigt.
Schlüsselwörter
Don Juan, Peter Handke, Literaturwissenschaft, Mythos, Verführermotiv, Männlichkeit, Postmoderne, Geschlechterrollen, Literaturanalyse, Stoffgeschichte, Identität, Sozialer Wandel, Texttheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Figur des Don Juan und untersucht, wie Peter Handke diesen Mythos in seinem Buch "Don Juan (erzählt von ihm selbst)" in das 21. Jahrhundert überträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Definition des Don Juan-Mythos, die Veränderung männlicher Rollenbilder in der Postmoderne und die Frage, wie literarische Stoffe gesellschaftliche Diskurse spiegeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Handkes Figur trotz einer radikalen Abweichung vom klassischen Bild berechtigterweise als Don Juan bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die das Werk Handkes mit literaturgeschichtlichen Definitionen und soziologischen Erkenntnissen über den "Wandel der Männlichkeit" vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Vergleich zwischen Handkes Don Juan und dem traditionellen Typus sowie der soziokulturellen Einordnung des Stoffes in den Kontext moderner Geschlechterbeziehungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Don Juan, Mythos, Literaturanalyse, Postmoderne, Geschlechterrollen, Männlichkeit und Stoffgeschichte.
Warum wird der "Verfremdungseffekt" bei Handkes Figur betont?
Der Autor argumentiert, dass Handkes Don Juan so konträr zum traditionellen "Frauenhelden" gezeichnet ist, dass er für den Leser zunächst fremd wirkt, wodurch eine neue Reflexion über das Wesen des Verführers provoziert wird.
Welche Rolle spielt die "Krise der Männlichkeit" in dieser Analyse?
Sie dient als soziologischer Erklärungsansatz, warum ein moderner Don Juan nicht mehr durch einfache Eroberung, sondern durch eine sensible, reflektierte Haltung in einer emanzipierten Gesellschaft definiert wird.
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- Marcel Nakoinz (Author), 2007, Ist Peter Handkes "Don Juan" des 21. Jahrhunderts noch ein Don Juan?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72961